
Produkttest
Nothing Phone (3a) im Test: eine Telekamera für das Mittelklasse-Smartphone
von Jan Johannsen

Vereinfachungen beim Design und dezente Verbesserungen der Ausstattung: Nothing macht sein Phone (4a) besser. Trotz Preiserhöhung bleibt es ein attraktives Mittelklasse-Smartphone.
Die Telekamera bekommt eine längere Brennweite, die Leuchtanzeige auf der Rückseite wird einfacher und der Essential Key lässt sich nicht mehr mit dem Powerbutton verwechseln. Es sind Kleinigkeiten, die das Nothing Phone (4a) besser als seinen Vorgänger machen.
Für Nothing ist das Design gar nicht mehr so besonders. Aus der Masse der Smartphones sticht das Phone (4a) trotzdem hervor. Gegenüber dem Vorgänger hat der Hersteller etwas aufgeräumt und platziert weniger Details auf der Rückseite des Smartphones. Neu hinzu kommen Elemente aus Metall – rund um die Kamera und bei den Tasten. Zudem bietet Nothing mit Pink und Blau zwei zusätzliche Farben zu seinen klassischen Varianten in Schwarz und Weiß an.

Bei den Tasten gibt es eine deutliche Verbesserung: Der Essential Key wandert auf die andere Seite und die Gefahr, ihn mit dem Power Button zu verwechseln, sinkt deutlich. Mit der Taste lassen sich unter anderem Screenshots oder Sprachnotizen erstellen, die das Smartphone im «Essential Space» ablegt. Dort sortiert eine KI sie und macht sie durchsuchbar.

Eine «Glyph Bar» dient beim Phone (4a) als Leuchtanzeige auf der Rückseite. Dieses Element gehört seit Beginn zu den Markenzeichen von Nothing, verändert jedoch immer wieder seine Form.
Beim neuen Modell besteht die Glyph Bar aus sechs Quadraten, in denen insgesamt 63 Mini-LEDs verbaut sind. Sie signalisiert eingehende Anrufe, Benachrichtigungen oder den Fortschritt bestimmter Fahr- oder Lieferdienste. Durch die reduzierte Anzahl an Elementen wird es zudem einfacher, eigene Leuchtmuster für bestimmte Kontakte oder Apps zu erstellen.

In der Preisklasse von um die 400 Franken oder Euro ist eine Telekamera eine Seltenheit. Umso besser gefällt mir, dass Nothing im Vergleich zum Vorgänger die Brennweite erhöht. Statt der zweifachen Brennweite der Hauptkamera steht mit der 50-Megapixel-Periskopkamera die 3,5-fache Brennweite zur Verfügung – also 80 gegenüber 24 Millimetern KB-äquivalent. Die übrigen Kameras bleiben unverändert.
Der Hauptvorteil: Ich kann Motive ohne Qualitätsverlust näher heranholen. Etwa dieses eingerahmte Werk eines Straßenkünstlers.


Sobald es dunkel wird, lohnt sich der Nachtmodus bei der Telekamera. Die Bildqualität fällt besser als beim Vorgänger aus, der bei Dunkelheit nicht überzeugen konnte.
Die Akkukapazität steigt um 80 mAh auf 5080 mAh und die er Ladeleistung erreicht weiterhin maximal 50 Watt. Drahtlos lädt es immer noch nicht.

Die genaue Messung der Akkulaufzeit reiche ich nach. Im Vergleich zum Vorgängermodell erwarte ich nach meinen bisherigen Erfahrungen aber keine großen Veränderungen. Gut: Die Batterie des Phone (4a) soll nach 1200 Ladevorgängen immer noch mindestens 90 Prozent ihrer Kapazität haben.
Es gibt auch Dinge am Nothing Phone (4a), die sich im Vergleich zum Vorgänger kaum geändert haben oder etwas langweilig wirken – aber dadurch nicht automatisch schlecht werden.
So bleibt die Größe des AMOLED-Displays bei 6,77 Zoll. Das Phone (4a) bekommt mit 2720 × 1224 Pixeln eine höhere Auflösung und erreicht im Outdoormodus mit 1600 Nits eine um 300 Nits höhere Helligkeit. Die typische Helligkeit bleibt unverändert bei 800 Nits. Die Bildwiederholrate passt sich nun automatisch auf einen Wert zwischen 30 und 120 Hertz an. Diese Verbesserungen fallen im Alltag aber kaum auf.

Beim Schutzglas setzt Nothing auf der Rückseite weiterhin auf Panda Glass 1681. Für die Front kommt Gorilla Glass 7i zum Einsatz, das kratzfester als beim Vorgänger sein soll. Die IP64-Zertifizierung, also der Schutz vor Staub und Spritzwasser, bleibt bestehen. Nothing verspricht sogar, dass das Phone (4a) 20 Minuten in 25 Zentimeter Wassertiefe übersteht. Dafür gibt es keine Schutzklasse mit Zahl. Es bleibt die Faustregel: Das Smartphone ist nicht für die Nutzung unter Wasser gedacht, sollte ein kurzes, versehentliches Bad aber überstehen.
Der Snapdragon 7s Gen 4 verfügt über etwas mehr Leistung als die dritte Generation im Phone (3a). In ersten Benchmark-Tests sehe ich eine Steigerung der CPU- und GPU-Rechenkraft im mittleren einstelligen Prozentbereich – messbar, aber im Alltag kaum spürbar. Die um 600 mm² auf 4600 mm² gewachsene Kühlkammer sorgt dafür, dass das Smartphone nicht zu heiß wird. Positiv wirkt sich die Umstellung der Speichergeschwindigkeit auf UFS 3.1 aus. Damit werden Daten schneller geschrieben und gelesen als beim Vorgänger mit UFS 2.2.
Abgesehen von der bereits erwähnten Telelinse bleibt das Kamerasystem des Phone (4a) unverändert. Da schon der Vorgänger gute Bilder lieferte, ist das kein Problem.

Die Hauptkamera nutzt den Samsung GN9 mit einer Auflösung von nominell 50 Megapixel. Die fertigen Bilder haben eine Auflösung von 12,5 Megapixel. Beim sogenannten «Pixel Binning» werden mehrere Pixel zusammengezogen. Dadurch soll sich die Lichtempfindlichkeit erhöhen – was für eine bessere Bildqualität sorgt – und die Bilddateien fallen kleiner aus..
Die Detailgenauigkeit ist hoch, die Farbwiedergabe angenehm natürlich, und mit starken Kontrasten kommt die Kamera in der Regel problemlos zurecht.

Im Urlaub lassen sich mit dem Phone (4a) wunderbare Schnappschüsse machen.


Kleine Einschränkung: Mit den Kirchenfenstern auf der anderen Seite hatte die Kamera leichte Probleme. Dort schien die Sonne herein und sorgte für einige überbelichtete Bereiche.
Bei Dunkelheit unbedingt den Nachtmodus aktivieren.
Bei der Ultraweitwinkelkamera ist Pixel Binning kein Thema. Ihre Auflösung fällt mit acht Megapixeln gering aus. Die Bilder sind auf dem Smartphone oder für Social Media aber gut nutzbar.

Wird es dunkel, kann auch der Nachtmodus die Ultraweitwinkelkamera nicht mehr retten. Die Bildqualität überzeugt, wie schon beim Vorgängermodell, nicht.
Die Frontkamera greift auf einen Bildsensor mit 32 Megapixeln zu. Damit liefert sie bei Tageslicht detailreiche Selfies. Also zumindest, was mein Gesicht betrifft. Der Hintergrund verschwimmt etwas im Londoner Nebel, eine realistische Wiedergabe der Situation.

Im Nachtmodus zeigt sich ein Unterschied zu teuren Smartphones. Das Selfie mit dem Phone (4a) bleibt pixelig. Für mehr Geld erhältst du detailliertere Selfies bei Nacht.

Ab Werk läuft NothingOS 4.1, basierend auf Android 16. Neben optischen Anpassungen im Nothing-Design bringt die Benutzeroberfläche eigene Apps und KI-Werkzeuge mit.
Die größten Neuerungen sind allerdings zum Verkaufsstart noch nicht verfügbar, sondern sollen in einigen Wochen per Update erscheinen. Der «Relaxation Hub» ist ein Widget, das mit ruhiger Hintergrundmusik oder Atemübungen für Entspannung sorgen soll. «Essential Voice» soll mithilfe von KI deine Sprache in gut strukturierte Texte umwandeln.

Die Galerie-App von Nothing bekommt ein eigenes KI-Tool und versucht, Spiegelungen oder Fußgänger aus Fotos zu entfernen. In meinen Versuchen klappt es bei Spiegelungen kaum und bei den Fußgängern ist es immer eine Überraschung, wie die KI den leeren Raum füllt. Mal passt es gut ins Bild, mal fällt sofort auf, dass eine KI am Werk war. Die Personen erkennt sie aber immerhin zuverlässig. Mehr begeistern mich die sieben Rahmen, die mein Foto mit Aufnahmedaten versehen und schick aussehen lassen.

Dazu kommen verschiedene KI-Tools, die Nothing unter dem Begriff Essential sammelt. Neben dem bereits erwähnten Essential Space gibt es eine Suche oder «Memory». Diese Funktion erstellt aus deinen Aufzeichnungen automatische Erinnerungen für Termine, Einkäufe oder anderes, was ihr auffällt. Der Essential Recorder wandelt Tonaufnahmen in Text um und fasst sie zusammen. Wichtige Momente kannst du mit dem Essential Key markieren. Pro Monat analysiert die Funktion 300 Minuten.

Der Essential App Builder soll dir mit KI Apps maßgeschneidert für deine Bedürfnisse liefern. Wenn du mit ihnen zufrieden bist, kannst du sie im Playground anderen zur Verfügung stellen. Bisher ist das für mich aber nur Spielkram zum Ausprobieren.

Zwei Haken gibt es bei der Software: Sicherheitsaktualisierungen liefert Nothing zwar sechs Jahre lang, Funktionsupdates gibt es jedoch nur drei Jahre lang. Und dann fängt Nothing mit dem Phone (4a) an, Apps von Drittanbietern vorzuinstallieren. Mit einem Klick lassen sich Tiktok, Instagram und Facebook zwar deinstallieren, aber in der Vergangenheit hat sich der Hersteller dafür nicht bezahlen lassen.
Die aktuellen Preissprünge für Speicher jeder Art machen auch vor Nothing nicht halt. Für 128 Gigabyte erhöht der Hersteller den Preis des Smartphones. Diesen Schritt hatte Firmengründer Carl Pei schon Anfang des Jahres angekündigt. Hoffen auf andere Hersteller lohnt sich kaum. Auch sie ziehen ihre Preise an oder streichen geplante günstige Modelle vorerst, wie hinter den Kulissen beim MWC zu hören war.
Die unverbindliche Preisempfehlung für das Phone (4a) liegt je nach Speicherausstattung bei 349 Euro und 329 Franken oder 429 Euro und 409 Franken. Immer noch bezahlbar, aber das Phone (3a) startete vor einem Jahr bei 329 Euro und 299 Franken und ist derzeit noch etwas günstiger erhältlich.
Zusammen mit dem Phone (4a) hat Nothing die Pro-Version des Smartphones vorgestellt. Bei ihm verwendet Nothing erstmals ein Unibody-Gehäuse aus Metall. Sein Display ist etwas größer, seine Hardware bietet ein wenig mehr Leistung und es ist mit IP65 etwas wasserfester. Auf der Rückseite befindet sich wie beim aktuellen Top-Modell Phone (3) eine runde Glyph Matrix mit 137 Mini-LEDs und nicht nur ein Balken mit sechs LEDs.

Zudem unterstützt nur das Phone (4a) Pro eSIM. Bei der Standardversion musst du eine SIM-Karte einlegen. In diesem Jahr bietet Nothing die Pro-Variante auch mit nur acht Gigabyte Arbeitsspeicher an, um den Preis günstig zu halten. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt trotzdem 50 Euro über dem Vorgänger und startet bei 479 Euro und 429 Franken. Für mehr Speicher wird ein Aufpreis von 70 Euro oder Franken fällig.

Auch mit dem höheren Preis bleibt das Nothing Phone (4a) ein bezahlbares Mittelklasse-Smartphone mit guter Ausstattung und einem auffälligen Design. Für eine Telekamera musst du sonst deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Die Haupt- und Telekamera bieten eine gute Bildqualität. Die Ultraweitwinkelkamera ist in Ordnung und die Front- sowie die Ultraweitwinkelkamera kommen bei Dunkelheit an ihre Grenzen. Das Display vom Phone (4a) ist einwandfrei und die Leistung reicht für alle alltäglichen Anwendungen aus. Zudem unterstützt das Smartphone endlich auch drahtloses Laden.
Auf eine eSIM musst du beim (4a) allerdings verzichten und Funktionsupdates liefert Nothing nur drei Jahre lang. Immerhin gibt es die Sicherheitsaktualisierungen für sechs Jahre. Leider fängt der Hersteller an, Apps von Drittanbietern vorzuinstallieren.
Pro
Contra
Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus.
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