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«Artemis II»: Erfolgreiche Landung nach Rekordflug um den Mond
von Kim Muntinga

Warum sich nicht beim Nachbarn bedienen, wenn der mit dem Nestbau schon weiter ist? Für bedrohte Arten auf Hawaii erhöht dieser Diebstahl das Aussterberisiko.
Hawaiis Kleidervögel gehören zu den am stärksten bedrohten Vogelgruppen der Erde: Von einst rund 40 Arten ist die Hälfte bereits ausgestorben und der überwiegende Rest stark davon bedroht. Eine in den Wäldern der Inselgruppe beobachtete Verhaltensweise mehrt die Sorgen von Ornithologen, denn die Vögel stibitzen einander regelmässig Baumaterial aus den Nestern, wie Erin Wilson Rankin von der University of California in Riverside und ihre Arbeitsgruppe berichten. Regelmässig führt das dazu, dass Bruten erfolglos abgebrochen werden – bei geringen Bestandszahlen ist jedoch jeder Verlust potenziell verheerend.
Dieses als Kleptoparasitismus bezeichnete Verhalten hatten aufmerksame Naturkundler in der Vergangenheit immer wieder anekdotisch berichtet. Doch erst Rankins Team untersuchte es systematisch. Über sechs Monate hinweg überwachten die beteiligten Forscher mehr als 200 Nester der drei Kleidervogelarten I'iwi (Vestiaria coccinea), Amakihi (Chlorodrepanis virens) und Apapane (Himatione sanguinea). Letztere ist eine noch relativ häufige und weitverbreitete Spezies sowie diejenige, die am häufigsten Nistmaterial entwendete und am eigenen Nest verbaute. Gleichzeitig waren Apapanes auch die häufigsten Opfer dieses Diebstahls – wenig überraschend aufgrund ihrer relativ grossen Zahl.
Insgesamt wurden knapp 40 Nester mehr oder weniger stark geplündert. Bevorzugt entwendeten alle Vögel Zweige und Moose aus den Nestern, die sie meist während der Futtersuche aufstöberten und die in 90 Prozent der Fälle bereits verlassen waren. Ein Zehntel aller Diebstähle entfiel jedoch auf aktive Nester, in denen sich bereits Eier oder Küken befanden. Und von diesen wurden anschliessend mindestens zwei aufgegeben, weil das Nest zerstört war oder das brütende Paar zu stark gestört wurde.
Das klinge zwar nach wenig, schreibt Rankin in einer Mitteilung, doch stünden viele Kleidervogelarten ohnehin unter einem starken ökologischen Druck durch Lebensraumzerstörung und eingeschleppte Arten und Krankheiten. Durch die eingeengten Verbreitungsgebiete gibt es weniger Ausweichmöglichkeiten für die Vögel, zumal sie auch als Rückzugsräume für Arten dienen, die früher in tieferen Lagen der Hawaii-Inseln lebten. Wegen der Erderwärmung und der Zerstörung ursprünglicher Wälder haben sie sich in höhere Lagen zurückgezogen, wo sie mit den dortigen Arten konkurrieren. Das Risiko von Kleptoparasitismus ist dadurch gestiegen, vermuten die Forscher. Bei stark bedrohten Arten wie dem Kauai Akekeʻe (Loxops caeruleirostris), von dem womöglich weniger als 100 Tiere in freier Wildbahn überlebt haben, könnte dies die Aussterbewahrscheinlichkeit erhöhen – sofern das Verhalten weiter verbreitet ist und auch auf anderen Inseln des Archipels vorkommt.
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