Von 55 auf 42 dB: Lüfter-Upgrade beim 3D-Drucker

Von 55 auf 42 dB: Lüfter-Upgrade beim 3D-Drucker

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 01.04.2020

Ich liebe meinen CR-10S Pro. Die Druckqualität ist out of the box genial. Er ist jedoch laut, verdammt laut. Wie ich das geflickt habe und weitere Fixes für den CR-10S Pro erfährst du hier.

Über 55 dB zeigt das Schallpegelmessgerät an meinem Platz an. Viel zu laut, um sich aufs Gamen oder Arbeiten konzentrieren zu können. Leider habe ich in meiner Mietwohnung keinen anderen Platz für den Creality CR-10S Pro 3D-Drucker.

Es muss eine Lösung her. Nicht nur für mich: Meine Frau nutzt unser Büro für Homeoffice und Nähen. Abhilfe schaffen, sollen zunächst drei Noctua-Lüfter.

So wird’s beinahe Flüsterleise

Einen ersten Lösungsansatz finde ich bei Youtuber Nexi Tech. Er verpasst seinem CR-10S Pro drei neue Lüfter: Je einen fürs Mainboard, Netzteil und Gehäuse. Das Problem: Von fünf Lüftern am CR-10S Pro haben vier eine Spannung von 24 Volt.

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Die Noctua-Lüfter, die Nexi Tech und ich brauchen, haben jedoch alle ein Spannung von 12 Volt. Beim Netzteil-Lüfter ist das kein Problem: Der hat ebenfalls 12 Volt. Nexi Tech schlägt beim Mainboard- und Gehäuse-Lüfter vor, sie seriell zu schalten. So ist kein Spannungswandler nötig und kein Gelöte. Ich mag einfach Fixes und mache es wie Nexi Tech.

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Im Video stellt Nexi Tech zudem fest, dass das Halbleiterrelais sehr heiss wird und verschiebt es. Das ist bei meinem Modell kein Problem: Creality hat das erkannt und einen Kühlkörper am Halbleiterrelais befestigt, der die Hitze abtransportiert.

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Schraube ich den CR-10S Pro zusammen und mache einen Testdruck, messe ich jetzt um die 48 dB. Eine Linderung, aber mir ist das noch zu wenig. Ich beschliesse, die Hotend- und Filament-Lüfter ebenfalls zu ersetzen.

Hier habe ich dasselbe Problem wie beim Mainboard- und Gehäuse-Lüfter: Die beiden zu ersetzenden Fans haben eine Spannung von 24 Volt, meine Noctuas nur 12. Hinzu kommt, dass der Filament-Kühler ein Radial- und nicht Axiallüfter ist. Während Axiallüfter Luft parallel zur Drehachse des Laufrad ein- und ausblasen, saugen Radiallüfter Luft parallel zur Antriebsachse an, lenken sie um 90° um und blasen sie radial aus.

Seriell schalten kann ich die Lüfter nicht, denn ich will sie separat ansteuern. Den Filament-Kühler lasse ich bei PLA bei der ersten Druckschicht aus und fahre ihn dann langsam, Schicht für Schicht, auf 100 Prozent hoch. Der Hotend-Fan läuft immer auf 100 Prozent. Dieses Mal komme ich nicht drum herum, einen Spannungswandler zwischenzuschalten.

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Beim Hotend-Lüfter ist das schnell gemacht: Die Ausgangsspannung reduziere ich mit dem Spannungswandler und einem Multimeter auf 12 Volt. Beim Filament-Kühler muss ich zuerst eine Halterung für den Noctua-Lüfter drucken, da ich den axialen Noctua-Lüfter nicht an der Halterung des radialen Stock-Lüfters betreiben kann. Auf Thingiverse werde ich fündig, ohne selbst das CAD anwerfen zu müssen.

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Die Spannungswandler befestige ich mit doppelseitigem Klebeband an der Kabelabdeckung. Jetzt messe ich nur noch rund 42 dB. So gefällt mir das, jetzt kann ich mich während dem Drucken wieder aufs Wesentliche konzentrieren – Texte schreiben und Zombies durchlöchern. So ein Lüfter-Upgrade ist schnell gemacht und nicht nur beim CR-10S Pro möglich.

NF-A4x10 PWM (40 mm, 1 x)
–14%
19,48statt 22,55
Noctua NF-A4x10 PWM (40 mm, 1 x)

Weitere Fixes

Seit ich den CR-10S Pro in Betrieb habe, nervt mich noch etwas weiteres: Die X-Achse muss ich immer wieder neu Leveln. Schiebe ich den Extruder von links nach rechts entlang der X-Achse, ist er links meist etwas tiefer als rechts. Das liegt daran, dass auf der rechten Z-Achse – beim CR-10S Pro ist die X-Achse links und rechts an der Z-Achse befestigt – das ganze Gewicht der Elektronik lagert. Das drückt so stark, dass sie nach dem Leveln mit der Zeit etwas nach unten rutscht – für präzise Drucke ist das fatal.

Ich habe deshalb einen weiteren Tipp von Nexi Tech wahrgenommen und spielfreie Muttern bei der X-Achsen-Halterung montiert. So sitzt sie Bombenfest.

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Im Weiteren habe ich das Hotend mit dem All Metal Hotend von Micro-Swiss ersetzt. Das original Hotend von Creality ist nur mit den Düsen des Herstellers kompatibel. Ich will möglichst viele Düsen ausprobieren und das Hotend ermöglicht mir das.

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Die originale Bauplatte habe ich durch eine flexible, magnetische Bauplatte ersetzt. Zu Beginn konnte ich die Drucke kaum entfernen. Dank der magnetischen Bauplatte nehme ich die nach dem Drucken einfach ab, flexe sie etwas und schon lösen sich meine Drucke.

Dann habe ich noch eine Filament-Führung gedruckt, weil das Filament beim Feeder jeweils etwas geschabt hat. So tritt das Problem nicht mehr auf.

Zu guter Letzt habe ich kürzlich auf die Tiny-Machines-Firmware updated. Die bietet im Gegensatz zur originalen Creality-Firmware mehr Einstellungsmöglichkeiten. Ich bin zurzeit noch daran, mich damit vertraut zu machen.

Sehr wahrscheinlich ersetze ich den Auto-Leveling-Sensor demnächst ebenfalls. Bis jetzt hatte ich damit keine Probleme. Ich habe auf Reddit von vielen Usern gelesen, dass sie damit gar nicht zufrieden sind. Eventuell wird es ein BL Touch, wie ihn digitec-User Anonymous in meinem Hands-on zum CR-10S Pro empfohlen hat.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer

Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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