Adventskalender geöffnet: Ein Modell für Camping-Nostalgiker mit enttäuschendem Drumherum

Martin Jungfer
Martin Jungfer
Zürich, am 12.11.2021

Wir testen für dich Adventskalender. Wir durften alle Türchen schon im Oktober aufmachen. So weisst du, ob ein Kalender sich für dich lohnen könnte.

Vor ein paar Wochen sind wir vermeintlich auf eine gute Idee gekommen. Wir testen Adventskalender aus unserem Shop. Das Problem: Wir haben an die 1000 verschiedene Adventskalender im Sortiment. Also haben wir uns aufs Geratewohl hinaus für eine zufällige Auswahl entschieden.

Was verspricht der Hersteller?

Mit dem Adventskalender soll die «Adventszeit zu einem automobilen Fest» werden. In der Schachtel steckt ein achtteiliger Bausatz im Massstab 1:43 des VW Bulli T1 von 1963. Dazu gibt es ein «grossformatiges Begleitbuch» (in Englisch und Deutsch) sowie ein «Soundmodul mit Original-Bulli-Klang». Und damit Bulli-Fans, die sich den Kalender vielleicht schon vergangenes Jahr gegönnt haben, noch einmal Lust auf den Kauf bekommen, hat die aktuelle Version «viele Neuerungen im Vergleich zum Vorjahr» (welche Neuerungen das sind, konnte ich nicht testen, da ich nur das aktuelle Modell zum Test habe). Übrigens gibt es wohl auch eine noch aktuellere Version mit einem Bulli in Orange; Konzept und Teile sind aber gleich geblieben.

Was kann er?

In der Box stecken 24 Pappschachteln für die verschiedenen Teile des Bausatzes; in Karton Nummer 8 findest du auch einen Schraubenzieher für die Schräubchen, die du an einem späteren Tag erhältst. Mit denen kannst du dann die wenigen Teile montieren, die effektiv das Modell ergeben. Dazu gibt’s das Begleitbuch, das eher ein Magazin ist, und die Geschichte des Bullis beleuchtet – von den ersten Konzepten des «Transportkastenwagen» kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum T6. Ansonsten in den Türchen: Dinge wie ein Mikrofaser-Staubtuch, ein magnetisches Lesezeichen, Haftnotizen im Bulli-Design. Im Prinzip ist alles dabei, was du brauchst (und einiges, was du nicht brauchst). Bis auf zwei LR6-Batterien, um den kleinen Lautsprecher zu betreiben, der auf Knopfdruck den typischen Sound des Boxermotors wiedergibt. Die musst du extra besorgen.

Für wen ist er das Richtige?

In jedem Fall ist der Bausatz etwas für sehr Disziplinierte und Geduldige. An manchen Tagen kann der geneigte Modellbauer nämlich gerade einmal das Dach mit zwei kleinen Schrauben anbringen – eine Arbeit von ungefähr 90 Sekunden. Ich persönlich würde mir eher an den Wochenenden die Kartons einer ganzen Woche nehmen und dann das alles auf einmal zusammen bauen. Auto- und Camping-Nostalgiker dürften sich am fertigen Ergebnis erfreuen. Es ist ein offiziell von Volkswagen lizenziertes Produkt. Du darfst also davon ausgehen, dass alle Details dem Original nachempfunden sind. Nach erfolgreichem Zusammenbau – sonderlich anspruchsvoll ist das nicht – findet das Modell sicher einen Platz in der Vitrine oder im Regal im Hobbyraum. Und wenn Besuch ins Haus kommt, wird das Soundmodul angeworfen. Freude herrscht.

Bilder: Martin Jungfer
Bilder: Martin Jungfer

Ist er sein Geld wert?

In Karton Nummer 3 steckt doch tatsächlich ein Lesezeichen, damit ich im Anleitungsbuch die aktuelle Seite markieren kann. Wow, es ist magnetisch. In Box Nummer 11: Post-It-Zettel. Was das mit dem Bulli zu tun hat? Ich weiss es nicht. In einer anderen Box findest du ein auf Karton gemaltes Lagerfeuer und ein Zelt. Die Aufsteller können dann «Ihr Diorama verschönern», steht im Buch. Für mich passt hier insgesamt wenig zusammen. Das etwa zehn Zentimeter grosse Modell selbst ist gut gemacht, auch dass du den typischen Motorensound abspielen kannst. Das Drumherum dagegen ist eine ziemliche Enttäuschung. Anfangen von der Spiegelfolie zum Aufkleben auf die Kunststoffbasis, die einfach nur billig aussieht, über die oben beschriebenen Gimmicks bis hin zum Begleitbuch, das ziemlich platte VW-Propaganda ist. Schöne Modelle des VW Bulli gibt es für weniger Geld. Und auch bessere Bücher.

Bewertung: 7 von 24 möglichen Türchen.

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Martin Jungfer

Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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