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Apple
Meinung

Apples Führungswechsel ist ein Lehrstück

In Cupertino bricht eine neue Ära an. Tim Cooks Nachfolger John Ternus ist die ideale Balance aus Kontinuität und frischem Wind – und passt perfekt zu Apples Identität.

Während andere CEOs sich bis ins hohe Alter an ihren Sessel klammern, lässt Tim Cook mit 65 Jahren los. Er macht Platz für einen Nachfolger, der genau die richtige Kombination aus Stabilität und frischem Antrieb mit sich bringt: Der 50-jährige John Ternus ist einerseits jung genug, um mindestens zehn Jahre CEO zu bleiben. Andererseits geniesst er mit seiner fundierten Erfahrung intern anscheinend grossen Respekt. Tim Cook bleibt Apple als Vorstandsvorsitzender erhalten. Besser hätte er den Führungswechsel nicht orchestrieren können.

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Der ideale Kandidat

Ich habe John Ternus vor einem halben Jahr im Rahmen des iPhone-Launches in München getroffen. Zum Pressetermin mit einer kleinen Gruppe von Journalisten erschien er in Sneakers und Hoodie. Er begegnete allen auf Augenhöhe und beantwortete geduldig unsere Fragen – mit einer typisch kalifornischen Coolness und vielen Superlativen, aber ganz ohne Arroganz oder Überheblichkeit. Müsste ich auf einem weissen Blatt jemanden skizzieren, der Apples Identität verkörpert, würde John Ternus rauskommen.

Der designierte CEO schloss 1997 ein Studium in Maschinenbau an der Universität von Pennsylvania ab. Danach arbeitete er bei einem Virtual-Reality-Startup, bevor er 2001 in Apples Produktdesign-Team landete. Es war die goldene Zeit unmittelbar nach der Rückkehr von Steve Jobs. 2013 wurde Ternus Vice President of Hardware Engineering und übernahm die Führung über die Entwicklung von AirPods, iMac und iPad. 2020 kam die Hardware-Verantwortung fürs iPhone hinzu. Ein Jahr später stieg er zum Senior Vice President auf und ist seither Teil von Apples Unternehmensführung.

Mit Ternus übernimmt also ein «Product Guy» die Spitze des Weltkonzerns. Gut so! Tim Cook konzentrierte sich vor allem auf Effizienz und Logistik. Unter ihm wurde Apple erwachsen und brachte Jahr für Jahr solide Produkte auf den Markt. Nur dank der perfekt optimierten Lieferkette sind Preis-Leistungs-Kracher wie das MacBook Neo möglich. Das ist toll, aber auch etwas langweilig. Und den grössten Profit aus Cooks wirtschaftlichem Genie ziehen nicht die Kundinnen, sondern die Aktionäre.

John Ternus kann nun auf dieser stabilen Basis aufbauen, aber seiner Amtszeit einen eigenen Stempel aufdrücken. Er dürfte einen grösseren Fokus auf Innovationen legen und auch mal ausgefallenere Ideen wagen. Das kann Segen und Fluch zugleich sein: In der Vergangenheit war er zum Beispiel eine treibende Kraft hinter den extrem erfolgreichen AirPods. Aber auch hinter der unbeliebten MacBook-Touchbar und dem Fiasko des Butterfly Keyboards. Ob die Produkte unter seiner Gesamtführung besser oder nur spannender werden, bleibt also abzuwarten.

Cook bleibt Trump-Flüsterer

Die meisten Analysten erwarteten Tim Cooks Rücktritt erst in ein bis zwei Jahren. Sie gingen davon aus, dass er Apple noch durch Donald Trumps zweite Amtszeit navigiert. Der CEO gilt als guter Diplomat, der weiss, wie er den US-Präsidenten umgarnen muss. Er war wohl der Grund, warum Smartphones, Computer und Chips im April 2025 plötzlich vom Zollhammer verschont wurden.

Seine Rolle als Trump-Flüsterer brachte Tim Apple Cook auch Kritik ein. Etwa, als er dem Präsidenten eine Statue aus Glas und Gold schenkte. Oder als er die Premiere von «Melania» besuchte, während am selben Tag in Minnesota Alex Pretti durch ICE-Agenten erschossen wurde. Das scheint nur schwer mit Cooks persönlichen Überzeugungen vereinbar und wirkt deshalb heuchlerisch. Er selbst argumentierte kürzlich diplomatisch, er sei «keine politische Person» und vertrete lediglich Apples Interessen.

Genau diese Aufgabe wird er auch in Zukunft wahrnehmen: In seiner neuen Rolle als Vorstandsvorsitzender unterstützt Cook gemäss Pressemitteilung «das Unternehmen in bestimmten Bereichen, darunter auch bei der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträger:innen weltweit». Das ist ein kluger Schachzug. Denn John Ternus verfügt noch nicht über die nötigen Beziehungen, die im aktuellen politischen Klima der USA für den Unternehmenserfolg besonders wichtig sind.

Eine durchdachte Rochade

Ternus’ alte Position des Hardware-Chefs besetzt Apple mit Johny Srouji. Um diesen gab es vor kurzem noch Gerüchte, dass er das Unternehmen verlassen könnte. Das wäre ein grosser Verlust gewesen, da Srouji als Architekt der hauseigenen Chips viel zum Erfolg der letzten Jahre beigetragen hat. Mit seiner Beförderung dürfte die Gefahr seines Abgangs gebannt sein. Als Zückerchen macht ihn Tim Cook nicht bloss zum «Senior Vice President of Hardware Engineering», sondern schafft extra den neuen Titel «Chief Hardware Officer».

Unter dem Strich wirkt Apples Personalrochade sehr durchdacht. Der Zeitpunkt direkt nach dem 50-jährigen Jubiläum ist symbolisch eine perfekte Gelegenheit für die Wende. Ich blicke der neuen Ära von John Ternus optimistisch entgegen. Er wird Apples Kernprinzipien nicht über den Haufen werfen, wie es ein externer Kandidat vielleicht getan hätte. Gleichzeitig könnte er für frischen Wind und mehr Innovationen sorgen. In einem internen All-hands-Meeting kündigte er für die nahe Zukunft eine «unglaubliche Roadmap an Produkten» an. Die ist besonders im KI-Bereich auch bitter nötig. Ich bin gespannt.

Titelbild: Apple

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Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook mich nicht erkennt. Der Grund: Sitze ich nicht vor einem Bildschirm oder stehe hinter einer Kamera, hänge ich oft an den Fingerspitzen in einer Felswand.


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Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.

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