Brauchst du eine externe HDD oder SSD?
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Brauchst du eine externe HDD oder SSD?

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 10.05.2021
Externe SSDs bieten immer mehr Speicherplatz. Mittlerweile sind sogar 4-TB-Speicher zu vernünftigem Preis verfügbar. Dennoch ist es nicht in jedem Fall besser, eine externe SSD statt einer HDD zu kaufen.

Externe SSDs bieten diverse Vorteile gegenüber externen Festplatten. Sie sind schneller, kleiner und haben keine mechanischen Verschleissteile. Sie kosten jedoch mehr – vor allem für Speicherplatz jenseits von 2 Terabyte (TB). Mit der Crucial X6, die ich kürzlich getestet habe, werden aber auch 4 TB externer SSD-Speicher erschwinglich.

Was die SSD von der HDD unterscheidet

SSD steht für Solid State Drive. Eine SSD speichert Daten elektronisch in nicht flüchtigem Speicher. Das bedeutet, dass Daten nicht verloren gehen, wenn der Strom abgeschaltet wird. Falls du mehr über SSDs und ihre Funktionsweise wissen willst, empfehle ich dir folgenden Artikel.

Eine komplexe Angelegenheit: *So funktioniert eine SSD**
Hintergrund

Eine komplexe Angelegenheit: So funktioniert eine SSD

Im Gegensatz zur SSD funktioniert eine Festplatte – auch HDD – mechanisch. Ein Schreibkopf schreibt die Daten magnetisch auf rotierende Platten. Auch zur HDD kann ich dir einen Artikel empfehlen.

Auf die Grösse kommt’s an: *Geschichte der Festplatte**
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Damit du dir besser vorstellen kannst, wie viel schneller eine externe SSD gegenüber einer externen HDD ist, habe ich zwei 4 TB grosse HDDs gegen die Crucial X6 mit 4 TB in diversen Tests antreten lassen.

Grosser Unterschied bei der Geschwindigkeit

Bevor ich dir die Zahlen präsentiere, solltest du wissen, dass die Crucial X6 bei weitem nicht die schnellste SSD ist. Dennoch sind bereits die Unterschiede zwischen der X6 und der Toshiba Canvio Premium sowie Western Digital MyPassport enorm.

Zuerst zu den synthetischen Benchmarks. Dabei handelt es sich um Messsoft­ware, die einen einzelnen Aspekt des gesamten Systems möglichst isoliert betrachtet. Der ATTO Disk Benchmark testet die Lese- und Schreibgeschwindigkeit von Massenspeicher bei verschiedenen Dateigrössen. Die SSD ist beim Schreiben über sieben Mal so schnell wie die HDDs. Beim Lesen beträgt der Unterschied mehr als das 6,5-Fache. Die Unterschiede zwischen den HDDs sind marginal.

Zur Erklärung: Je grösser die Geschwindigkeit in MB/s auf den Bildern, desto besser ist die Schreib- respektive Leseleistung.

Lese- und Schreibgeschwindigkeit Crucial X6 ATTO Disk Benchmark

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Lese- und Schreibgeschwindigkeit Toshiba Canvio Premium ATTO Disk Benchmark

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Lese- und Schreibgeschwindigkeit WD My Passport ATTO Disk Benchmark

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Der Benchmark von Anvil’s Storage Utilities gibt nebst Lese- und Schreibgeschwindigkeiten auch Antwortzeiten und Input/Output Operations Per Second (IOPS) wider. Die Antwortzeiten besagen, wie lange die HDD oder SSD braucht, um auf Eingaben zu reagieren. Die IOPS eines Massenspeichers zeigen auf, wie viele Ein- und Ausgabebefehle das Laufwerk pro Sekunde durchführen kann. Wo bei der Lese- und Schreibgeschwindigkeit sowie IOPS hohe Werte wünschenswert sind, sind bei den Antwortzeiten tiefe Werte erwünscht. Auch hier ist der Unterschied zwischen SSD und HDD enorm. Vor allem bei den zufälligen Dateizugriffen, schlägt die SSD die beiden HDDs. Der Unterschied zwischen den HDDs ist wie beim vorangegangen Benchmarks marginal.

Zur Erklärung: Die Werte Resp. Time, MB read, IOPS und MB/s geben die tatsächlich gemessenen Daten an. Die Werte rechts davon in den blauen und gelben Feldern sind ein Score, den der Benchmark auf Basis der Daten links errechnet.

Anvil's Storage Benchmark Crucial X6

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Anvil's Storage Benchmark Toshiba Canvio Premium

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Anvil's Storage Benchmark WD My Passport

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Um die Leistung in realen Szenarien zu testen, kopiere ich verschiedene Dateien vom Systemlaufwerk auf die SSD und die HDDs. Als erstes ist ein 101 GB grosser Dateiordner mit MP4, RAW-Fotos und einem Premiere Pro Projekt dran. Bei diesem Test ist der Unterschied zwischen SSD und HDDs nicht mehr so gross wie bei den synthetischen Benchmarks. Dennoch erledigt die SSD die Aufgabe rund fünf Mal so schnell wie die HDDs. Die Übertragungsgeschwindigkeit beträgt durchschnittlich 543 MB/s. Bei der Toshiba SSD sind es durchschnittlich 118 MB/s und bei der Western Digital 112 MB/s. Hier noch der Vergleich, wie viel Zeit die die Laufwerke für die Aufgabe benötigen.

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Beim zweiten Test kopiere ich einen knapp zehn GB grossen Dateiordner mit MTS-, MP4-, MP3-, MOV- und JPEG-Dateien sowie erneut einem Premiere-Projekt. Hier ist der Unterschied nochmal kleiner: Die SSD ist nur noch etwas mehr als doppelt so schnell. Die SSD überträgt die Daten mit durchschnittlich 278 MB/s. Die Toshiba erledigt das Ganze mit 125 MB/s und die WD mit 123 MB/s. Die HDDs können ihr Tempo vom vorangegangen Test halten und leicht steigern, während die SSD einbricht. Da es viele kleinere Dateien im kopierten Ordner hat, kommt eher der zufällige Zugriff auf die Daten zum Tragen. Damit hat die X6 Mühe, wie ich bereits beim Test herausgefunden habe. Andere externe SSDs lösen diese Aufgabe einiges schneller. Hier der Vergleich, wie lange die Laufwerke effektiv gebraucht haben.

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Beim letzten Test kopiere ich noch einen knapp 4 GB grossen Dateiordner mit RAW-Fotos. Siehe da: Die SSD muss sich den HHDs geschlagen geben. Die HDDs sind zwar mit rund 108 (Toshiba) und 105 MB/s (WD) etwas langsamer unterwegs als vorher, liegen aber vor der SSD mit durchschnittlich 90 MB/s. Der Grund dafür ist derselbe wie oben: Die Crucial ist beim zufälligen Datenzugriff im Vergleich zu anderen SSDs langsam. Hier der Vergleich, der effektiv benötigten Zeit.

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Beim Controller der X6 wurde gespart, um die 4-TB-SSD-Speicher erschwinglich zu machen. Womit ich beim Preis bin.

Immer noch grosser Unterschied beim Preis

Mit 429 Franken oder knapp 420 Euro (Stand: 10. Mai 2021) ist die externe SSD 3,7 Mal so teuer wie die externe HDD von Western Digital. Bei der Toshiba habe ich keinen Preis, da das Modell mittlerweile nicht mehr verfügbar ist. Die vergleichbare Toshiba Canvio Advance V2 ist mit 100 Franken bzw. etwa 100 Euro jedoch günstiger als die externe HDD von Western Digital.

Je nach Art der zu übertragenden Daten rechtfertigt sich der Preisunterschied jedoch. Bei grossen Datenmengen ist die externe SSD über fünf Mal so schnell wie die HDDs. Da die SSD im Test eher langsam ist, hast du bei anderen SSDs noch grössere Unterschiede. Die kosten dann aber auch mehr. Dann kommen noch die weiteren Vorteile der SSD hinzu: sie ist robuster – da sie keine mechanischen Teile hat – und physisch kleiner.

Wenn du viel Speicherplatz brauchst, wenig Geld ausgeben willst und das externe Laufwerk sowieso hauptsächlich stationär benutzt, solltest du zu einer externen HDD greifen. Bist du auf hohe Geschwindigkeit und Mobilität aus, ist die externe SSD das Laufwerk deiner Wahl.

Nebst Kapazität, Geschwindigkeit, Mobilität und Preis solltest du auf den Anschluss achten. Welchen Anschluss hat dein Endgerät? An welche Geräte willst du das Laufwerk anschliessen? Hast du nur ein USB-C-Kabel, kannst du es nicht mit einem Notebook ohne USB-C-Anschluss verbinden. Wichtig ist auch der Anschluss am Laufwerk selbst. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, sollte der Anschluss auf Laufwerkseite USB-C sein.

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um eine überarbeitete Version dieses Kaufratgebers.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer

Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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