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Camping-Hygiene: Immer schön sauber bleiben

Gerd Blank
Hamburg, am 13.07.2021

Egal ob mit Zelt, Caravan oder Wohnmobil: Ganz so klinisch rein wie Zuhause geht es beim Camping nicht zu. Halt, stopp, das klingt jetzt wie eine schmutzige Geschichte. Dabei kannst du auch unterwegs eine echt saubere Zeit verbringen – wenn du ein paar Kompromisse eingehst.

Wenn du ein Badezimmer an Bord hast, ist es kleiner als in den eigenen vier Wänden. Oft ist aber nicht einmal ein Klo dabei. Auch der Abwasch geht nicht so leicht von der Hand wie daheim mit einer Geschirrspülmaschine. Und was ist mit der Wäsche, wenn eine Waschmaschine nur ein ferner Traum ist?

Ordentlich einseifen – auch untenrum

Mit einer morgendlichen Dusche startet man perfekt in den Tag. Eigentlich ist das kein Geheimnis, dennoch musste ich das an dieser Stelle kurz aufschreiben – in der Hoffnung, dass der junge Mann das liest, der kürzlich vor mir an der Supermarktkasse stand. Aber selbst wenn Reinlichkeit unterschiedlich interpretiert wird, will keiner komplett auf eine Dusche verzichten. Gut, wenn man auf einem Campingplatz den Sanitärbereich nutzen kann. Schlecht, wenn man mit dem Zelt irgendwo wild steht. Natürlich findet man unzählige Tipps und Tricks, wie man sich aus Plastikflaschen oder Müllbeuteln und einer Gabel selbst eine Dusche basteln kann. Aber mal ehrlich: Eine dauerhafte und damit nachhaltige Lösung sieht anders aus.

Ich habe zum Beispiel immer einen Duschsack dabei, obwohl ich ein Wohnmobil mit integrierter Nasszelle fahre. Der hat mir auf dem Roskilde-Festival schon mal den Allerwertesten gerettet. Die Festival-Dusche funktionierte nicht, mein Wassertank war leer. Der Duschsack hing an meiner Wohnmobil-Leiter und sorgte bei gleißender Hitze regelmäßig für Sauberkeit und Erfrischung. Das führte sogar dazu, dass Camp-Nachbarn zum Duschen gekommen sind. Die Freude war so groß, dass ich mich ein bisschen so fühlte, als hätte ich das 8. Weltwunder dabei. Inzwischen nutze ich einen Wassersack der Schweizer Armee, an dem ich mit einem speziellen Adapter einen Wasserschlauch mit Gardena-Duschaufsatz angesteckt habe. Apropos Wasserschlauch: Es ist für Wohnmobil- und Caravan-Fahrer immer sinnvoll, einen eigenen Wasserschlauch dabei zu haben, zum Beispiel um die Tanks mit Trinkwasser zu füllen. Und wer kaltes Wasser nicht scheut, kann sich mit dem passenden Aufsatz eine Behelfsdusche bauen. Und die ist auch zum Absprühen sandiger Füße, vom Hund oder der Fahrräder äußerst praktisch.

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Oder du baust dir selbst eine Außendusche mit Kanister und elektrischer Pumpe. Und damit das Wasser nicht einfach so im Erdreich versickert, kannst du dich beim Duschen zum Beispiel in die große Tragetasche eines schwedischen Möbelhauses stellen. Um sich vor fremden Blicken zu schützen, kann man auch ein Duschzelt kaufen. Für mich ist das nichts, da trage ich beim Duschen lieber eine Badehose. Nutzt du die eigene Nasszelle, solltest du auf feste Seife verzichten: Die enthaltenen Öle können die dünnen Abflussleitungen verstopfen. Ich nutze im Bad einen Seifenspender, die feste Bioseife verwende ich nur draußen.

Mein Klo, mein Königreich

Wem schon das Dusch-Thema zu privat und sensibel ist, der sollte diesen Abschnitt vielleicht überspringen. Aber wo das Duschen noch ein freiwilliger Vorgang ist, bleibt der Gang zum Klo niemanden erspart. «Watt mutt, datt mutt», sagt man bei uns im Norden. Und auch beim Camping muss man sich regelmäßig erleichtern. Wer ohne eigene Nasszelle fährt, kann sich für große und kleine Geschäfte ein Porta Potti von Thetford in den Wagen stellen. Dabei handelt es sich um eine tragbare Toilette. Die Hinterlassenschaften landen in einer Kassette, die regelmäßig entleert werden muss. Ein kleiner Tipp: Es gibt spezielles Toilettenpapier für Camper. Dieses löst sich im Tank besser auf, als normales aus dem Supermarkt. Und feuchte Tücher sind absolut tabu, stattdessen solltest du für eine saubere Intimzone lieber zur kleinen Po-Dusche greifen.

Von einem eigenen Klo träumen die meisten Camper im Zelt nur. Ihnen bleibt unterwegs häufig nur der Gang in die Natur. Aber Achtung: Es gehört zum guten Ton, die Hinterlassenschaften nicht offen herumliegen zu lassen. Papier bitte einsammeln, und den organischen Rest mit einem Klappspaten verbuddeln. Aber nicht jeder hockt sich gerne in den Busch. Die Firma Kildwick bietet hierfür eine Trenntoilette aus Pappe an. In einen Karton wird eine Tüte gehängt, darein kommen spezielle Zutaten, die die Flüssigkeit binden und den Geruch eindämmen. Entsorgt wird der Beutel dann im Restmüll. Für ein verlängertes Wochenende reicht so ein Set locker aus.

Der Abwasch ruft

Doch genug von der Körperhygiene erzählt, kommen wir zu einem anderen unappetitlichen Thema. Wer beim Camping gekocht und lecker gegessen hat, kommt anschließend um den Abwasch nicht herum. Schließlich hat man nur eine begrenzte Auswahl an Geschirr dabei – und wenig Platz, das schmutzige Geschirr zu lagern. Ich habe an Bord immer eine kleine Sprühflasche, die ich mit einer Mischung aus Wasser und abbaubaren Bio-Spülmittel gefüllt habe. Damit sprühe ich das schmutzige Geschirr ein und wische anschließend mit einem Tuch grobe Verschmutzungen weg. Dann geht es entweder zur Abwaschstation des Campingplatzes, oder ich nutze das Spülbecken im Fahrzeug. Manchmal packe ich mein Geschirr einfach in eine faltbare Waschschüssel und spüle das Geschirr vorm Wagen. Natürlich ist das nicht so sauber wie mit einer Geschirrspülmaschine, aber ich bin Camper und kein OP-Arzt: Meine Instrumente müssen nicht steril sein.

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Willkommen in der mobilen Waschküche

Etwas komplizierter wird es mit der schmutzigen Wäsche. Wer nur ein paar Tage unterwegs ist, wird genügend Wechselkleidung dabeihaben. Aber bei einem längeren Familienurlaub kommt eine Menge Kleidung zusammen. Besser ist es da, zwischendurch zu waschen. Zum Glück haben viele Campingplätze Waschmaschinen aufgebaut, die gegen eine Gebühr genutzt werden können. Leider sehen diese Maschinen nicht immer so aus, dass man seine Wäsche dort hineinlegen möchte. Als Alternative führt der Weg beim Städtebummel in ein örtliches Waschcenter.

Ich habe mir einen kleinen Waschbeutel zugelegt. Der ist im Prinzip nichts anderes als ein wasserdichter Beutel mit Rollverschluss, den man vom Wassersport kennt. Für etwas Unterwäsche und ein paar T-Shirts reicht die Größe, dann kommt Wasser und Waschmittel dazu. Jetzt ein paar Minuten kneten, ausspülen, Wäsche auswringen und aufhängen. Das ganz ist zwar etwas umständlich, hilft aber bei der schnellen Wäsche. Außerdem nimmt der Beutel zusammengefaltet wenig Platz weg.

Einmal ordentlich durchsaugen

Derzeit beschäftigt mich ein anderes Sauberkeits-Thema. Übeltäter ist mein Hund, der natürlich auf keiner Tour fehlen darf. Dummerweise müssen wir fast täglich seine hellen Haare von den Polstermöbeln entfernen, was per Hand oder einer Kleiderbürste sehr umständlich ist. Aus diesem Grund suche ich gerade einen leistungsstarken Handstaubsauger, der per Akku mit Strom versorgt wird. Die Auswahl ist groß, aber vielleicht lesen hier ja campende Tierbesitzer mit, die ein passendes Gerät gefunden haben? Ich freue mich über Hinweise in den Kommentaren...

Aber im Prinzip sind die Haare kein Problem. Beim Camping geht es eben nicht ganz so reinlich zu, wie man es von Zuhause gewohnt ist. Man muss lernen, etwas entspannter zu sein. Und dann wird der mobile Ausflug garantiert zu einer echt sauberen Sache. Und damit du immer mit genügend Power unterwegs bist, steht die nächste Kolumne unter (dem Motto) Strom.

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Meine ersten Campingerfahrungen machte ich vor mehr als 40 Jahren mit einem Zelt. Inzwischen lebe und arbeite ich als Journalist in einem VW LT 28 Karmann aus dem Jahr 1990. Seit drei Jahren spreche ich im Podcast “Campermen” mit teils prominenten Gästen über Vanlife, tolle Plätze und praktische Camping-Ausrüstung. Mein Buch «Die Camping Bibel» ist seit Mai 2021 im Handel erhältlich.

Mehr über mich: [www.gerdblank.de](http://www.gerdblank.de "Gerd Blank")
 


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