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Konami
Kritik

«Castlevania: Belmont’s Curse»: So gut ist das Metroidvania der «Dead Cells»-Veteranen

Konami schickt die Belmonts zurück ins Schloss: «Castlevania: Belmont’s Curse» ist ein 2D-Metroidvania mit starkem Leveldesign, fordernden Bossen und einer sehr befriedigenden Peitsche.

2026 wurde die 2D-«Castlevania»-Abstinenz volljährig: Ganze 18 Jahre ist es her, seit Konami mit «Order of Ecclesia» für den Nintendo DS letztmals auf die klassische Metroidvania-Formel gesetzt hat. Ausgerechnet jener Design-Ansatz, der ein Jahrzehnt später Kultgames wie «Hollow Knight» und «Animal Well» hervorbringen würde.

Nun ist die Serie zurück. Wie schon bei «Silent Hill» hat Konami die Entwicklung einem auswärtigen Studio überlassen: den Franzosen von Evil Empire. Die haben «Dead Cells» jahrelang mit Erweiterungen versorgt und zuletzt mit «The Rogue Prince of Persia» verzückt.

Wird ihre Neuinterpretation den Erwartungen gerecht?

Die Story: «Somehow, Dracula returned»

Paris im Jahr 1499. Die Stadt versinkt im Chaos und Häuser stehen in Flammen, womit sich die Videospiel-Version nur unwesentlich vom gegenwärtigen Paris unterscheidet. Der ansässige Bischof klopft darum beim bekanntesten Pixel-Vampirjäger an: Trevor Belmont. Trevor hat Dracula in «Castlevania III» den Garaus gemacht und ist der Protagonist des sehr tollen Netflix-Animes. Begleitet wird er von seiner Tochter Rose, deren Rolle ich in Konamis neuestem Goth-Game übernehme.

Rose vereint die physische Stärke ihres Vaters mit der magischen Begabung ihrer Mutter Sypha (ebenfalls eine Hauptfigur der Serie). Das macht sie zu einem vielseitigen Charakter, der sich auf ganz unterschiedliche Arten spielen lässt. Als Erzählerin fehlt ihr diese Vielseitigkeit leider: Gefühlt leiert der jüngste Belmont-Spross die komplette Kampagne hindurch dieselben paar Sätze runter. «Bla, bla, meine Mutter. Bla, bla, Dracula. Bla, bla, Fluch.»

Rose Belmont steigt ins Familiengeschäft ein.
Rose Belmont steigt ins Familiengeschäft ein.

Die «Castlevania»-Reihe gewichtet Gameplay seit jeher höher als die Geschichte, darum stört das nicht allzu sehr. Nachdem Netflix aber gezeigt hat, was mit dem Stoff alles möglich ist, hätte ich mehr erwartet als «Dracula ist zurück, er ist böse und du musst etwas dagegen machen».

Ein endgültiges Urteil wäre allerdings nicht ganz fair. Die Credits habe ich gesehen, aber noch nicht alle Geheimnisse. «Castlevania»-Spiele verstecken gerne mal zwei Drittel ihres Inhalts hinter kryptischen Puzzles, weshalb du diesen Kritikpunkt mit Vorbehalt lesen darfst.

Zum Fürchten schön

Im Gegensatz zu Paris lässt die Atmosphäre nichts anbrennen. Der Zeichentrick-Look passt hervorragend zum düsteren Setting und gefällt mit bildhübschen Hintergründen, deren Tiefeneffekt stellenweise an Dioramen erinnert.

Die einzelnen Abschnitte sind herrlich abwechslungsreich: In den Katakomben unter der Stadt wirft ein Kanal verspielte Lichteffekte an die Wand. Daneben türmen sich Totenschädel, schwach beleuchtet von einigen Kerzen. Draculas Schloss protzt dagegen mit aufwändigen Bleiglasfenstern, magischen Gärten und Foltergeräten, deren Detailgrad mich um die Angehörigen der Entwickler bangen lässt.

So ruhig hat es Rose selten.
So ruhig hat es Rose selten.

Rose hat für die morbide Schönheit kein Auge. Ihre Aufmerksamkeit gehört den Schergen, die Dracula aufgeboten hat, und dem Labyrinth, das der Capeträger sein Zuhause nennt.

Der Name verpflichtet

Franchise-Fans hatten einige unruhige Nächte, als Konami den Auftrag an Evil Empire vergab. «Dead Cells» und «The Rogue Prince of Persia» sind hervorragende Games, aber eben auch Roguelikes. Entsprechend gross war die Befürchtung, dass nun der Belmont-Clan in der Endlosschleife landet. Das ist nicht passiert. «Castlevania: Belmont’s Curse» ist ein waschechtes Metroidvania.

Ich bewege mich durch ein nichtlineares Paris, das in mehrere Gebiete unterteilt ist. Unterwegs erweitere ich stetig mein Bewegungsrepertoire und erschliesse so Abschnitte, die zuvor unerreichbar waren. Es ist ein einfacher, aber wahnsinnig befriedigender Gameplay-Loop, der Entdeckungsfreude und Aufmerksamkeit belohnt. Als Action-RPG versorgt mich das Spiel zudem verlässlich mit Level-ups. So wird das Erkunden nie zur Pflichtübung.

Auf diesem Screen wirst du viel Zeit verbringen.
Auf diesem Screen wirst du viel Zeit verbringen.

Das clevere Leveldesign sorgt laufend für Aha-Momente: mit geschickt gesetzten Abkürzungen, verborgenen Zugängen und kreativ angeordneten Plattformen, die meine Jump’n’Run-Fähigkeiten fordern.

Die Spielwelt ist riesig. Im letzten Drittel wird das zunehmend zur Schwäche: Pro Gebiet gibt es nur einen Schnellreisepunkt, und der ist zuweilen etwas willkürlich platziert. Nicht selten muss ich mich mehrere Minuten durch zahlreiche Screens kämpfen, um ans Ziel zu gelangen.

Medusaköpfe, Flea Man und andere Plagen

Rose startet mit einem Kurzschwert. Durchschlagskraft und Reichweite sind so dürftig, dass schon die ersten Gefechte zum Skill-Check werden. Am meisten setzen mir die Bogenschützen zu: Einige stehen auf Plattformen, die ich (noch) nicht erreichen kann. Dummerweise können sie auch noch zielen. Sie schiessen nicht nur dorthin, wo ich stehe, sondern oft schon dorthin, wo ich als Nächstes lande. Oder sie jagen mir einen Pfeil in den Rücken, während vor mir ein Ritter seine Lanze schwingt.

Viele der Widersacher dürften Serienveteranen bekannt vorkommen: Evil Empire hat für «Belmont’s Curse» ein Best-of der «Castlevania»-Gegner versammelt. Die fliegenden Medusa-Köpfe gehören auch 40 Jahre nach dem Seriendebüt zu den grössten Arschlöchern im Gaming. Auch die mächtigen Ritter kenne ich von früher und noch immer schleudern mir im Sterben eine letzte Axt entgegen – ein Move, den mein Siebhirn bis zu den Credits nicht abgespeichert hat.

Ein alter Bekannter.
Ein alter Bekannter.

Und natürlich auch ist der Flea Man zurück, der an mir klebt wie ein Sechsjähriger, der gerade erfahren hat, dass ich Games auf dem Handy habe.

Ein Arsenal gegen die Armee

Mein popeliges Schwert erhält schon bald Gesellschaft im Inventar. Gut versteckt hinter Scheinwänden oder am Ende eines anspruchsvollen Parcours finde ich Schlagringe, eine Lanze und mehr. Insgesamt gibt es sieben Waffentypen in jeweils vier Stärken.

Die Peitsche ist selbstverständlich mit dabei. Das Lieblingswerkzeug der Belmont-Familie landet mit einem satten Knall im Gesicht meiner Kontrahenten. Mit dem richtigen Abstand gibt es obendrauf einen kritischen Treffer. Ich peitsche wahnsinnig gerne Leute aus. Natürlich nur beruflich … in Games.

Da wird selbst John Wick neidisch.
Da wird selbst John Wick neidisch.

Daneben heize ich Draculas Handlangern mit Zauberangriffen ein. Die Magie ist an zwölf Tarotkarten gebunden. Eine davon gehört zur Startausrüstung, die restlichen elf werden von Bossen gehütet, die es allesamt in sich haben. Der Sieg über den Ersten bringt mir das Bumerang-Kreuz ein und die Fähigkeit, mich per Grappling-Hook an vorbestimmten Stellen in die Höhe zu hieven. Weil ich mich damit auch an Gegner heranziehen kann, gewinnen die Kämpfe zusätzlich an Dynamik.

Dank der vielen Kombinationen von Waffen und Magie kann ich das Spiel weitgehend meinen Vorlieben anpassen. Die Lanze hat beispielsweise etwas mehr Reichweite und lässt sich auch werfen. Mit den Schlagringen bin ich blitzschnell, teile dafür aber weniger Schaden aus.

Noch mehr Customizing erlauben die Relikte: Accessoires, die Rose allerlei Buffs verpassen. Anders als in vielen Games liefern die keine schäbigen drei Prozent mehr Angriffskraft, sondern echten Beistand, etwa dauerhaft stärkere Heiltränke. Auch meine Zauber legen im Verlauf des Abenteuers zu.

Für deren nächste Ausbaustufe muss ich verschiedene Herausforderungen meistern: fünf Gegner mit demselben Angriff erledigen, versteckte Puzzles lösen oder eine bestimmte Anzahl Attacken parieren. Ist dir das Spiel danach immer noch zu schwierig, bieten die Einstellungen zahlreiche Optionen, um «Belmont’s Curse» weiter zu entschärfen.

Kreatives Gegner-Metzeln wird belohnt.
Kreatives Gegner-Metzeln wird belohnt.

Alte Lasten, neuer Sound

Wenn ich draufgehe, ist es meistens meine Schuld, weil ich ein Angriffsmuster falsch gelesen oder mein Ausweichmanöver vermasselt habe. Meistens. «Belmont’s Curse» kann sich nämlich einigen Retro-Bullshit nicht ganz verkneifen: Mehrere Sprungpassagen zwingen mich zum Trial-and-Error-Prinzip, und Gegner decken mich gerne mal von ausserhalb des Bildschirms mit Projektilen ein.

So viele Möglichkeiten zum Sterben.
So viele Möglichkeiten zum Sterben.

Die teils weit entfernten Rücksetzpunkte halte ich ebenfalls für nicht mehr zeitgemäss. Und der Verzicht auf mehrere Speicherstände ist hier genauso unnötig wie zuletzt bei «Fire Emblem: Fortune’s Weave».

Modernisiert wurde stattdessen die Musik. Der Soundtrack stammt von ASADI, mit dem Evil Empire bereits für «The Rogue Prince of Persia» zusammengearbeitet hat. ASADI ist in erster Linie als Electro- und Trap-Produzent bekannt, der Clubmusik gerne mit orientalischen Einflüssen aufpeppt. Letzteres hat er für die Vampirjagd zurückgeschraubt. Als Untermalung für diese funktionieren seine Werke trotzdem nur bedingt. Viele Stücke sind repetitiv und nehmen die Stimmung des Abenteuers zu wenig auf.

Das fällt besonders auf, weil seine Neuinterpretationen klassischer «Castlevania»-Songs deutlich besser sitzen als die Eigenkompositionen.

«Castlevania: Belmont's Curse» erscheint am 15. Oktober für PS5, Xbox Series X/S, Switch und PC. Konami hat mir die PS5-Version zu Testzwecken zur Verfügung gestellt.

Fazit

Ein erstklassiges Horror-Metroidvania zur richtigen Jahreszeit

Evil Empire hat verstanden, was «Castlevania» ausmacht. Die Action vereint knackigen Anspruch mit einem vielseitigen taktischen Moveset, das Kämpfe zu einem befriedigenden Klingentanz macht. Das Leveldesign führt mich, ohne mich bei der Hand zu nehmen, und lässt den Fortschritt stets knapp ausser Reichweite baumeln. Und kaum bilde ich mir ein, das Spiel im Griff zu haben, werde ich vom nächsten Boss rasiert, der mir das Gegenteil beweist.

Abzüge gibt es für die Musik und die teils ärgerlichen Retro-Altlasten. Ausserdem dafür, dass Trevor Belmont auf der Ersatzbank sitzt. Wobei: Vielleicht auch besser. Ich will nicht wissen, was 20 Stunden in den Stiefeln von diesem Hunky Daddy mit meiner fragilen Heterosexualität machen würden.

Pro

  • grossartige Atmosphäre
  • tolles Leveldesign
  • herausfordernde Bosskämpfe
  • Auswahl an Waffen und Magie

Contra

  • schwacher Soundtrack
  • einige Frustmomente
Titelbild: Konami

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In den frühen 90er-Jahren vererbte mir mein älterer Bruder sein NES mit «The Legend of Zelda» und startete damit eine Obsession, die bis heute anhält.


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