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HBO / Warner Bros.
Meinung

Die dümmste Schlacht des Jahres: Walter White gegen Sir Duncan

Luca Fontana
25.2.2026

Review-Bombing, Fan-Eskalation und ein verlorener IMDb-Thron: Der jüngste Serienkrieg ist absurd, unterhaltsam und bezeichnend zugleich. Denn er zeigt, wie sehr wir Meisterwerke als Besitz verteidigen.

Es gibt Momente in der Menschheitsgeschichte, da frage ich mich, ob wir als Spezies eigentlich keine anderen Sorgen haben. Dann realisiere ich: Natürlich haben wir die. Aber keine ist so unterhaltsam wie ein digitaler Kleinkrieg zwischen Fanbases, die bereit sind, für das Erbe ihrer fiktiven Helden über (virtuelle) Leichen zu gehen.

Aber von vorn.

Die Festung «Ozymandias» ist gefallen

13 Jahre thronte «Breaking Bad» mit seiner Episode «Ozymandias» unangefochten auf dem IMDb-Olymp der Seriengeschichte: mit glatten 10 von 10 Punkten bei hunderttausenden Bewertungen. Unantastbar. Keine andere Serienepisode hatte je ein so perfektes Rating bekommen. Zumindest, bis ein gewisser Ritter der Sieben Königslande auf der Bildfläche erschien.

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«A Knight of the Seven Kingdoms» schickte sich an, das Unmögliche zu tun: Die Episoden 4 («Seven») und 5 («In the Name of the Mother») knackten auf IMDb kurzzeitig die magische 10-von-10-Punkten-Bewertung. Ein Sakrileg für die Anhänger des Meth-Königs!

Was folgte, war kein fairer Meinungsaustausch, sondern pure digitale Artillerie. Mit viel Missgunst und klassischem Review-Bombing – also dem Vergeben von absurd niedrigen Bewertungen, um den Schnitt über alle Reviews hinweg künstlich nach unten zu drücken – sorgten sie dafür, dass die beiden Ritter-Folgen rasch wieder den Thron verliessen und nach unten rutschten. Gleichzeitig tauchten in den Reviews unter den beiden Folgen Kommentare wie «Heil Heisenberg» oder «Say my name» auf.

Doch die Quittung der Fantasy-Fans liess nicht lange auf sich warten. Vor allem, nachdem HBO mit diesem Video zum Gegenangriff geblasen haben soll: In einem Akt der Vergeltung, der selbst Tywin Lannister stolz gemacht hätte, stürmten die Ritter-Fans das Folgen-Profil von «Ozymandias». Das Ergebnis? Ein historisches Beben. Ozymandias fiel auf eine 9,5-von-10-Punkten-Bewertung. Nach 13 Jahren ist die perfekte Bilanz dahin. Und was liest man heute in den Rezensionen der legendären «Breaking Bad»-Folge?

«The Lannisters send their regards», «The North Remembers» und «Winter is Coming».

Nicht die erste IMDb-Schlacht?

Es wäre übrigens naiv zu glauben, dieser Kleinkrieg sei eine historische Premiere. Das Internet hat ein langes Gedächtnis – und eine noch längere Liste an Nachkommastellen-Schlachten. Das wohl berühmteste Beispiel ist der Aufstieg von «The Shawshank Redemption» an die Spitze von IMDbs Liste der bestbewerteten Filme aller Zeiten.

Jahrelang hielt «The Godfather» den ersten Platz wie ein unerschütterliches Denkmal der Filmgeschichte. Dann kam 2008 Christopher Nolans «The Dark Knight» ins Kino, und mit ihm eine Welle enthusiastischer Comic-Fans, die den Film innerhalb weniger Tage auf Rang 1 katapultierten. Dann der Krieg: Anhänger beider Lager begannen, die jeweils andere Ikone mit 1-Stern-Wertungen zu bombardieren, um die Rangliste wieder «geradezurücken».

Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte.

Während sich Fans des Mafia-Epos und der Superhelden-Oper gegenseitig die Rübe einschlugen, rückte der lachende Dritte, das Gefängnisdrama, das bis dahin still auf Platz 3 verharrte, an die Spitze – und blieb dort. Seit fast 18 Jahren. Dabei floppte «Die Verurteilten» (vielen ist der deutsche Titel geläufiger) 1994 bei seinem Kinostart und gewann keinen einzigen Oscar. Erst durch seinen plötzlichen Aufstieg zum bestbewerteten Film aller Zeiten entdeckte ihn eine ganze Generation.

Krieg um Nachkommastellen

Ist dieser Review-Kindergarten traurig? Ein bisschen. Ist er lustig? Absolut. Es ist die ultimative Form der modernen Anerkennung: Ich hasse die andere Serie so sehr, weil sie meine Lieblingsserie bedroht. Dabei ändert es doch nichts an der Qualität der Kameraarbeit, dem Schmerz in Bryan Cranstons Augen oder der Atmosphäre in den Sieben Königslanden, ob eine Folge nun eine 10 oder eine 9,9 hat.

Ein Krieg um Nachkommastellen – an der Qualität ändert das nichts. Am Ende streiten Fans um Perfektion, während Meisterwerke Meisterwerke bleiben.
Ein Krieg um Nachkommastellen – an der Qualität ändert das nichts. Am Ende streiten Fans um Perfektion, während Meisterwerke Meisterwerke bleiben.
Quelle: Sony Pictures Television

Es ist ein Krieg um Nachkommastellen, geführt von Menschen, die wahrscheinlich beide Serien lieben, aber dem Tribalismus der sozialen Medien verfallen sind. Am Ende dieses «Blutvergiessens» bleibt nur die Erkenntnis, dass wir in einer Zeit leben, in der das Fernsehen so gut ist, dass wir uns darüber streiten, ob ein Meisterwerk nun «perfekt» oder nur «fast perfekt» ist.

Und ganz ehrlich? Wenn ich mir diesen bizarren Kleinkrieg so anschaue, bekomme ich weniger Lust auf Statistiken und viel mehr darauf, mich wieder aufs Sofa zu fläzen und guten Scheiss zu schauen. Denn egal, wer diesen Krieg gewinnt: Die wahren Sieger sind wir Zuschauende, die zwischen all der Grütze, die das Streaming-Zeitalter zu bieten hat, eben auch verdammt viele gute Geschichten erzählt bekommen.

Titelbild: HBO / Warner Bros.

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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