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BirdyChat
Meinung

Die Öffnung von WhatsApp bringt so nichts

David Lee
16.6.2026

Die EU will, dass man auch ohne WhatsApp mit WhatsApp-Nutzern kommunizieren kann. Hört sich nach einer guten Idee an. Doch die Umsetzung ist schwierig – und in der jetzigen Form nutzlos.

WhatsApp ist mit Abstand der meistgenutzte Messenger. Laut der Bundesnetzagentur verwenden ihn 93 Prozent der Deutschen, auf Platz zwei folgt der Facebook Messenger. Weil der Nutzen eines Messengers davon abhängt, wie viele Leute ich mit ihm erreiche, ist es für Konkurrenten schwierig, diese monopolartige Stellung aufzuweichen.

Die EU will dem nachhelfen. Sie hat im Rahmen des Digital Market Acts grosse Plattformbetreiber verpflichtet, ihre Dienste füreinander zu öffnen. WhatsApp gilt als zentrale Plattform – daher musste WhatsApp eine Schnittstelle für andere Messenger liefern.

Keine wichtige App ist an Bord

Bis hierher klingt das ganz gut. Doch die einzigen beiden Messenger, die von der Schnittstelle Gebrauch machen, sind die völlig unbekannten BirdyChat und Haiket. Signal und Threema haben eine Zusammenarbeit explizit ausgeschlossen. Sie haben Bedenken wegen des Datenschutzes – ein Punkt, in dem sie sich von WhatsApp abheben. Auch bei iMessage und Google Messages deutet nichts darauf hin, dass die WhatsApp-Schnittstelle integriert wird. Niemand wird dazu gezwungen; die Anreize sind offenbar zu gering. Und da nur WhatsApp als zentrale Plattform gilt, müssen die übrigen Messenger ihrerseits keine Schnittstellen anbieten.

Nur in einer unbekannten App, nicht in der Schweiz

Ich wollte die neue Funktion trotzdem ausprobieren und habe BirdyChat installiert. Haiket nicht, weil das nicht möglich ist. Dort kann ich mich nur auf eine Warteliste setzen lassen. In BirdyChat gibt es für mich auch nichts zu testen – das Feature sehe ich nicht. Die gesetzliche Verpflichtung gilt nur für den Europäischen Wirtschaftsraum – und die Schweiz ist nicht Teil des EWR. Meta scheint wirklich nur das Allernötigste umzusetzen.

Die links gezeigte Funktion fehlt bei mir.
Die links gezeigte Funktion fehlt bei mir.

WhatsApp-User müssen erst in den Einstellungen rumfummeln

Doch selbst wenn die Funktion zur Verfügung stünde, wäre sie weitgehend nutzlos. Denn WhatsApp hat die Nutzung von Drittanbieter-Chats standardmässig deaktiviert. Das bedeutet, dass jede Person auf WhatsApp, die ich mit BirdyChat anschreiben will, zuerst generell Drittanbieter und dann noch explizit BirdyChat aktivieren muss.

Das Praktische einer solchen Schnittstelle wäre, dass man auch ohne WhatsApp die zahlreichen WhatsApp-User anschreiben könnte. Und zwar direkt, ohne vorherige Bitten zum Wechseln der App – oder komplizierte Instruktionen, wie man die Einstellungen konfigurieren muss. Ich könnte damit WhatsApp von meinem Smartphone löschen, auch wenn ich des öftern mit WhatsApp-Nutzern kommuniziere. Aber so klappt das natürlich nie.

Der Nutzen ist damit gleich null.

Was müsste geschehen?

BirdyChat mit eingerechnet, habe ich nun fünf Messenger-Apps auf meinem Smartphone. Das kann nicht die Lösung sein. Aber was ist dann die Lösung?

Wahrscheinlich braucht es einen verbindlichen Standard – ein Protokoll, dessen Unterstützung selbstverständlich ist. Da sind wir näher dran, als viele denken: WhatsApp und Signal verwenden schon heute das gleiche Messenger-Protokoll. Auch der SMS-Nachfolger RCS wäre eine Möglichkeit, wenn er endlich mal von allen Mobilfunk-Providern unterstützt würde.

Aber das reicht eben nicht. Signal und Threema befürchten, dass der Austausch zwischen Plattformen zu De-Anonymisierung, Datensammeln und vermehrtem Spam führt. Sie wollen schlicht keine Interoperabilität. WhatsApp hat natürlich auch kein Interesse daran. Es ist schwierig, politisch eine Lösung zu finden, wenn alle, die sie umsetzen müssten, sich dagegen stellen.

Eine Lösung scheint nicht nur politisch, sondern auch technisch schwierig. Vielleicht ist Interoperabilität mit hundertprozentig sicherem Datenschutz gar nicht möglich. Trotzdem hoffe ich, dass es weitere regulatorische Bestimmungen geben wird, die eine standardisierte Kommunikation anstreben. Einfach bei SMS stehen bleiben ist keine Lösung. Auch WhatsApp und RCS sind wesentlich sicherer und leistungsfähiger als das völlig veraltete und unverschlüsselte SMS. Meiner Meinung nach braucht es einen Standard, der eine moderne Grundfunktionalität bietet. Wer eine besonders hohe Datensicherheit oder spezielle Zusatzfunktionen will, könnte dann immer noch zu proprietären Lösungen greifen.

Titelbild: BirdyChat

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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