
EA Sports bringt Pay-to-Win in den Singleplayer
In «EA Sports College Football 27» verkauft EA erstmals Fortschrittsvorteile in zentralen Einzelspieler-Modi. Besonders brisant: Zuvor entfernte der Publisher Einstellungen, mit denen du das Entwicklungstempo selbst bestimmen konntest. Nun wächst die Sorge, dass EA das Modell auf weitere Sportspiele überträgt.
Mikrotransaktionen gehören bei Sportspielen und vor allem bei EA Sports längst zum Geschäftsmodell. Bisher konzentrierte EA sie auf den Multiplayer-Modus Ultimate Team. Dort kaufen Spieler und Spielerinnen virtuelle Währung, Kartenpakete und damit indirekt bessere Chancen im Wettbewerb gegen andere.
In «EA Sports College Football 27», dass am gestrigen 9. Juli erschien, dringt dieses Modell nun tiefer in das eigentliche Spiel vor. EA verkauft Fortschritt auch in den großen Einzelspieler-Modi «Dynasty» und «Road to Glory». Du bezahlst also nicht für einen zusätzlichen Inhalt, eine Erweiterung oder einen neuen Spielmodus. Du bezahlst dafür, dass sich dein Trainer oder dein Spieler schneller entwickelt und du früher Fähigkeiten freischalten kannst.

Quelle: Bordeaux / YouTube
Das ist eine entscheidende Grenze. Denn EA monetarisiert damit nicht nur optionale Extras, sondern den Fortschritt selbst.
EA entfernt eine kostenlose Alternative
Besonders brisant ist, dass EA die schnelleren Progressionseinstellungen aus den Vorgängern entfernt hat. Dort konntest du selbst bestimmen, wie schnell dein Trainer oder Spieler Erfahrung sammelt.
In «College Football 27» sind die langsameren Varianten weiterhin vorhanden, die schnelleren Optionen fehlen jedoch. Gleichzeitig verkauft EA Punkte, mit denen du dieselbe Entwicklung beschleunigst. Hinweise aus der Community deuten zudem darauf hin, dass die entfernten Einstellungen weiterhin im Spielcode vorhanden sind.

Quelle: Bordeaux / YouTube
Die zeitliche Nähe legt einen direkten Zusammenhang nahe: EA hat den Spielern eine kostenlose Möglichkeit zur Beschleunigung genommen und verkauft ihnen nun eine kostenpflichtige Alternative. Damit entsteht der Grind nicht einfach zufällig. Der Publisher entscheidet selbst, wie schnell du Progress machst und verdient daran, wenn dir das Tempo zu langsam ist.
Um beispielsweise deinen Trainer im Dynasty-Modus sofort auf die maximale Stufe 100 zu bringen, benötigst du 12 000 Punkte. Beim Kauf des größten Pakets entspricht das rund 100 US-Dollar und liegt damit höher als der Preis der Standardversion. Zum Vergleich: Selbst wenn du zehn Spielzeiten simulierst und jede Partie gewinnst, erreichst du lediglich Stufe 48.
EA reagiert nur teilweise
Nach der wachsenden Kritik kündigte EA Anpassungen für Dynasty an. Künftig sollen wieder mehrere Geschwindigkeiten für den Erfahrungsgewinn zur Auswahl stehen. Die schnellste Variante erhöht den Fortschritt um den Faktor 1,5.
Damit gibt EA den Spielenden einen Teil der zuvor entfernten Kontrolle zurück. An den käuflichen Punkten ändert sich jedoch nichts. Auch die Frage, weshalb ein Vollpreisspiel überhaupt Progression im Einzelspieler verkauft, lässt der Publisher unbeantwortet.
Für «Road to Glory» betont EA, dass du auch ohne zusätzliche Käufe sehr hohe Werte erreichen kannst. Eine College-Karriere dauert jedoch nur vier bis fünf Saisons. Entscheidend ist deshalb, ob sich dein Spieler innerhalb dieser begrenzten Zeit in einem angemessenen Tempo entwickeln lässt. Wie schnell das geschieht, sollte von deinen Leistungen und den gewählten Einstellungen abhängen. Und nicht davon, ob du einen langwierigen Grind akzeptierst oder zusätzlich Geld ausgibst.
Content Creator geraten in Erklärungsnot
Die Debatte trifft auch YouTuber und Streamer, die vor der Veröffentlichung an einem Vorschau-Event von EA in Chicago teilnahmen. Nach eigenen Angaben wussten mehrere von ihnen nichts von den Mikrotransaktionen in «Dynasty» und «Road to Glory».
Einige hatten das Spiel bereits gelobt oder ihren Zuschauern zum Kauf geraten. Nach dem Start der Early-Access-Phase mussten sie erklären, weshalb die Bezahlmechaniken in ihren Videos nicht vorkamen.
Besonders deutlich äußerte sich der YouTuber Bordeaux. Unter dem Hashtag «#CFBPlayDontPay» ruft er dazu auf, keine Fortschrittspunkte zu kaufen. Weitere bekannte Content Creator wie Nottheexpert und Bengal schließen sich der Kritik an und relativieren frühere Empfehlungen. Mehrere kündigen zudem an, ihre Zusammenarbeit mit EA zu beenden.
Damit hat die Kontroverse für EA direkte Folgen. Der Publisher verliert einige jener Stimmen, die die Reihe über Jahre begleitet und einem großen Publikum nähergebracht haben. Bordeaux erklärte, eine Rückkehr zum bisherigen Verhältnis sei für ihn nur denkbar, wenn EA die Mikrotransaktionen entfernt und die gestrichenen Funktionen zurückbringt. Indem EA die Creator offenbar nicht vollständig informierte, setzte der Publisher zugleich deren Glaubwürdigkeit aufs Spiel.
Spieler reagieren mit Stornierungen und schlechten Bewertungen
Ein Teil der Community belässt es nicht bei Kritik in sozialen Netzwerken. Spieler kündigen an, Vorbestellungen zu stornieren, Rückerstattungen zu beantragen oder ganz auf den Kauf zu verzichten.
Der Unmut zeigt sich auch auf Steam, wo «College Football 27» erstmals für den PC erschienen ist. Kurz nach dem Start lag der Anteil positiver Rezensionen laut einem vom User Szerek1 auf X geteilten Zwischenstand noch bei 33 Prozent.

Quelle: Kim Muntinga / Screenshot
Seitdem ist die Bewertung weiter gefallen. Aktuell empfehlen nur noch 22 Prozent von rund 700 Steam-Rezensenten das Spiel. Damit steht es bei «größtenteils negativ» und gehört derzeit zu den am schlechtesten bewerteten Neuerscheinungen auf Steam. Bleibt die Wertung auf diesem Niveau, könnte sich College Football 27 schon bald einen Platz in der «Hall of Shame» beziehungsweise in den «Bottom 100» von Steam250 sichern.
Die PC-Veröffentlichung bietet der Community zugleich eine weitere Möglichkeit, sich gegen die Beschränkungen zu wehren. Erste Modder wie C4 arbeiten bereits an Anpassungen, die Spielern wieder mehr Kontrolle über den Dynasty-Modus geben und das Spiel stärker zu einer offenen Sandbox machen sollen.
Die Kampagne «#CFBPlayDontPay» zielt direkt auf die zusätzlichen Einnahmen. Spieler sollen das Football-Spiel nutzen können, ohne Fortschrittspunkte zu kaufen. Schon eine vergleichsweise kleine Gruppe zahlungsbereiter Kunden kann das Modell allerdings profitabel machen.
Weitere EA-Sports-Reihen könnten folgen
Am naheliegendsten wäre eine Ausweitung auf «Madden NFL». Die beiden Football-Reihen laufen auf derselben technischen Basis, folgen ähnlichen Spielsystemen und sprechen ein weitgehend deckungsgleiches Publikum an. EA verkauft beide Titel zudem gemeinsam im Bundle. Was in «College Football 27» funktioniert, lässt sich mit überschaubarem Aufwand auf den Karriere- oder Superstar-Modus von «Madden» übertragen.
Insider Gaming berichtet unter Berufung auf anonyme Quellen, dass EA im gesamten Portfolio nach zusätzlichen Einnahmequellen sucht. Genannt werden unter anderem «Madden NFL 27», kostenpflichtige Erweiterungen für «UFC 6» und der neue Modus «The Grounds» für «EA Sports FC». Auch künftige reine Einzelspielertitel sollen stärker monetarisiert werden. EA hat diese Angaben nicht bestätigt.
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