Einstieg ins Smarthome, Teil 2: Philips Hue
Kaufratgeber

Einstieg ins Smarthome, Teil 2: Philips Hue

Raphael Knecht
Raphael Knecht
Zürich, am 17.11.2020
Mit Smarthome-Produkten automatisierst du deinen Alltag. Um den Durchblick im Anbieter-Dschungel nicht zu verlieren, stelle ich dir die gängigsten Systeme vor. Nach Homematic IP ist Philips Hue an der Reihe.

Lampen, die auf deine Bewegungen reagieren, sich einschalten, wenn du einen Raum betrittst und ausgehen, sobald du den Raum verlässt. Hintergrundbeleuchtungen, die sich den Farben anpassen, die auf deinem Fernseher oder Computer zu sehen sind. Oder Lichtroutinen, die auf all deinen Leuchten den Sonnenaufgang simulieren und dich sanft aufwachen lassen. Smarten Licht-Systemen sind beinahe keine Grenzen gesetzt. Alles interagiert miteinander, ist vernetzt und begleitet deine tägliche Routine. Den Einstieg zu schaffen, ist bei all den Möglichkeiten schwierig. Damit du weisst, welches System für dich passt und worauf du bei welcher Lösung achten musst, erkläre ich dir die verschiedenen Anbieter und ihre Produkte im Detail. Im zweiten Teil bringe ich dir Philips Hue näher.

Mit *Homematic IP** machst du dein Zuhause smarter
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Mit Homematic IP machst du dein Zuhause smarter

Aller Anfang ist einfach

Für viele ist Philips Hue der perfekte Einstieg ins Smarthome-Universum. Ein paar Lampen, die ihre Farbe auf Knopfdruck ändern und via App übers Smartphone steuerbar sind. Das klingt für Anfänger verlockend einfach. Bei den ersten gekauften Lichtern stellt sich heraus, dass Philips Hue wirklich ein simples System ist. Zudem bieten viele der Leuchtmittel über 16 Millionen Farben, was dir schier unendliche Beleuchtungsmöglichkeiten eröffnet. Philips Hue ist die Einstiegsdroge schlechthin, wenn's ums Experimentieren mit Smarthome-Produkten und Licht geht. Ausserdem sind einige Philips-Hue-Lampen nicht nur gewöhnliche Lichtspender, sondern auch ansehnliche Design-Objekte.

Bist du süchtig nach Philips Hue, kannst du nicht mehr ohne.
Bist du süchtig nach Philips Hue, kannst du nicht mehr ohne.

Um Philips-Hue-Produkte zu installieren, brauchst du weder einen Elektriker noch entsprechende Fähigkeiten. Es gibt zwei Möglichkeiten: Die «halbsmarte» BT-Linie und das «normale» Hue, das viele kennen. Ersteres funktioniert über Bluetooth, letzteres mit der Bridge. Dazu später mehr. Das Schwierigste, was du zu tun hast, sind Schalter oder Lichter ankleben, Glühbirnen heraus- respektive hineindrehen und ein paar Klicks in der App tätigen. Je nach Produkt und Befestigungsort kommen eventuell Bohren und Schrauben hinzu, doch auch das in überschaubarem Rahmen. Das macht das Ganze so reizvoll. Die Leuchten sind sehr schnell montiert, aufgesetzt und betriebsbereit. Ausserdem kannst du jede einzeln oder alle zusammen ansteuern. Die Disco im Wohnzimmer, Lichtermeer im Garten oder Lightstrips in der Garage – alles, wie du es möchtest. Vom Gaming Setting bis hin zur romantischen Wohlfühloase ist alles denkbar und schnell umgesetzt.

Was du dafür benötigst

Zu jedem Hue-Setup gehört die Basisstation. Die schliesst du per Kabel an deinen Router an. Offline geht also auch bei Philips Hue nicht mehr alles, was online möglich ist. Du kannst die Lampen je nach Installation zwar noch manuell via Schalter betätigen, aber über die App bist du machtlos. Ausserdem ist die Internetverbindung fürs Aufsetzen zwingend notwendig. Da die Bridge – so nennt Philips die Schaltzentrale des Hue-Beleuchtungssystems – relativ klein ist, kannst du sie gut hinter einem Möbel oder einer Lampe verstecken. Was mich persönlich stört, ist die Tatsache, dass der blaue Lichtring sowie die drei kleinen Status-LEDs auf der Bridge nicht deaktiviert werden können. Die Lampen der Basisstation selbst sind wohl die einzigen im ganzen Hue-Universum, die du nicht steuern kannst.

Philips Hue Bridge: Blaue Lichter, die du nicht anpassen kannst.
Philips Hue Bridge: Blaue Lichter, die du nicht anpassen kannst.

Mit der Basisstation kannst du danach jedes beliebige Philips-Hue-Produkt ansteuern. Mittlerweile bieten auch diverse andere Hersteller Produkte an, die mit Hue kompatibel sind. Die Geräte von Innr, Paulmann oder Sunricher arbeiten beispielsweise ebenfalls mit dem Zigbee-Kommunikationsprotokoll, auf dem Philips Hue basiert. So kannst du dein smartes Lichtsystem um zahlreiche Komponenten erweitern und dir Schritt für Schritt ein Smarthome einrichten. Bestehende Glühbirnen ersetzen, neue Steh-, Wand- oder Deckenlampen installieren, Bewegungsmelder oder Schalter nutzen, LED-Strips montieren, deinen Computer oder Fernseher mit Ambilight versehen und sogar andere Geräte via Philips-Hue-Steckdose ansteuern. Dank vieler Outdoor-Produkte sind die Hue-Möglichkeiten nicht nur auf Innenräume beschränkt.

Hue oder pfui?

Du willst deine alten Glühbirnen durch smarte Exemplare ersetzen, die du erst noch in allen möglichen Farben erstrahlen lassen und über eine App steuern kannst? Oder deinen alten TV ohne Ambilight nachrüsten? Dann bist du bei Philips Hue genau richtig. Oder aber, wenn du irgendwo eine zusätzliche Lampe brauchst und diese unkompliziert über einen Schalter ein- und ausschalten möchtest, den du weder schrauben noch bohren musst. So habe ich zum Beispiel ein Lichtproblem in meiner Küche gelöst – zunächst mit Lightstrips, später dann mit einer Play von Philips Hue. Kombiniert habe ich das Ganze mit einem kompatiblen Smart-Light-Control-Schalter von Feller. Dasselbe wäre auch mit den Switches von Philips Hue möglich gewesen. Die passen aber vom Design her nicht zu meiner Einrichtung.

Lichtschalter + Storenschalter
EDIZIOdue Smart Light Control for Philips Hue
Feller EDIZIOdue Smart Light Control for Philips Hue
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Ausserdem kannst du alle Philips-Hue-Produkte mit den gängigen Sprachassistenten wie Apples Siri, Amazons Alexa oder Googles Assistant steuern. Auch Microsofts Cortana, Samsungs Bixby oder IFTTT sind kompatibel. Mit Bewegungsmeldern, Lichtschaltern und Outdoor-Leuchten kannst du auch den Raum rund um dein Zuhause aufpeppen und greller leuchten lassen als jedes Fussballstadion. Philips Hue bietet sogar Lightstrips, welche sich für den Aussenbereich eignen. Viele Produkte lassen sich zudem nebst der Steuerung via App auch über smarte Schalter, Steckdosen oder direkt am Gerät selbst manuell steuern. Fällt dein Internet aus, wird's also nicht gleich in der ganzen Wohnung dunkel.

Auch draussen macht Philips Hue eine gute Figur. Bildquelle: Techtest
Auch draussen macht Philips Hue eine gute Figur. Bildquelle: Techtest

Der grosse Nachteil bei Philips Hue sind die Preise. Die Produkte sehen edel aus, sind gut verarbeitet und funktionieren meist problemlos. Eine einfachere Installation gibt's kaum. Insbesondere bei teilweise sehr komplexen Smarthome-Umgebungen ist das definitiv ein Pluspunkt. Dennoch sind die Leuchten und Co. von Philips Hue für meinen Geschmack zu teuer. Die hohen Anschaffungskosten sind auch der einzige Grund, weshalb meine Wohnung (noch) nicht bis unters Dach mit diesen Dingern vollgestopft ist.

Ich nutze einen Hue Lightstrip als schlichte Hintergrundbeleuchtung für meinen TV.
Ich nutze einen Hue Lightstrip als schlichte Hintergrundbeleuchtung für meinen TV.

Valable Beleuchtungsalternativen

Möchtest du eine ähnliche Beleuchtungslösung, kann ich dir Eglo Connect empfehlen. Kollege Michael hat das System einem direkten Vergleich mit Philips Hue unterzogen. Die Smarthome-Leuchten haben überraschend gut abgeschnitten und ihn als Alternative für Leute, die nicht noch extra eine Bridge installieren wollen, überzeugt. Das Ganze ist etwas simpler gehalten als Philips Hue, kann in Sachen Funktionen, Farben und Anbindung aber trotzdem mit dem Branchen-Primus mithalten. Zudem brauchst du keinen Router und kein Internet für die Eglo-Lösung. Ideal für eine Ferienwohnung oder einen Zweitwohnsitz, wenn du dir einen solchen leisten kannst. Dafür kannst du die Beleuchtung nur innerhalb deiner eigenen vier Wände über Bluetooth steuern.

Eglo Connect macht Philips Hue Konkurrenz. Bildquelle: Michael Restin
Eglo Connect macht Philips Hue Konkurrenz. Bildquelle: Michael Restin

Eine weitere Alternative ist Innr. Die holländischen Nachbarn von Philips haben ebenfalls ein smartes Beleuchtungssystem entwickelt. Dieses ist übrigens mit Philips Hue – oder auch mit Ledvance, einem weiteren Konkurrenten – kompatibel. Es kann aber auch mit der eigenen Bridge betrieben werden. Innr bietet vor allem weisse Leuchten, hat inzwischen sein Sortiment aber auf einige farbige Lampen ausgeweitet. Wie bei Hue können Szenen erstellt oder Zeitpläne definiert werden, um bis zu 50 Lichter aufeinander abzustimmen und zu steuern. Auch Paulmann bietet smarte Leuchtmittel. LifX hat Michael ebenfalls überzeugt. Kennst du weitere Alternativen zu Philips Hue? Dann lasse es mich in den Kommentaren wissen.

Smart Flex strip FL 140 C (Kaltweiss, Neutralweiss, Warmweiss, RGBW)
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Innr Smart Flex strip FL 140 C (Kaltweiss, Neutralweiss, Warmweiss, RGBW)

An Hue führt (fast) kein Weg vorbei

Philips Hue ist eine einfache Möglichkeit, erste Schritte im Smarthome-Universum zu wagen. Auch wenn sich die Produkte primär auf Glühbirnen, Lichtstreifen und Lampen beschränken, sind sie mit vielen anderen System kompatibel. So kannst du dein Zuhause schrittweise smarter gestalten und um Komponenten erweitern, die über die Beleuchtung hinausgehen. All deine Philips-Hue-Produkte steuerst du über die App, direkt übers Produkt oder den Switch. Ein grosser Vorteil ist auch das Einschalten je nach Sonnenuntergangszeit. So kriegst du eine einfache Alarmanlage und musst nicht ständig neue Ein- und Ausschaltzeiten programmieren. Vom einfachen Ein- und Ausschalten übers Dimmen bis hin zum durch Lampen imitierten Sonnenaufgang ist alles möglich. Obwohl das Ganze seinen Preis hat, will ich meine Philips-Hue-Leuchten nicht mehr missen.

Die Philips-Hue-Produkte sind zwar teuer, aber auch einfach einzurichten, zu bedienen und zu erweitern.
Die Philips-Hue-Produkte sind zwar teuer, aber auch einfach einzurichten, zu bedienen und zu erweitern.

Homematic IP bietet einen einfachen Einstieg ins Smarthome-Universum – vom automatisierten Rollladen bis hin zur smarten Wetterstation. Ähnlich simpel arbeitet es sich mit Philips Hue, wobei der Fokus hier auf der Beleuchtung liegt. Im nächsten Teil meiner Smarthome-Einführung werde ich Tado, das smarte Raumklimasystem, genauer beleuchten. Wenn du diesen und weitere Smarthome-Texte von mir nicht verpassen möchtest, dann folge mir mit einem Klick auf den «Autor folgen»-Button beim Autorenprofil.

Titelbild: Pia Seidel

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Raphael Knecht
Raphael Knecht

Senior Editor, Zürich

Wenn ich nicht gerade haufenweise Süsses futtere, triffst du mich in irgendeiner Turnhalle an: Ich spiele und coache leidenschaftlich gerne Unihockey. An Regentagen schraube ich an meinen selbst zusammengestellten PCs, Robotern oder sonstigem Elektro-Spielzeug, wobei die Musik mein stetiger Begleiter ist. Ohne hüglige Cyclocross-Touren und intensive Langlauf-Sessions könnte ich nur schwer leben.

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