Erstes Lego-Motorrad im Massstab 1:5

Ramon Schneider
Ramon Schneider
Zürich, am 09.02.2022

Das BMW-Motorrad von Lego ist nicht nur gross, sondern auch teuer. Obwohl der Zusammenbau enorm Spass macht, solltest du dir diese Investition gut überlegen.

Ungefähr 20 Jahre ist es her, als ich das erste Mal mit einem Motorrad eine Spritztour gemacht habe. Mit einem stark frisierten Puch Maxi S. Genauso halsbrecherisch kann auch die Ausfahrt mit einer BMW M 1000 RR sein. Kaum ein anderes Motorrad mit Strassenzulassung ist so nah am Rennsport wie dieses 212 PS starke Monster, das dich in 3,1 Sekunden von null auf 100 beschleunigt. Sollte dir das zu brachial sein oder hast du keine 33’400 Franken für ein Motorrad auf der hohen Kante, bietet dir Lego eine kleinere Version fürs Wohnzimmer.

BMW M 1000 RR (42130, LEGO Technic)
180,65
LEGO BMW M 1000 RR (42130, LEGO Technic)
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Wobei – «klein» ist bei diesem Modell das falsche Wort. Zum ersten Mal in der Geschichte von Lego, kommt ein Motorrad im Massstab 1:5 auf den Markt. Das grösste Motorrad von Lego überhaupt. Ohne dem Ständer ist das Bike 27 Zentimeter hoch, 45 Zentimeter lang, 17 Zentimeter breit und wiegt knapp 1,5 Kilogramm. Dank seiner Dimensionen soll die Komplexität und Detailtreue laut Lego «auf ein neues Level gehoben werden». Ich bin gespannt, ob das eingehalten wird.

Der Zusammenbau

Im Inneren der Schachtel erwarten mich 1920 Einzelteile, verteilt auf mehrere Säcke und eine Bauanleitung. Auf den ersten paar Seiten der Anleitung erfahre ich mehr über die Entstehung des Modells von Lego-Designer Samuel Tacchi und finde ein paar Vergleiche zum Original von BMW. Schön bebildert versetzen mich diese Seiten in Stimmung und machen Laune aufs Bauen. Nebst der Anleitung sticht mir jedoch noch etwas anderes ins Auge. Und das macht mir ein wenig Sorgen: zwei Bögen voll mit Aufklebern. 79 Stück, um genau zu sein. So viele Sticker habe ich noch nie zuvor bei einem Technic-Set gesehen.

Magst du keine Sticker, solltest du die Finger von diesem Set lassen.
Magst du keine Sticker, solltest du die Finger von diesem Set lassen.

Brav der Anleitung folgend beginne ich mit dem Bau von Motor und Getriebe. Zu diesem Schritt muss ich Lego bereits ein Lob aussprechen, denn es hat mir enorm Freude bereitet. Auf kleinem Raum werden hier komplexe Zahnradkombinationen untergebracht. Was diesen Schritt besonders macht: Am fertigen Modell wirst du fast nichts mehr davon sehen. Nur wer es gebaut hat, weiss, was da drin steckt. Die Zahnräder sind jedoch nicht einfach so verbaut: Lego liefert hier ein voll funktionstüchtiges Dreiganggetriebe inklusive Leerlauf. Das habe ich nicht erwartet.

Der Motorblock mit funktionierendem Dreiganggetriebe.
Der Motorblock mit funktionierendem Dreiganggetriebe.

Ein weiteres Highlight ist die Hinterradaufhängung. Das ganze Teil ist frei beweglich und wird lediglich von einem massiven Stossdämpfer getragen. Dieser wurde extra für das Bike neu entworfen. Technic-Designer Samuel Tacchi sagt dazu Folgendes: «Bei der Aufhängung lag der Knackpunkt darin, die richtige Stärke zu finden, um zu verhindern, dass unsere Elemente an ihre Belastungsgrenze stossen. Das Modell wiegt mehr als ein Kilo, wobei das meiste Gewicht auf dem hinteren Stossdämpfer liegt. Deshalb mussten wir bei der Aufhängung ganz genau darauf achten, wie viel Druck sie aufnehmen kann. Die Entwicklung des Stossdämpfers hat viel Zeit und Hingabe gekostet. Aber ohne ihn hätten wir das Bike nicht bauen können!»

Der neu entwickelte Stossdämpfer.
Der neu entwickelte Stossdämpfer.

Während des Zusammenbaus steht alles immer auf einem Sockel. Ausser den noch zu verbauenden Einzelteilen liegt nichts auf dem Tisch. Stück für Stück wächst so das Motorrad bis hin zum fertigen Modell. Dadurch fühle ich mich ein wenig wie ein echter BMW-Techniker, welcher das Bike am Fliessband baut. Ein schönes Gefühl. Da alle Teile auf ziemlich engem Raum gebaut werden, ist es hin und wieder ein bisschen fummelig. Schwierigkeiten hatte ich jedoch während den gesamten acht Stunden Bauzeit nie. Jede 18-jährige Person, so ist die Altersempfehlung von Lego, sollte das locker schaffen.

Die Optik

Optisch macht das fertige Modell einen sehr guten Eindruck. Durch die Grösse des Motorrads sind, wie von Lego versprochen, auch kleine Details gut ersichtlich. Auffallend sind vor allem die beiden Winglets aus «Karbon». Die liefern den nötigen Anpressdruck auf das Vorderrad, was Vorteile in der Beschleunigung mit sich bringt.

Die Winglets sind ein markantes Merkmal der M 1000 RR.
Die Winglets sind ein markantes Merkmal der M 1000 RR.

Normalerweise stören mich bei Lego Technic die farbigen Pins, welche von Aussen am Modell sichtbar sind. Hier fallen sie jedoch kaum auf. Klar, ich sehe sie und sie stören mich noch immer. Doch die Verkleidung mit den auffallenden Stickern lenkt den Blick davon ab. Besonders die roten und blauen Teile verschmelzen mit der Optik des Bikes. Die gelben Elemente hätte Lego jedoch rot oder blau färben können, um die Optik noch besser zu machen.

Die gelben Pins fallen zwar auf, jedoch weniger als bei anderen Modellen von Lego Technic.
Die gelben Pins fallen zwar auf, jedoch weniger als bei anderen Modellen von Lego Technic.

Etwas fehlt bei diesem Modell leider komplett: der Kennzeichenhalter inklusive Rücklicht. Keine Ahnung, was sich Lego hierbei gedacht hat. Ohne dieses Teil ist das Modell nicht fertig. Bei der BMW M 1000 RR geht es ja genau darum, dass du ein Motorrad aus dem Rennsport mit Strassenzulassung hast. Ohne Rücklicht oder Nummernschild darf das Modell aber nicht auf der Strasse fahren. Obwohl der Rest des Bikes optisch sehr gut aussieht und auch Details zu Geltung kommen, ist dieses fehlende Stück ein Schlag in die Magengrube für Motorrad-Enthusiasten.

An Kennzeichenhalter und Rücklicht haben die Lego-Designer nicht gedacht.
An Kennzeichenhalter und Rücklicht haben die Lego-Designer nicht gedacht.

Fazit

Die BMW M 1000 RR von Lego Technic ist ein gelungenes Set. Weil Rücklicht und Nummernschild fehlen, wäre es aber im Vergleich zum Originalmodell nicht strassentauglich. Durch die Art und Weise, wie das Bike zusammengebaut wird, fühlte ich mich wie ein Mechaniker im BMW-Werk. Die vielen Sticker sind zwar mühsam anzubringen, dennoch liefert dir dieses Set enormen Bauspass. Optisch kommt das Modell nahe ans Original heran und kann ein Schmuckstück in deiner Wohnung sein. Einzig die sichtbaren farbigen Pins und der erwähnte, fehlende Kennzeichenhalter trüben das insgesamt sehr positive Gesamtbild.

Dafür musst du tief in die Tasche greifen.
Dafür musst du tief in die Tasche greifen.

Spielen kannst du mit dem Motorrad nicht. Es besitzt keine Power Functions und ist daher lediglich für die Vitrine gedacht. Wie auch beim Original musst du dich für dieses Modell in hohe Unkosten stürzen. Im Verhältnis zur Anzahl Teile ist dieses Technic-Set sehr teuer. Daher empfehle ich das Bike eher für BMW-Fans oder Motorradfahrer:innen als für normale Lego-Begeisterte. Ich würde mit dem Kauf noch abwarten, bis der Preis in den nächsten Monaten ein wenig sinkt. Über 200 Franken ist definitiv zu teuer. Damit kaufe ich mir lieber einen kompletten Rennsatz für ein Puch Maxi S.

Das Produkt wurde mir für diesen Test von Lego zur Verfügung gestellt. In der Redaktion berichten wir immer unabhängig von den Interessen der Hersteller und sind nicht verantwortlich für Umsatzziele.

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Bezahlt werde ich dafür, von früh bis spät mit Spielwaren Humbug zu betreiben.


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