Fitbit Sense im Test: Fitness-Wearable mit EKG

Fitbit Sense im Test: Fitness-Wearable mit EKG

Jan Johannsen
Hamburg, am 27.01.2021
Die Fitbit Sense ist das aktuelle Topmodell unter den Fitness-Wearables. Mehr Sensoren sorgen für mehr Anwendungsmöglichkeiten. Die Sense misst deine Hauttemperatur, gibt einen Wert für dein Stresslevel an und fertigt Elektrokardiogramme (EKG) an.

«Stress bei 89 und und das EKG sieht auch gut aus.» Für diese Aussage musst du nicht mehr zum Arzt gehen, sondern schaust an dein Handgelenk. Die Fitbit Sense kann als Fitness-Wearable viel mehr als nur Schritte zählen oder eine Jogging-Strecke per GPS aufzeichnen.

Schön verpackte neue Funktionen

Ein quadratisches Display, das auch bei Sonnenschein gut zu erkennen ist, in einem Edelstahlgehäuse mit leicht abgerundeten Ecken und Kanten. Die Fitbit Sense macht optisch was her und ist nicht auf den ersten Blick ein Fitness-Gerät, sondern hat das Zeug zum Fashion-Item. Das schlichte Standard-Kunststoffarmband sorgt, trotz seines nervigen Verschlusses, zwar für einen bequemen und sicheren Sitz am Handgelenk, aber wenn du ein richtiges Fashion-Statement setzen willst, kommst du um einen Blick in das Angebot der Wechsel-Armbänder nicht drum herum. Der Wechsel funktioniert ohne Werkzeug: Verriegelung lösen, altes Armband raus, neues Armband rein und es macht Klick.

Helles, buntes Display und Edelstahlgehäuse.
Helles, buntes Display und Edelstahlgehäuse.

Optisch befindet sich die Fitbit Sense sehr nahe bei der Fitbit Versa 2 und der zusammen mit ihr vorgestellten Versa 3. Von ihnen hebt sich die Sense durch die Stressmessung, das EKG und die Messung der Hauttemperatur ab.

Der schnelle Weg zum Elektrokardiogramm

Ich bin nicht mehr der Jüngste, aber auch noch nicht total alt, mache regelmäßig Sport und fühle mich fit. Sorgen um mein Herz mache ich mir nicht. Allerdings traten in meiner direkten älteren Verwandtschaft schon Herzinfarkte oder Vorhofflimmern auf. Da klingt es gar nicht so verkehrt, ein Gerät am Handgelenk zu haben, das Probleme am Herzen entdecken soll.

Einfacher lässt sich ein EKG kaum erstellen.
Einfacher lässt sich ein EKG kaum erstellen.

Das EKG der Fitbit Sense ist denkbar einfach zu benutzen. Während ich die Fitness-Uhr an einem Handgelenk trage, fasse ich zwei gegenüberliegende Ecken ihres Edelstahlrahmens mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand an. 30 Sekunden warten und das Ergebnis ist da. Bei mir sieht der Sinusrhythmus gut aus. Das fühlt sich gut an, ist aber noch keine medizinische Sicherheit, wie Fitbit im langen Kleingedruckten klar macht. Wenn ich es richtig verstehe, ist zum Beispiel Vorhofflimmern – zumindest am Anfang – kein Dauerzustand. Deswegen ist es mit gelegentlichen 30-Sekunden-Messungen auch leicht zu verpassen. Wobei du die Messung mit der Sense jederzeit durchführen kannst, wenn du anhand anderer Symptome Probleme mit dem Herzen befürchtest – und nicht auf einen Termin bei der Kardiolog*in warten willst. Im Zweifel gilt es sich immer von einer Ärzt*in durchchecken zu lassen. Die EKGs der Fitbit Sense kannst du zum Gespräch mitnehmen.

Eine Zahl für den Stress

Unter dem Punkt «Stressmanagement» siehst du mit der Sense in der Fitbit-App einen Wert, der körperlichen Stress greifbarer machen soll. Der Wert basiert auf Daten aus den drei Bereichen Sensibilität, Belastung und Schlafrhythmus.

Bei Sensibilität geht es um Hormone, die das autonome Nervensystem freisetzt. Bei Stress bereitet sich dein Körper zum Beispiel auf eine «Flucht-oder-Kampf-Reaktion» vor. Für die Bewertung schaut Fitbit die Herzfrequenzvariabilität, eine erhöhte Ruheherzfrequenz, eine über der Ruheherzfrequenz liegende Herzfrequenz im Schlaf sowie die elektrodermale Aktivität (EDA) der Haut an. Die EDA kannst du über die Sense jederzeit erfassen. Die Sensoren messen dann, wie stark die Haut schwitzt – und dabei geht es bereits um geringe Mengen Schweiß, die nicht mit dem Schwitzen beim Sport zu vergleichen sind. Anschließend kannst du auf einer Fünfer-Skala festhalten, wie du dich in dem Moment fühlst.

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Unter dem Schlagwort «Belastung» zieht Fitbit die täglichen Schritte, die wöchentliche Aktivität und den Fitness-Ermüdungsindex zur Berechnung hinzu. Hier geht es um das gesunde Mittelmaß. Zu wenig Bewegung kann dich anfälliger für Stressfaktoren machen und zu viel Bewegung kann zu körperlicher Ermüdung führen.

Beim Schlaf bezieht Fitbit ein längerfristiges Schlafdefizit, Ruhelosigkeit und andere Schlafstörungen sowie REM- und Tiefschlaf mit in die Bewertung ein. Salopp gesagt, wer gestresst ist, schläft schlechter.

Bei allen drei Bereichen gilt: Umso mehr Punkte, desto weniger Stress stellt Fitbit bei dir fest. Ich liege von wenigen Ausnahmen abgesehen in den letzten Wochen immer zwischen 80 und 90 Punkten. Ich sehe das als gute Werte an, aber trotzdem lassen sie mich gleichzeitig ratlos zurück. Kann ich damit zufrieden sein? Was ist, wenn sie sinken? Ist ein schlechter Tag nicht so schlimm? Im Endeffekt beachte ich die Zahl beim Stressmanagement kaum.

Die EDA-Messung ist als App auf der Sense installiert.
Die EDA-Messung ist als App auf der Sense installiert.

Aber vielleicht ist das ein Luxusproblem auf meiner Seite. Eventuell ist es für Menschen, die ihren Stress nicht wahrnehmen, hilfreich, ihn als Zahlenwert zu sehen und Schwankungen über die Tage feststellen zu können. So könnten sich Stressfaktoren identifizieren lassen. Bei all dem gilt es aber auch zu bedenken, dass es nur um körperlichen Stress geht und psychische Faktoren, die nicht körperliche Auswirkungen haben, außen vor bleiben.

Was deine Hauttemperatur verrät

Ähnlich ratlos wie die Zahl für das Stressmanagement lässt mich die Hauttemperatur zurück. Ja, die schwankt nachts etwas, bleibt aber meistens im Rahmen. Es sei denn, ich vergesse das Schlafzimmerfenster zu schließen. Weitere Faktoren, die neben der Raumtemperatur Einfluss haben können, sind Fitbit zufolge die Bettwäsche, der Biorhythmus, der Menstruationszyklus und einsetzendes Fieber. Der Hersteller sagt aber selber, dass die Funktion nicht zur Behandlung oder Diagnose von Krankheiten gedacht ist.

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Die Hauttemperatur landet nicht als Temperaturangabe in der Fitbit-App, sondern als Abweichung vom Durchschnitt der letzten 30 Tage. Ergänzt um den Hinweis, ob sie den persönlichen genormten Bereich verlassen hat. Der reicht um jeweils 2,2 Grad Celsius nach oben und unten. In der Detailansicht sehe ich den Verlauf der Temperaturkurve über die Nacht. Das ist irgendwie interessant, bleibt aber für mich bisher ohne weitere Aussagekraft.

Fitnesstracking und viel mehr

Die Fitbit Sense zählt auch ganz schnöde deine Schritte, berechnet deine verbrannten Kalorien und überwacht deinen Schlaf. Sie verfügt zudem über eine Bewegungserkennung, die ziemlich gut darin ist, deine Aktivitäten zu erfassen. Du musst also nicht immer selber das Tracking starten. Besonders gut funktioniert es bei mir beim Gehen und Radfahren – sofern ich über den Mindestzeitraum aktiv bin. Ich habe ihn bei mir auf zehn Minuten eingestellt. Mein Flag Football Training ist dem Algorithmus aber immer noch zu diffus. Da bleibt es bei einer simplen «Aktivität». Beim Joggen starte ich das Tracking in der Regel manuell, da ich das integrierte GPS aktiv haben will. Die Ortung springt bei der automatischen Erkennung logischerweise nicht an, da hier ja erst nach zehn Minuten entschieden wird, dass ich eine bestimmte Aktivität ausübe.

20 Sportarten* von Bootcamp bis Zirkeltraining kannst du mit der Sense manuell tracken. Je nach Sportart ist das GPS aktiv, lässt sich aber auch in den Einstellungen jeweils deaktivieren. Weitere Einstellungsoptionen sind automatische Pausen – mit denen dir rote Ampeln beim Joggen nicht die Zeit pro Kilometer versauen – oder die Beckenlänge beim Schwimmen (die Sense ist wasserdicht).

*Bootcamp, Crosstrainer, Gehen, Gewichte, Golf, Intervalltraining, Kampfsport, Kickboxen, Laufband, Laufen, Pilates, Radfahren, Schwimmen, Spinning, Stepper, Tennis, Wandern, Workout, Yoga, Zirkeltraining.

Ein Wert, den Fitbit in den Vordergrund stellt, sind die sogenannten Aktivzonenminuten. Die sammelst du immer, wenn sich dein Herzschlag mindestens in den Fettverbrennungsbereich bewegt. Im Kardio- und Höchstleistungsbereich zählen die Minuten sogar doppelt. Dieser Wert ergänzt die empfohlenen 10.000 Schritte am Tag und erfordert von dir mehr körperliche Aktivität als das Schrittziel alleine. Ich habe es auch schon ohne eine einzige Minute in der der Aktivzone erreicht. Fitbit orientiert sich an der American Heart Association, die 150 Minuten Aktivität pro Woche empfiehlt.

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Nicht unerwähnt bleiben soll das Zyklus-Tracking, das Fitbit in seine App integriert hat und das auf die Daten der Sensoren der Sense zugreift. In diesem Zusammenhang könnten die Stress-Messung und die Hauttemperatur mehr Relevanz haben, als mir bisher bewusst war.

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Möchtgern-Smartwatch

Fitbit bezeichnet die Sense als eine Smartwatch. Obwohl sie ein eigenes Betriebssystem hat und ich Apps installieren kann, fällt es mir schwer sie als solche zu sehen. Für mich ist das Wearable trotz zahlreicher Funktionen noch zu weit von einer Apple Watch entfernt und für mich eher eine Fitness-Uhr.

Die Fitbit Sense zeigt mir zwar Benachrichtigungen von Apps an, aber die Interaktionsmöglichkeiten bleiben sehr eingeschränkt. Fitbit Pay ist in der Theorie eine gute Option für drahtloses Bezahlen mit der Sense, erfordert aber ein Konto beim richtigen Finanzanbieter – und noch ist die Liste kurz.

Die Auswahl der installierbaren Apps ist übersichtlich und kaum eine davon weckt mein Interesse. Die, die ich ausprobiert habe, waren am Handgelenk funktional so eingeschränkt, dass ich keinen Sinn in ihnen sehe. Bereits vorinstalliert sind Spotify und Deezer. Allerdings dient Spotify nur zur Steuerung der Wiedergabe auf dem Smartphone (Play, Pause, nächster oder vorheriger Song), erlaubt aber immerhin den Zugriff auf deine Bibliothek, um zum Beispiel eine Playlist auszuwählen. Offline kannst du nur Songs über Deezer oder als MP3 auf der Sense speichern. Per Bluetooth lassen sich problemlos Kopfhörer verbinden, womit du ohne Smartphone beim Sport Musik hören kannst.

Mit der Fitbit Sense kannst du dein Handy klingeln lassen.
Mit der Fitbit Sense kannst du dein Handy klingeln lassen.

Das Zifferblatt verändern zu können ist zwar nett, aber kein Argument dafür, eine Smartwatch zu sein. Dann schon eher, dass ich mit Alexa oder dem Google Assistant über die Fitbit Sense reden kann. Allerdings muss das Wearable dafür per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden sein oder sich in ein ihm bekanntes WLAN einklinken können. Das sorgt dafür, dass der Mehrwert eines zusätzlichen Geräts für die Sprachassistenten gering ist.

Spannender ist es, die Fitbit Sense als Trainer am Handgelenk zu nutzen. Du kannst dir die Instruktionen zu Workouts aus der Fitbit-App über die Sense geben lassen. Allerdings ohne Sprachausgabe und nur mit kleinen Symbolen als Anleitung und Vibrationen als Rückmeldung, wenn die Zeit für eine Übung zu Ende ist. Die Animationen sind allerdings so klein und minimal, dass du neue Übungen nicht mit ihnen lernst. Sprich: Die Sense taugt erst als Coach, wenn du die Übungen alle kennst und sicher durchführen kannst.

Der Akku der Sense soll Fitbit zufolge für mehr als sechs Tage reichen. Bei mir geht der Ladestand des Akkus in 24 Stunden um etwa 12 Prozent zurück. So komme ich am Ende sogar auf acht Tage. Allerdings darf ich dann in der Zeit keine Aktivitäten mit GPS tracken. Ist das aktiv, nimmt der Ladestand bei mir zwischen acht und elf Prozent pro Stunde ab. Das reicht zwar nicht für einen Iron Man, aber ein Marathon liegt drin. Zwischendurch aufladen geht zum Glück fix. Fitbit verspricht, dass mit dem mitgelieferten Ladekabel – ein anderes kannst du nicht verwenden – in 12 Minuten genug Strom für einen Tag Betrieb geladen sind. Kurzer Test: In 20 Minuten steigt der Ladestand von 51 auf 89 Prozent.

Fitbit Premium

Mit der Vorstellung der Sense, Versa 3 und Inspire 2 hat Fitbit sein Bezahlprogramm Fitbit Premium erweitert. Für einen monatlichen oder jährlichen Beitrag stehen dir angeleitete Workouts und Meditationen zur Verfügung. Zudem gibt es für das Geld eine erweiterte Schlafanalyse sowie Gesundheitsberichte. Ich bin zu faul mir selber Trainingspläne zu erstellen. Deswegen sind die zur Auswahl stehenden Programme, die sich an meine Vorgaben und Aktivitäten anpassen, inklusive der Videoanleitungen, verlockende Argumente, mein Geld da zu lassen.

Die Gewinne von Fitbit landen inzwischen bei Google. Anfang 2021 wurde der Kauf gültig. Bisher gibt es aber noch keine sichtbaren Auswirkungen in der App.

Fazit: Mit weniger Funktionen kommst du günstiger davon

Die Fitbit Sense sieht gut aus und erledigt ihren Job als Fitness-Wearable sehr gut. Die lange Akkulaufzeit spricht für sie, die Smartwatch-Eigenschaften eher weniger. Von den neuen Funktionen erscheint mir das EKG am sinnvollsten. Kannst du auf sie verzichten, kann ich dir nach meinen Erfahrungen mit der Versa 2 (kein GPS integriert) die Versa 3 oder die Charge 4 (beide haben GPS integriert) ans Herz legen.

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Jan Johannsen

Redakteur, Hamburg

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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