

Im Test: Ein Merrell-Barfussschuh mit prominenter Sohle
Barfussschuhe stehen für dünne Sohlen – doch der Merrell Wrapt bricht mit der Regel und kommt richtig massiv daher. Wie sich das in der Stadt und auf Feldwegen anfühlt, habe ich für dich getestet.
Liebst du es auch, barfuss zu laufen? Ich kann es kaum erwarten, bis der Boden wieder so warm ist, dass ich ohne Schuhe über Wiesen und weiche Wege spazieren kann. In den kühleren Monaten trage ich gern Barfussschuhe. Sie sind Teil meines Lauftrainings (den Artikel dazu findest du hier). Ich trage sie aber auch im Alltag, weil ich das Gefühl mag, den Boden direkt zu spüren und meine Zehen in solchen Schuhen mehr Platz haben.
Für einen Städtetrip nach Hamburg nehme ich die Wrapt von Merrell mit. Sie gelten trotz ihrer prominenten Sohle als Barfussschuhe, unterscheiden sich aber von minimalistischen Schuhen durch die Merrell-Quantum-Grip-Sohle. Die soll grösseren Schutz vor Unebenheiten, Steinen und Dornen bieten und weitgehend rutschfest sein.

Quelle: Siri Schubert
Ausserdem sehen sie durch das Wildleder-Obermaterial nicht ganz so nach Sport und Outdoor aus wie die Vibram Five-Fingers oder die Xero Nexus Knit, die zu den Favoriten in meiner Barfussschuh-Kollektion gehören.

Quelle: Oliver Fischer
Warum ich gern mit Barfussschuhen reise
In Barfusschuhen liegen die Höhe von Ferse und Vorfuss auf einer Linie. In der Fachsprache: Es gibt keine Sprengung oder Drop. Dadurch soll der Fuss eine natürliche Stellung einnehmen. Die Fussgelenke sowie der untere Rücken sollen zudem weniger belastet werden. Die breite Passform vorne ermöglicht es den Zehen, sich entspannt auszubreiten. Insgesamt sollen Barfussschuhe die Füsse kräftigen, da sie weniger Unterstützung durch den Schuh erhalten.

Quelle: Siri Schubert
Ich bin keine Orthopädin und kann nicht alle Claims beurteilen. Aber für mich sind Barfussschuhe Teil meines Lauftrainings. Ausserdem trage ich sie gern, um meinen Füssen nach Trainingseinheiten in Race-Schuhen Entspannung zu gönnen.
Zum Reisen nehme ich sie gerne mit, weil sie meist leichter als konventionelle Schuhe sind und im Koffer weniger Platz brauchen. Da ich auf Städtetrips viel zu Fuss unterwegs bin, nutze ich die Gelegenheit, um meine Füsse nebenbei zu stärken. Allerdings empfehlen Hersteller von Barfussschuhen, sich nach und nach an längere Strecken heranzutasten. Eine Umstellung von Null auf Hundert kann die Sehnen und Fussmuskulatur stark belasten und zu Beschwerden führen.
Der Praxistest: bequem und alltagstauglich
Die Merrell Wrapt wirken gut verarbeitet. Einzig bei der Farbwahl bin ich hin- und hergerissen. Obwohl es die Schuhe auch in dunkleren Tönen gibt, die für nicht asphaltierte Wege bestimmt geeigneter sind, habe ich mich für das helle Wildleder entschieden. Da ich die Schuhe bei Wind und Wetter tragen will, imprägniere ich sie vorab. Sicher ist sicher.
Die Sohle ist ziemlich massiv. Sie ist an den Seiten hochgezogen und schmiegt sich schützend um den Fuss. Deshalb der Name Wrapt – umhüllt. An der Innenseite ist sie etwas tailliert und aufgebogen, was das Gefühl eines Fussbetts entstehen lässt. Tatsächlich gibt sie dem Fussgewölbe – im Gegensatz zu minimalistischen Schuhen – leichten Halt. Das Barfussfeeling bleibt aber bestehen.

Quelle: Siri Schubert
Die Schnürung hält den Fuss dank der Schlaufen gut im Mittelfussbereich. Die Zunge ist mit dem Obermaterial verbunden und verhindert so das Eindringen von Feuchtigkeit oder Steinchen.

Quelle: Siri Schubert
Ich trage die Wrapt-Schuhe an vier Tagen in Hamburg von morgens bis abends. Einzig an einem Abend wechsle ich auf Schuhe mit dickeren Sohlen, weil ich im kalten, feuchten Wetter doch kalte Füsse bekam. Sonst bin ich absolut zufrieden. Die Schuhe sind bequem, sie lassen meinen Füssen genug Platz und drücken oder scheuern nicht. Selbst mein unterer Rücken, der nach langem Spazieren manchmal zieht, beschwert sich nicht.

Quelle: Oliver Fischer
Auf nassem Holz rutschen die Wrapt nicht. Und ich vermute, die Sohle kann noch mehr. Deshalb trage ich die Schuhe – zurück in der Schweiz – noch auf feuchten Feld- und Waldwegen.

Quelle: Siri Schubert
Und wieder überzeugt der gute Grip. Selbst wenn die Sohle für einen Barfussschuh etwas aggressiv wirkt, punktet sie in der Praxis.
Fazit
Ein Barfussschuh, der in der Stadt und auf unbefestigten Wegen überzeugt
Wenn du einen Hybrid-Schuh suchst, der dir ein Barfussfeeling vermittelt, könnte der Merrel Wrapt dir gefallen. Er ist nicht ganz so minimalistisch wie andere Barfussschuhe, doch die Sohle schützt deine Füsse vor Steinen und Unebenheiten. Sie bietet auch auf rutschigen Wegen guten Halt. Du kannst ihn sowohl in der Stadt als auch bei Spaziergängen in der Natur tragen.
Das Obermaterial aus Leder ist weniger empfindlich als gedacht. Dennoch empfehle ich, es zu imprägnieren. Für Dreck und Matsch ist es offensichtlich nicht ideal.
Pro
- Barfussposition durch Null-Millimeter-Sprengung
- breite Zehenbox
- traditionelle Schnürung für guten Halt
- Zunge mit Obermaterial verbunden
- sehr rutschfeste Sohle
- Schutz vor Steinen und unebenem Untergrund
Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.
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