Irgendwas über Pentax
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Irgendwas über Pentax

David Lee
David Lee
Zürich, am 27.02.2020
Pentax ist eine kuriose Randerscheinung. Trotz verschwindend kleinem Marktanteil hält sich die Marke hartnäckig. Sympathisch – wie ein kleiner Fussballclub, der einfach nie absteigt. Feiert Pentax am Ende sogar ein Retro-Revival, weil sie an Spiegelreflexkameras festhält? Das wäre cool, doch die Chancen dafür stehen schlecht.

«Schreib doch mal was über Pentax», «warum testest du nie eine Pentax-Kamera», «du hast Pentax vergessen zu erwähnen» – solche Bemerkungen höre ich ab und zu. Für mich gibt es aber kaum einen Grund, über Pentax zu schreiben. Der Marktanteil liegt im kaum messbaren Bereich, das Line-Up ist ausgesprochen schmal und eine neue Kamera hat es seit zwei Jahren nicht mehr gegeben.

K-1 Mark II Body (36.40 Mpx, Vollformat)
2488,–
Pentax K-1 Mark II Body (36.40 Mpx, Vollformat)
K-70 Body (24.78 Mpx, APS-C / DX)
Pentax K-70 Body (24.78 Mpx, APS-C / DX)
KP Body (24.32 Mpx, APS-C / DX)
Pentax KP Body (24.32 Mpx, APS-C / DX)

Dass Pentax so eine kuriose Randerscheinung ist, macht die Marke aber in gewisser Weise auch interessant.

Der Linux-Effekt

Das erste, was auffällt: Pentax hat eine sehr treue Fangemeinde. Woher kommt das? Ein Pentax-User würde sagen: Ist doch klar – weil die Kameras gut sind. Ich würde sagen: Es liegt am Gefühl, eine verschworene Truppe zu sein: Wir gegen den Rest der Welt.

Ihr wisst es ja selbst, liebe Pentax-User: Ihr seid so selten wie regenbogenfarben kotzende Säbelzahn-Einhörner. Etwas Besonderes zu sein, ist zwar toll, bringt es aber auch mit sich, dass ihr euch von der Mehrheit unverstanden fühlt.

Es ist ähnlich wie früher mit den Linux-Benutzern am PC. Eine verschwindend kleine Minderheit, die nicht verstehen kann, warum der Rest der Menschheit so dumm ist. Stellvertretend dafür die Erklärung eines Users, warum Pentax nicht mehr Erfolg hat:

«Der Unkundige, der ein Geschäft betritt, geht davon aus, dass er die besten Ergebnisse mit der Marke erzielen wird, die er am häufigsten bei Profis sieht, egal, wie stiefmütterlich die Einsteigermodelle bei denen ausgestattet sind.»
aus dem Forum pentaxians.de

Die geschundene Seele eines Pentax-Users

Die Welt da draussen ist voll von Schafen, die stumpfsinnig der Herde nachtrotten, und Canikony kaufen – einfach, weil das alle anderen auch tun. So das Weltbild, doch dieses erhält ständig Risse. Etwa, wenn bekannte Testmagazine die bekannten Kameras besser bewerten oder – noch schlimmer – Pentax komplett ignorieren.

«Die Jungs von DPreview gehen ja nicht immer liebevoll mit Pentax um. Aber jetzt gibt es in der Pentaxwoche das grosse Kuscheln. [...] Balsam für die geschundene Pentax-Seele»
aus dem Forum pentaxians.de

Sie können einem richtig leidtun, die Pentaxianer. Hier gibt ’s von mir auch noch etwas Balsam auf die Seele.

Meine erste Spiegelreflexkamera war eine Pentax. Das war noch vor dem Zeitalter der Digitalfotografie. Gebraucht kaufte ich eine damals schon alte Pentax MX. Ein schönes, robustes, zuverlässiges und sehr handliches Gerät ohne jeden Schnickschnack. Verzichtete man auf die Belichtungsmessung, konnte sie sogar komplett ohne Strom benutzt werden.

Bild: Alfred / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)
Bild: Alfred / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

Diese Kamera war für mich – vor allem mit dem lichtstarken Objektiv – eine enorme Verbesserung gegenüber der popeligen Kodak Instamatic, die ich als Kind hatte. Erstmals machte mir Fotografieren richtig Spass.

Der Retro-Wert dieser Kamera war mir damals nicht bewusst, so dass ich sie irgendwann einfach entsorgte. Das bedauere ich heute.

So lange weitermachen, bis es wieder cool wird

Seit 2011 gehört Pentax zu Ricoh. In einem Interview mit zwei Ricoh-Vertretern liessen diese verlauten, Spiegelreflexkameras hätten auch ihre Vorteile und in zwei bis drei Jahren würden einige User von spiegellosen Systemen zu Spiegelreflex zurückkehren. Eine gewagte Aussage, aus der wir vor allem eines schliessen können: Pentax beziehungsweise Ricoh plant offensichtlich nicht, ein spiegelloses System einzuführen.

Was hat Ricoh mit Pentax vor? Entweder gar nichts, ausser das System langsam einschlafen zu lassen. Dagegen spricht, dass immer noch sporadisch neue Objektive herauskommen. Anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums der Marke Pentax kündigte Ricoh an, dass 2020 eine neue Kamera auf den Markt kommt. Es wird eine APS-C-Spiegelreflexkamera sein. Mehr weiss man nicht.

Die andere Möglichkeit wäre, dass Pentax so lange Spiegelreflexkameras weiterbaut, bis die Marke als einzige übrig bleibt und dann ein Monopol in der Nische hat.

Es gibt ja genug Beispiele von Produkten oder Marken, die irgendwann wieder cool wurden, weil sie sich selbst treu geblieben sind – unabhängig von allen Modetrends und neuen Entwicklungen. Schallplatten, Nokia-Handys, Discoroller, Schwingfeste ... oder natürlich das Fotografieren mit Film. Kann Pentax zum Synonym für Spiegelreflex-Liebhaberei werden?

Ist das Retro-Revival realistisch?

Mit Canon und Nikon hat Pentax im SLR-Bereich nur noch zwei Konkurrenten. Diese werden sich höchstwahrscheinlich mittel- bis langfristig aus dem Bereich zurückziehen. Von daher wäre die Strategie nicht unmöglich. Allerdings sind Canon und Nikon bislang noch wesentlich aktiver als Pentax. Und eines ist ganz sicher: Die beiden Platzhirsche werden sich erst aus dem Spiegelreflex-Markt zurückziehen, wenn es dort nichts mehr zu holen gibt. Die Nische muss sehr klein werden, bevor Pentax dort Alleinherrscher werden kann. Und selbst dann wird es für die Canon- und Nikon-Systeme noch einen riesigen Occasionsmarkt geben.

Vermutlich kommt auf Pentax noch ein weiteres Problem zu. Die Produktion einer Spiegelreflexkamera ist viel komplexer und aufwendiger als die einer Schallplatte. Darum kann diese Technologie nicht so einfach am Leben gehalten werden wie das beim Vinyl-Trend der Fall ist.

Elektronik ist ein gnadenloser Massenmarkt. Um Hightech-Produkte zu einem akzeptablen Preis anzubieten, müssen zumindest Teile davon in grossen Stückzahlen hergestellt werden. Sensoren, Prozessoren, Autofokusmodule etc. werden zuerst in den Profimodellen eingebaut und später in den günstigeren Kameras zweit- und drittverwertet.

Pentax hat generell kleine Stückzahlen und so wenig Modelle, dass es kaum Zweitverwertungen geben kann. Sensoren könnten vielleicht von Sony übernommen werden, aber eine ganze Kamera aus günstigen Komponenten zu bauen, wird schwierig.

Totgesagte leben länger – aber nicht ewig

Ich fürchte, dass Pentax nicht mehr lange in dieser Form überleben wird. Das Sprichwort lautet zwar: Totgesagte leben länger. Aber Pentax ist als Unternehmen seit 2006 schon tot, als es von Hoya übernommen und kurz darauf weiterverscherbelt wurde. Die Marke gibt es noch. Dieses Jahr wird sie hundert Jahre alt. So richtig in Feierlaune scheint aber niemand zu sein.

Titelbild: shutterstock.com

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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