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Michael Restin
Hintergrund

Jugendzeitschriften sind praktisch tot – sterben als Nächstes die Kinderhefte weg?

Wenn der Nachwuchs in echten Heften blättert, freuen sich die Eltern. Davon lebt die Branche – noch. Denn Kinderzeitschriften haben es von Jahr zu Jahr schwerer.

Manchmal denke ich, das neue Spick-Heft ist ein Fussabstreifer. Es liegt schon seit Tagen zentral vor dem Kinderzimmer und wird gekonnt ignoriert. So etwas wäre mir früher nicht passiert. Ein neues Heft? Das war ein Fest. Fesselnd, spannend, sehnlich erwartet. Diese Zeiten sind, soweit ich das sehe, vorbei.

Deshalb war ich überrascht, von einem «neuen Technik-Magazin für Kinder» zu lesen. «Makey & Friends» soll Kinder von fünf bis zehn Jahren ans Tüfteln heranführen. Auf dem Titelblatt klatschen sich ein männlich und ein weiblich wirkender Roboter ab. Spontan könnte ich nicht sagen, ob es aus 2026 oder 1996 stammt. Das ist gewollt, denn die Illustratorin Sandra Schörnig hat Logo, Figuren und Inhalte von Hand gestaltet.

«Makey & Friends» muss Eltern und Kindern gefallen, um eine Chance zu haben.
«Makey & Friends» muss Eltern und Kindern gefallen, um eine Chance zu haben.
Quelle: Heise Medien GmbH

«Makey & Friends» ist ein klassischer Mix aus Comics, Bastelanleitungen, Rätseln und Wissen, der Kinder im Primarschulalter ansprechen will. Eine Sammelfigur liegt natürlich auch bei. «Der Kinderheftmarkt ist umsatzstark und stabil, physische Kinderprodukte sind in dem Alter gefragter als digitale», erklärt Daniel Rohlfing, der die Idee für das Heft entwickelte, in der Medienmitteilung. Eine Pilotausgabe soll zeigen, ob das Konzept ankommt. Es wird nicht nur die Herzen der Kinder, sondern auch die der Eltern erobern müssen.

Eltern sorgen noch Jahre für Umsatz

Hefte gehören nicht mehr zu den Produkten, die Kinder vom eigenen Sackgeld kaufen. Das zeigt sich schon an den Preisen: 10 Franken sind schnell weg, wenn man ein Magazin an die Kasse legt. «Makey & Friends» soll zum Beispiel 6.99 Euro in Deutschland, 7.70 Euro in Österreich und 12.90 Franken in der Schweiz kosten. Zu viel für Kinder zwischen fünf und zehn, die schon seit den 2010er-Jahren immer weniger Geld für Zeitschriften ausgeben.

Dafür sind Eltern und Grosseltern grosszügig, wenn es um Buchstaben und Bilder auf Papier geht. Sie schätzen die Druckerzeugnisse laut Kinder Medien Monitor als besonders verständlich, wissensvermittelnd und kindgerecht ein.

Oma verschenkt ein Spick-Abo und Papa lässt sich beim Einkauf eher breitschlagen, wenn an der Kasse nicht nach Süssigkeiten, sondern nach einer Zeitschrift gefragt wird. So wird es noch einige Jahre weitergehen. Die Branche überlebt, solange den Erwachsenen viel am Lesen liegt. Dabei kaufen sie schon heute oft Mogelpackungen.

Es geht mehr um die Beilagen als um Geschichten

Ob der Grund, warum Kinder ein Heft haben wollen, tatsächlich die Wissens- oder Witzeseite ist? Unwahrscheinlich, wenn ich mir ein typisches Zeitschriftenregal anschaue. Neben der Glückspost und den Automagazinen fallen Kinderzeitschriften dadurch auf, dass sie kaum noch ins Regal passen. Sie sind doppelt verpackt und mit Beilagen gespickt. Eine Lego-Minifigur, Schmuck oder Sammelkarten sind der Anreiz, auf den die Verlage gezwungen sind zu setzen.

Ein typisches Bild: Die Zeitschriften verschwinden hinter den Beilagen.
Ein typisches Bild: Die Zeitschriften verschwinden hinter den Beilagen.
Quelle: Shutterstock/HelgaQ

Gimmicks waren schon immer ein Kaufargument, spätestens seit «Yps». Doch damals wurde jede Seite verschlungen, das Heft stand für sich und weckte Leselust. Inzwischen ist es zum Feigenblatt für einen Spielzeugkauf geworden. Kein schöner Trend – aber unumkehrbar. Wer nicht in erster Linie von Abonnements lebt und kein knisterndes Gesamtpaket bietet, geht in der Auslage unter. Dort dominieren ohnehin bekannte Namen.

Zeitschriften ergänzen ein Imperium

Heute ist nur noch das «Lustige Taschenbuch» als Marke so gross, dass es bei jungen Leserinnen und Lesern zum Selbstläufer wird. Aber es ist auch Teil eines Imperiums, vor dem es kein Entkommen gibt. Disneys Figuren begegnen einem überall: im Fernsehen, online, auf T-Shirts oder Tassen – und als Comic selbstverständlich prominent platziert.

Neben den grossen Marken haben es andere Magazine schwer.
Neben den grossen Marken haben es andere Magazine schwer.
Quelle: Shutterstock/VGV MEDIA

Ähnlich läuft es mit Ninjago, Pokémon oder Paw Patrol. Entsprechende Zeitschriften sind nur ein zusätzlicher Weg, die Marke ans Kind zu bringen. Sie ergänzen das Sortiment, stehen aber kaum noch im Mittelpunkt.

Der zweite Weg führt über das Vertrauen der Eltern, indem Verlage Ableger einer etablierten Marke für den Nachwuchs produzieren: Wer «Geo» schätzt, wird «Geolino» verschenken.

GEOlino Extra / GEOlino extra 72/2018 - Affen (Deutsch, Softcover, Martin Verg)
Kinderbücher

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Deutsch, Softcover, Martin Verg

Neue Magazine wie «Makey & Friends» suchen sich eine brave Nische – und hoffen auf das Beste. Das mag für eine gewisse Auflage sorgen. Doch was Eltern und Lehrpersonen gezielt auslegen oder Kindern mit einem aufmunternden Lächeln in die Hand drücken, ist selten lange reizvoll.

Der «Leseknick» kommt häufig im Alter von etwa zehn Jahren. Vor allem die Jungs gehen gedruckten Medien massenhaft verloren. Bis auf die zwei eindeutig positionierten Zeitschriften «Mädchen» und «Popcorn» kommt laut Kinder Medien Monitor 2025 in dieser Altersgruppe kein Magazin mehr auf eine relevante Reichweite – und auch diese beiden haben in den vergangenen Jahrzehnten um die 90 Prozent ihrer Auflage verloren.

Lesevorbilder fehlen

Die Entwicklung kann man betrauern, man muss aber auch selbst in den Spiegel schauen. Zeitungen, Zeitschriften und Bücher sind vielerorts nicht mehr Teil des Familienalltags. Die meisten Kinder sehen ihre Eltern häufig hinter einem Display, aber selten hinter einem Buchdeckel. Und wenn Lesen am Bildschirm stattfindet, könnte es alles sein.

Auch bei den Erwachsenen sinkt die tägliche Lesezeit von Printmedien, dafür hat sich die Online-Zeit seit 2011 mehr als verdreifacht. Wer will da als Kind schon hören, nach den Schulbüchern doch bitte zur Zeitschrift zu greifen. Wenn Lesen als Zwang empfunden wird, kann das nicht lange gutgehen.

Spätestens mit zwölf Jahren steckt in fast jeder Tasche ein Smartphone. In der Schweiz besitzen laut James-Studie in diesem Alter 96 Prozent eines – Teenie-Zeitschriften sind deshalb faktisch tot. Da das Einstiegsalter in die digitale Welt weiter sinkt, geraten auch immer mehr Magazine für Jüngere unter Druck.

Traurig, aber wahr: Es müsste schon ein iPhone als Gimmick beiliegen, damit Kinder die Zeitschriften aus den Regalen reissen.

Titelbild: Michael Restin

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Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.


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