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Hintergrund

«Was machst du, Papa?» – «Ich lese!»

Lesen ist gut – es sei denn, es findet vor Kindern am Bildschirm statt. Meine Digital-Abos nutze ich oft mit schlechtem Gewissen. Dabei sollte ich deren Inhalte viel mehr zum Thema machen.

Es ist ein gegenseitiges Versteckspiel. Wenn mein Sohn sich auf der Suche nach einem neuen Hörspiel im Scrollen verliert, reicht ein Blick von mir und sein «Hörgerät» verschwindet blitzschnell unter dem nächsten Kissen. Ertappt. Weg mit dem bösen Screen. Genauso verdrehe ich die Augen, wenn meine Tochter die x-te Sprachnachricht mit anderthalbfacher Geschwindigkeit in ihr Smartphone spricht. Denn natürlich will ich nicht, dass meine Kinder länger als nötig an irgendeinen Bildschirm gefesselt sind. Geht raus, macht was, lest ein Buch – aber legt doch bitte das Gerät weg.

Andersrum habe ich selbst erstaunliche Fähigkeiten entwickelt: Kaum registriere ich Bewegung im Raum, gleitet mein Smartphone aus der Hand und landet auf dem Sofa. Bloss nicht ertappen lassen. Denn natürlich will ich nicht, dass meine Kinder mich zu häufig am Bildschirm hängen sehen.

In der Studie Eltern in der digitalen Welt gibt nicht mal die Hälfte der Befragten an, sich selbst für ein gutes Vorbild zu halten. Das verstehe ich. Souverän mit diesem Thema umzugehen, ist nicht einfach. Selbst wenn sich alle an vernünftige Regeln halten und den Screen in gemeinsamen Stunden beiseitelegen, bleibt ein Problem. Ein Lehrer hat es an einem Elternabend so beschrieben: Ich kann nur die Rückseite des Bildschirms sehen.

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Das schlechte Gewissen scrollt mit

Es macht – von aussen betrachtet – keinen Unterschied, ob ich Candy Crush spiele oder Shakespeare lese, doomscrolle oder den «Tages-Anzeiger» studiere. Ein Screen ist ein Screen. Deshalb scrollt das schlechte Gewissen immer mit, auch wenn ich mich am Bildschirm nur über das Weltgeschehen informiere. Für mein Gegenüber sieht alles gleich doof aus. Das war analog anders.

Die aufgeschlagene Zeitung am Frühstückstisch signalisierte zwar auch: «Sprich mich jetzt nicht an.» Aber aus respektablen Gründen. Dem Satz «Papa liest Zeitung» haftete nichts Negatives an. Es gab nichts hinzuzufügen, nichts zu erklären. Hinter den Schlagzeilen der Titelseite konnte der Vater von früher in Ruhe den Sportteil und die Cartoons studieren. Niemals ergab sich daraus eine Diskussion, ob im Gegenzug mehr Game-Zeit für die Kinder gerechtfertigt wäre.

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Nichts spricht mehr für sich

Ganz anders 2026. Das Netz ist der Ort für aktuelle Nachrichten. Sich online zu informieren, ist logisch und richtig. Doch während ein Kopf hinter der NZZ oder dem Tagi ein Statement ist, kann ein Kopf hinter dem Bildschirm alles bedeuten. Entsprechend berechtigt ist die süffisant vorgetragene Kinderfrage: «Was machst du da, Papa?», wenn ich gedankenversunken aufs Smartphone starre. Und entsprechend entrüstet meine Antwort: «Ich lese Zeitung!»

Manchmal bin ich selbst davon überrascht, wie ertappt ich mich in solchen Momenten fühle – selbst wenn ich den Leitartikel der New York Times studiere. Und wie vorbildlich, wenn ich im Beisein der Kinder in einer echten Zeitschrift blättere. Als ob sie deshalb in zehn Jahren Druckerzeugnisse abonnieren würden. Manchmal scrolle ich sogar heimlich hinter einer Zeitschrift oder einem Buch, von dem ich weiss, dass ich erst abends Zeit dafür finden werde.

Ist was? Ich lese. Natürlich ein Buch.
Ist was? Ich lese. Natürlich ein Buch.

Während ein Buchcover oder Zeitschriftentitel für sich spricht, ist im Digitalen nur das Endgerät sichtbar. Kinder haben früh gelernt, das einzuordnen.

Eine Tastatur? Das muss Arbeit sein

Ein grosser Bildschirm mit grosser Tastatur ist über fast jeden Zweifel erhaben. Denn so sieht Arbeit aus. Erwachsene sitzen davor, kneifen die Augen zusammen und setzen im fahlen Lichtschein des Screens ihr mürrisches Werktagsgesicht auf. Derart freudlos, dass am Tisch und mit Tasten alles erlaubt ist. Dem ersten Eindruck nach steht mindestens die Steuererklärung auf dem Programm. Vermutlich könnte ich mit diesem Setup die «Herr der Ringe»-Trilogie schauen oder das Familienvermögen im Online-Casino verzocken, ohne dabei gestört zu werden.

Selbst das iPad hat noch einen seriösen Touch, solange eine Tastatur angedockt ist. Damit könnte ich noch in der seriösen Ecke unterwegs sein, auch wenn ich nur am Esstisch sitze und durch bunte Schlagzeilen scrolle. Wer sich vor Kindern an einen Bildschirm setzt, denkt diese Aussenwirkung gerne mit. Sobald keine Tastatur mehr da ist, stehe ich zumindest unter Daddel-Verdacht. Vielleicht wollen deshalb alle wieder Tastaturhandys, die Wirkung ist einfach eine andere. Tippen wirkt seriös. Swipen nicht.

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All das ist teilweise Schauspiel, mehr Schein als Sein. Ich glaube, wir reden zu viel über Bildschirmzeit allgemein. Und zu wenig darüber, was in dieser Zeit gemacht wird.

Erzählen, warum der Inhalt zählt

Was wir online tun, lassen und lesen, spricht nicht für sich. Wir müssen darauf aufmerksam machen, es teilen und kommentieren, auch offline. Natürlich wünsche ich mir, dass meine Kinder Bücher lesen. Oder sich ab und zu eine der Zeitschriften schnappen, die sich auf dem Couchtisch stapeln. Wahrscheinlicher ist, dass wir uns in ein paar Jahren mit Bildschirmen in der Hand gegenübersitzen. Oder zumindest mit dem Wissen, das wir uns dabei angeeignet haben.

Nicht einmal die Hälfte der Schweizer Eltern spricht laut der Kids Online Studie 2025 mit ihren Elf- bis Sechzehnjährigen regelmässig darüber, welche Quellen vertrauenswürdig sind. Diesen Fehler will ich nicht machen. Damit wir künftig nicht in unterschiedlichen Welten leben, muss ich mir mein schlechtes Gewissen abgewöhnen. Mehr darüber reden, was ich online lese. Wieso ich es lese. Und warum es wichtig ist, wo eine Information herkommt. Viel wichtiger als die Frage, ob sie auf Papier oder auf einem Bildschirm vermittelt wird.

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Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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