Kompakt-, Bridge- oder Systemkamera? Vor- und Nachteile der Kameratypen
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Kompakt-, Bridge- oder Systemkamera? Vor- und Nachteile der Kameratypen

David Lee
David Lee
Zürich, am 19.09.2019
Wofür willst du deine Kamera verwenden? Das ist die wichtigste Frage beim Kamerakauf. Mein Rat für Einsteiger: Finde zuerst heraus, welchen Typ von Kamera du brauchst.

Kameras lassen sich in verschiedene Typen einteilen. Unterschieden wird zwischen Kameras mit fest eingebautem und solchen mit wechselbarem Objektiv. Die Kameras mit fixem Objektiv heissen je nach Grösse Kompakt- oder Bridgekamera, die anderen Systemkamera.

Kompaktkamera: Immer dabei und besser als ein Smartphone

Eine Kompaktkamera ist so klein und leicht, dass du sie immer dabei haben kannst. Ihre geringe Grösse ermöglicht unauffälliges Fotografieren. Dafür ist sie nicht so gut in der Bedienung und in der Bildqualität wie eine grosse.

Sie konkurriert also mit dem Smartphone. Von der Kamera im Mobiltelefon hebt sie sich in mehreren Punkten ab. Einer davon ist der optische Zoom. Hier gibt es allerdings extreme Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten, von überhaupt keinem Zoom (erstes Beispiel) bis zu 40-fach. Mit den Filtermöglichkeiten im digitec-Shop findest du schnell heraus, welche Kamera wieviel Zoom hat. Du siehst es auch der Brennweitenangabe in Millimetern an: Beim Beispiel des 40-fach-Zooms hat die Kamera eine Brennweite von 24–960 mm. 24 ist 40 Mal weniger als 960, folglich hat das Objektiv einen 40-fach-Zoom. Bei einer Brennweite von 24-70mm ist es knapp ein 3-fach-Zoom.

GR III (18.3mm, 24.24 Mpx, APS-C / DX)
Ricoh GR III (18.3mm, 24.24 Mpx, APS-C / DX)
Cyber-shot DSC RX100 IV (24-70mm, 20.10 Mpx, 1")
–15%
799,64statt 943,25
Sony Cyber-shot DSC RX100 IV (24-70mm, 20.10 Mpx, 1")
PowerShot SX730 HS (24-960mm, 20.30 Mpx, 1/2,3'')
Canon PowerShot SX730 HS (24-960mm, 20.30 Mpx, 1/2,3'')

Ein weiterer Vorteil gegenüber dem Smartphone: Dank physischer Tasten und Räder hat jede Kompaktkamera eine griffigere Bedienung. Zudem hält der Akku länger, wenn das Gerät nicht gleichzeitig für Games, Spotify und Whatsapp verwendet wird.

In den letzten Jahren haben zahlreiche Hersteller elektronische Sucher in ihre Kompaktkameras eingebaut. Das ist sehr praktisch, da der Bildschirm oft spiegelt und du nicht siehst, was du genau fotografierst. Ein weiterer Pluspunkt gegenüber einem Smartphone.

Alle Kompaktkameras mit Sucher

Die meisten Kompaktkameras haben eine Sensorgrösse von 1 Zoll oder 1/2,3 Zoll. 1 Zoll ist ziemlich klein, 1/2,3 Zoll ist sehr klein. Ein kleiner Sensor kommt schlecht mit harten Kontrasten klar, etwa wenn Wasser spiegelt. Ausserdem liefert er bei wenig Licht eine schlechtere Bildqualität.

Kompaktkameras mit dem grössten Zoom-Umfang (30-fach und mehr) haben immer einen sehr kleinen Sensor. Das ist physikalisch nicht anders möglich. Umgekehrt hat die Ricoh GR III zwar keinen Zoom, dafür einen sehr grossen Sensor. Die Panasonic TZ202 bietet bei einem 1-Zoll-Sensor immerhin einen 15-fach-Zoom.

TZ202 (24-360mm, 20.10 Mpx, 1")
Panasonic TZ202 (24-360mm, 20.10 Mpx, 1")

Durch den kleinen Sensor ist ein grösserer Teil auf dem Bild scharf. Dadurch kann der Vordergrund weniger gut vom Hintergrund separiert werden. Ein Nachteil ist das zum Beispiel in der Porträtfotografie oder wenn der Hintergrund sehr unruhig ist.

Aufgenommen mit einer Kompaktkamera. Der Hintergrund stört, weil er scharf ist.
Aufgenommen mit einer Kompaktkamera. Der Hintergrund stört, weil er scharf ist.
Zum Vergleich eine Aufnahme mit einer Kamera mit grossem Sensor. Der Hintergrund ist verschwommen und lenkt nicht vom Hauptmotiv ab.
Zum Vergleich eine Aufnahme mit einer Kamera mit grossem Sensor. Der Hintergrund ist verschwommen und lenkt nicht vom Hauptmotiv ab.
Bild: shutterstock.com/sportoakimirka

Zusammenfassung: Kompaktkameras sind besonders geeignet für Trekking, Biking und generell überall, wo Mobilität das Wichtigste ist. Auch für Street Photography, weil sie unauffällig sind. Für Sport, wilde Tiere und Porträts sind sie weniger geeignet.

Bridge-Kamera: Ein Objektiv für alles

Eine Bridge-Kamera heisst so, weil sie eine Brücke zwischen Kompaktkamera und Systemkamera bildet. Also ein Mittelding. Sie hat wie die Kompaktkamera ein eingebautes Objektiv, entspricht aber von der Grösse und Bauform her einer Systemkamera. Dadurch lässt sie sich ruhiger halten und es hat mehr Platz für Tasten und Drehräder. Die Bedienung ist somit besser als bei einer Kompaktkamera.

Coolpix P900 (24-2000mm, 16 Mpx, 1/2,3'')
Nikon Coolpix P900 (24-2000mm, 16 Mpx, 1/2,3'')
Lumix FZ300 (25-625mm, 12.10 Mpx, 1/2,3'')
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Panasonic Lumix FZ300 (25-625mm, 12.10 Mpx, 1/2,3'')
Cyber-shot DSC RX10 Mark IV (24-600mm, 20.10 Mpx, 1")
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Sony Cyber-shot DSC RX10 Mark IV (24-600mm, 20.10 Mpx, 1")

Die meisten Bridge-Kameras haben einen extrem grossen Zoombereich, weshalb sie auch Superzoom-Kameras heissen. Ein eingebauter Sucher gehört ebenfalls fast immer dazu. Aber Achtung, es gibt Ausnahmen!

Der sehr grosse Zoomumfang geht zu Lasten der Bildqualität. Die Sensoren sind wie bei den Kompaktkameras meistens 1 Zoll oder 1/2,3 Zoll gross, also klein bis sehr klein. Es ist auch nicht so einfach, ein 80-fach-Zoom zu bauen, das eine gute Abbildungsqualität hat. Die Schwächen sind aber meist nur bei schlechtem Licht zu sehen oder wenn du das Bild in der maximalen Vergrösserung anschaust.

Zusammenfassung: Eine Bridgekamera ist ideal für Ferien und Reisen sowie alles, was besonders viel Zoom braucht. Der Teleeffekt ist meist so stark, dass du den Mond gross aufs Bild bringst. Weniger gut sind Bridgekameras bei schwachem Licht (der Mond selbst ist auch nachts hell genug).

Systemkamera: Mehrere Objektive anschliessen

An einer Systemkamera lassen sich die Objektive auswechseln. Dadurch kannst du die Leistung deiner Kamera ständig ausbauen. Andererseits sind mehrere Objektive auch teurer und weniger praktisch in der Handhabung.

Zwar gibt es auch für Systemkameras Objektive, die einen universellen Zoombereich abdecken. Der Zoom ist aber kleiner als bei Superzoomkameras. Wenn du nur ein solches Objektiv kaufst, kannst du genauso gut eine Bridgekamera kaufen. Die Universalzoom-Objektive findest du hier.

Bei Systemkameras entscheidest du dich für ein System, nicht nur für eine Kamera. Wenn du dir mal eine Objektivsammlung zugelegt hast, wirst du sehr wahrscheinlich wieder eine Kamera des gleichen Systems kaufen, da du die Gläser dann weiterverwenden kannst.

Spiegellos vs. Spiegelreflex (SLR)

Immer mehr Systeme sind spiegellos, also mit elektronischem Sucher; die Spiegelreflexkameras sind auf dem Rückzug. Wenn du dich heute noch für ein Spiegelreflex-System entscheidest, bekommst du zwar für relativ wenig Geld viel Bildqualität und hast eine riesige Objektivauswahl. Doch in diesen Systemen wird es immer weniger Neuheiten geben und irgendwann werden sie wohl komplett vom Markt verschwinden.

Den Spiegellosen gehört die Zukunft. Sie sind kleiner, haben eine bessere Videofunktion und sie zeigen im Sucher das Bild bereits so an, wie es nachher auf dem Foto zu sehen ist.

Sensorgrösse

Auch bei den Systemkameras gibt es unterschiedliche Sensorgrössen. Sie sind aber alle grösser als bei Kompakt- und Bridgekameras üblich. Generell bieten Systemkameras die beste Bildqualität.

  • Micro Four Thirds: 17×13 mm, Crop-Faktor ca. 2
  • APS-C: 24×18 mm, Crop-Faktor 1.5
  • Kleinbildformat (Vollformat): 36×24 mm, Crop-Faktor 1
  • Mittelformat: uneinheitlich, Fujifilm verwendet 44×33 mm, Crop-Faktor ca. 0.8

Je grösser der Sensor, desto grösser ist der Bildausschnitt bei gleicher Brennweite. Der Crop-Faktor ist die Zahl, mit der du den gleichen Bildausschnitt für unterschiedliche Sensorgrössen durch Multiplikation oder Division errechnest. Beispiel: Wenn du einen Bildausschnitt von 50 Millimetern im Kleinbild willst, brauchst du bei Micro-Four-Thirds 25 mm, bei APS-C 35 mm und im Mittelformat 63 mm.

Objektive

Die Kaufentscheidung ist bei Systemkameras schwieriger, weil sie nicht nur von der Kamera selbst, sondern auch von den verfügbaren Objektiven abhängt. Für Anfänger ist oft unklar, ob ein Objektiv an eine Kamera passt. Das Basiswissen dazu findest du in meinem Objektiv-Guide.

*Objektiv-Guide:** Fragen und Antworten
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Objektiv-Guide: Fragen und Antworten

Hier die drei wichtigsten Punkte:

  1. Markenübergreifend sind Objektive nicht ohne Adapter kompatibel. Ausnahme: Olympus und Panasonic verwenden das gleiche System.
  2. Spiegelreflex-Objektive sind an spiegellosen Kameras der gleichen Marke nur mit Adapter kompatibel. Wenigstens funktioniert der Adapter ohne Einschränkungen beim Fokus – im Gegensatz zu markenübergreifenden Adaptern.
  3. Wenn Marke und Typ (mit oder ohne Spiegel) gleich sind, sind Objektive für Vollformat auch an APS-C kompatibel; aber der Bildausschnitt ist kleiner. Das ist das, was oben als Crop-Faktor bezeichnet wurde.

Die wichtigsten Kamerasysteme

MarkeName KameraObj.-AnschlussSensorgrösseTyp
CanonEOS D (zwei und dreistellig)EF-SAPS-CSLR
CanonEOS D (einstellig)EFVollformatSLR
Canon EOS MMAPS-CSpiegellos
CanonEOS RRFVollformatSpiegellos
FujifilmXXFAPS-CSpiegellos
FujifilmGFXGFMittelformatSpiegellos
NikonD (zwei- und vierstellig)DXAPS-CSLR
NikonD (aktuell: ein- und dreistellig)FXVollformatSLR
NikonZZVollformatSpiegellos
Olympus und PanasonicdiverseMicro Four ThirdsMicro Four ThirdsSpiegellos
Panasonic, Sigma, LeicadiverseLVollformatSpiegellos
SonyAlpha (vierstellig)EAPS-CSpiegellos
SonyAlpha (einstellig)EVollformatSpiegellos

Zusammenfassung: Die Systemkamera ist der Typ für alle, die sich eingehend mit Fotografie beschäftigen. Also Profis und Hobbyfotografen, die Zeit und Geld investieren wollen. Der mögliche Anwendungsbereich hängt von deinen Objektiven ab und kann praktisch alles umfassen. Für Schnappschüsse ist sie allerdings nicht ideal.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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