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LG OLED A1 im Test: Viel Fernseher für wenig Geld

Luca Fontana
Luca Fontana
20.07.2021

OLED-Fernseher sind das Beste, was der TV-Markt zu bieten hat, aber teuer. So das Dogma. LG will’s bekämpfen. Mit dem OLED A1. Wie gut die kolportierte Preisleistungs-Utopie abschneidet, soll der Test zeigen.

Gut Ding ist teuer. Das Sprichwort habe ich gerade erfunden. Auf die meisten OLED-TVs trifft es trotzdem zu. Zum Beispiel auf LGs G1 mit seinem Evo-OLED-Panel. Den habe ich erst kürzlich getestet und in den Himmel gelobt. Aber – der TV ist teuer.

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Die 65-Zoll-Version kostet Stand heute, 20. Juli 2021, knapp 3000 Franken. Nicht allen ist ein guter Fernseher so viel Geld wert. Auch kein sehr guter Fernseher. Nicht mal ansatzweise.

Darum hat LG stets ein Modell in petto, der zwar ein paar Hardware-Abstriche in Kauf nimmt, dafür deutlich günstiger zu haben ist. Bis vergangenes Jahr war das die B-Serie. Dieses Jahr kommt eine neue Serie dazu: Die A-Serie. Stand heute, gleiches Datum wie oben, kostet die 65-Zoll-Variante der A-Serie etwa die Hälfte des Flaggschiff-Modells, dem G1. Kein schlechter Deal. Eigentlich.

LG OLED48A19 (4K, OLED, 2021, 48 ")
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LG OLED48A19

4K, OLED, 2021, 48 "

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LG OLED55A19 (4K, OLED, 2021, 55 ")
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LG OLED55A19

4K, OLED, 2021, 55 "

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LG OLED65A19 (4K, OLED, 2021, 65 ")
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LG OLED65A19

4K, OLED, 2021, 65 "

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Die Sache ist die: 1500 Franken für einen Fernseher, der so viel an seiner Hardware spart, dass das Bild kaum anzusehen ist, sind 1500 Franken zu viel. Ob der A1 in diese Kategorie gehört, soll der Test zeigen.

Der A1: Woran hat LG gespart?

Hardware-Abstriche. Da gibt’s kein Drumrum. Sonst wäre der TV nicht so «günstig». Darum fangen wir gleich damit an: Was ist den Sparmassnahmen zum Opfer gefallen?

Zuallererst das Panel. Da ist kein 120-Hz-Panel wie in teureren TVs üblich, sondern nur ein 60-Hz-Panel. Mit anderen Worten: Das Bild erneuert sich maximal 60 Mal pro Sekunde (60 FPS). Für Gamerinnen und Gamer könnte das bereits der Deal-Breaker sein. Next-Gen-Konsolen und -Grafikkarten brüsten sich damit, UHD-Inhalte bei 120 FPS wiedergeben zu können, wenn das Game entsprechend programmiert ist.

Kannst du mit dem A1 vergessen.

Aber: Stand heute sind Games mit einer 120-Hz-Bildrate doch eher selten. Selbst das als erstes richtiges Playstation-5-Game titulierte «Ratchet and Clank: Rift Apart» kannst du mit maximal 60 Frames pro Sekunde spielen.

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Für jene, die den Fernseher nur fürs Filme- und Seriengucken brauchen, sind 60 Hz aber mehr als genug; die meisten Inhalte sind mit cineastischen 24 Bildern pro Sekunde gefilmt. Ab da greifen Algorithmen und Prozesse, die das Bild noch flüssiger rechnen, wenn du willst. Ein zu flüssiges Bild wirkt aber schnell wie eine billige RTL-Seifenoper. Darum: Das 60-Hz-Panel ist völlig okay.

Nächstes Downgrade: Kein HDMI 2.1. Das geht Hand in Hand mit dem schwächeren Panel. Aktuell ist die HDMI-2.1-Schnittstelle vor allem dazu da, um Gamerinnen und Gamern genügend Bandbreite fürs Verarbeiten von Videosignalen zu bieten. Namentlich für Gaming bei UHD, HDR und 120 FPS samt VRR und ALLM. Klingt das alles kryptisch für dich, dann brauchst du es vermutlich auch nicht. Womöglich bist du sogar froh darum, kein HDMI 2.1 zu haben. Gerade anfangs hat das immer wieder zu Problemen geführt.

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Letztes, signifikantes Downgrade: der Prozessor. Das Gehirn des Fernsehers. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Bildsignale zu empfangen, zu verarbeiten und darzustellen. Verarbeiten heisst, dass er miese Bildqualität erkennt und sie aufwertet. Im G1 steckt der Alpha-9-Prozessor der vierten Generation. Im A1 der Alpha-7-Prozessor der vierten Generation. Dieser entspricht laut LG-Informationen etwa dem Leistungsstand des letztjährigen Alpha-9-Prozessors der dritten Generation.

Ein Prozessor-Downgrade, das sich zumindest theoretisch verschmerzen liesse. Schauen wir mal, wie es in der Praxis aussieht.

Schönes HDR mit kleinen Abstrichen

Eingangs habe ich die neue «Evo»-Technologie erwähnt, die LG nur in seiner 2021er G-Serie verbaut hat. Evo wie evolutionär, weil LG will vor allem an der maximalen Helligkeit gearbeitet hat. Vincent Teoh zum Beispiel, Youtuber und TV-Tester, misst beim G1 788 Nits – eine Verbesserung von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Werte, an die der A1 nicht rankommt. Rtings.com etwa misst 452 Nits bei HDR-Inhalten. Das ist selbst für einen OLED-Fernseher recht wenig. Gut wäre ein Wert ab 500 Nits. Sehr gut ab 600 Nits aufwärts. Heisst das, dass tagsüber Fernsehen mit dem A1 tabu ist? Nein. Nicht wirklich. So funktioniert maximale Helligkeit nicht. Ich erklär’s dir.

Vergleichen wir zuerst eine eher dunkle Szene aus «Jurassic World 2». Zuerst LGs A1.

LG A1
LG A1
Quelle: UHD-Blu-Ray, Dolby-Vision-Cinema-Mode. Timestamp: 00:05:07

Und jetzt LGs G1.

LG G1
LG G1
Quelle: UHD-Blu-Ray, Dolby-Vision-Cinema-Mode. Timestamp: 00:05:07

Im Direktvergleich wirkt das Bild des G1 deutlich wärmer. Für mich natürlicher. Näher an dem, was Farbkalibrierer in Hollywood auf ihren kalibrierten Bildschirmen gemischt haben. Mehr maximale Helligkeit bedeutet nämlich, dass der maximale Unterschied zwischen dem hellsten und dunkelsten Bildpunkt grösser wird. Dadurch verbessern sich die Kontraste, was wiederum für natürlichere und knackig abgestufte Farben sorgt.

Einfach ausgedrückt: Die erhöhte Maximalhelligkeit betrifft vor allem extrem helle Bildbereiche. Sonnen. Laternen. Weisse Flächen. Also meist kleine Bildbereiche, nicht das Bild in seiner Gesamtheit an sich.

Ein anderes Beispiel. Dieses Mal eine eher helle Szene aus «Jurassic World 2». Zuerst wieder LGs A1.

LG A1
LG A1
Quelle: UHD-Blu-Ray, Dolby-Vision-Cinema-Mode. Timestamp: 00:21:18

Und jetzt LGs G1.

LG G1
LG G1
Quelle: UHD-Blu-Ray, Dolby-Vision-Cinema-Mode. Timestamp: 00:21:18

Auch hier: Würden sämtliche Pixel pauschal heller leuchten, würden die Farben blasser wirken. Als ob du im Kino das Licht einschalten würdest. Die erhöhte Maximalhelligkeit steckt in diesem Beispiel vor allem in der Sonne. Ein sehr kleiner Bereich des Bilds. Gefühlt ist der G1 darum gar nicht so viel heller. Aufgrund des höheren Kontrasts sogar eher etwas dunkler, dafür knackiger.

Nimm es mit den Vergleichsbildern allerdings nicht zu genau. Zwischen den Aufnahmen liegen Monate und unterschiedliches Umgebungslicht. Das kann sich auf die Kamera auswirken. Ich sorge zwar für zumindest ähnliche Lichtverhältnisse – aber Laborbedingungen sind anders.

Das gilt auch für den Rest des Tests.

Wieviel schwächer ist der schwächere Prozessor?

Nächster Punkt. Wie verarbeitet der Alpha-7-Prozessor Videosignale im Vergleich zum G1? Die Kurzfassung: Gut.

Ein Beispiel. «1917» von Regisseur Sam Mendes. Der bringt viele TV-Prozessoren ins Schwitzen. Das liegt an Mendes’ Kameraarbeit im Film: Langsam, ständig fliessend. Gerade dort, wo’s harte Kanten vor verschwommenem Hintergrund hat, müssen Prozessor und Pixel unheimlich schnell reagieren. Tun sie das nicht, kommt’s zu Ghosting: Schattenbilder, die noch angezeigt werden, obwohl sie schon weg sein müssten.

Achte in der unteren Szene auf die Holzbalken der maroden Scheune.

Als ob das Bild pulsieren würde. Nicht gerade angenehm fürs Auge. Und was ich mit Schattenbilder meine, siehst du, wenn ich das Bild einfriere.

LG A1
LG A1
Quelle: UHD-Blu-Ray, Dolby-Vision-Cinema-Mode. Timestamp: 00:42:25

Deutlich besser macht’s der Alpha-9-Prozessor im G1.

Auch hier pulsiert das Bild, allerdings viel weniger stark. Friere ich das Bild ein, wird auch klar, wieso: Die Schattenbilder sind schmaler.

LG G1
LG G1
Quelle: UHD-Blu-Ray, Dolby-Vision-Cinema-Mode. Timestamp: 00:42:25

Dazu kommt, dass ich beim G1 mehr Frames mit deutlichen Kanten habe. Beim A1 hingegen hatte fast jedes Frame Ghosting. Darum pulsiert das Video beim A1 auch stärker.

Trotzdem: Dem A1 möchte ich keinen schlechten Prozessor nachsagen. Das da oben ist ein Extrembeispiel. 99 Prozent von dem, was du üblicherweise schaust, wird deinen Augen kaum wehtun. Denn mittlerweile sind fast alle TV-Prozessoren so gut geworden, dass sich die Spreu nur noch in Extrembeispielen vom Weizen trennt.

Und wenn ich den A1 mit Samsungs Flaggschiff vergleiche, dem QN95A mit seinem Neo Quantum Processor 4K, dann sieht das Motion Processing gar nicht so viel schlechter aus.

In anderen, ebenfalls schwierig darzustellenden Szenen, macht sich LGs A1 tatsächlich ziemlich gut: Schöne, natürliche Farben mit dem gewissen Punch, OLED-typische, satte Schwarzwerte, gute Handhabung von schnellen Bewegungen – ohne Direktvergleich ist es schwierig, den A1 von einem Flaggschiff-OLED zu unterscheiden.

Schau her.

Jep, ich mag das, was der A1 da produziert, deutliches besser als vieles, das ich bereits auf viel teureren LCD-Fernsehern gesehen habe.

Gaming? Gar nicht so übel

Zum Schluss dann doch ein paar Worte zu Gaming. Wie gesagt, UHD-Inhalte mit 120 Frames pro Sekunde kann der A1 nicht. Nicht nur wegen des fehlenden HDMI-2.1-Anschlusses, sondern auch, weil das Panel maximal 60 Frames pro Sekunde hergibt.

Sieht Gaming deswegen schlecht aus?

Gar nicht. Zunächst mal, weil LG auch dem A1 seinen neuen Game Optimizer spendiert. Der erscheint beim Druck auf die Zahnrädchen-Taste auf der Fernbedienung. Dort kannst du dann einfach und schnell game-basierte Einstellungen vornehmen. Dinge wie Tiefen oder Höhen anpassen, um den HDR-Effekt zu verstärken. Oder gleich das Game-Genre verändern. Sportspiel. Rennspiel. Ego-Shooter. So, dass du nicht selber an den perfekten Einstellungen rumfummeln musst.

Im Spiel sieht das Ganze dann auch richtig gut aus. Mit dem Input-Lag-Tester von Leo Bodnar messe ich im Standard-Game-Mode gar einen durchschnittlichen Input Lag von ausgezeichneten 10,86 Millisekunden. Das ist weniger als die 12,36 Millisekunden, die ich im Test beim G1 gemessen hatte.

Dazu kommt, dass ich keine grösseren Einbussen in Punkto Bildqualität erkennen kann. Nice.

Nein, das soll keine Bekehrung von Hardcore-Gamern sein. Für die ist der A1 wegen der Bildrate eh schon gestorben. Schlecht sehen Spiele deswegen aber nicht aus. Für die oder den Gelegenheitszocker jedenfalls ist der A1 eine absolut gangbare Option.

Zum Vergleich: Samsungs QN95A macht im genau gleichen Spiel die hellen Bildbereiche viel zu hell und die dunklen Bereiche viel zu dunkel. Da hat der Prozessor im Game Mode die Balance nicht wirklich im Griff.

Ganz ehrlich: Da verzichte ich lieber auf 120 FPS, wenn das Bild dafür umso schöner aussieht. Ich bin aber auch seit jeher Konsolenspieler. Computerspieler würden mich für die obige Aussage am liebsten lynchen, glaube ich.

Fazit: Tatsächlich viel Fernseher für wenig Geld

Machen wir’s kurz: Dass LGs A1 nicht mit dem G1-Flaggschiff mithalten würde, ist keine Überraschung und auch nie das Ziel LGs gewesen. Stattdessen haben die Südkoreaner an ein paar Ecken und Enden gespart, gefeilscht und in Kauf genommen. Rausgekommen ist ein ausgesprochen preiswerter OLED-Fernseher, dessen Bild absolut zufriedenstellend ist.

Anders gesagt: Mit dem A1 schmeisst LG einen Fernseher mit einer Preisstrategie auf den Markt, den andere Modelle erst gen Ende ihres Produktlebenszyklus erreichen. Und das ohne der OLED-Zunft Schande in Form von mieser Qualität zu bereiten.

Ich bin beeindruckt.

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Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.» 


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