Neuer Regisseur: Apple rüstet auf im Krieg der Streamingdienste

Neuer Regisseur: Apple rüstet auf im Krieg der Streamingdienste

Luca Fontana
Luca Fontana
Zürich, am 11.10.2019

Alfonso Cuarón, eines der grössten Talente Hollywoods, bindet sich ab sofort an Apples neuen Streamingdienst: Apple TV Plus. Damit nimmt eine Entwicklung ihren Lauf, die Kinobetreiber besorgen dürfte.

Alfonso Cuarón gilt als einer der talentiertesten Regisseure Hollywoods. Der breiten Masse wurde er 2004 durch seine Regiearbeit am dritten Harry-Potter-Streifen bekannt: «Harry Potter and the Prisoner of Azkaban». 2013 wurde er für «Gravity» mit dem Regie-Oscar ausgezeichnet. Ein Erfolg, den er dieses Jahr mit dem in spanisch gedrehten «Roma» wiederholte. Einen Film, den er ironischerweise für Netflix gedreht hat.

Alfonso Cuarón bei den 71. jährlichen Directors Guild of America Awards
Alfonso Cuarón bei den 71. jährlichen Directors Guild of America Awards
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Ironisch dahingehend, dass der Mexikaner jetzt das Streaming-Lager wechselt: Wie Branchenmagazin Variety berichtet, hat Cuarón einen mehrjährigen Deal mit Apple abgeschlossen, der seine Regie- und Produktionsdienste am Neo-Streaminganbieter aus Cupertino, Kalifornien, bindet.

Zerstört der Krieg der Streamingdienste das Kino?

Der Deal sieht vor, dass Cuarón via Esperanto Filmoj, seiner eigenen Produktionsfirma, exklusive TV-Inhalte für den Streamingdienst Apples – Apple TV Plus – entwickeln, schreiben und dabei Regie führen wird. Die Dauer des Vertrags ist aus offizieller Seite nicht bekannt. Das amerikanische Onlinemagazin Deadline meint aber aus Insider-Kreisen zu wissen, dass es sich um einen 5-jahres-Vertrag handeln muss.

Damit macht auch Apple im kommenden Krieg der Streamingdienste ernst, nachdem erst vor Kurzem bekannt geworden ist, dass Netflix einen mehrjährigen TV-Deal mit den Duffer-Brüdern, den «Stranger Things»-Schöpfern, abgeschlossen hat.

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Überhaupt scheint das Abschliessen solcher mehrjährige Verträge mit renommierten Hollywood-Grössen die bevorzugte Strategie zu sein, die eigene Plattform potenziellen Kunden schmackhaft zu machen. Umgekehrt geniessen Regisseure und Drehbuchautoren bei den Streamingdiensten künstlerische Freiheiten, die Hollywood-Produzenten oft nicht bereit sind zu gewähren – was sich meist negativ auf die Qualität der Filmproduktionen auswirkt. Eine Win-Win-Situation für Streamingdienste und Regisseure. Für Zuschauer nur dann, wenn sie bereit sind, das entsprechende Abo zu lösen.

Bei Apple sind besagte Hollywood-Grössen nebst Alfonso Cuarón auch bekannte Figuren wie Oprah Winfrey oder «Fast & Furious»- und «Star Trek»-Regisseur Justin Lin. Darüber hinaus versprach das im März 2019 veröffentlichte Ankündigungsvideo von Apple TV Plus weitere Zusammenarbeiten mit Steven Spielberg, Ron Howard, M. Night Shyamalan und Damien Chazelle.

Im obigen Video ebenfalls zu sehen ist «Star Wars»-Regisseur J.J. Abrams. Der hat sich aber vergangenen September an Warner Bros. und deren kommenden Streamingdienst HBO Max gebunden – auch wenn er Projekte, die Warner nicht machen will, an andere Film- und Serienstudios verkaufen und für sie durchführen darf.

Netflix hingegen rüstet nebst den Duffer-Brüdern mit den «Game of Thrones»-Showrunnern David Benioff und D.B. Weiss sowie «Wonder Woman»-Regisseurin Patty Jenkins auf. Dazu kommt Regie-Legende Martin Scorsese, der mit «The Irishman» einen heissen Oscaranwärter zunächst ins Kino und einige Wochen danach auf die Streamingplattform bringt.

Damit nimmt eine Entwicklung ihren Lauf, die zwar für hochwertige TV-Produktionen sorgt, aber andererseits Kinobetreiber besorgt. Denn wenn die grössten Talente Hollywoods nur noch exklusiv für Streaminganbieter arbeiten – wer macht dann noch Filme fürs Kino?

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Luca Fontana
Luca Fontana

Editor, Zürich

Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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