Nokia 1.3 im Test: So gut ist ein sehr günstiges Smartphone

Nokia 1.3 im Test: So gut ist ein sehr günstiges Smartphone

Jan Johannsen
Hamburg, am 21.04.2020
Für das Nokia 1.3 zahlst du für ein Smartphone sehr wenig, aber am Ende ist der Preis doch hoch.

Touchscreen, Kamera, Android und LTE: Das Nokia 1.3 hat alles, was ein Smartphone haben muss. Es bleibt aber die Frage, welche Komponenten bei diesem niedrigen Gerätepreis zufriedenstellend sind und welche enttäuschen.

1.3 (16 GB, Charcoal, 5.71 ", Dual SIM, 8 Mpx, 4G)
Nokia 1.3 (16 GB, Charcoal, 5.71 ", Dual SIM, 8 Mpx, 4G)
1.3 (16 GB, Cyan Green, 5.71 ", Dual SIM, 8 Mpx, 4G)
Nokia 1.3 (16 GB, Cyan Green, 5.71 ", Dual SIM, 8 Mpx, 4G)
1.3 (16 GB, Sand, 5.71 ", 8 Mpx, 4G)
Nokia 1.3 (16 GB, Sand, 5.71 ", 8 Mpx, 4G)

Helles Sonnenlicht ist kein Problem für das Display

Das Gehäuse des Nokia 1.3 besteht aus Kunststoff und ist unauffällig gestaltet. Das Smartphone will nicht mit einem besonderen Design punkten, sondern zweckdienlich sein. Wasserdicht ist es aber nicht. Um die SIM-Karte einzulegen, musst du die Rückseite abnehmen. Das ist umständlich, aber in der Regel tauscht du deine SIM-Karte nicht ständig aus. Nebeneffekt: Du kannst den Akku herausnehmen. Das ist inzwischen eine Seltenheit bei Smartphones geworden.

5,7 Zoll großes HD+-Display.
5,7 Zoll großes HD+-Display.

Das 5,7 Zoll große Display des Nokia 1.3 hat zwar nur eine HD+-Auflösung von 1520×720 Pixeln, sieht aber gut aus. Ja, der Rahmen ist breit und die Notch genannte Aussparung für die Frontkamera nicht schön, aber die Pixeldichte von 295 PPI sorgt für ein scharfes Bild. Die 16,7 Millionen Farben mögen nicht so kräftig und das Schwarz nicht so dunkel wie bei einem OLED-Display sein, wirken aber immer noch natürlich. Auf den Fotos hier im Artikel, lässt sich das aber nicht festhalten. In Natura sieht es besser aus. Pluspunkt: Der Touchscreen ist hell genug, um seinen Inhalt auch bei Sonnenschein zu erkennen.

Hardware erfordert viel Geduld und Sparsamkeit

Bei der Hardware hat HMD Global als Hersteller der Nokia-Smartphones den Rotstift angesetzt. Du kannst zwar den internen Speicher mit einer microSD-Karte erweitern. Das klingt zunächst gut. Der Witz daran ist, dass du kaum darum herum kommen wirst, da der Speicher nur 16 Gigabyte groß ist. Der Arbeitsspeicher fällt mit einem Gigabyte ebenfalls klein aus und als Chipsatz ist die Qualcomm 215 Mobile Platform verbaut.

Das genügt, um behaupten zu können, dass das Nokia 1.3 ein Smartphone ist, auf dem Apps laufen. Die Lade- und Reaktionszeiten sind allerdings spürbar langsam. Und das nicht nur, wenn du dich bereits an sehr schnelle Smartphones gewöhnt hast. Mich bremsen die Ladezeiten bei der Nutzung aus. Ich will nicht eine gefühlte Ewigkeit Warten, um ein Foto aufnehmen zu können – weder, wenn ich auf die Kamera-App klicke, noch wenn ich auf den Auslöser gedrückt habe und ein zweites Bild machen will.

1557de2784161fa9d4c0a249d095eb08359deda32b0e9515da2439c2a4235deb

Mit langsamen Ladezeiten magst du dich arrangieren können. Es gibt aber Apps, für die reicht die Leistung des Nokia 1.3 schlicht nicht aus. Grafisch anspruchsvolle Spiele zum Beispiel, oder alles, was Virtual Reality und Augmented Reality ist, läuft auf dem Smartphone nicht oder lässt sich nicht sinnvoll nutzen. Willst du in diesem Bereich etwas machen, ist das Nokia 1.3 das falsche Smartphone für dich.

Der austauschbare Akku des Nokia 1.3 hat zwar nur eine Kapazität von 3000 mAh, aber die Hardware verbraucht wenig Energie. Sprich: Ich bin mit eine Akkuladung über den typischen Tag gekommen, musste beim Aufladen über den Micro-USB-Anschluss aber Geduld haben. Das ging nicht so fix, wie mit den Schnellladetechnologien anderer Smartphones. Immerhin konnte ich über den 3,5-mm-Anschluss meine Kopfhörer per Kabel anschließen und Musik hören – während des Ladevorgangs. Retro-Feeling pur!

Rückseite ab- und Akku rausnehmen.
Rückseite ab- und Akku rausnehmen.

Mit dieser Kamera willst du keine Fotos machen

Glaub mir: Das Nokia 1.3 ist kein Smartphone, mit dem du Fotos machen willst. Und das liegt nicht an der langsamen Kamera-App mit wenigen Funktionen, sondern an der Bildqualität der 8-Megapixel-Kamera. Die liegt deutlich unterhalb des Durchschnitts. Die Farben sind flau, Details bei genauerer Betrachtung nicht vorhanden und auf einen guten Umgang mit Hell-Dunkel-Unterschieden kannst du selbst mit aktivem HDR-Modus nicht hoffen.

HDR aus.
HDR aus.
HDR an.
HDR an.

Bei Portraitaufnahmen legt die Software einen Unschärfefilter rund ums Gesicht, der sehr grob ist und gar nicht erst versucht, die Person vom Hintergrund auszuschneiden. Bei Nacht zeigen die Aufnahmen Dunkelheit und da, wo etwas Licht hinfällt, ist aufgrund mangelnder Details und Schärfe kaum etwas zu erkennen.

Schlechte Portraitfunktion.
Schlechte Portraitfunktion.
Nachts ist es dunkler als draußen.
Nachts ist es dunkler als draußen.

Die Frontkamera liefert Selfies mit einer Auflösung von fünf Megapixeln und ist qualitativ genauso schlecht wie die Hauptkamera. Ausgeblichene Farben, wenig Details und ein HDR-Modus, der alles noch schlimmer macht.

Solche Selfies will niemand.
Solche Selfies will niemand.
Auch nicht mit HDR.
Auch nicht mit HDR.

Android auf Diät

Die herkömmliche Installation von Android 10 würde beim Nokia 1.3 nicht auf den internen Speicher passen. Deswegen nutzt HMD Global Android Go. Diese Variante des Betriebssystems und seine Apps belegen extra wenig Speicherplatz. 4,6 Gigabyte sind es beim Testgerät. Zum Vergleich: Beim Pixel 4 sind es 19 Gigabyte.

Die Go-Versionen der vorinstallierten Google-Apps haben nicht immer den gleichen Funktionsumfang wie ihre herkömmlichen Varianten. Google Maps Go ist zum Beispiel keine richtige App, sondern ruft den Kartendienst im Browser auf. Alle wichtigen Grundfunktionen findest du aber in den Anwendungen. Willst du weitere Apps installieren, kann, außer dem begrenzten Speicherplatz, auch die langsame Hardware ein Problem sein. Manch ein Entwickler legt Mindestanforderungen für seine Programme fest, die meistens auch sinnvoll sind, aber dazu führen, dass du die entsprechenden Anwendungen auf dem Nokia 1.3 nicht installieren kannst.

Die Go-Versionen der Google-Apps nehmen weniger Speicherplatz in Anspruch.
Die Go-Versionen der Google-Apps nehmen weniger Speicherplatz in Anspruch.

Als kleinen Ausgleich gibt es für Android Go das Versprechen, zwei Jahre lang Upgrades für das Betriebssystem zu erhalten. In diesem Fall wären das Android Go 11 und 12.

Lieber etwas mehr ausgeben

Das Nokia 1.3 hat ein gutes Display, einen 3,5-mm-Audioanschluss, bekommt zwei Jahre lang Software-Updates und du kannst den Akku austauschen. Diesen positiven Leichtgewichten stehen allerdings negative Schwergewichte gegenüber. Die Hardware ist langsam, der Speicherplatz klein und die Kameras sind schlecht.

Ich kann nur empfehlen, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Selbst, wenn du unter 200 Euro/Franken bleibst, gibt es etliche Smartphones, die besser ausgestattet sind und mit denen du mehr Freude als mit dem Nokia 1.3 haben wirst.

*Nokia 7.2 vs. Xiaomi Redmi Note 8 Pro:** Zwei günstige Smartphones im Test
ReviewSmartphone

Nokia 7.2 vs. Xiaomi Redmi Note 8 Pro: Zwei günstige Smartphones im Test

7 Personen gefällt dieser Artikel


Jan Johannsen
Jan Johannsen

Redakteur, Hamburg

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren