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Luca Fontana
News & Trends

Paramount schluckt Warner – jetzt aber wirklich

Luca Fontana
7.10.2026

«Harry Potter», DC, «Star Trek», HBO, CNN und Paramount+ unter einem Dach: Der 110-Milliarden-Dollar-Deal ist vollzogen. Damit entsteht ein Mediengigant, der Hollywoods Machtverhältnisse neu ordnen wird.

Es ist tatsächlich passiert. Nach einem Jahr voller Bieterkriege, Klagen, politischer Einmischung und überraschender Wendungen hat Paramount Skydance Warner Bros. Discovery definitiv übernommen. Das teilen die beiden Konzerne offiziell in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der Preis: rund 110 Milliarden Dollar.

Noch im August sah alles danach aus, als würde sich der Deal bis weit ins Jahr 2027 verzögern. Zwölf US-Bundesstaaten und die Drehbuchgewerkschaft WGA hatten geklagt, ein Gericht stoppte die Übernahme vorläufig und setzte den Prozess auf März 2027 an. Paramount drohten dadurch Zusatzkosten in Milliardenhöhe.

Tja. Zwei Monate später ist plötzlich alles anders.

Warner gehört jetzt tatsächlich zu Paramount

Am 6. Oktober hat Paramount Skydance die Übernahme offiziell abgeschlossen. Damit entsteht einer der mächtigsten Unterhaltungskonzerne der Welt: Warner Bros., Paramount Pictures, HBO Max, Paramount+, DC Studios, CNN und CBS gehören jetzt zum selben Unternehmen.

Dazu kommen Marken und Franchises wie «Harry Potter», «Game of Thrones», «The Last of Us», «Mission: Impossible», «Star Trek» und das gesamte DC-Universum. Oder anders gesagt: Was vor einem Jahr noch wie ein kaum vorstellbares Hollywood-Monopoly klang, ist jetzt Realität.

Der neue Konzern trägt den Namen Skydance. David Ellison, bisheriger Chef von Paramount, führt ihn gemeinsam mit Ynon Kreiz, dem bisherigen CEO des Spielzeugkonzerns Mattel. Kreiz übernimmt das operative Geschäft und die Integration der beiden Unternehmen, während Ellison für die kreative Ausrichtung und die Gesamtstrategie verantwortlich bleibt.

Auch der Verwaltungsrat bekommt eine Zusammenstellung, die selbst für Hollywood-Verhältnisse bemerkenswert bunt ausfällt: Neben Kreiz ziehen Laurene Powell Jobs, Gründerin des Emerson Collective und Witwe von Apple-Mitgründer Steve Jobs sowie der frühere Activision-Blizzard-Chef Bobby Kotick ein. Gerade Letzterer ist mit Blick auf Warner Bros. Games eine interessante Personalie. Welche Rolle Kotick dort tatsächlich spielen wird, ist allerdings offen. Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair stösst zudem als Berater des Verwaltungsrats dazu.

Spielzeug, Videospiele, Tech-Milliarden und britische Weltpolitik – langweilig dürfte es an den Verwaltungsratssitzungen jedenfalls nicht werden.

HBO Max und Paramount+ werden zusammengelegt

Paramount will durch die Fusion jährlich rund sechs Milliarden Dollar einsparen. Offiziell soll ein grosser Teil davon aus Bereichen ausserhalb der Belegschaft kommen. Etwa durch die Zusammenlegung von Technologie- und Cloud-Infrastruktur. Angesichts der Dimension des Konzerns dürften allerdings auch Stellenstreichungen kaum ausbleiben.

Gleichzeitig will Ellison kräftig investieren. Mindestens 30 Milliarden Dollar pro Jahr sollen künftig in Inhalte fliessen. Auch HBO Max und Paramount+ sollen langfristig zu einem einzigen Streamingdienst verschmelzen. Das Ziel dahinter ist offensichtlich: Netflix, Disney und Amazon sollen einen neuen, deutlich grösseren Konkurrenten bekommen. Ellison selbst begründete die Fusion damit, dass Hollywood zu lange an der Vergangenheit festgehalten habe. Damit hätte man Unternehmen wie Netflix und Amazon die Gelegenheit gegeben, die Branche aufzumischen.

Ganz risikolos ist die Wette allerdings nicht. Der fusionierte Konzern startet mit rund 80 Milliarden Dollar Schulden.

Was wurde aus den Klagen?

Genau hier wird die Geschichte interessant. Denn eigentlich hätte dieser Artikel frühestens im kommenden Frühjahr erscheinen sollen.

Im Juli hatten zwölf US-Bundesstaaten unter Führung Kaliforniens gegen die Fusion geklagt. Einen Tag später folgte die Writers Guild of America (WGA). Die Klagenden argumentierten, Paramount und Warner würden gemeinsam zu viel Macht bei Kinofilmen, Blockbustern, TV-Lizenzen und auf dem Arbeitsmarkt für Kreative erhalten.

Eine Bundesrichterin nahm die Einwände ernst genug, um den Deal zunächst zu stoppen. Paramount erklärte sich daraufhin sogar freiwillig bereit, die Übernahme bis zu einem Urteil oder spätestens bis Juni 2027 auf Eis zu legen. Der Prozess sollte am 2. März 2027 beginnen. Dazu kommt es nun nicht mehr. Paramount hat sich mit den klagenden Bundesstaaten und der Drehbuchgewerkschaft aussergerichtlich geeinigt. Damit verschwanden die letzten grossen rechtlichen Hindernisse – und aus einer möglicherweise monatelangen Blockade wurden am Ende nur wenige Wochen Verzögerung.

Und CNN?

Bleibt die politisch brisanteste Frage dieser ganzen Übernahme. CNN gehört nun tatsächlich zum selben Konzern wie CBS News – und damit zu einem Unternehmen unter der Kontrolle von David Ellison. Dessen Vater Larry Ellison gilt als enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump. Trump wiederum hat CNN seit Jahren scharf attackiert und begrüsste die abgeschlossene Fusion prompt: Es werde ein «grossartiges Unternehmen», sagte er am Dienstag.

Die bisherigen Führungen bleiben allerdings bestehen. Mark Thompson bleibt Chef von CNN, Bari Weiss behält ihre Position bei CBS News. Ellison und Kreiz bleiben ihre jeweiligen Vorgesetzten. Im Rahmen der Einigung verpflichtete sich Ellison zudem, ein Gremium einzurichten, das über die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN und CBS wachen soll. Ob dieses tatsächlich genügend Macht besitzt, um politischen oder wirtschaftlichen Einfluss zu verhindern, ist eine andere Frage. Kritikerinnen und Kritiker bezweifeln das.

Damit endet zumindest der Übernahmekrimi. Seit Warner Bros. Discovery im Oktober 2025 zum Verkauf stand, haben wir einen Bieterkrieg mit Netflix erlebt, ein feindliches Übernahmeangebot, neun Paramount-Offerten, Klagen, Trump, Kartellbehörden, einen gerichtlichen Stopp und zuletzt einen Prozess, der den Deal eigentlich bis 2027 einfrieren sollte. Nach all dem gibt es tatsächlich einen Sieger.

Warner gehört jetzt Paramount. Diesmal wirklich.

Titelbild: Luca Fontana

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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