Pikante Pornos und der peinliche Pokémon-Prozess: Zehn wohl gehütete Geheimnisse von Nintendo
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Pikante Pornos und der peinliche Pokémon-Prozess: Zehn wohl gehütete Geheimnisse von Nintendo

Daniel Ramm
Hamburg, am 28.12.2020
Wie leer würde die Welt der Videospiele ohne Nintendo aussehen – ohne den Gameboy, die DS, das NES oder die Wii, ohne Super Mario, Donkey Kong, Zelda oder Pokémon. Unvorstellbar!

Unvorstellbar ist aber auch, was der japanische Konsolen-Kaiser mit einer Kette von Liebeshotels zu tun hat, mit Pornofilmen, Taxiunternehmen oder Spielkarten. Ta da! Hier die zehn Geheimnisse von Nintendo, von denen kaum jemand etwas geahnt hat.

1. Himmlisch, dieser Name!

Was haben der Eishersteller Häagen Dazs, der Sportschuh-Produzent Asics und der Spielkonsolen-Gigant Nintendo gemeinsam? Alle drei Unternehmen tragen Kunstwörter als Firmennamen. «Nin-ten-do» besteht dabei aus den drei japanischen Silben bzw. Wörtern: «Nin», für «Verantwortung», «Ten», für «Himmel» und «Do» für «Tempel». Folglich bedeutet Nintendo so viel wie «der Tempel der himmlischen Verantwortung». Recht selbstbewusst für ein Daddelmaschinen-Imperium! «Asics» ist übrigens die Abkürzung des lateinischen Sinnspruchs «Anima Sana In Corpore Sano», «In einem gesundem Körper wohnt auch ein gesunder Geist». Und «Häagen Dazs» hat rein gar nichts zu bedeuten. Der Name der US-Marke sollte für amerikanische Kunden einfach nur möglichst europäisch und damit hochwertig, traditionsbewusst und teuer klingen.

2. Hauptsache: Spielen

Mit Spielen hat Nintendo schon bei Firmengründung 1889 zu schaffen: Das Unternehmen aus Kyoto landet vor über 130 Jahren mit der Herstellung von Papier-Spielkarten einen Trumpf. Karten mit Blumen-Motiven zum Spiel «Hanafuda», dem «Rommé» des Japaners, bringen den Durchbruch. In den 1950er Jahren gelingt es Nintendo als erstem japanischen Unternehmen, Plastik-Spielkarten in Massenproduktion zu fertigen. Sammelkarten, etwa mit Disney-Motiven, kommen hinzu. In den 1960er Jahren erweitert Nintendo sein Sortiment um weitere Spiele, beispielsweise um Laser-Tontaubenschießen, das in kürzester Zeit zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung der Japaner aufsteigt – und Bowling abhängt.

3. Taxis, Reis und Liebeshotels

Doch damit endet die Experimentierfreudigkeit der Firmeneigner nicht. Nintendo betreibt zwischenzeitlich ein Taxiunternehmen, stellt Liebes-Tester in Bars auf, handelt mit Instant-Reis, eröffnet eine Kette von Liebeshotels und bringt Kinderspielzeug aus Plastik auf den Markt. Erst mit der Entwicklung des NES, des Nintendo Entertainment Systems, einer Videospiel-Konsole für den Heimgebrauch, Anfang der 1980er Jahre konzentriert sich Nintendo auf Unterhaltungselektronik und verkauft alle anderen Produktionszweige.

Ein altes «Game & Watch»-Handheld.
Ein altes «Game & Watch»-Handheld.

4. Ein Taschenrechner als Inspirationsquelle

Schau, schau! Ende der 1970er Jahre beobachtet Nintendos Spieleentwickler Gunpei Yokoi einen Geschäftsmann auf den Straßen von Tokio, der zum Zeitvertreib mit seinem Taschenrechner spielt. Yokoj kommt daraufhin auf die bahnbrechende Idee, kleine, tragbare Spielautomaten zu konstruieren, die die Menschen auf dem Weg zur Arbeit unterhalten könnten. Auf einem sogenannten «Game & Watch» ist jeweils nur ein Spiel verfügbar, oft beruhen sie auf erfolgreichen Arcade-Automaten, allen voran «Donkey Kong».

*Game&Watch** – eine Reise zurück in die Kindheit
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Game&Watch – eine Reise zurück in die Kindheit

5. Der Kampf der knuffigen Werbehelden

Auf die Plätze, fertig, los! Der Wettlauf der Werbefiguren ist eröffnet! Nach dem weltweiten Siegeszugs des Jump’n’Run-Spiels «Super Mario Bros.» ab 1985 macht Nintendo den knuffigen Klempner kurzerhand zu seinem offiziellen Maskottchen. Das bleibt nicht ohne Antwort der Konkurrenz: Wettbewerber Sega schickt erst Alex Kidd, dann den blauen Igel Sonic ins Rennen der Kultfiguren. Und auch Sony lässt es sich nicht nehmen, mit einer Jump-’n’-Run-Figur für seine Playstation-Konsole zu werben: Crash Bandicoot hüpft vor allem in 1990er Jahren durch zahlreiche Abenteuer.

Mario wurde 1985 zum Maskottchen von Nintendo.
Mario wurde 1985 zum Maskottchen von Nintendo.

6. Vom Fehler zur Besonderheit

2020 stellt Nintendos Super Mario einen Super-Rekord auf, nur um ihn dann selbst gleich wieder zu brechen: Im Sommer avancierte eine Ausgabe von «Super Mario Bros.» von 1985 zum teuersten Videospiel aller Zeiten, nachdem es bei einer Auktion einen Gewinn von 114.000 Dollar erzielte. Im Herbst kam eine Ausgabe des Spiels «Super Mario Bros. 3» dann bei einer anderen Auktion sogar auf einen Erlös von unglaublichen 156.000 Dollar. Das Auktionshaus erklärt sich diesen exorbitanten Betrag mit der Originalversiegelung, aber vor allem auch mit einer Art seltenem «Produktionsfehler»: Auf dem Cover der ersten jemals produzierten Spiele verdeckte das Wort «Bros.» noch einen von Marios weißen Handschuhen. Erst später wurde es über den Kopf des Klempners verschoben.

7. Schmuddelfilmchen im Giftschrank

Wie geil! Zum Firmenbesitz gehören auch die Rechte an zwei Pornofilmen: «Super Hornio Brothers» und «Super Hornio Brothers 2» sind Persiflagen der «Super Mario»-Spiele. Nintendo erwarb kurzerhand die Rechte an beiden Schmuddelfilmchen, um sie für alle Zeiten, ähm… nun ja, aus dem Verkehr zu ziehen.

8. Schutzhandschuhe für alle!

Völlig durchgedreht! Bei «Mario Party» für den Nintendo 64 muss der Controllerstick immer mal wieder möglichst schnell gedreht werden. Dies führt bei Spielern jedoch wiederholt zu Verbrennungen an den Handflächen. Vor einem Gericht in New York verpflichtet sich Nintendo deshalb, US-Käufer des Games auf Verlangen mit fingerlosen, am Handballen gefütterten Schutzhandschuhen auszustatten. Anfangs befürchteter Schaden: rund 80 Millionen Dollar. Da aber nur die wenigsten Kunden etwas davon mitbekommen, kommt Nintendo letztlich deutlich glimpflicher davon – und überarbeitet die Technik, quasi im Handumdrehen.

9. Die 100-Millionen-Klage

Pokémon NO! «Huch, der sieht ja aus wie ich!» muss der israelische Mentalist Uri Geller (Stichwort: Löffel mit Gedankenkraft verbiegen) gedacht haben, als er Nintendo im Jahr 2000 auf 100 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt. Grund: Geller meint sich im Pokémon Kadabra wieder erkennen zu können. Die Figur wäre eine bösartige Parodie und zudem antisemitisch. Während der Dauer des Prozesses setzt Nintendo die Produktion von Kadabra-Sammelkarten vorsichtshalber aus. Auf der Karte von Abra gibt es zwischenzeitig eine Fähigkeit, mit der die Entwicklungsstufe Kadabra übersprungen und eine direkte Weiterentwicklung zu Simsala ausgelöst wird. Uri Geller verliert den Prozess jedoch. Pokémon YO!

10. Nokia wäre neidisch

Das was du hältst, das hält! Nintendo ist zurecht stolz auf die Langlebigkeit seiner Produkte, etwa des Gameboys. Er soll seine zumeist jugendlichen Kunden am besten gleich durchs ganze Leben begleiten. In seinem «World Store» in New York präsentiert Nintendo deshalb Gameboys, die von Autos überfahren, während eines Bombenanschlag im Ersten Golfkrieg getroffen oder in einen Swimmingpool getaucht wurden – und trotzdem laufen und laufen und laufen. Ein Gameboy schaffte es sogar auf den Mount Everest, ein anderer bis ins Weltall. Unkaputtbar!

Der Gameboy hält einiges aus.
Der Gameboy hält einiges aus.

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Daniel Ramm
Daniel Ramm

Autor, Hamburg

Ich bin seit 20 Jahren Journalist und war unter anderem Redakteur eines Wissensmagazins, Textchef eines Nachrichtenmagazins und Chefredakteur eines Jugendmagazins. Für mich können Themen und Texte gar nicht abwechslungsreich und bunt genug sein. Am liebsten jeden Tag etwas Anderes, Neues, Spannendes. Die Menschen um mich herum aber, also jene, die mit mir Tisch, Bett und Badezimmer teilen, die dürften gerne den Rest meines Lebens dieselben bleiben.

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