Hintergrund

Räbeliechtli, Räbeliechtli, wo chunsch her? Was du über den Brauch wissen musst

Katja Fischer
Katja Fischer
05.11.2021

Halloween-Hype hin oder her: Räbeliechtli gehören in der Schweiz zu den beliebtesten Herbstritualen. Was Kartoffeln damit zu tun haben und wo jährlich 30 Tonnen Räben für einen einzigen Umzug verschnitzt werden.

Kaum sind die Halloween-Köpfe vor der Haustüre vergammelt und entsorgt, steht der nächste Schnitz-Event ins Haus: Räbeliechtli. Gilt die Konzentration meiner Tochter beim Schnitzen erst noch ganz den filigranen Motiven, kommen bei der monotonen Aushöhlarbeit plötzlich unerwartete Fragen am Küchentisch auf. «Mami, warum essen wir keine Räbensuppe? Gibt’s den Räbeliechtliumzug auch in Italien? Und sowieso, wer hat ihn erfunden?»

Fragen, die ich trotz mindestens 30 Räben, die ich in meinem Leben schon zu Laternen verarbeitet haben muss, nicht aus dem Stegreif beantworten kann. Also habe ich recherchiert und Erstaunliches bis Kurioses über den Schweizer Brauch festgestellt.

Der Ursprung: Räben sind die Kartoffeln von früher

Die Herkunft des Räbeliechtliumzugs ist nicht eindeutig. Fest steht aber: Die Tradition ist uralt. Schon die Römer und Kelten sollen Herbstrüben geschnitzt und als Lichter genutzt haben. Im Mittelalter gehörte das Wurzelgemüse zu den Grundnahrungsmitteln. Um deren Ernte zu feiern, wurden die letzten Herbstrüben im November zu Laternen geschnitzt – den Räbeliechtli. Sie sollen in den Dorfgassen den Weg zum Abend-Gottesdienst erhellt haben.

Mit der Verbreitung der Kartoffel verloren die weiss-violetten Rüben als Nahrungsmittel an Bedeutung. Heute landen sie kaum mehr auf dem Teller, sondern werden hierzulande fast ausschliesslich für Räbeliechtli verwendet.

Die Nährstoffe: Viele Vitamine, aber kaum Energie

Das weisse Herbstrübenfleisch schmeckt saftig, würzig und etwas herb, ähnlich wie die Kohlrabi. Es besteht zu rund 90 Prozent aus Wasser und enthält deshalb kaum Kalorien. Dafür ist die Rübe reich an Vitamin C, Folsäure, Magnesium und Eisen.

Das Wurzelgemüse schmeckt roh, es lässt sich aber auch schmoren, dünsten oder zu Eintöpfen verarbeiten. Früher war die sogenannte «Räbepappe» weit verbreitet: eine Art Kartoffelstock. Und um zur Frage meiner Fünfjährigen zurückzukommen: Ja, die Schnitzresten lassen sich auch wunderbar zu einer Suppe verarbeiten – zum Beispiel zusammen mit Kartoffeln. Man macht das heute bloss viel zu selten.

Der Grösste: 30 Tonnen Räben für die Räbechilbi

Den nach eigenen Angaben weltweit grössten Räbeliechtliumzug gibt es im zürcherischen Richterswil: die sogenannte «Räbechilbi», die immer am zweiten November-Samstag stattfindet. Im Jahr 2000 schaffte es der Event ins Guinness-Buch der Rekorde.

Einige beeindruckende Zahlen und Fakten, die der Organisator auf seiner Website kommuniziert:

  • Es werden rund 30 Tonnen Räben für den Anlass verarbeitet.
  • Etwa 50’000 Kerzen erhellen den Dorfkern.
  • Der Umzug erstreckt sich jeweils über eine Länge von rund einem Kilometer und dauert eine Stunde.
  • Rund tausend Menschen beteiligen sich am Lichtspektakel.
  • Um die 20’000 Besucher:innen pilgern dafür nach Richterswil.
Tonnenweise Räben und Zehntausende Kerzen beleuchten an der Räbechilbi verschiedene Sujets.
Tonnenweise Räben und Zehntausende Kerzen beleuchten an der Räbechilbi verschiedene Sujets.
Bild: Micha L. Rieser/Wikimedia

Die Verbreitung: Der Umzug stoppt an der Grenze

Räbeliechtli sind eine echte Schweizer Tradition, die aber nicht in allen Kantonen gleichermassen begangen wird: Vor allem die Kantone Zürich, Aargau, Solothurn, Bern und Basel zelebrieren die jährlichen Umzüge. In Nachbarländern gibt es ähnliche Brauchtümer, etwa das Rübengeistern in Deutschland mit grimmig verzierten Rüben.

Der Anfängerfehler: Räbe vor dem Aushöhlen schnitzen

Während beim Kürbis schnitzen erst die Drecksarbeit – das Aushöhlen, das jede Küche in ein Fruchtfleisch-Massaker verwandelt – verrichtet wird, ist es beim Räbeliechtli genau umgekehrt: Besser erst die Schnitzereien, dann aushöhlen. Dann bricht die dünne Wand sicher nicht.

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Ganz so viel wollte meine Tochter dann doch nicht über ihr kleines Räbeliechtli wissen. Aber die für sie wichtigsten Fragen konnte ich ihr beantworten. Und ich selbst habe sogar noch einiges darüber hinaus gelernt – nach über 30 Jahren Räbeliechtli-Erfahrung auf dem Buckel war das auch höchste Zeit.

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Katja Fischer

Anna-und Elsa-Mami, Apéro-Expertin, Gruppenfitness-Enthusiastin, Möchtegern-Ballerina und Gossip-Liebhaberin. Oft Hochleistungs-Multitaskerin und Alleshaben-Wollerin, manchmal Schoggi-Chefin und Sofa-Heldin.


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