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Debora Pape
Produkttest

Reisetagebuch: Warum Handschrift im Urlaub das Smartphone schlägt

Debora Pape
16.9.2026
Bilder: Debora Pape

Eigentlich habe ich Stift und Papier fast komplett aus meinem Leben verbannt. Dass handschriftliche Notizen ausgerechnet auf Reisen Freude machen, hätte ich nicht gedacht.

Seit es Smartphones gibt, sind Reisetagebücher irgendwie obsolet geworden. Früher™ habe ich Journals zu meinen Reisen geschrieben und auf einer Landkarte akribisch die Route eingetragen, damit mir Orte und Details nicht verloren gehen. Heute greife ich zum Handy und nutze es zur Dokumentation: Schnell ein Essen fotografieren, damit ich später dank der Geo-Metadaten nachsehen kann, wo es mir so gut geschmeckt hat.

Reiseerinnerungen sind somit eine Aneinanderreihung von Fotos geworden: Nicht nur schöne, ästhetische Urlaubsbilder – sondern auch viele, bei denen ich hinterher gar nicht mehr weiß, was genau ich eigentlich dokumentieren wollte. Und nach ein paar Jahren verblassen trotz schönster Fotos die Erinnerungen an die Geschichten, die ich dabei erlebt habe. Noch am gleichen Tag schriftlich festgehalten, bleiben sie dagegen frisch.

Deswegen habe ich mir für meine kürzliche Urlaubsreise nach Südtirol ein Reisetagebuch gekauft. Theoretisch würde dafür ein einfacher Notizblock reichen. Ich habe mich aber für ein Tagebuch mit Ausfüll-Vordruck entschieden. Solche Vordrucke strukturieren die Einträge und helfen mir dabei, meine Gedanken bei der Rückblende des Urlaubstags zu sortieren. Das hat allerdings auch Nachteile, weil es Vorgaben gibt, die für mich nicht relevant sind.

Was wollte ich mir hiermit wohl sagen?
Was wollte ich mir hiermit wohl sagen?

Der Aufbau: Planen, Notieren, Organisieren

Das Reisetagebuch «Go & Discover the World» ist etwa 1,5 Zentimeter dick und hat einen flexiblen Umschlag. Mir gefällt die bunte, historische Karte als Umschlagmotiv sehr gut. An der Innenseite des Buchrückens ist eine stabile Papiertasche angebracht, in der ich etwa hübsche Eintrittskarten aufbewahren kann, falls ich sie später einkleben möchte. Dafür sind vier Seiten vorgesehen, was bei konsequentem Einkleben schnell knapp werden würde – denn das Tagebuch bietet Platz für 100 Tagesnotizen. Praktisch fände ich außerdem die Möglichkeit, einen Kuli im Buchrücken zu verstauen. Die gibt es aber nicht.

Inhaltlich ist das Tagebuch in verschiedene Abschnitte unterteilt. Ein Verzeichnis gibt Aufschluss, wo ich was finde. Die ersten Seiten sind für Planungen und Packlisten reserviert. Den Hauptteil stellen die Blätter für tägliche Notizen dar. Im Inhaltsverzeichnis kann ich bis zu 13 Orte und deren zugehörige Seitennummer eintragen, damit ich sie in den Notizen wiederfinde. Zwischen den Notizen sind sogenannte «Sonderseiten» beigemischt, auf denen ich etwa kulinarische Erlebnisse oder Geheimtipps festhalten kann.

Papier ist geduldig: Ich widme manche Sonderseiten einfach um.
Papier ist geduldig: Ich widme manche Sonderseiten einfach um.

Die letzten rund 15 Seiten enthalten organisatorische Helfer. Teilweise sind sie zum Selbstausfüllen, wie wichtige Adressen und eine Ausgabenübersicht. Andere Seiten informieren über internationale Notrufnummern oder die übliche Höhe von Trinkgeldern in verschiedenen Ländern.

Laut Beschreibung eignet sich das Reisejournal für eine lange Reise oder mehrere kleinere Urlaube. Das passt allerdings nicht wirklich zusammen, denn es gibt nur eine Packliste und einen Bereich für die Planung. Auch die Sonderseiten wirken nicht, als wären sie für mehrere Reisen vorgesehen.

Das Highlight: die täglichen Notizen

In meinem Bergurlaub gewöhne ich mir an, abends den Tag Revue passieren zu lassen und das Wichtigste zu notieren. Das ginge auch am Mobilgerät – aber genau das möchte ich ja nicht. Einerseits, weil ich es hasse, auf einem kleinen Display zu tippen. Und zum anderen, weil ich mich dann nicht auf den begrenzten, vorgegebenen Platz beschränken müsste. Zudem möchte ich ein physisches Buch, um später darin zu blättern.

Auf jeder Seite gebe ich das aktuelle Datum und den Ort an. Darunter sind einige freie Zeilen für das Tagesprogramm vorgesehen. Darüber hinaus regt mich das Buch zum Reflektieren an: Es fordert mich etwa auf, mein Highlight festzuhalten, meine aktuelle Stimmung oder meine Gedanken nach dem Aufwachen in einem Wort wiederzugeben oder fragt mich, was ich heute gelernt habe.

Auf den Seiten für die Tagesnotizen habe ich genug Platz für eine kurze Zusammenfassung.
Auf den Seiten für die Tagesnotizen habe ich genug Platz für eine kurze Zusammenfassung.

Diese Fragen variieren, wiederholen sich aber nach wenigen Tagen. Trotzdem reicht mir die Variation. Mir gefällt, dass ich mir abends wirklich die Erlebnisse des Tages nochmal durch den Kopf gehen lassen muss, um den aktuellen Vordruck auszufüllen. Und mir fällt dann tatsächlich immer etwas ein, was ich Neues gelernt habe oder was an einer eigentlich durchschnittlichen Wanderung erinnerungswürdig war.

Der tägliche Rückblick wird so problemlos zum abendlichen Ritual, bevor ich ins Bett gehe. Schön fände ich weitere Seiten, auf denen ich die Highlights einer Reise kurz und knapp nochmal festhalten kann. Dafür zweckentfremde ich die Sonderseiten. So sind meine Urlaubseindrücke zwar im gesamten Buch verteilt, aber durch das modifizierte Inhaltsverzeichnis finde ich sie trotzdem wieder.

Relikte aus der Vergangenheit: Planungs- und Infobereich

Wenn du das Buch nur für eine Reise nutzen möchtest, kann der Planungsbereich für dich interessant sein. Dann hast du deinen gesamten Trip inklusive Vorbereitungen archiviert. Es gibt sogar Platz für ein Foto von der Abreise. Leider steht bei mir keine dreimonatige Weltreise an, sodass ich das Reisetagebuch mit mehreren kürzeren Urlauben füllen möchte. Daher bringt mir die Möglichkeit, eine einzige Reise zu planen, nichts.

Viele der organisatorischen und informativen Abschnitte wirken heute überholt. Planung, Übersetzungen oder Adressverwaltung erledige ich ohnehin mit Apps, die flexibler und aktueller sind. Genauso nutzlos sind mehrere leere Seiten zur handschriftlichen Urlaubsplanung sowie die Check- und Packlisten. Die Hälfte der Listenpunkte trifft auf mich nicht zu, dafür fehlen andere, wichtige Dinge, an die ich denken muss. Zeitung abbestellen? Ich habe keine Zeitung. Visum beantragen? Ich brauche keins.

Eine unpersonalisierte Checkliste hilft mir nicht weiter.
Eine unpersonalisierte Checkliste hilft mir nicht weiter.

Die Infoseiten am Ende des Journals wirken auf mich ebenfalls wie Relikte aus dem vergangenen Jahrtausend: Die beiden Seiten mit Übersetzungen von neun gängigen Begriffen wie «Hallo», «ja», «nein» und «danke» ins Englische, Französische, Italienische und Spanische lassen mich schmunzeln. Wir haben 2026! Das Buch bietet zudem nur eine freie Spalte für Übersetzungen in eine weitere Sprache.

Ganz am Ende des Buchs gibt es sechs Seiten, auf denen ich meine Ausgaben festhalten kann. Auch dafür würde ich eine App nutzen, zumal die sechs Seiten bei 100 Reisetagen etwas knapp erscheinen.

Fazit

Eine Anschaffung, die zum Denken anregt

Einige Vordrucke und vor allem die Planungs-, Info- und Organisationsbereiche finde ich überflüssig. Nützliche Infos, geplante Wanderungen und Sehenswürdigkeiten gehören in Apps und nicht in Form von Adressen oder Telefonnummern auf Buchseiten. Für mich ist deswegen nur die Tagebuchfunktion relevant.

Und die ergibt wirklich Sinn. Vor dem Schreiben muss ich mir Gedanken machen, weil der Platz begrenzt ist und ich meine Worte nicht einfach löschen kann. Die Tagebuch-Vordrucke passen perfekt zu mir: Es macht mir Freude, den Tag gedanklich nochmal zu durchleben und auf das Highlight, das Gelernte oder mein vorherrschendes Gefühl zu durchforsten. Das müsste ich nicht, hätte ich einfach ein leeres Blatt Papier vor mir.

Schade ist, dass sich das Buch nicht entscheiden kann, ob es für eine große Reise oder viele kleine gedacht ist.

Pro

  • Inhaltsverzeichnis
  • genug Platz für tägliche Notizen
  • hilft beim Strukturieren der Gedanken
  • handlich und leicht genug für den Transport
  • Aufbewahrungstasche für Zettel

Contra

  • viele unnötige Seiten für Organisatorisches
  • merkwürdige Mischung für eine oder mehrere Reisen
  • kein Platz für einen Stift
Produktbild Reisetagebuch Go & discover the world (14.5 x 21.5 cm, Blanko, Harter Einband)
Heft + Block

Reisetagebuch Go & discover the world

14.5 x 21.5 cm, Blanko, Harter Einband

Titelbild: Debora Pape

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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