

Richtig wachsen – dann läuft’s auf der Loipe
Langlaufski brauchen Pflege. Wie du sie am besten wachst und worauf du achten solltest, erfährst du hier.
Ein bisschen lästig ist’s zwar schon, aber absolut nötig: das Wachsen deiner Langlaufski. Machst du es nicht regelmässig, leidet der Belag. Statt locker über die Loipe zu gleiten, fühlt es sich an, als würden deine Ski auf dem Schnee kleben. Und die ehemals glänzende Unterseite deiner Bretter nimmt eine müde, gräuliche Färbung an.
Spätestens dann ist es Zeit für eine Behandlung. Da sich bei den Fest- und Flüssigwachsen in den letzten Jahren einiges getan hat, hole ich mir Unterstützung von Martin Scheiber, diplomierter Langlauflehrer, Outdoorfan und Bergführer im Ötztal.

Wann solltest du die Ski wachsen?
Faustregeln gibt es viele. Die einen sagen: nach 40 Kilometern. Die anderen: jeden Abend. Ganz wichtig sind zwei Stichtage: vor der ersten Fahrt und vor dem «Einsommern» am Ende der Saison. Dann gehört auf jeden Fall Wachs auf die Ski, um die Beläge zu schützen. Am besten Heisswachs – das dringt tief in die Poren ein und bildet die Grundlage für mögliche weitere Behandlungen. Es wird mit dem Bügeleisen aufgetragen. Mehr dazu später.
In der Saison richtet sich die Wachs-Häufigkeit nach dem Schnee und den gefahrenen Kilometern. Wenn der Schnee zwischen sulzig und eisig variiert, können die Kristalle das Wachs schneller abreiben. Dann kann es nötig sein, vor oder nach jedem Tag auf der Loipe zu wachsen.
Ansonsten ist der Zustand des Belags ein guter Indikator, wann es Zeit für die nächste Behandlung ist, sagt Langlauf-Experte Martin Scheiber. Sobald sich auch nur kleine Areale mit gräulicher Verfärbung zeigen, ist es Zeit für eine Behandlung. Lieber zu früh als zu spät.
Was du beim Wachs beachten solltest
Fürs Präparieren der Ski gibt es eine grosse Auswahl an Produkten – je nach deinen Bedürfnissen. Zum Beispiel von Toko, einem Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, das sich seit knapp einem Jahrhundert auf die Herstellung von Skiwachs spezialisiert hat.
Toko bietet nach eigenen Angaben ausschliesslich fluorfreie Wachse an. Fluorverbindungen (PFAS) gehören zu den sogenannten schädlichen «Ewigkeitschemikalien». Untersuchungen des Schweizer Forschungsinstituts EMPA ergaben, dass sich diese vermehrt auf Langlaufloipen finden. Und das selbst nach dem Verbot von fluorhaltigen Wachsen im Leistungssport. Umso wichtiger ist es für Freizeitsportlerinnen und -sportler, auf Wachse ohne schädliche PFAS zu setzen.
Welches Wachs ist das richtige?
Manche Langläuferinnen und -läufer versuchen durch das Wachs noch das letzte Bisschen an Gleitfähigkeit aus dem Ski herauszuholen. Für andere soll das Präparieren möglichst einfach sein. Gehörst du zu den letzteren, ist das Universalwachs von Toko wahrscheinlich das Passende für dich.

Für Speed auf der Loipe
Wenn du die Performance dagegen optimieren möchtest, kannst du das Wachs wählen, das der Temperatur am besten entspricht. Dabei gilt: Je kälter und härter der Schnee, desto härter sollte das Wachs sein.
Fürs Wachsen zwischendurch
Heisswachs gilt immer noch als das Nonplusultra, benötigt aber Zeit zum Aufbringen. Zum schnellen Auffrischen des Belags zwischendurch nehme ich deshalb das Toko All-in-One Wipe & Brush, das auch Langlaufexperte Martin Scheiber empfiehlt.
Weniger hält er dagegen von Expresswachsen, die wie Schuhcreme aus einer Tube mit einem Schaumstoffköpfchen aufgetragen werden. Der Schutz halte nicht lange. «Damit beruhigt man eher das eigene Gewissen, als den Ski zu schützen», sagt er.
Das Extra für klassische Langlaufski
Willst du klassische Langlaufski statt Skatingski wachsen, solltest du die Steigzonen statt mit Wachs mit einem speziellen Anti-Stoll-Spray behandeln, um eine Vereisung zu verhindern.
Was du zum Wachsen ausserdem benötigst
Zunächst musst du die Ski fixieren. Das geht am besten mit einer Spannvorrichtung für Langlaufski. Zum Beispiel dieser von Toko.
Dazu kommt eine Kupferbürste oder eine kombinierte Kupfer-Nylon-Bürste. Ich nutze das «All-in-One»-Kit, bei dem eine Doppel-Bürste gleich enthalten ist.
Fürs Heisswachsen ist ein Bügeleisen nötig. Auch wenn ich früher selbst mit einem ausrangierten Kleider-Glätteisen im Keller hantiert habe, ist das nicht optimal. Fachleute empfehlen ein Wachsgerät, bei dem sich die Wärme gut steuern lässt und dessen Druckgussplatte auf das Verteilen von Wachs optimiert ist.
Zudem brauchst du noch einen Plexiglas-Schaber, um überschüssiges Wachs zu entfernen. Und einen Stift, um das Wachs aus den Rillen zu bekommen. Optimal zum Reinigen ist ein spezielles Vliestuch. Zur Not funktioniert es aber auch mit Haushaltspapier.
Willst du es einfacher haben und nicht alle Produkte einzeln bestellen, könnte das Starter-Kit etwas für dich sein.
Langlaufski wachsen – Step-by-Step
Hast du den Ski in der Spannvorrichtung fixiert, heisst es erst einmal: alte Wachsreste und Schmutz entfernen. Dazu bürstest du den Belag gründlich ab und wischt mit einem Papiertuch nach. Bei starken Verschmutzungen kannst du auch Wachsreiniger nehmen, meist ist das aber nicht nötig, meint Wachsexperte Martin Scheiber. Wenn sich keine Wachs- und Schmutzreste mehr auf dem Papier finden, bist du bereit für den nächsten Schritt.
Du hältst das Heisswachs an das Bügeleisen, bis es schmilzt und lässt das Wachs auf den Skibelag tropfen. Dabei solltest du nicht mit dem Wachs sparen. Das Bügeleisen stellst du auf die Temperatur ein, die auf der Wachsverpackung angegeben ist.

Nach dem Auftropfen fährst du mit dem Glätteisen von vorne nach hinten über den Belag, um das Wachs gleichmässig zu verteilen. Druck ist dabei nicht nötig, das Eigengewicht des Bügeleisens reicht aus. Dabei solltest du darauf achten, dass das Eisen nicht zu heiss ist und gerade an den dünnen Enden der Ski zügig vorgehen. Wenn es raucht, unbedingt kälter stellen. Zu viel Hitze schadet den Belägen.

Wenn das Wachs nach 20 bis 30 Minuten abgekühlt ist, musst du es mit dem Plastik-Schaber abziehen, um überschüssiges Material zu entfernen. Am besten so lange, bis du fast nichts mehr herunterbekommst. Für die Rillen nimmst du den Pen.

Dann musst du nur noch eine Struktur in die Ski bringen. Zum sauberen Ausreinigen eignet sich die Kupferbürste. Mit ihr fährst du in kräftigen Bewegungen von vorne nach hinten über den Ski. Für das letzte Finish gehst du noch mit einer Nylonbürste hinterher. Jetzt sollten deine Langlaufski wieder laufen wie neu.
Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.
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