Samsung Galaxy S20 FE 5G im Test: Merkwürdiger Name, gutes Smartphone

Jan Johannsen
Hamburg, am 05.01.2021

Fan Edition: Samsung hat eine weitere Bezeichnung für die günstige Variante eines Smartphones gefunden. Was das Galaxy S20 FE vom Galaxy S20 unterscheidet und was das im Alltag bedeutet, erfährst du hier.

Zum Galaxy S20 und S20 Ultra hat sich das Galaxy S20 FE gesellt. Das «FE» im Namen steht für Fan Edition und von der unverbindlichen Preisempfehlung her, ist es die günstigste S20-Variante. Sein Display ist größer als beim Galaxy S20, hat aber eine geringere Auflösung. Die Rückseite besteht aus Kunststoff und nicht aus Glas. Und du kannst «nur» mit insgesamt vier Kameras Fotos aufnehmen. Anstelle des Exynos 990 kommt in der 5G-Version der Snapdragon 865 zum Einsatz und der Arbeitsspeicher ist nur 6 Gigabyte statt 12 Gigabyte groß. Dafür ist der Akku etwas größer (4500 mAh statt 4000 mAh). Alle drei S20-Modelle gibt es sowohl mit und ohne 5G. Nach dem Test fällt es mir schwer Gründe zu finden für das S20 mehr auszugeben als für das Galaxy S20 FE.

Galaxy S20 FE 5G (128 GB, Cloud Mint, 6.50 ", Hybrid Dual SIM, 12 Mpx, 5G)
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Samsung Galaxy S20 FE 5G (128 GB, Cloud Mint, 6.50 ", Hybrid Dual SIM, 12 Mpx, 5G)
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Eine weiche Rückseite und ein großes Display

Samsung spart beim S20 FE Materialkosten. Die Rückseite besteht aus Kunststoff und nicht aus Glas. Das Erscheinungsbild wird dadurch nicht weniger elegant und du hast noch mehr Farben zur Auswahl. Die Kunststoff-Rückseite fühlt sich ungewohnt weich an, aber ich mag das. Weiterer Pluspunkt: Fingerabdrücke bleiben nicht so schnell sichtbar haften wie auf Glas.

Mit weniger Glas wirkt das S20 FE robuster als das S20. Ich vermute aber, dass es einen Falltest nur ähnlich gut überstehen würde. Auch Kunststoff kann splittern und es ist ja noch keine Outdoor-Smartphone. Die Verarbeitung ist insgesamt gut und dank einer IP68-Zertifizierung musst du dir bei der Benutzung vor Wasser keine Sorgen machen.

So sehen 6,5 Zoll in der Hand aus.
So sehen 6,5 Zoll in der Hand aus.

Der Touchscreen des Galaxy S20 FE misst in der Diagonalen 6,5 Zoll und hat mit 2400×1080 Pixeln weniger Bildpunkte als das kleinere S20, die aber immer noch locker für ein scharfes Bild ausreichen. 120 Hertz stehen weiterhin als Option für die Bildwiederholrate zur Auswahl. Farblich ist das AMOLED-Display wie gewohnt mit kräftigen Farben und einem dunklen Schwarz sehr schön anzusehen. Die Helligkeit ist hoch genug, damit du auch im Sonnenschein alles gut erkennen kannst.

Unter dem Display befindet sich der Fingerabdrucksensor des S20 FE. An seiner Stelle leuchtet ein Symbol auf, sobald der Bildschirm aktiv wird und ich weiß direkt wo ich meinen Finger drauf drücken muss. Das Entsperren klappt gut und nur minimal weniger zuverlässig als bei einem klassischen Sensor.

Fingerabdrucksensor im Display.
Fingerabdrucksensor im Display.

Weniger Kameras und weniger Megapixel, aber trotzdem gute Fotos

Bei der Kamera spart Samsung beim Galaxy S20 FE ebenfalls. Allerdings sind eine Kamera weniger und eine geringere Auflösung nicht mit großen Qualitätsverlusten verbunden. Dafür gibt es zwei Gründe: Samsung spart nicht bei der Kamerasoftware und die werbewirksamen hohen Megapixel-Auflösungen bei anderen Smartphones sind in der Praxis gar nicht so groß. Durch das sogenannte «Pixel Binning» werden oft vier nebeneinander liegende Pixel zu einem reduziert. Das soll in der Theorie für eine bessere Bildqualität sorgen, aber die Auswirkungen sind in der Praxis gering. Oder anders gesagt: Wenn die 48 Megapixel sowieso zu 12 Megapixel werden, kannst du auch gleich mit einem 12-Megapixel-Sensor aufnehmen.

Drei Kameras sind ausreichend.
Drei Kameras sind ausreichend.

Beim Galaxy S20 FE erwarten dich eine Weitwinkel- und eine Ultraweitwinkelkamera mit je einer Auflösung von 12 Megapixeln. Die dritte Kamera hat eine Telelinse für einen 3-fachen Zoom und eine Auflösung von 8 Megapixeln.

Die harte Lichteinfall ist eine Herausforderung für Kameras, aber ich finde, dass das S20 FE gut damit umgeht. Die Farben wirken zwar verhalten und nicht knallig, aber das passt zum kühlen Winter und der tief stehenden Sonne, die durch die Wolken scheint. Der HDR-Effekt sorgt dafür, dass es keine dunklen Bereiche, beziehungsweise starke Kontraste gibt. Die Detailgenauigkeit ist auch mit 12 Megapixeln völlig ausreichend.

Standard Blickwinkel
Standard Blickwinkel

Die Bildqualität nimmt auch bei einer Weitwinkelaufnahme nicht ab – was keine Selbstverständlichkeit ist, da die Weitwinkelkameras oft schlechter als die Hauptkameras sind.

Weitwinkel
Weitwinkel

Mit ihrer niedrigeren Auflösung wirken die Aufnahmen der Telelinse etwas pixeliger, sind aber immer noch gut brauchbar und bringen dich mit dem dreifachen Zoom deutlich näher ans Motiv heran.

3x Zoom
3x Zoom

Als Bonus gibt es noch einen 30-fachen Digitalzoom. Samsung nennt ihn «Space Zoom». Wie alle Digitalzooms kann er qualitativ nicht mit optischen Telelinsen festhalten. Aber falls du wirklich sehr nah an dein Motiv heran musst, bekommst du mit ihm ein besseres Ergebnis als wenn du den entsprechenden Bildausschnitt der Teleaufnahmen vergrößerst.

30x Zoom
30x Zoom

Bei Dunkelheit sorgt die Automatik mit Hilfe des Restlichts bereits für ordentliche Aufnahmen. Der Nachtmodus macht die Bilder gar nicht mehr viel heller, sorgt aber mit seinen längeren Belichtungszeiten dafür, dass helle Bereiche nicht überbelichtet sind. Klingt merkwürdig, aber die Software schafft das.

Automatik
Automatik
Nachtmodus
Nachtmodus

Anders als am Tag, kann die Weitwinkelkamera bei Nacht qualitativ nicht mit der Hauptkamera mithalten. Die Aufnahmen sind dunkel und pixelig. Da liefert überraschenderweise die Telekamera bei Dunkelheit die besseren Fotos.

Weitwinkel
Weitwinkel
Tele
Tele

Zwei Optionen in der Kamera-App haben meine Aufmerksamkeit geweckt: «Aufnahmevorschläge» und «Single Take». Aktivierst du in den Einstellungen die Aufnahmevorschläge und hälst das Galaxy S20 FE kurz auf ein Motiv gerichtet, analysiert die Software das Motiv und schlägt dir unter Umständen eine andere Ausrichtung vor. Natürlich hat jeder Mensch beim Fotografieren und der Motivwahl andere Hintergedanken, aber ich finde die Vorschläge der Software nicht schlecht.

Single Take ist dagegen eine hilfreiche Funktion, wenn du dir nicht sicher bist, wie du einen Moment, der sich nicht wiederholt festhalten willst: Foto oder Video? Hochformat oder Querformat? Farbe oder Schwarz-Weiß? Auslöser drücken, Kamera draufhalten und die Software erstellt eine Auswahl an verschiedenen Fotos und Clips. Du musst nur noch auswählen was dir gefällt.

Nur ein Teil der Foto- und Videoauswahl nach einem Single Take.
Nur ein Teil der Foto- und Videoauswahl nach einem Single Take.

Die Frontkamera des Galaxy S20 FE hat mit 32 Megapixeln eine deutlich höhere Auflösung als die Kameras auf der Rückseite. Allerdings ist hier wieder «Pixel Binning» am Werk. Wenn du nicht explizit die volle Auflösung auswählst, haben die Selfies nur eine Auflösung von etwa 6,5 Megapixeln. Aber schon mit dieser geringen Auflösung fällt die Detailgenauigkeit für ein Selfie hoch aus. Farblich fühle ich mich und die Umgebung gut wiedergegeben. Eine Weitwinkeloption – falls ein paar mehr Leute aufs Bild wollen – gibt es auch. Nur bei Dunkelheit haut mich die Bildqualität nicht vom Hocker. Das Selfie ist zwar denk Restlichtverstärkung ausreichende ausgeleuchtet, allerdings pixelig und unscharf.

Selfie
Selfie

Leistung gibt es genug

Samsung verwendet anders als bei vielen seiner Smartphones beim S20 FE 5G nicht die hauseigenen Exynos-Chipsätze. Aber mit dem Snapdragon 865 ist der leistungsfähigste Chipsatz des Jahres 2020 von Qualcomm verbaut. Ihm stehen sechs Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Das ist zusammen genug Power um mich im Alltag zu erfreuen. Auch mit 120 Hertz läuft die Benutzeroberfläche flüssig, Apps starten schnell und ich muss auf nichts verzichten.

In Zahlen ausgedrückt: Im Geekbench-5-Test erreicht das Galaxy S20 FE 5G 898 und 3248 Punkte im Single- und Multimodus. Damit liegt es zum Beispiel auf einem ähnlichen Niveau wie das OnePlus 8T mit dem gleichen Chipsatz, aber 12 Gigabyte RAM. Verglichen mit Samsungs eigenen Flaggschiff, dem Galaxy S20 Ultra mit dem Exynos 990 und ebenfalls 12 Gigabyte Arbeitsspeicher schneidet das S20 FE 5G im Single-Modus etwas schlechter und im Multi-Modus besser ab.

Geekbench 5 (Single)Geekbench 5 (Multi)
Samsung Galaxy S20 FE898 Punkte3248 Punkte
Galaxy S20 Ultra949 Punkte2897 Punkte
OnePlus 8T 884 Punkte3155 Punkte

Die 4G-Version des Galaxy S20 FE hat den Exynos 990 an Bord. Auch mit weniger Arbeitsspeicher sollte es in ähnliche Bereiche wie das S20 Ultra vordringen.

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Warten auf Android 11

Das Galaxy S20 FE läuft ab Werk mit Android 10. Das Update auf Android 11 hat Samsung für Februar angekündigt. Bei den ersten Nutzern ist es seit Weihnachten verfügbar, aber auf meinem Testgerät noch nicht angekommen.

Das bedeutet, dass Samsungs Benutzeroberfläche One UI noch in der Version 2.5 läuft. Und ich bin nach wie vor nicht von ihr überzeugt. Mir sind das zu viele vorinstallierte Apps von Samsung selber, die zwar durchaus praktisch sein mögen, die ich aber gar nicht nutzen will. Dazu kommen noch vorinstallierte Apps von Microsoft, Netflix, Facebook und Spotify. Aber immerhin lassen sich viele der von mir ungewollten Anwendungen deinstallieren.

Viele vorinstallierte Apps.
Viele vorinstallierte Apps.

Zwar nicht perfekt, aber durchaus ein gutes Argument für die One UI auf dem S20 FE ist Samsung Dex. Mit dem Programm erweitert Samsung das Smartphone um eine Desktopoberfläche. Du kannst das Smartphone wie einen Mini-PC an einen großen Bildschirm anschließen und Maus sowie Tastatur verbinden.

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5G, interner Speicher und ein großer Akku

Ich habe von Samsung die 5G-Version des S20 FE zum Testen bekommen. Das Smartphone gibt es aber auch als 4G-Variante, die etwas günstiger ist und die du in Betracht ziehen kannst, wenn du nicht in den nächsten zwei, drei Jahren deinen Mobilfunkvertrag auf 5G umstellen willst.

Der interne Speicher hat mit 128 Gigabyte eine ordentliche Größe. Bei Bedarf kannst du ihn mit einer microSD-Karte noch erweitern.

Der Akku des Galaxy S20 FE fällt mit einer Kapazität von 4500 mAh groß aus. Ich bin mit ihm sehr gut über den Tag gekommen. Die Schnellladefunktion mit 25 Watt schafft es in etwa 30 Minuten die Batterie zur Hälfte zu füllen. Du kannst das Smartphone auch drahtlos aufladen (Qi-Standard), allerdings nicht ganz so fix. Kleines Gimmick: Mit dem S20 FE kannst du auch andere Geräte, die den Qi-Standard unterstützen, drahtlos auf seiner Rückseite aufladen.

Fazit: Viele Gründe dafür und nur wenige dagegen

Der Namenszusatz «Fan Edition» ergibt für mich immer noch keinen Sinn, aber das Samsung Galaxy S20 FE ist trotzdem ein gutes Smartphone. An vielen Stellen – Leistung, Akku, Software – ist es mit dem S20 auf Augenhöhe. Dort wo es vermeintlich oder auch wirklich etwas schlechter ist – Display, Kamera, Rückseite – sind die Unterschiede nicht so gravierend, dass du zwingend zum teureren Galaxy-Modell greifen musst. So bleibt für mich am Ende nur mein notorisches Nörgeln über Samsungs Benutzeroberfläche One UI.

Galaxy S20 FE 5G (128 GB, Cloud Navy, 6.50 ", Hybrid Dual SIM, 12 Mpx, 5G)
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Samsung Galaxy S20 FE 5G (128 GB, Cloud Navy, 6.50 ", Hybrid Dual SIM, 12 Mpx, 5G)
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Falls du dir ein Smartphone aus der gleichen Preisklasse mit ebenfalls sehr guter Ausstattung anschauen willst, kann ich dir nur das OnePlus 8T ans Herz legen. Da gefällt mir die Software besser.

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Jan Johannsen
Content Development Editor
jan.johannsen@galaxus.de

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de. 


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