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Luca Fontana
Produkttest

Samsungs R95H im Test: So gut ist Micro RGB wirklich

Luca Fontana
9.9.2026
Bilder: Luca Fontana

Samsung fordert OLED mit seiner neuen Micro-RGB-Technologie heraus. Die Messwerte des R95H sind spektakulär. Doch ausgerechnet im direkten Bildvergleich zeigt sich: Technische Überlegenheit bedeutet noch lange nicht das beste Bild.

Full Disclosure: Der Fernseher, die 65-Zoll-Version des Micro RGB R95H, wurde mir von Samsung zum Testen zur Verfügung gestellt. Samsung hat jedoch keinen Einfluss auf das Testergebnis, meine Bewertung und das Testverfahren.

Es hat nicht lange gedauert.

Kaum hat Sony mit dem Bravia 9 Mark II gezeigt, was True RGB kann, steht Samsung vor der Tür. Mit derselben Grundidee – und einem anderen Namen. Auch beim R95H leuchten hinter dem LCD-Panel nicht mehr bloss blaue LEDs, deren Licht mühsam in Farben zerlegt werden muss. Stattdessen erzeugen winzige rote, grüne und blaue LEDs Farben direkt im Backlight. Das spart Umwege und damit Licht, wodurch die Farben reiner und kräftiger werden.

Samsung nennt das Micro RGB. Nicht etwa, weil das Prinzip grundsätzlich anders wäre als bei Sonys True RGB. Sondern weil Samsung behauptet, seine roten, grünen und blauen LEDs seien besonders klein: gerade einmal 100 Mikrometer. Theoretisch könnte das mehr Dimmingzonen und bessere Kontraste bedeuten. An der IFA 2025 war die Botschaft Samsungs entsprechend wenig subtil: Unsere LEDs sind kleiner. Also sind sie besser.

Warum der Aufwand? Weil LCDs seit Jahren mit demselben Dilemma kämpfen. Sie können verdammt hell werden, brauchen dafür aber ein Backlight, das sich nicht pixelgenau steuern lässt. OLEDs hingegen kontrollieren ihr Licht pixelgenau und liefern darum perfektes Schwarz und sagenhafte Kontrastwerte. Bei grossen hellen Bildflächen müssen sie dafür deutlich früher auf die Bremse treten, um Stromverbrauch, Hitze und Alterung des Panels im Zaum zu halten.

Sonys True- und Samsungs Micro RGB sollen diese alte Rollenverteilung zumindest teilweise aufbrechen. Die getrennten roten, grünen und blauen LEDs versprechen nicht nur enorme Helligkeit, sondern auch reinere Farben und einen grösseren Farbraum. Sony hat mit dem Bravia 9 Mark II bereits eindrucksvoll gezeigt, dass das funktioniert.

Samsung will jetzt offenbar wissen, wie weit sich das Prinzip pushen lässt. Finden wir’s gemeinsam raus.

Design: Wo ist die Box?

Beim Design bleibt Samsung seiner Linie treu. Dünner schwarzer Rahmen, schnörkellose Rückseite, zentraler Standfuss – fertig. Gerade von vorne wirkt der R95H dadurch angenehm unauffällig. Der breite Metallfuss steht zudem bombenfest und braucht weniger Platz als zwei weit auseinanderstehende Füsse.

Der breite Standfuss hält den R95H sicher auf dem TV-Möbel.
Der breite Standfuss hält den R95H sicher auf dem TV-Möbel.

Eine kleine Enttäuschung gibt es trotzdem: Die One-Connect-Box fehlt. Bei Samsungs Flaggschiffen gehörte sie für mich fast schon zum Inventar. Statt sämtliche Geräte direkt am Fernseher anzuschliessen, verschwinden HDMI-, USB- und Antennenkabel in einer separaten Box. Zum Panel führt dann nur noch ein einziges Kabel für Strom und Signale. Praktisch, elegant und vor allem bei Wandmontage ziemlich genial.

Beim R95H gibt es sie nur noch optional zu kaufen (und nicht grad günstig). Überleben werde ich das natürlich. Schade finde ich es trotzdem: Gerade bei einem Flaggschiff dieser Preisklasse war die One-Connect-Box ein kleines Samsung-Alleinstellungsmerkmal, das ich gerne im Lieferumfang gesehen hätte.

Zu den Specs. Samsungs R95H bietet Folgendes:

  • 4x HDMI-2.1-Anschlüsse, einer davon mit eARC
  • 2x USB-A-Port
  • 1x Ausgang für Toslink
  • 1x LAN-Port
  • 1x CI+-Slot
  • Antennenanschlüsse (DVB-T2, DVB-C, DVB-S2)
  • Bluetooth 5.3
  • WLAN (Wi-Fi 6E)
  • Google Cast
  • Apple AirPlay

Alle vier HDMI-Eingänge beherrschen 4K mit bis zu 165 Hertz, dazu kommen VRR und ALLM fürs Gaming. Bei HDR unterstützt Samsung weiterhin HLG, HDR10 und HDR10+. Dolby Vision fehlt nach wie vor. Dolby Atmos ist dagegen an Bord und lässt sich via eARC auch an ein externes Soundsystem weiterreichen.

Messungen: brachiale Leistung

Was jetzt kommt, geht tief in die Materie. Ich messe mit professionellem Werkzeug von Portrait Display, um die Bildqualität objektiv einzuordnen. Falls dich Details und Diagramme nicht interessieren, kannst du zum Kapitel «Das Bild: weniger dominant als die Messwerte» scrollen.

Zu den Messungen. Ich habe alle Bildmodi des Fernsehers ausgemessen, ohne eine Kalibrierung vorzunehmen – so, wie das Gerät aus der Verpackung kommt. An den Einstellungen habe ich lediglich die Energiesparfunktionen deaktiviert, etwa die automatische Anpassung der Helligkeit ans Umgebungslicht. Ansonsten gilt: out of the box.

Die besten Messwerte liefert der Filmmaker Mode. Und zwar mit deutlichem Abstand. Das überrascht mich nicht: Schon bei Samsungs früheren Topmodellen war er meine erste Wahl, weil er Farben, Helligkeit und Bildverarbeitung am nächsten an den Referenzwerten wiedergibt. Beim Gamen hingegen solltest du aufgrund des Input-Lags auch weiterhin den Game-Modus nehmen.

Und damit zu den Zahlen.

Die maximale Helligkeit

Bei kleinen Bildausschnitten schenken sich Samsungs R95H und LGs OLED G5 aus dem vergangenen Jahr erstaunlich wenig. Mal liegt der eine vorne, mal der andere. Das allein ist bemerkenswert: Dass ein OLED bei kleinen HDR-Spitzlichtern (2300 vs. 2043 Nits!) mit einem derart potenten LCD mithalten kann, wäre vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen.

Spannend wird es, sobald grössere Teile des Bildes hell werden. Dann muss der OLED zunehmend auf die Bremse treten, während die beiden RGB-LCDs ihre Helligkeit deutlich besser halten. Der R95H kommt bei einem Bildausschnitt, der 10 Prozent der gesamten Bildfläche entspricht, sogar auf brachiale 2490 Nits und fällt danach auch weniger stark ab als Sonys Bravia 9 Mark II. Erst ab 50 Prozent Bildausschnitt zieht Sony vorbei.

Was bedeutet das beim Fernsehen? Ein einzelner Scheinwerfer, eine Explosion oder die Sonne am Horizont kann auf dem G5 genauso spektakulär aussehen. Bei einer riesigen Schneelandschaft, einem hellen Himmel oder einem Fussballspiel am Nachmittag spielt Samsungs R95H dagegen seinen Vorteil aus: Er kann nicht nur sehr hell. Er kann sehr viel Bild gleichzeitig sehr hell.

Weissabgleich, Farben und Grautöne

Bei so viel Helligkeit stellt sich die nächste Frage: Bleiben die Farben dabei auch sauber? Fangen wir mit dem Weissabgleich an.

Weiss entsteht auf einem Bildschirm, wenn Rot, Grün und Blau gleichzeitig und im exakt richtigen Verhältnis leuchten. Stimmt dieses Verhältnis nicht, schleicht sich ein Farbstich ein – das Weiss wird zu kalt, zu warm oder zu grünlich. Beim R95H hält sich die RGB-Balance über weite Strecken erfreulich stabil. Erst bei sehr hellen Bildbereichen gerät Rot etwas stärker aus dem Takt. Mit etwas mehr als gerade mal 1,5 Prozent Abweichung ist das allerdings Jammern auf sehr hohem Niveau.

Die Y-Achse zeigt die Abweichung vom Sollwert in Prozent an. Eine Abweichung von maximal fünf Prozent über oder unter den angepeilten 100 Prozent sind innerhalb des erlaubten Rahmens. Die X-Achse zeigt die Bildschirmhelligkeit in Prozent an.
Die Y-Achse zeigt die Abweichung vom Sollwert in Prozent an. Eine Abweichung von maximal fünf Prozent über oder unter den angepeilten 100 Prozent sind innerhalb des erlaubten Rahmens. Die X-Achse zeigt die Bildschirmhelligkeit in Prozent an.

Als nächstes die Farbraumabdeckung. Dort messe ich:

  • Rec. 709: 100 % (gut = 100 %) – der Standard-Farbraum für SDR-Inhalte wie Live-TV, DVDs und Blu-Rays.
  • DCI-P3: 99,98 % (gut = >90 %) – der Standard-Farbraum für HDR-Inhalte, zum Beispiel in HDR10 oder Dolby Vision.
  • BT.2020: 92,9 % (gut = >90 %) – der Farbraum der Zukunft. Aktuelle Inhalte nutzen ihn kaum bis nie.
Links: die DCI-P3-Abdeckung des R95H. Rechts: die BT.2020-Abdeckung.
Links: die DCI-P3-Abdeckung des R95H. Rechts: die BT.2020-Abdeckung.

Genau hier zeigt Micro RGB, warum der ganze Aufwand mit roten, grünen und blauen LEDs im Backlight überhaupt betrieben wird. 92,9 Prozent BT.2020 sind gewaltig. Sonys Bravia 9 Mark II kam auf 88,61 Prozent. Samsung schafft damit einen Farbraum, der weit über das hinausgeht, was heutige Filme überhaupt ausreizen.

Bleibt die Farbtreue, also die Frage, wie akkurat der Fernseher einzelne Farben trifft. Hier wird es etwas weniger spektakulär: Im Filmmaker Mode messe ich einen durchschnittlichen DeltaE-Wert von 3,05. Das ist gut und für die meisten Menschen kaum als Abweichung erkennbar – aber eben nicht referenzverdächtig wie die 1,9 des Bravia 9 Mark II oder die 2,29 des LG G5.

Zur Einordnung: Ein DeltaE von unter 3 ist nur für Fachleute sichtbar und gilt darum schon als ausgezeichnet. Durch eine Kalibrierung versucht man, den Wert sogar unter 2 zu drücken.

Reflexionen

Auch beim R95H setzt Samsung auf seine matte Anti-Reflexionsschicht – und darüber freue ich mich jedes Mal aufs Neue. Einfallendes Licht wird nicht wie bei einer glänzenden Oberfläche gespiegelt, sondern breit über die Bildfläche gestreut. Fenster, Lampen und andere Lichtquellen verschwinden dadurch zwar nicht, stören aber deutlich weniger. Gerade tagsüber ist das Gold wert.

Andere Fernseher machen das beispielsweise anders. Ihre glänzenden Oberflächen liefern in kontrollierter Umgebung zwar ein wunderbar knackiges Bild, verwandeln sich bei ungünstigem Lichteinfall aber schnell in einen ziemlich teuren Spiegel. Der R95H bleibt dagegen selbst bei dunklen Szenen erstaunlich gut ablesbar.

Natürlich hat auch Samsungs Lösung ihren Preis: In sehr hellen Räumen kann Schwarz etwas matter wirken. Aber diesen Tausch gehe ich weiterhin gerne ein. Was nützt mir das tiefste Schwarz der Welt, wenn ich darin vor allem mich selbst sehe?

Das Bild: weniger dominant als die Messwerte

Die Messungen sind beeindruckend. Doch was nützen 2500 Nit Spitzenhelligkeit und ein gigantischer Farbraum, wenn das Bild im Wohnzimmer nicht überzeugt? Zeit für den Praxistest.

Dafür tritt der R95H gegen drei bewusst gewählte Konkurrenten an. Sonys Bravia 9 Mark II ist sein direkter Rivale: ebenfalls ein RGB-Mini-LED-Fernseher, nur dass Sony seine Technologie True RGB statt Micro RGB nennt. LGs G5 wiederum war mein Lieblings-TV aus dem vergangenen Jahr und zeigt, was klassisches OLED inzwischen leisten kann. Und mit dem S95F stelle ich dem R95H auch Samsungs eigene Konkurrenztechnologie gegenüber: QD-OLED.

Möchtest du die ausführlichen Einzeltests der anderen Modelle nachlesen, findest du sie hier:

Farbwiedergabe

Wie schlägt sich Samsungs Micro RGB in Sachen Farbwiedergabe? Ich habe den R95H mit Szenen aus «Guardians of the Galaxy Vol. 2», «Avatar: The Way of Water» und «James Bond: Skyfall» auf die Probe gestellt – allesamt visuelle Schwergewichte mit kräftigen Farben, feinen Lichtstimmungen und anspruchsvollen Hauttönen.

Quelle: UHD-Blu-ray, «Guardians of the Galaxy Vol. 2» – Disney+, «Avatar: The Way of Water» – Apple TV+, «James Bond: Skyfall»

Gegen Sonys Bravia 9 Mark II fällt zunächst auf, wie ähnlich sich die beiden RGB-LCDs sind. Samsung stimmt sein Bild etwas wärmer und weicher ab, Sony kühler und kontrastreicher. Drax' Haut, die Na'vi-Gesichter oder Bonds Gesicht wirken auf beiden natürlich. Von den gewaltigen 92,9 Prozent BT.2020, die ich beim R95H gemessen habe, solltest du also keine knallbunte Farbexplosion erwarten. Der grosse Farbraum bedeutet lediglich, dass Samsung diese Farben darstellen kann, wenn das Ausgangsmaterial sie verlangt.

Auffälliger wird der Unterschied zu den OLEDs. LGs G5 und vor allem Samsungs eigener S95F trennen Farben kräftiger voneinander und verleihen ihnen dadurch mehr Punch. Das Grün Pandoras wirkt satter, warme Orange- und Rottöne leuchten intensiver, Haut bekommt mehr Plastizität. Der R95H bleibt zurückhaltender. Interessant, oder? Ausgerechnet der Fernseher mit dem grössten gemessenen Farbraum liefert nicht automatisch das bunteste Bild.

Summa summarum: Objektiv setzt Sonys Bravia 9 Mark II für mich weiterhin die Messlatte. Er ist natürlich, präzise und ausgewogen. Subjektiv gefallen mir die beiden OLEDs trotzdem besser. Ihre kräftigeren Farben machen das Bild einfach lebendiger – auch wenn sie dabei vielleicht nicht immer ganz so akkurat sind.

Schwarzwert und Helligkeitsabstufung

Wie schlagen sich die vier Fernseher bei besonders dunklen oder extrem hellen Filmszenen? Ich habe sie mit «Blade Runner 2049» und «Jurassic World: Fallen Kingdom» getestet – beides Filme, die Schatten, Spitzlichter und Kontrastverläufe an ihre Grenzen bringen.

Quelle: UHD-Blu-Ray, «Blade Runner 2049» / «Jurassic World»

Bei dunklen Szenen überrascht mich der R95H am meisten. In Sapper Mortons Küche aus «Blade Runner 2049» arbeitet er erstaunlich viele Details aus dem Dunkel heraus, ohne Schwarz einfach grau erscheinen zu lassen. Küchenzeile, Herd und Boden bleiben gut erkennbar, selbst in den tiefsten Schatten. Sonys Bravia 9 Mark II macht das ähnlich gut. LGs G5 spielt dagegen seine OLED-Stärke aus: Das Schwarz wirkt noch etwas satter und kontrastreicher, ohne dass dabei auffällig viel Zeichnung verloren geht. Dass der R95H mit seiner Hintergrundbeleuchtung derart nahe an den OLED herankommt, ist ein gewaltiges Kompliment.

Nur Samsungs S95F fällt überraschend ab. Er lässt grosse Teile der Küche regelrecht im Schwarz versinken. Das sorgt zwar für mächtig Kontrast, verschluckt aber sichtbar Details. Der R95H geht den umgekehrten Weg: Er stellt dunkle und mittlere Bildbereiche etwas heller dar und holt dadurch mehr Zeichnung aus den Schatten. In der Praxis macht er das allerdings so geschickt, dass Schwarz für mich trotzdem satt und kontrastreich bleibt.

Bei hellen Szenen zeigt sich dafür eine kleine Überraschung. In «Jurassic World: Fallen Kingdom» strahlt die untergehende Sonne auf dem R95H keineswegs alles nieder. G5, S95F und Bravia 9 Mark II setzen solche kleinen Spitzlichter mindestens genauso eindrucksvoll in Szene. Auch das deckt sich mit meinen Messungen: Bei sehr kleinen hellen Flächen liegt der R95H mit rund 2050 Nits sogar hinter dem G5 mit rund 2300 Nits. Ihre Muskeln spielen die RGB-LEDs erst aus, wenn grössere Teile des Bildes hell werden. Dann kann der Samsung seine enorme Helligkeit wesentlich länger halten als die OLEDs.

Local Dimming und Blooming

Seit Jahren mache ich es Fernsehern in meinem Local-Dimming-Test alles andere als leicht. Der Vergleich reicht diesmal von LGs 8K-Fernseher aus dem Jahr 2020 bis zum R95H – und erzählt dabei die Geschichte einer Technologie, die in sechs Jahren enorme Fortschritte gemacht hat.

Quelle: UHD-Blu-Ray, «Westworld», Staffel 2, Episode 2. Timestamp: 00:11:50.

Beim LG war Blooming – also jene typischen Lichtkränze, die entstehen, wenn helle Objekte auf dunklem Hintergrund leuchten – nämlich beinahe unerträglich. Samsungs QN95D reduzierte Blooming sichtbar, der QN900D eliminierte es sogar fast vollständig. Der R95H legt trotz praktisch identischer Anzahl Dimmzonen aber nochmals nach: Schwarz bleibt dunkler, helle Objekte strahlen weniger in ihre Umgebung aus. Die Anzahl Dimmzonen allein sagt also längst nicht alles.

Ganz an Sonys Bravia 9 Mark II kommt der R95H trotzdem nicht heran. Dessen rund 1530 Dimmzonen lassen helle Objekte beinahe wie bei einem OLED aus tiefstem Schwarz leuchten – von Blooming sehe ich praktisch nichts mehr. Sony dimmt dunkle Bereiche allerdings aggressiver ab, während Samsung etwas mehr Zeichnung erhält. Der R95H verliert den direkten Vergleich also knapp, zeigt aber eindrücklich, wie weit LCD inzwischen gekommen ist.

Der Prozessor: tadellos. Fast.

Der Prozessor ist das Gehirn des Fernsehers. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Bildsignale zu empfangen, zu verarbeiten und darzustellen. Dabei erkennt er schlechte Bildqualität und wertet sie auf, indem er Rauschen entfernt, Farben verstärkt, Kanten glättet, Bewegungen flüssiger macht und fehlende Pixel-Informationen ergänzt.

Motion Processing und Judder

Für den Judder-Test kommt wieder «1917» von Sam Mendes zum Zug. Mit seinen langen, gleichmässigen Kamerafahrten der perfekte Stresstest für jeden Prozessor. Achte auf die vertikalen Holzbalken in der Scheune: Laufen sie sauber durchs Bild – oder ruckelt's?

Quelle: UHD-Blu-Ray, «1917». Timestamp: 00:42:25.

Hier macht der R95H eine gute Figur. Die Holzbalken gleiten sichtbar ruhiger durchs Bild als beim Bravia 9 Mark II, dessen Professional-Modus Bewegungen bewusst zurückhaltend glättet. Ganz an LGs G5 kommt Samsung aber nicht heran. Der bleibt in dieser Disziplin mein Favorit: butterweich, ohne gleich den gefürchteten Soap-Effekt hervorzurufen.

Der R95H landet damit ziemlich genau dazwischen. Etwas mehr Judder als beim G5 nehme ich noch wahr, störend wird er für mich aber nie. Und ehrlich gesagt gefällt mir Samsungs Ansatz besser als Sonys puristische Zurückhaltung. Film darf nach Film aussehen – aber er muss deshalb nicht gleich ruckeln wie ein Daumenkino.

Upscaling

Nun zu einem der anspruchsvollsten Tests: Wie gut kann der Prozessor minderwertige Quellen verbessern – etwa ältere Blu-rays, Live-TV oder Serien wie «The Walking Dead»? Diese wurde bewusst auf 16-mm-Film gedreht, um mit Filmkorn und Bildrauschen eine beschädigte, postapokalyptische Atmosphäre zu erzeugen.

Quelle: Netflix, «The Walking Dead», Staffel 7, Episode 1. Timestamp: 00:02:30.

Der R95H macht daraus ein erstaunlich sauberes Bild. Negans Bart, Hautporen und feine Falten bleiben klar erkennbar, ohne dass Samsung das Filmkorn einfach glattbügelt. Gegenüber dem S95F wirkt das Ergebnis sogar etwas ruhiger und natürlicher. Der OLED arbeitet einzelne Konturen aggressiver heraus, während der R95H feine Strukturen etwas weicher zeichnet.

Noch besser machen es Sonys Bravia 9 Mark II und LGs G5. Vor allem Sony holt aus Negans Gesicht das letzte Quäntchen Textur heraus, ohne künstlich nachzuschärfen. Der G5 liegt ähnlich nah dran. Die Unterschiede? Winzig. Wenn überhaupt sichtbar, so ohne direkten Vergleich.

Unterm Strich gehört der R95H beim Upscaling zur absoluten Spitzengruppe, setzt aber keine neue Messlatte. Die bleibt für mich bei Sony und LG.

Gaming: Input Lag und Game Mode

Zum Thema Input-Lag, also der Verzögerung zwischen Controller-Eingabe und Reaktion auf dem Bildschirm: Mit dem Messgerät von Leo Bodnar komme ich beim R95H auf 19,8 Millisekunden – gemessen bei UHD-Auflösung, 60 Bildern pro Sekunde und aktiviertem HDR. Das ist zwar ein guter Wert, aber deutlich über dem von LGs G5 (9,7 Millisekunden). Immerhin wird die oft zitierte 20-Millisekunden-Grenze nicht überschritten, ab der du Verzögerungen wirklich spürst.

  • 4x HDMI-Anschlüsse (4K bis 165 Hz)
  • Auto Low Latency Mode (ALLM)
  • Variable Bildraten (HDMI Forum VRR, FreeSync Premium Pro)

Dazu ist Samsung, ebenso wie Sony, LG, Philips, TCL und Panasonic, eine Partnerschaft mit grossen Spielstudios eingegangen. Das Ergebnis ist die HGiG – die HDR Gaming Interest Group. Laut Hersteller soll damit sichergestellt werden, dass HDR so dargestellt wird, wie es die Spieleentwickler vorgesehen haben, etwa beim Spielen von «Spider-Man 2» auf meiner PlayStation 5 Pro.

Quelle: PS5 Pro, «Spider-Man 2», 120Hz-Modus, HDR, VRR und Ray Tracing aktiviert.

Spider-Man schwingt sich mit 120 Frames pro Sekunde durch New York, und der R95H macht daraus ein kleines Feuerwerk. Der blaue Himmel knallt, rote Warnstrahlen leuchten beinahe aus dem Bildschirm heraus und selbst bei rasanten Schwingmanövern bleibt das Bild sauber und reaktionsschnell. Gerade hier spielt Micro RGB seine enorme Helligkeit und Farbkraft voll aus. Den Input-Lag? Bemerke ich schlicht nicht. Wer kompetitiv spielt und um jede Millisekunde kämpft, findet zwar schnellere Fernseher. Für alle anderen ist der R95H eine verdammt starke Gaming-Maschine.

Fazit

Messmonster ohne Krone

Samsung zeigt mit dem R95H eindrucksvoll, was Micro RGB kann. Fast 2500 Nits Spitzenhelligkeit, 92,9 Prozent BT.2020 und eine Helligkeit, von der OLEDs bei grossen Bildflächen nur träumen können: Auf dem Messstand ist dieser Fernseher ein Monster.

In der Praxis wird daraus aber erstaunlich selten das beste Bild. Sonys Bravia 9 Mark II arbeitet präziser und dimmt noch besser, LGs G5 gefällt mir bei Farben und Bewegungen besser. Selbst beim Upscaling setzt Samsung keine neue Messlatte. Dafür kommt der R95H den OLEDs beim Schwarzwert verblüffend nahe und spielt bei grossflächiger Helligkeit in einer eigenen Liga.

Genau das macht ihn spannend: Micro RGB ist kein OLED-Killer. Aber es räumt mit erstaunlich vielen alten LCD-Schwächen auf. Der R95H ist vielleicht nicht der beste Fernseher, den ich getestet habe – aber einer der technisch faszinierendsten.

Pro

  • Enorme Helligkeit, besonders grossflächig
  • Gewaltiger Farbraum
  • Hervorragendes Local Dimming mit kaum Blooming
  • Sehr starkes Gaming-Paket mit 4K/165 Hz

Contra

  • Bildqualität trotz Traumwerten nicht alleroberste Referenzklasse
  • Dolby Vision und One-Connect-Box fehlen
Titelbild: Luca Fontana

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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