
Schalen für ein Biang-Biang-Nudel-Pop-up – keine wie die andere
Für das Pop-up Miam Miam Noodles hat Keramikerin Jalscha Römer 150 Teile Geschirr entwickelt – ihre bisher grösste Produktion, kein Stück wie das andere.
Eine Gipsform ist eigentlich für Wiederholungen gemacht. Bei Jalscha Römer nicht ganz. Für die Geschirrserie, die sie exklusiv für Miam Miam Noodles entwickelt hat, nutzt die Zürcher Keramikerin genau dieses Prinzip, aber jede Schale trocknet anders, jede Kante fällt anders, jede trägt sichtbare Spuren der Hand, die sie geformt hat.
Das asiatische Nudel-Pop-up selbst wird von einem vierköpfigen Freundeskreis im Zürcher Restaurant Hermanseck betrieben. Im Zentrum steht ein Gericht, das in der Stadt bislang kaum zu finden ist: Biang-Biang-Nudeln – breite, handgezogene Nudeln aus der chinesischen Provinz Shaanxi, traditionell mit Knoblauch, Chili, Sojasauce und Essig. Keines der vier Teammitglieder kommt aus der Gastronomie; was sie eint, ist eine gemeinsame Leidenschaft für das Handwerk dahinter.

Römer erklärt im Gespräch, warum ihr genau das wichtig ist: Ton bleibt lange weich, kann aber so geformt werden, dass er selbst im harten Zustand noch weich aussieht. Ist er beim Formen etwas zu trocken, springen die Ränder auf. Bei den Bowls sieht man teils noch ihre Fingerabdrücke. Genau das will sie zeigen: die «nicht allzu perfekte» Übersetzung des Machens.
Zu Miam Miam Noodles kam sie über Silvan Possa, den sie über die ZHdK kennt. Er ist einer der vier kreativen Köpfe hinter Miam Miam Noodles – neben Lena Xue, Lukas Blum und Shixuan Wu – und hat sie frühzeitig gefragt, ob sie Lust hätte, das Geschirr zu machen. Für Römer ein Glücksfall mit Timing: Sie ist mitten in einer vierjährigen Vollzeitlehre zur Keramikerin EFZ in Bern, nachdem sie vor zwei Jahren den «Grexit» vollzogen hat, den Ausstieg aus dem Grafikdesign. Der Job sei ihr zu bildschirmlastig, zu unkreativ und zu druckbelastet geworden – ein Gefühl, das sie bei vielen in ihrem Umkreis beobachtet.

Vom Schlicker zur Schale
150 Stück durfte Römer für das Gastspiel produzieren – 60 grosse Bowls, dazu kleinere Teile. Die grossen Bowls sind gegossen, die kleinen schwarzen Schälchen entstehen aus in Formen gepresstem Ton. Die Technik mag auf Wiederholbarkeit ausgelegt sein, aber Römer sucht bewusst den Bruch darin: «Man hat trotz der Serienproduktion das Gefühl, jedes Stück ist handgeformt und anders als das andere», sagt sie.
Zwei Handwerke, eine Bühne
Die Formensprache selbst sei nicht bewusst von den Nudeln inspiriert, sagt Römer. Was sie hingegen sehr bewusst gewählt hat: die Farbpalette. Sie wusste, dass das Essen mit seinen vielen Komponenten und Farbtönen visuell einiges hergibt. Deshalb hält sie das Geschirr reduziert, damit die Nudeln die Bühne bekommen.



Die keramischen Werke können während der drei Wochen ab dem 26. Juli erworben werden – wer möchte, holt sein Lieblingsstück nach Ende des Pop-ups bis zum 15. August direkt ab. Mehr Infos dazu findest du hier.
Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
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