Star Wars Visions: Das sind die Studios hinter dem Jedi-Anime

Star Wars Visions: Das sind die Studios hinter dem Jedi-Anime

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 12.07.2021
«Star Wars Visions» vereint Talent. Massiv viel Talent. Die Studios hinter dem Kurzfilmprojekt kommen aus allen Ecken der Anime-Welt und bringen nicht einfach nur Zeichentrickfilme. Sie bringen Kunst und, ja, Visionen.

Für den Star-Wars-Anime mit dem Namen «Star Wars: Visions» hat sich der Disney-Konzern namhafte Anime-Studios ins Boot geholt. Alle haben sie ihre eigenen Stile, ihre eigenen Methoden und Eigenheiten.

Das macht «Visions» extrem spannend. Wenn du Anime-Fan bist, dann sagt dir «Production I.G» alles, was du über das Studio wissen musst. Wenn du aber abends mit deiner Jedi-Kutte vor dem Fernseher hockst und die Originalversion der vierten Episode ab Original-VHS ansiehst, dann verstehst du nur Bahnhof.

Luca, zum Beispiel.

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«Star Wars: Visions» ist Anime und kommt im September

Daher: Crashkurs Anime. Ein Blick auf das, was dich bei «Visions» visuell erwartet. 行こう!

Production I.G

Production I.G hat sich mit «Ghost in the Shell» unsterblich gemacht. Anno 1995 hat der Film massgeblich dazu beigetragen, dass Anime auch ausserhalb Japans breiten Anklang gefunden hat.

Die Bilder Production I.Gs sind glasklar, wirken berechnet und sauber. Oft passt die Musik überhaupt nicht zum Bild. In der ikonischen Szene, in der Major Motoko Kusanagis Körper zusammengesetzt wird, singt ein Chor ein traditionelles japanisches Hochzeitslied, gemixt mit osteuropäischen Instrumenten.

Mit dem Film war es für Production I.G nicht getan. Das Studio erfindet die Story um Section 9 immer wieder neu, bleibt der eigenen Linie aber treu. Aus exakten Handzeichnungen sind präzise Computeranimationen, die manchmal handgezeichnet wirken, geworden, aus dem Chor wurde Techno von Origa mit russischem Gesang.

Production I.G. steuert in «Visions» den Film «The Ninth Jedi» bei.

Trigger

Trigger macht Filme und Serien genau so, wie du sie noch nie gesehen hast. Schon mit seiner ersten Produktion, «Kill La Kill» hat das Studio klar gemacht: Wir sind nicht wie der Rest.

Am ehesten kann der Stil Triggers als «laut» bezeichnet werden. Wirre, aussergewöhnliche Schnitte mit Fokus auf irgendwas, blinkende oder flimmernde Hintergründe, Slow-Motion an unerwarteten Stellen ohne für die Story ersichtlichen Sinn. Und das schon von «Kill La Kill» an, durchgezogen bis zum 2021er-Werk «SSSS.Dynazemon».

Dem Visuellen fällt oft die Story zum Opfer. Klar, «Kill La Kill» macht da nichts besonders falsch – typisch Magical Girl halt –, aber keiner wird sich nach der Serie an irgendwas ausser der Bildwelt erinnern.

Und: Trigger macht den Anime zum Game «Cyberpunk 2077» mit dem Titel «Cyberpunk: Edgerunners».

Trigger steuert in «Visions» die Filme «The Twins» und «The Elder» bei.

Kamikaze Douga

Kamikaze Douga hat sich seit seiner Gründung anno 2003 einen Namen im Bereich der Musikvideos und der Werbeclips gemacht. Aber nicht nur. Denn die Serien-Intros des Franchises «Jojos Bizarre Adventure» gehen auch auf die Kosten der Japaner, die in einigen Frames eine ganze Geschichte erzählen müssen.

Mit «Visions» sucht Kamikaze Douga nicht das erste Mal westliche Gefilde auf. Sie haben bereits im Jahre 2018 «Batman Ninja» animiert.

Auch dort: Starke Einstellungen, Standbilder und Ideen, die einem Musikvideo nicht fremd wären. Aber es ist klar: Kamikaze Douga hat wenig bis nichts mit handgemachter Animation am Hut. Die Einflüsse des Computers sind offensichtlich und werden für ganz neue stilistische Inputs genutzt, selbst wenn da und dort ein 2D-Animationsbild – Cel genannt – auftaucht.

Kamikaze Douga steuert in «Visions» den Film «The Duel» bei.

Geno Studio

«Samurai Champloo» mixt Hip Hop mit Samurai. «Ergo Proxy» hat eine Protagonistin, die aussieht wie Amy Lee, Leadsängerin der Band Evanescence, und kreuzt die 1930er mit der Zukunft, Robotern und Göttern. «Samurai Champloo» gehört zu den Klassikern des Genres.

Was die beiden Anime gemein haben? Sie sind nicht von Geno Studio produziert worden, sondern von Manglobe. Einem Studio, das es seit 2015 nicht mehr gibt. Die meisten Angestellten Manglobes haben eine neue Heimat gefunden. Sie sind Kōji Yamamotos Studio Geno Studio beigetreten.

Seither hat sich Geno Studio einen Namen gemacht mit der Adaption des Manga «Golden Kamuy», der die Geschichte eines Soldaten erzählt, der nach dem russisch-japanischen Krieg im frühen 20. Jahrhundert auf Schatzsuche geht.

Geno Studio ist eine Tochterfirma der Firma Twin Engine. Diese nennt sich selbst «Anime-Planungs- und Produktionsfirma».

Geno Studio steuert in «Visions» den Film «Lop and Ochō» bei.

Studio Colorido

Studio Colorido ist eine Tochterfirma der Firma Twin Engine. Die Firma hat bis vor Kurzem im Wesentlichen Werbeclips und dergleichen produziert und mit «Penguin Highway» seinen Einstand auf der grossen Leinwand gegeben.

Damit haben sie sich kurzerhand so gut etabliert, dass sie sich an eines der grössten Franchises Japans wagen durften: Pokémon. In der Web-Serie «Pokémon: Twilight Wings».

Colorido ist aber ein Studio mit hehren Zielen. Sie wollen nicht bloss ein Studio sein, das einfach Serie um Serie, Film um Film produziert. Nein, Colorido will einen Ort schaffen, an dem «Leute, die in Anime involviert sind, weiter und in Frieden arbeiten können und so der Weiterentwicklung der japanischen Animationskultur beitragen können».

Das Studio unterscheidet sich vor allem dadurch, dass es sich offen als «digital animation studio» bezeichnet. Anders als andere Studios verzichtet das Studio weitgehend auf Papier und findet sich so in einer Spitzenreiterrolle in der Produktion von Anime in 4K-Auflösung. Denn wenn in Animeproduktionskreisen von 4K gesprochen wird, fällt früher oder später der Satz «Wir müssen auf grösserem Papier zeichnen».

Der Nebeneffekt: Indem viele der Flaschenhälse in der Produktion von hochaufgelöstem Bildmaterial geöffnet werden, kann sich Colorido darauf fokussieren, ausdrucksstarke Charaktere und bunte Welten zu schaffen.

Studio Colorido steuert in «Visions» den Film «Tattooine Rhapsody» bei.

Kinema Citrus

Das Studio Kinema Citrus wurde im Jahre 2008 von Ex-Mitarbeitern der Studios Production I.G und Bones gegründet. Zu Beginn der Karriere des Studios haben sie mit Bones an «Tokyo Magnitude 8.0» zusammengearbeitet, was einen Trend begründet hat. Citrus hat mit White Fox «Is the Order a Rabbit??» animiert, mit Orange «Norn9» und mit DR Movie «The Rising of the Shield Hero 2», nachdem sie den ersten Teil alleine gestemmt haben.

Auch im Alleingang hat das Studio Erfolge produziert. Da ist .hack//Quantum aus dem Jahre 2010, Teil eines grossen Franchises mit dem Namen .hack. Die Serien und Filme des Franchises heissen immer «.hack//» gefolgt von irgendwas.

Sein fast eigenes Franchise hat Studio Citrus in Zusammenarbeit mit Nelke Productions im Jahr 2017 aus dem Boden gestampft. Es heisst «Revue Starlight» und dreht sich um Mädchen und Musik, eine sprechende Giraffe und Casting-Shows. Zum Franchise gehört auch ein Musical, übrigens.

Kinema Citrus steuert «Visions» den Film «The Village Bride» bei.

Science Saru

Das junge Studio Science Saru ist aussergewöhnlich. Ihre Einstellungspolitik ist klar meritokratisch: Wer sich verdient macht, der hat einen Platz bei Science Saru. Egal, ob er oder sie nun Japaner ist oder Ausländer.

Das Studio zeichnet sich dadurch aus, dass sie Animation so effizient wie möglich machen wollen. Sprich: Computer werden dort eingesetzt wo die künstlerische Vision nicht beeinträchtigt wird. Oder die Vision wird mit dem Computer im Hinterkopf entwickelt.

Das Resultat ist ein Stil, der seinesgleichen sucht.

Das liegt vor allem daran, dass Studio-Mitbegründer Masaaki Yuasa sich an keine Konventionen hält und sich auch von nichts ausser seiner Kreativität leiten lässt. Seine Linien sind hochstilisiert, Bewegungen stark übertrieben und wenn Yuasa die Betonung auf der Bewegung sehen will, dann ist alles andere reduziert. So wird sogar ein simples Tischtennisspiel zum Spektakel.

«Ping Pong: The Animation» erinnert an die experimentellen Cartoons, die in den 1990ern auf MTV gelaufen sind, vor allem Æon Flux.

Science Saru steuert in «Vision» die Filme «Akakiri» und «T0-B1» bei.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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