
Studie: Papageien haben Solo-Sex – und das ist okay
An dem Mythos, dass Haustiere nur aus Langeweile masturbieren, ist nichts dran. Das gilt insbesondere für Papageien.
Wie kann ich über Selbstbefriedigung bei Vögeln schreiben, ohne das Offensichtliche zu strapazieren? Ich sehe schon die Kommentare unter dem Beitrag: «Ich finde es toll, wenn man gut zu vögeln ist.», «Vögel, die sich selbst vögeln, hahaha.» Ja, witzig, Karl-Heinz.
Aber damit muss ich wohl leben. Denn dieses Thema betrifft viele Sittich-Eltern. Und es sind auch leider einige Fake-News im Umlauf.
Vögel sind auch nur Menschen
Eine Studie der Universität Liverpool hat untersucht, wie verbreitet Selbstbefriedigung in der Vogelwelt ist. Dazu betrachteten die Forschenden rund 120 verschiedene Arten: Enten, Hühner, Pinguine, Eulen, Spatzen, Graupapageien und viele mehr.
Das Ergebnis: Vögel masturbieren häufig, über alle Arten hinweg. Und es ist völlig normal.
Ich sehe das täglich. Mein zweijähriger Nymphensittich Rio hat ein bestimmtes Seil sehr, sehr lieb. Jeden Morgen reibt er sein Hinterteil hingebungsvoll daran – und besingt hinterher stolz seine «Leistung». Henne Pebbles sitzt daneben und genießt die Show. Ich habe mir darüber nie großartig Gedanken gemacht. Höchstens ein bisschen geschmunzelt.

Quelle: Anika Schulz
Eine Geschichte voller Missverständnisse
Allerdings kenne ich auch genügend selbsternannte Vogel-Experten, die auf Social Media so ihre Weisheiten verbreiten. Sie behaupten, Haustier-Papageien würden sich nur deswegen selbst befriedigen, weil ihnen langweilig ist – und raten dazu, «beliebte» Äste und Spielzeuge aus der Voliere zu entfernen, damit die Birds auf keine dummen Gedanken kommen. Oder warnen davor, die Tiere auf den Flügeln zu streicheln, weil sie das angeblich sexuell erregt.
Insofern ist die neue Studie aus Liverpool nicht nur für die Forschung interessant, sondern entkräftet auch allerhand Mythen. «Die Vorstellung, dass Masturbation ein Problemverhalten ist, das behandelt werden muss, hat sich bei Vogelhaltern als eine Art Volksweisheit festgesetzt – die allerdings eher auf Allgemeinwissen oder Erfahrung als auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht», fasst das Forscherteam zusammen. Wildvögel masturbieren laut Studie sogar häufiger als Haustiere. Auch Naturbruten zeigen das Verhalten tendenziell stärker als Handaufzuchten.
Weitere Fakten aus der Studie:
- Männchen masturbieren signifikant häufiger als Weibchen (55 Prozent vs. 36 Prozent).
- Es gibt keinen Unterschied zwischen Jungtieren und Erwachsenen.
- Ob ein Vogel allein, mit gleich- oder gegengeschlechtlichen Artgenossen oder mit anderen Arten zusammenlebt, hat keinen messbaren Einfluss.
- Arten mit mehreren Sexualpartnern masturbieren signifikant häufiger. Monogame Arten und solche mit langfristigen Paarbindungen seltener. Dazu gehören auch Papageien. Rio kennt diese Studie offensichtlich nicht.
So, und nun bin ich auf die Kommentare unter diesem Beitrag gespannt.
Als Kind wurde ich mit Mario Kart auf dem SNES sozialisiert, bevor es mich nach dem Abitur in den Journalismus verschlug. Als Teamleiterin bei Galaxus bin ich für News verantwortlich. Trekkie und Ingenieurin.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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