Trailer Tuesday: Die epischsten Filmmomente aller Zeiten

Trailer Tuesday: Die epischsten Filmmomente aller Zeiten

Luca Fontana
Luca Fontana
Zürich, am 09.06.2020
Es gibt sie, diese unvergesslichen Momente, die einen Film zu mehr machen als der Summe von Bild und Ton. Es sind Momente der puren Emotionen. Der Freude, Trauer und Wut. Oder anders gesagt: epische Momente.

Episch. Ein Adjektiv für etwas, das zu gross und zu bedeutsam ist, um «nur» als grossartig bezeichnet werden zu können. Heute verwende ich es, um fünf Filmmomente zu beschreiben, denen kein anderes Adjektiv jemals gerecht würde. Die mich haben vergessen lassen, zu Hause oder im Kino zu sitzen. Jubelnd – oder auch einfach still und leise eine Träne verdrückend.

Momente, die ich nie mehr vergessen werde.

Danke @Leser bkeleanor für die Idee für diesen Trailer-Tuesday-Special.

Platz 5: Der Augenöffner – «Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring»

Epische Momente in der «Lord of the Rings»-Trilogie? Da könnte ich ein eigenes Special machen. Leser Atalantanaa schlug etwa die Szene vor, in der Gandalf und die Rohirrim den Bergkamm zu Helm’s Deep runterreiten. Hätte ich fast in die Liste genommen.

Entschieden habe ich mich aber für eine andere Szene. Eine aus dem ersten Teil der Trilogie. Sie ist ruhiger. Weniger heroisch. Aber ergreifender, auf seltsame Art und Weise. Ich erinnere mich gut daran, sie damals als 13-Jähriger im Kino gesehen zu haben. Ich weiss noch haargenau, wie sich mir die Nackenhaare aufgestellt hatten. Es war nämlich der Moment, der mich zum ersten Mal tiefberührt feststellen liess, dass dieser Film anders war als alles, was ich je zuvor gesehen hatte.

Moria. Die Gefährten versuchen, durch die Zwergenminen zu gelangen, ohne von Orks oder Trollen – oder etwas Schlimmerem – entdeckt zu werden. Dann, nach Tagen in der Finsternis, erreichen sie die Zwergenstadt Dwarrowdelf. Gandalf zaubert etwas Licht herbei, und zum Vorschein kommt eine gigantische, meilenlange Halle voller turmhoher Säulen. Dazu Howard Shores ergreifende Filmmusik. Und Sam, als ob er meine Gedanken lesen könnte, wispert: «Ein wahrer Augenöffner, gar keine Frage.»

Kinostart: 19. Dezember 2001
Einspielergebnis: 887,8 Millionen Dollar

Platz 4: Die Enthüllung – «Gladiator»

Maximus, gut und gerecht, ist eigentlich Feldherr der römischen Legionen des Nordens. Seine Männer sind ihm so ergeben, dass der alternde Kaiser Aurelius ihn zu seinem Nachfolger bestimmen will. Aber Aurelius wird von seinem eifersüchtigen Sohn Commodus erdrosselt. Commodus’ Hinterhalt geht weiter: Aus Angst lässt er Maximus töten und dessen Frau und Kind kreuzigen und verbrennen. Was Commodus nicht weiss: Maximus ist entkommen. Gerade so.

Über Sklavenhändler, die Maximus nach Afrika verschleppen und dort an eine Gladiatorenschule verkaufen, gerät der trauernde Ehemann und ehemalige Feldherr in die Dienste des Antonius Proximo. Und der bietet ihm eine Chance: Nach Rom zu gehen und dort als Gladiator im Kolosseum zu kämpfen. Dort, wo Commodus mittlerweile Kaiser ist. Dort, wo Maximus’ langersehnte Rache wartet.

Die Szene: Maximus, der Commodus konfrontiert. Ruhig. Aber entschlossen. Und Commodus, der einem lebendigen Geist ins Gesicht blickt. 20 Jahre später kriege ich immer noch Gänsehaut. Für mich der grossartigste Moment des ganzen Films.

Kinostart: 4. Mai 2000
Einspielergebnis: 460,6 Millionen Dollar

Platz 3: Der Gesandte – «300»

Da ist dieser Ort am Malischen Golf in Griechenland – die Thermopylen. Im 5. Jahrhundert vor Christus soll dort der spartiatische König Leonidas mit gerade mal 300 Mann dem persischen Heer des König Xerxes getrotzt haben. Die Geschichte, überliefert vom antiken Geschichtsschreiber Herodot, dient als Vorlage für Frank Millers Comic, der wiederum die Vorlage für Zack Snyders gleichnamigen Film «300» ist.

Der Film? Ein Meisterwerk der Bildgewalt. Die ikonischste Szene? Die, in der Leonidas den persischen Gesandten den Brunnen runterschmeisst. Aber nicht irgendwie. Zuerst schluckt der spartiatische König ganz diplomatisch alle versteckten und offenen Drohungen des Gesandten, der das Herannahen des selbsternannten Gottkönigs Xerxes ankündigt – und die Chance, sich durch die symbolische Übergabe von Erde und Wasser zu ergeben.

Leonidas denkt nicht daran. Wendet sich ab. Ein Blick zu seiner Königin. Ihre Augen sind stählern. Ihre Miene furchtlos. Sie nickt. Nicht, um ihr Einverständnis zu geben. Es bedeutet Einigkeit. Leonidas wendet sich zurück. Zückt das Schwert. Hält es dem Gesandten an die Kehle. Erde und Wasser, davon gebe es genug da unten, sagt Leonidas und deutet auf den Abgrund des Brunnens hinter dem Abgesandten. Dann ein mächtiger Tritt. Der Gesandte fällt rücklings in den Tod. Der Krieg hat begonnen.

Kinostart: 7. März 2007
Einspielergebnis: 456,1 Millionen Dollar

Platz 2: Die Trainings-Montage – «Rocky»

Ich liebe diesen Film. Sicher, die Geschichte des Underdogs, an den niemand glaubt, der dann aber doch kämpft und siegt, ist nicht neu. In «Rocky» ist sie aber so gut umgesetzt, dass es 1977 für neun Oscar-Nominationen gereicht hat. Gewonnen hat der Film drei davon, unter anderem in der Kategorie «Bester Film».

Dabei könnte «Rocky» genauso gut die Verfilmung der Lebensgeschichte von Drehbuchautor und Hauptdarsteller Sylvester Stallone sein. Du musst wissen: Vor dem Film lebte der amerikanische Schauspieler auf der Strasse und am Rande der Kriminalität. Dann inspirierte ihn der berüchtigte Titelkampf zwischen Chuck Wepner und Muhammad Ali zur Geschichte von «Rocky». Drei Tage später stand das fertige Drehbuch. Der Rest ist Geschichte.

And cut! Sylvester Stallone hat Soft-Pornos gemacht, um *«Rocky»** drehen zu dürfen
Hintergrund

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Eine Szene bleibt der ganzen westlichen Kultur im kollektiven Gedächtnis: Rocky, der im grauen Trainingsanzug die Treppen zu Philadelphias Museum of Art hochrennt. Im Hintergrund Bill Contis Titelmelodie. Oben angekommen streckt er die Fäuste in den Himmel – der Höhepunkt seines Trainings. Und eines der ikonischsten Bilder der Filmgeschichte.

Kinostart: 21. November 1976
Einspielergebnis: 117,2 Millionen Dollar

Platz 1: Der doppelte Sonnenuntergang – «Star Wars: Episode IV»

Ich habe euch einige Beispiele dessen gezeigt, was für mich die epischsten Filmszenen aller Zeiten sind. Aber keine davon übertrifft diese hier: Luke Skywalker, der auf einen Sonnenuntergang zweier Sonnen blickt.

Warum? Weil die Szene in jedweder Hinsicht perfekt ist. Sie braucht keine Worte. Keinen Dialog. Keine Montage. Nur das perfekte Zusammenspiel von Bild und Musik in einer einzigen Kameraeinstellung. Eine Einstellung, die eine ganze Geschichte erzählt. Die Geschichte des Farmerjungen, der von grossen Taten und epischen Abenteuern träumt. Dingen, die auf der anderen Seite des Sonnenuntergangs auf ihn warten. Dort, irgendwo hinter den fernen Dünen Tatooines.

Nur – warten mögen diese Dinge wohl für immer. Denn Luke hat längst resigniert. Sein Leben als Feuchtfarmer auf einem Wüstenplaneten akzeptiert. Noch weiss er nicht, dass er kurz davor ist, selbst in den Krieg der Sterne reingezogen zu werden: Ein Abenteuer voller Gefahren, Prinzessinnen, Schurken und Zauberern. Und ein Kampf um das Schicksal einer ganzen Galaxie.

Kinostart: 25. Mai 1977
Einspielergebnis: 775,5 Millionen Dollar


Bist du mit meiner Liste einverstanden? Welchen Moment habe ich vergessen? Schreib’s in die Kommentare. Dann können wir weiter diskutieren.

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Luca Fontana
Luca Fontana

Editor, Zürich

Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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