Von der Kaffeemühle zum Nachtspeicher

Daniel Ramm
Hamburg, am 22.12.2020

Was ist dein allerliebstes Tech-Teil? Und welches Gerät würdest du am liebsten sofort aus dem Fenster werfen? Auf diese Fragen haben wir ein paar überraschende Antworten erhalten. Und nein: «Mein Handy» ist nicht dabei.

Technik ist überall. Sie begleitet uns durchs Leben, macht unseren Alltag schneller, schöner, einfacher oder aufregender. Aber manchmal treibt Technik uns auch in den Wahnsinn. Wenn sie nicht so will, wie wir wollen, oder es uns partout nicht gelingt, sie zum Laufen zu bringen. Eine kurze Betrachtung zweier absoluter emotionaler Ausnahmezustände.

Diesmal mit Cornelia aus Hamburg

Tech-Liebling: «Der morgendliche Griff zur Kaffeemühle ist für mich ein Ritual»

«Wann ist die Zubereitung von Kaffee eigentlich zur Wissenschaft geworden? Warum scheint heute in jeder deutschen Küche eine Siebträger-Espressomaschine im Gegenwert eines Kleinwagens – oder zumindest eines Gebrauchtwagens – zu stehen? Plötzlich diskutierten ganze Heerscharen von Hobby-Baristas über Pre-Infusionen, Extrationszeiten und die perfekte Temperaturstabilität. Mir ist das zu übertrieben. Mir fehlt auch schlicht die Zeit, mir über derlei Details Gedanken zu machen. Ich habe meinen eigenen Weg gefunden, Kaffee zu kochen, denn ich mag Kaffee, guten Kaffee, und ich trinke auch durchaus viel davon. Trotzdem ist und bleibt die Zubereitung für mich vor allem ein sinnlicher Vorgang, kein technischer.

Ich besitze eine elektrische Kaffeemühle von Rommelsbacher, mit der ich vor jedem Aufbrühen die Bohnen male. Das Geräusch und vor allem der Duft gehören für mich zu einem gelungenen Morgen dazu. Das Mahlen ist ein Ritual, das ich vermisse, wenn ich zum Beispiel auf Reisen bin. Das frische Pulver fülle ich anschließend in eine simple silberne Espressokanne. Daneben wird Milch in einem Topf erwärmt und anschließend mit der Hand aufgeschäumt. Völlig unkompliziert und trotzdem ein vollendeter Genuss! Zwei, drei Milchkaffee später kann der Tag dann kommen.»

Geräte-Gau: «Nachtspeicheröfen sind der reinste Horror!»

«Mein Technik-Hassobjekt? Ganz klar: Nachtspeicheröfen! Diese hässlichen, alten, beigen Klötze verschandeln unser Wohnzimmer, unser Schlafzimmer, die Küche, die Kinderzimmer! Früher vielleicht mal eine ganz sinnvolle Idee, damals, als Strom nachts noch billiger war: Die Heizung zieht sich über Nacht den günstigeren Strom, heizt auf und strahlt tagsüber die Wärme ab. Nur: Strom ist heute nicht mehr günstig, auch nachts nicht.

Aber ganz abgesehen vom Geld: Mit Nachtspeichern muss man immer gut planen. Man kann ja nicht mal eben die Heizung anmachen. Sie muss ja erstmal über Nacht aufheizen. Gerade vor ein paar Wochen, als es von einem auf den anderen Tag plötzlich ganz kalt wurde, haben wir in unserer Wohnung einen Tag lang furchtbar gefroren. Im Winter lässt du die Heizung dann natürlich durchlaufen, was aber auch wieder kostet.

Und dann ist es auch überhaupt nicht einfach die Dinger zu regulieren, unsere jedenfalls nicht. Der Thermostat funktioniert nicht besonders exakt. Also bollern die Heizungen ganz schön und es ist oft einfach überheizt bei uns. Schlechte Luft, weil trockene Luft. Aber auch schlechte Luft, weil viele Partikel. Denn Nachtspeicheröfen wirbeln jede Menge Staub auf. Und dabei nutzen wir die Lüftungen schon gar nicht mehr. Sie sind meist auch selbst ziemliche Dreckschleudern. So wirklich gesund sind die bestimmt nicht. Und umweltfreundlich natürlich schon gar nicht. Ein Horror! Bei uns im Haus werden mittlerweile alle Nachtspeicheröfen rausgerissen, sobald Wohnungen saniert werden.

Andererseits, das einzige Andererseits weit und breit: Wohnungen mit Nachtspeicher werden günstiger angeboten, eben weil viele Leute sie nicht haben wollen. Manchmal muss man dann einfach in den sauren Apfel beißen. Wir regen uns mittlerweile nicht mehr sooo häufig über die hässlichen Dinger auf. Mindestens sechs Monate im Jahr heizt man ja sowieso nicht, zum Glück!»

Was ist dein Technik-Liebling, ohne den du nicht mehr durchs Leben gehen willst? Welches Gerät hat zuletzt deinen Hass auf sich gezogen? Verrate es mir in den Kommentaren.

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Ich bin seit 20 Jahren Journalist und war unter anderem Redakteur eines Wissensmagazins, Textchef eines Nachrichtenmagazins und Chefredakteur eines Jugendmagazins. Für mich können Themen und Texte gar nicht abwechslungsreich und bunt genug sein. Am liebsten jeden Tag etwas Anderes, Neues, Spannendes. Die Menschen um mich herum aber, also jene, die mit mir Tisch, Bett und Badezimmer teilen, die dürften gerne den Rest meines Lebens dieselben bleiben. 


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