

Zwischen Laubbläser und Kaffeemaschine: Was hinter Einhells Akku-System steckt
Von der Astschere über den Staubsauger bis zur Kaffeemaschine – was die drei Maschinen verbindet, ist ein unscheinbarer schwarz-roter Block. Der Power X-Change-Akku von Einhell. Was das Teil technisch auszeichnet und welche Geräte Einhell noch im Gepäck hat.
Schloss Nymphenburg in München. Eine elegante Kulisse im Palmenhaus. Leicht gestört durch rund zwanzig Gerätschaften für Heimwerk, Outdoor und Garten. Aber genau dafür haben wir uns versammelt: Einhell präsentiert am Pressetermin seine neuesten Produkte und stellt dabei seinen Power X-Change (PXC) Akku in den Mittelpunkt. Warum, werde ich gleich erfahren.

Die Vision vom universellen Antrieb
Zum Einstieg führt Daniel Ritt, Head of Brand Management & Communications, durch eine PowerPoint-Präsentation; ein Imagefilm flimmert über den Screen. Die Vision, die Einhell hier formuliert: Kabellose Freiheit. Ein und derselbe PXC-Akku für alle Geräte. Und das sind heute schon mehrere hundert für Heimwerkende und Profis («Professional»-Segment), für Haus und Garten. Die Präsentation wartet mit prestigeträchtigen Partnerschaften mit dem FC Bayern München und dem Mercedes-Formel-1-Team auf. Letzteres kühle seine heißen Rennmotoren in der Boxengasse kurzerhand mit Einhell-Laubbläsern, erzählt Ritt schmunzelnd. Eine nette Anekdote, die zeigen soll: Die Technik hält auch im Extremfall stand und Einhell hat für alles die richtige Maschine.

Doch die Marke, die traditionell vor allem aus dem heimischen Baumarkt bekannt ist, will nun auch den Outdoor- und Lifestyle-Markt erschließen. Wenn schon alles mit demselben Akku läuft, warum dann nicht auch noch Outdoor-Kaffeemaschine und Musikbox damit betreiben.
Pflatsch! Das Sicherheitsversprechen im Wassereimer
Dass der Akku noch mehr kann, als in alle Einhell-Geräte zu passen, soll die nächste Vorführung zeigen. Es geht ums Thema Sicherheit.
Chief Tool Instructor Elke Beekmann erklärt, dass die Akkus über zylindrische Lithium-Ionen-Zellen verfügen, eine dicke Gummierung sie außen beim Herunterfallen schützt und betont mehrfach, dass die «Sealed»-PXC-Akkus absolut staub- und wasserdicht sind. Zum Beweis lässt die Expertin den Akku kurzerhand in einen bereitstehenden Eimer Wasser fallen. Pflatsch! Unter den entsetzten Blicken der Anwesenden fischt sie ihn gelassen wieder raus, setzt ihn in den Akkuschrauber und der legt los. Der Akku ist also noch intakt. Eine publikumswirksame Vorführung, die durch die ehrliche Begeisterung der Fachfrau auch überzeugend wirkt.

Aber ist das nur ein gut inszeniertes Marketingversprechen oder sind die Einhell-Akkus wirklich besonders? Ich habe nachgeforscht: Dass der Akku im Inneren aus zylindrischen Lithium-Ionen-Zellen besteht, ist bei modernen Elektrowerkzeugen branchenweiter Standard. Die tatsächliche Neuerung liegt im wasserdichten Gehäuse. Die neuen «Sealed»-Akkus verfügen über eine offizielle IP57-Zertifizierung, die 2024 vom TÜV Rheinland vergeben wurde. Sie bestätigt den Schutz gegen schädigende Staubmengen und zeitweiliges Untertauchen. Auch bei unabhängigen Tests landete das grundlegende System bereits auf dem ersten Platz. Die Stiftung Warentest kürte den PXC-Akku (in der 2,0-Ah-Variante) in ihrer Ausgabe 11/2020 zum Testsieger, wobei Langlebigkeit und Sicherheit positiv ins Gewicht fielen.
Der Inkompatibilität den Kampf ansagen
Und so folgt nach der Theorie das eigentliche Herzstück des Termins. Die versammelte Presse kippt noch schnell die Aperitifs runter und dann heißt es endlich: Ran an die Geräte.
Alle Anwesenden bekommen einen der angepriesenen PXC-Akkus in die Hand gedrückt und werden damit auf die vor der Tür aufgebauten Sägen, Pumpen und Staubsauger losgelassen. Ein kluger PR-Kniff, weil er das Unternehmensversprechen direkt in die Praxis übersetzt: Hier, dein Akku, damit hast du jetzt die Macht über all diese Maschinen. In Anbetracht der unzähligen verschiedenen Akkus und Ladegeräte, die sich in so manchem Keller stapeln, ist der Gedanke verlockend. Das zentrale Versprechen der «Power X-Change»-Familie setzt genau da an: Ein Akku für alles. Akku rein, Gerät läuft. Akku raus, nächstes Gerät. Dann wieder von vorne. Also probiere ich mich mit meinem Akku fleißig durch Astschere, Akkuschrauber und Co.
Vom Staubsauger bis zur Kaffeemaschine
Das Versuchsmaterial ist an diesem Tag bewusst breit aufgestellt. Von der Outdoor-Kaffeemaschine bis zur Wasserpumpe ist alles vertreten. Eine besondere Faszination übt offenbar der Stielstaubsauger aus. Die anwesenden Journalistinnen und Journalisten zeigen derart reges Interesse, dass sie kurzerhand dem Reinigungspersonal des Palmencafés zuarbeiten und hingebungsvoll den Holzboden saugen. Besonders das zweifach bewegliche Gelenk an der motorisierten Bodendüse sorgt für begeisterte Gesichter, weil man damit extrem wendig um die Café-Tische manövrieren kann.

Auch jenseits der Bodenpflege ist die Bandbreite erstaunlich. Ich probiere eine Säge aus, lasse ein Poliergerät anlaufen und begutachte die Outdoor-Kaffeemaschine. Alles macht einen soliden, durchdachten ersten Eindruck. Die Geräte liegen gut in der Hand und laufen flüssig. Ich überlege bereits, welche der Maschinen ich bald in meinem Garten einem Härtetest unterziehen will. Mein persönliches Highlight und meine Rettung an diesem Tag ist aber klein und unscheinbar: ein USB-(C)-Port für den PXC-Akku. Der Adapter lässt sich einfach auf den Akku stecken und schon kann ich über den USB- oder USB-C-Anschluss meinen Handyakku laden. Weil der ohnehin gerade zur Neige geht, kommt mir das sehr gelegen.

Die clevere Strategie der bequemen Abhängigkeit
Dass Einhell das Portfolio neben klassischen Werkzeugen um alltagstaugliche Erweiterungen wie den USB-Adapter, Ventilatoren oder Kühlboxen ergänzt, ist Teil einer gezielten Markterweiterung. Auch nach oben hin öffnet sich das System: Ambitionierte Heimwerkende können denselben Akku für die leistungsstärkeren «Professional»-Geräte nutzen, ohne eine weitere, teure Lade-Infrastruktur aufbauen zu müssen. Um das autarke Ökosystem abzurunden, hat Einhell sogar ein Solarpanel mit Ladestation vorgestellt, das ich in den kommenden Wochen einem ausführlichen Praxistest unterziehen werde.

Hinter dieser Expansion in die Breite und nach oben steckt eine stringente ökonomische Logik: Wer sich an den systemübergreifenden Komfort im Alltag und auf dem Campingplatz gewöhnt, tauscht nach und nach auch bestehende Altgeräte anderer Hersteller gegen Einhell-Produkte aus. Das Unternehmen verkauft damit nicht einzelne Werkzeuge, sondern eine geschlossene Infrastruktur. Ein klassischer, lukrativer Lock-in-Effekt, gepaart mit einer Preispolitik, die nach eigenen Angaben 20 Prozent unter der Konkurrenz liegt. Wenn Akkus und Geräte im Alltag tatsächlich halten, was das Marketing verspricht, können von dieser Geschlossenheit am Ende beide Seiten profitieren.
Der wahre Härtetest folgt
Das Fazit dieses ersten Kennenlernens fällt positiv aus: Das Akku-Ökosystem ist schlüssig, die Geräte liegen ergonomisch in der Hand und erledigen ihre Aufgaben reibungslos. Allerdings bleibt dieser Praxistest unter Palmen eine inszenierte Momentaufnahme. Um echte, valide Schlüsse ziehen zu können, braucht es unkontrollierte Bedingungen. Genau dorthin werde ich die Geräte in den kommenden Wochen mitnehmen: Fernab jeder PR-Kulisse wird mein Langzeittest im Hamburger Schietwetter und im sandigen Dreck des heimischen Gartens zeigen, was die Technik wirklich aushält.
Welches Gerät soll ich bei diesem Praxistest an seine Grenzen bringen? Schreib es mir in die Kommentare.
Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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