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Diese Gläser machen selbst das Wassertrinken zum Spektakel

Pia Seidel
Pia Seidel
31.08.2022
Bilder: Pia Seidel

«Was würdest du mitnehmen, wenn's mal brennt?» Das habe ich die interdisziplinäre Designerin Nada Elkharashi gefragt, als sie ihre neue Kollektion vorgestellt hat, die aus Trinkgläsern der etwas anderen Art besteht.

Bewusster durch den Alltag gehen. Klingt leicht, ist es aber nicht. Vor allem, wenn die Objekte um dich herum das Gegenteil promoten. Kaffeevollautomaten oder automatische Milchschäumer – vieles ist auf Effizienz getrieben, macht Lärm und bietet nicht gerade eine sinnliche Erfahrung. So was hinterfragt Nada Elkharashi gerne. Sie forscht in den Bereichen der Materialität, Kulturphilosophie und Humanökologie und will Gegenstände entwickeln, die einen achtsamen Lebensstil unterstützen sollen. Ein Beispiel dafür ist ihre Abschlussarbeit für den Interdisziplinäres-Design-Master an der Virginia Commonwealth-Universität, die sie am vergangenen Salone in Mailand vorgestellt hat.

Die Kollektion «Form Follows Culture» besteht aus fünf Gläsern, mit denen du kein Getränk einfach so herunterkippen kannst. Im Gegenteil: Alle sind so gestaltet, dass du nur langsam daraus trinken kannst. Nada glaubt, dass der Schlüssel zur gesunden Hydration nicht die Menge an Wasser, sondern wie du es trinkst, ist.

 ‹Paused› provoziert: Das Drei-Schluck-Gefäss födert ein bewusstes Trinkverhalten.
‹Paused› provoziert: Das Drei-Schluck-Gefäss födert ein bewusstes Trinkverhalten.
Es verzichtet auf den runden Rand und bietet stattdessen drei Halme an.
Es verzichtet auf den runden Rand und bietet stattdessen drei Halme an.
Fotos: Pia Seidel
Mit seiner einzigartigen Gestalt regt das Trinkobjekt Diskussionen über universelle Formen an.
Mit seiner einzigartigen Gestalt regt das Trinkobjekt Diskussionen über universelle Formen an.
Foto: Pia Seidel

Die neue Form soll dir die Chance geben, den Moment des Trinkens mehr zu geniessen. Als ich die Designerin frage, welches der Gläser sie aus der Reihe mitnimmt, wenn ein Feuer ausbricht und alle Menschen sowie Tiere gerettet sind, fällt ihre Wahl auf das Drei-Schluck-Gefäss.

«Ich würde ‹Paused› wählen, weil es die Idee hinter meiner Kollektion ‹Form Follows Culture› visuell am besten vermittelt. Das Glas zwingt dich dazu, zwischen jedem Schluck eine Pause zu machen. Denn das Volumen der drei lilafarbigen Kugeln im Innern entspricht einem Schluck. Ist dieser weg, musst du absetzen, das Glas drehen und am nächsten Halm weitertrinken. Das fördert die Hand-Augen-Koordination.» Die Designerin sieht ihre Arbeit als eine Methodik für die Herstellung von Gegenständen, um den Nutzenden auf den Akt des Trinkens und das Nachdenken vorzubereiten. Es gehe aktuell weniger darum, wie du das Designstück reinigst, sondern viel mehr um die Sinneserfahrung: «Am Ende eines Schlucks entsteht ein gurgelndes Geräusch, weil zu viel Luft im Gefäss ist. Es leitet den Wechsel auch auditiv ein und verdeutlicht, dass selbst etwas Alltägliches wie ein Trinkgefäss Reize auslöst. Jeder Schluck gibt dem Nutzenden die Gelegenheit, durchzuatmen und das Bewusstsein auf etwas Neues zu lenken.»

Weitere Beiträge aus der Reihe

Weil Möbelmessen oft hektisch sind, bleibt mir manchmal nichts anderes übrig, als mich kurzzufassen. Deshalb habe ich am diesjährigen Salone den Designschaffenden bloss die eine hypothetische Frage gestellt: «Was würdest du bei einem Brand aus deinem Atelier mitnehmen?» – nur, um herauszufinden, wofür sie besonders brennen. Hier findest du weitere, bereits erschienene Beiträge aus der Reihe:

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Pia Seidel

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres.
– Albert Einstein


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