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Paramount greift Netflix an: Schockierendes Mega-Angebot gefährdet Warner-Deal
von Luca Fontana

Der historische Streaming-Deal endet vorerst vor Gericht: Paramount verklagt Warner Bros. Discovery und zweifelt den Netflix-Deal offen an. Eine Milliardenübernahme verkommt zum politischen und juristischen Machtkampf.
Was als historischer Mega-Deal begann, entwickelt sich immer mehr zum juristischen Dauerbrenner. Kaum hat sich der Staub um Netflix’ geplante Übernahme von Warner Bros. gelegt, zündet Paramount die nächste Eskalationsstufe und zieht vor Gericht. Der Vorwurf: Warner Bros. Discovery verschweige seinen Aktionärinnen und Aktionären entscheidende Details zum Netflix-Deal.
Das Streaming-Drama geht in die nächste Runde. Und es wird zunehmend persönlich.
Netflix will Warner Bros. Discovery kaufen. Genauer gesagt das Studio- und Streaminggeschäft inklusive Warner Bros. Pictures und HBO, allerdings ohne die Sparte für lineare TV-Sender wie CNN, Eurosport und den Discovery Channel. Der vereinbarte Kaufpreis: 82,7 Milliarden Dollar. Ein Deal von historischer Dimension, der Netflix schlagartig zum mächtigsten Streaming-Dienst und Content-Besitzer der Branche machen würde – sofern Netflix das nicht ohnehin schon ist.
Paramount, das seit Monaten ebenfalls um Warner Bros. buhlt, will das nicht akzeptieren. Der frisch fusionierte Konzern rund um Skydance legte darum im Dezember mit einem feindlichen 108,4-Milliarden-Dollar-Angebot für Warner Bros. Discoverys gesamtes Unternehmen nach. Feindlich bedeutet, dass das Angebot direkt an die Aktionärinnen und Aktionäre gerichtet war: Diese sollten Druck auf ihren eigenen Verwaltungsrat machen und so selbst den Netflix-Deal verhindern.
Daraus wurde nichts. In einer Mitteilung an die Aktionärinnen und Aktionäre bezeichnete Warners Vorstand die Offerte als «unterlegen» und mit «erheblichen Risiken und Kosten» verbunden. Es kam zu keinem Aufstand. Warner lehnte entsprechend ab. Paramount legte anschliessend mit einem verbesserten Angebot nach. Aber Warner blieb weiterhin bei Netflix-Deal.
Jetzt landet die Sache vor Gericht.
Paramount verklagt Warner Bros. Discovery und verlangt gerichtlich Einsicht in zentrale Details des Netflix-Vertrags. Konkret geht es um die Bewertung des Deals und die Frage, ob Netflix’ Angebot tatsächlich finanziell überlegen sei.
Paramount-CEO David Ellison formuliert das ungewöhnlich scharf: Warner habe viele Gründe genannt, warum man nicht mit Paramount verhandeln wolle – aber nie erklärt, warum der Netflix-Deal objektiv besser sei. Eine Aussage, die weniger nach juristischer Feinmechanik klingt als nach offener Kampfansage.
Zusätzlich will Paramount an Warners nächster Generalversammlung eigene Kandidaten für deren Verwaltungsrat nominieren. In den USA dürfen Bieterinnen nämlich direkt um Aktionärsstimmen werben. Gelingt das, könnten Paramount-nahe Verwaltungsräte den Netflix-Deal intern bremsen, neu bewerten lassen oder eine erneute Prüfung des Paramount-Angebots erzwingen.
Für Warner Bros. Discovery ist diese Klage mehr als nur lästig. Sie trifft den Konzern an einem empfindlichen Punkt: an der Transparenz gegenüber den Aktionärinnen und Aktionären.
Paramount sät nämlich nicht grundlos Zweifel an der Bewertung. Kartellbehörden müssen den Deal zuerst noch genehmigen und obendrauf müssen die Aktionärinnen und Aktionäre der geplanten Abspaltung der linearen TV-Sender noch zustimmen. Erst dann kann der Verkauf an Netflix abgeschlossen werden. Jeder juristische Nebenschauplatz kostet dabei Zeit, und je länger der an sich beschlossene Netflix-Deal in der Schwebe ist, desto schwieriger wird es für Warner, ihn den Kartellbehörden als alternativlos zu verkaufen.
Für Netflix ist das alles vor allem eines: störend. Strategisch sitzt der Streaming-Riese aber weiterhin in der Poleposition und ist gewillt, geduldig zu sein: HBO, DC, Harry Potter, Warner Bros. Pictures – dieses unendlich ausschlachtbare Content-Paket steht kein zweites Mal im Verkaufsfenster. Und Netflix weiss das.
Doch je lauter der Streit wird, desto stärker rücken auch die Schattenseiten ins Licht: Es geht um Marktmacht, mögliche massive Preiserhöhungen und viel weniger Wettbewerb im bereits überhitzten Kino- und Streaming-Markt. Argumente, die Kartellbehörden weltweit sehr genau hören.
Ironisch dabei ist, dass ausgerechnet heute HBO Max – ebenfalls Teil von Warner Bros. – offiziell in der Schweiz und in Deutschland gestartet ist. Während Konsumentinnen und Konsumenten also gerade erst anfangen, «The Pitt», «A Knight of the Seven Kingdoms» oder «One Battle After Another» zu streamen, wird im Hintergrund darüber gestritten, wem dieser Katalog künftig gehört.
Was hier passiert, ist kein normales Ringen um Synergien. Es ist ein hochpolitischer Machtkampf um die Deutungshoheit im Streaming-Zeitalter.
Schliesslich versucht Paramount, Zeit zu gewinnen und Zweifel zu säen, ohne selbst über alle Zweifel erhaben zu sein: Hinter dem Konzern steht ausgerechnet Larry Ellison, ein enger Vertrauter von Donald Trump. Sollte Paramount doch noch gewinnen, würde mit CNN einer der letzten offen Trump-kritischen Nachrichtensender in dessen politisches Machtgefüge rutschen – ein Szenario, das in Washington längst für Nervosität sorgt.
Ob Paramount den Deal noch kippen kann, bleibt allerdings fraglich. Klar ist nur, dass dieser Fall nicht schnell vom Tisch sein wird. Und je länger er dauert, desto weniger fühlt sich Hollywood wie eine Traumfabrik an und eher wie ein sehr teurer Gerichtssaal mit Popcorn. Eigentlich gar keine so schlechte Vorlage für eine düstere Polit-Serie.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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