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Für diese taktile Texturen brennt der Keramiker Bruno Nakano

Pia Seidel
12.09.2022
Bilder: Pia Seidel

Die Frage «Was würdest du mitnehmen, wenn's mal brennt?» hat mir kürzlich der Designer Bruno Nakano beantwortet, dessen Keramikobjekte sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design bewegen.

Die Arbeit von Bruno Nakano ist einmal mehr der Beweis dafür, dass es im Designbereich immer schwerer wird, Gebrauchsgegenstände von Kunstwerken zu unterscheiden. Einige seiner Objekte sind Gefässe, die als Vase dienen. Andere wiederum sind Skulpturen. Dass alle dieselbe Formsprache teilen und in gedeckten Farben daherkommen, macht das Auseinanderhalten nicht leichter.

Nachdem der Designer jahrelang in der Werbebranche tätig gewesen ist, töpfert er heute Einzelstücke oder kleine Sammlungen für sein eigenes Label namens Studio Mano. Dabei arbeitet er hauptsächlich mit Steingut oder Terrakotta und greift auf langsame Techniken sowie einfache Werkzeuge zurück. Zuletzt hat er der Gruppenausstellung «This is America» eine Keramikkollektion beigesteuert. Sie ist mir besonders aufgefallen, weil ich mich von ihr beobachtet gefühlt habe: Jedes Objekt aus der Kollektion hat Augen und Gesichtszüge, die Charakter stiften. Mal sind es die eines Menschen, mal die eines Tieres. So genau lässt sich auch das nicht einordnen. Was ich aber sagen kann: Die Figuren bringen mich alle irgendwie zum Schmunzeln.

Als ich den kreativen Kopf frage, welches Stück er aus seiner Kollektion mitnimmt, wenn ein Feuer im Atelier ausbricht und alle Menschen sowie Tiere gerettet sind, fällt seine Wahl auf «Dotted Heads». Eine Figur, die gleich zwei Gesichter hat.

Die Formen gleichen Gesichtszügen.
Die Formen gleichen Gesichtszügen.
«Kunst» zum Anfassen: Manche Objekte der Kollektion sind Vasen.
«Kunst» zum Anfassen: Manche Objekte der Kollektion sind Vasen.
Fotos: Pia Seidel

«Das Objekt ‹Dotted Heads› habe ich zusammen mit meiner Partnerin gemacht», meint Bruno. «Sie hat mir dabei geholfen, all die kleinen Strukturpunkte aufzukleben. Für ihre Hilfe und die gemeinsame Zeit, die wir mit dieser Keramik verbracht haben, bin ich sehr dankbar. Es war eine einfache Geste, aber auch eine Erinnerung daran, wie wertvoll Unterstützung in einer Beziehung ist.»

Für Bruno repräsentiert dieses Keramikstück die Einheit zwischen ihm und seiner Lebensgefährtin. Trotzdem hofft er, dass sich auch andere Menschen mit der Figur identifizieren können. Und das ist wohl der Fall gewesen: «Einige Objekte, einschliesslich ‹Dotted Heads, wurden bereits während der Designwoche verkauft. Alle weiteren verkaufe ich auf meiner Website oder über Instagram. Auf Wunsch fertige ich aber auch andere Werke an, die den Leuten Freude bereiten sollen.»

Die Augen auf den Keramikstücken machen «Dotted Heads» zu Charakterköpfen.
Die Augen auf den Keramikstücken machen «Dotted Heads» zu Charakterköpfen.
Foto: Pia Seidel

Weitere Beiträge aus der Reihe

Weil Möbelmessen oft hektisch sind, bleibt mir manchmal nichts anderes übrig, als mich kurzzufassen. Deshalb habe ich am diesjährigen Salone den Designschaffenden bloss die eine hypothetische Frage gestellt: «Was würdest du bei einem Brand aus deinem Atelier mitnehmen?» – nur, um herauszufinden, wofür sie besonders brennen. Hier findest du weitere, bereits erschienene Beiträge aus der Reihe:

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Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres.
– Albert Einstein


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