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Krafttraining: Wieso die Gyms am Montag immer voll sind

Claudio Viecelli
Claudio Viecelli
Zürich, am 01.03.2022
Mitarbeit: Patrick Bardelli

Wieso ist eigentlich am Montag in den Fitnesscentern immer so viel los? Ein Erklärungsversuch.

Montags ist «Hell Breaks Loose Day» in den Gyms. Betrachtet man das auf Bevölkerungsebene, ist daran nichts auszusetzen – im Gegenteil. Für den einzelnen Sportler ist der Dichtestress aber ein Problem. Wer will schon ständig warten müssen, bis «sein» Gerät endlich frei wird?

Die gesundheitlichen Vorteile, die Sport mit sich bringt, sind unbestritten. Ebenfalls unbestritten ist, dass Krafttraining eine Intervention darstellt, um Kraft und Muskelmasse zu erhöhen. An der ETH wollten wir herausfinden, was die Beweggründe und die Ziele von Besucher:innen von Fitness-Studios sind. Dafür haben wir 430 Personen im Alter zwischen 16 und 78 Jahren befragt. 67 % waren Männer, 33 % Frauen.

Die genannten Ziele, rangiert nach der höchsten Zustimmung, reichen von Verbesserung der persönlichen Gesundheit, des Aussehens, Erhöhung der Muskelmasse, Verbesserung der Haltung, Reduktion der Fettmasse, Gewebestraffung bis hin zu Socializing. Bei vielen dieser Ziele steht eine Veränderung des Körpers im Vordergrund.

Das heiss(hungrig) geliebte Wochenende

In einer Studie haben Forscher den Einfluss des Weekend-Lifestyles während eines Jahres auf die Körpermasse untersucht. Sie wollten herausfinden, ob tägliche Änderungen im Ernährungs- und/oder des Aktivitätenmusters unter der Woche zu einer Körpermassenzunahme während der Wochenenden beitragen oder eine -abnahme behindern [1]. Es wurden 48 Teilnehmer:innen (50 – 60 Jahre) rekrutiert, die nach dem Zufallsprinzip drei Gruppen zugewiesen wurden:

  • Kalorienreduzierte Diät (CR), n = 19
  • Einem vergleichbaren Kaloriendefizit verursacht durch tägliche Bewegung (EX), n = 19
  • Kontrollgruppe mit gesundem Lebensstil (HL), n = 10

Um Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurde die CR-Gruppe gebeten, nur die tägliche Kalorienzufuhr zu modifizieren, ohne das Bewegungsverhalten zu ändern. Im Gegensatz dazu musste die EX-Gruppe ihr Bewegungsverhalten erhöhen, aber die Kalorienaufnahme gleich belassen. Die Bewegung wurde mit Beschleunigungssensoren kontrolliert und die Kalorienzufuhr mittels Ernährungstagebüchern. Die Teilnehmer:innen wurden zudem gebeten, ihre Körpermasse alle drei Monate während zwei Wochen täglich auf einer abgegebenen Waage jeweils am Morgen nach dem Toilettengang und nüchtern zu messen. Die Forscher sammelten während der Studiendauer so 437 Wochenmessungen.

Die Resultate

Körpermasse

Betrachtet man die Wochentage, verloren CR und EX signifikant an Körpermasse. An den Wochenenden verloren die CR-Teilnehmer jedoch keine Masse mehr, während die EX-Teilnehmer an Gewicht zunahmen. Bei der HL-Kontrollgruppe gab es keine signifikanten Gewichtsveränderungen an Wochenenden oder Wochentagen.

Energiezufuhr

Bei allen Gruppen war die Energiezufuhr jeweils am Wochenende signifikant höher als unter der Woche. Die CR-Gruppe führte am Samstag am meisten Energie zu, während die EX-Gruppe sowohl am Samstag als auch am Sonntag signifikant mehr Energie zu sich nahm im Vergleich zu den Werktagen. Bei der HL-Gruppe war der Sonntag im Vergleich zu den Werktagen der Tag mit der grössten Energiezufuhr.

Aktivität

In der CR-Gruppe war die Aktivität am Wochenende höher als unter der Woche. Die EX-Gruppe wies keine unterschiedlichen Aktivitätsmuster an Wochenenden im Vergleich zu Wochentagen auf, während in der HL-Gruppe ein Trend zu höherer Aktivität an Wochenenden beobachtet wurde.

Eine allfällige Korrelation bedeutet nicht Kausalität

Es sei hier explizit erwähnt, dass eine allfällige Korrelation zwischen Energiezufuhr und höherer Besucherdichte in den Gyms am Montag keine Kausalität bedeutet. Am besten illustriere ich dies mit einer Nonsens-Korrelation: Betrachtet man die US-Ausgaben für Forschung, Raumfahrt und Technologie in den Jahren von 1999 bis 2009, sieht diese Kurve im Zeitverlauf praktisch identisch aus mit der Kurve für die Suizide in den USA durch Hängen, Strangulation oder Ersticken. Offensichtlich besteht dazwischen aber kein Zusammenhang.

Fakt ist, dass die Energiezufuhr bei der EX-Gruppe, verglichen mit den Wochentagen, samstags und sonntags höher war. Schlussfolgerungen bezüglich der Energiezufuhr und der Besucherfrequenz am Montag sind wissenschaftlich betrachtet nicht zulässig, auch wenn sie attraktiv scheinen.

Möchtest du dennoch dem Dichtestress entgehen, empfiehlt es sich Randzeiten zu nutzen. Diese wären früh morgens und spät abends sowie am Samstag und Sonntag jeweils über Mittag.

Referenz

  1. Racette SB, Weiss EP, Schechtman KB, Steger-May K, Villareal DT, Obert KA, et al. Influence of Weekend Lifestyle Patterns on Body Weight. Obesity. John Wiley & Sons, Ltd; 2008;16: 1826–1830. doi:10.1038/OBY.2008.320

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Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

Bilder: Shutterstock

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Claudio Viecelli
Biologe

Molekular- und Muskelbiologe. Forscher an der ETH Zürich. Kraftsportler.


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