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Hintergrund

Krallen raus! 15 Fakten zu «Marvel’s Wolverine»

In Berlin durfte ich eine fast fertige Version von Insomniacs neuem Superhelden-Epos spielen. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse zu Story, Kampfsystem und Logans Körpergrösse.

Berlin. Sehnsuchtsort aller Post-Hipster, Möchtegern-DJs, Nachteulen und für einen Tag – auch Marvel-Fans. Hier gab Insomniac am 19. August einen exklusiven Einblick in sein neues Spiel: «Marvel's Wolverine». Während meine Kollegen in den Digitec-Dungeons bei 30 Grad schwitzen, herrschen hier angenehme 20. Zeit zum Geniessen bleibt aber keine: Logan ist ready für mich und ich will einen Mann mit seinem Temperament nicht warten lassen.

Mein Date mit dem schlecht gelauntesten Kanadier aller Zeiten dauert rund zwei Stunden. Ich erlebe das Intro des Action-Adventures sowie das Finale des ersten Akts und bekomme dabei die volle Bandbreite der Action zu spüren. Ähnlich wie Wolverines Gegner, nur mit weniger Blutverlust. Im Anschluss darf ich Game Director Mike Daly einige Fragen stellen. Hier sind die 15 wichtigsten Erkenntnisse.

1. Es ist keine Origin-Story

In Marvel's Spider-Man» liegt Uncle Ben schon eine Weile vor dem Startbildschirm unter der Erde und hier verhält es sich ähnlich. Nach einem ganz kurzen Einblick in Wolverines Vergangenheit startet das Spiel mit einem Rettungseinsatz von Team X. Gemeinsam mit Sabertooth und Mystique soll Logan den entführten Nathaniel Essex retten. Logan ist zu diesem Zeitpunkt bereits über 100 Jahre alt, kann sich aufgrund einer Amnesie aber nur bedingt an seine Vergangenheit erinnern.

2. Die X-Men gibt es (noch?) nicht

Apropos: Spidey: «Marvel's Wolverine» spielt im selben Universum, auf Erde-1048. Eine Überschneidung soll es laut Daly allerdings nicht geben. «Wolverine ist Logans Spiel», so der Entwickler. Folglich existieren auch die X-Men noch nicht. Die Zutaten für ein späteres Mutanten-Team liegen aber bereit und die Gerüchteküche brodelt hierzu bereits seit einigen Jahren heisser als Walter Whites Methlabor.

3. Mutanten unter sich

Unterstützung erhält Wolverine trotzdem. Neben den bereits genannten Superhelden treten weitere Marvel-Charaktere auf. Jean Grey ist am Start, ebenso der junge Leech, den einige vielleicht noch aus der Cartoon-Serie kennen. In der Preview laufe ich ausserdem Nature Girl (Deep Cut!) über den Weg und finde einen Teaser für einen weiteren Helden, den ich hier nicht spoilern will.

4. Die Bösewichte

Support hat Logan dringend nötig. Ihm entgegen stellt sich eine ganze Reihe von Widersachern, darunter Omega Red, Lady Deathstrike und der Mutanten-Hasser Bolivar Trask.

Das Trio verspricht drei sehr unterschiedliche Sorten Ärger: Omega Red ist das Resultat eines sowjetischen Supersoldaten-Programms und saugt seinen Opfern die Lebensenergie aus dem Leib, Lady Deathstrike hat in den Comics eine sehr persönliche Rechnung mit Logan offen und Trask ist der stereotypische industrielle Mutanten-Rassist.

Hat den breitesten Russen-Akzent im Marvel-Universum: Omega Red.
Hat den breitesten Russen-Akzent im Marvel-Universum: Omega Red.
Quelle: Insomniac

5. 50 Jahre Hausaufgaben

Für die Recherche haben sich Daly und sein Team durch 50 Jahre Comic-Geschichte gepflügt. Das wichtigste Nachschlagewerk für ihre Interpretation bildet die Mini-Serie von 1982. Zahlreiche Elemente daraus finden sich auch in «Marvel's Wolverine» wieder – allen voran Logans Zeit in Japan und sein Konflikt mit der Schurkenorganisation Die Hand. Die Verantwortung für die Story trägt Walt Williams. Der Mann hat mit «Spec Ops: The Line» 2012 einen der besten Plot-Twists im Gaming abgeliefert.

6. Keine offene Welt

Insomniac hat sich bewusst für ein lineares Spiel entschieden. «Ich glaube, dass wir so eine bessere Geschichte erzählen können», erklärt Daly. «In einem Open-World-Game sind die Spieler schnell abgelenkt. Wenn sie dann zum Narrativ zurückfinden, fehlt oft der Kontext. Das kann hier nicht passieren.»

Das bedeutet nicht, dass Wolverine ausschliesslich durch schlauchartige Levels rennt. Die geradlinigen Abschnitte werden immer wieder von offenen Arealen ergänzt, die für Abwechslung sorgen.

7. Madripoor lädt ein

Apropos Abwechslung: Logan ist ein Weltenbummler und dieser Tradition bleibt auch das Spiel treu. Bisher sind Nordamerika, Japan und Madripoor bestätigt. Vor allem Letzteres hat es mir angetan. Die Inselnation ist einer der wichtigsten Schauplätze der Wolverine-Lore. Sie ist der abgeranzte Gegenentwurf zu Singapur und ein Zufluchtsort für heimatlose Mutanten. Hier können sie untertauchen, saufen und prügeln. Madripoor ist quasi Logans natürliches Habitat.

In Madripoor kannst du mit Mystique eine Runde Never Have I Ever spielen.
In Madripoor kannst du mit Mystique eine Runde Never Have I Ever spielen.
Quelle: Insomniac

8. Eine kürzere Spielzeit?

Trotz internationalem Terrain fällt «Marvel's Wolverine» wohl etwas kürzer aus als Insomniacs bisherige Titel. Mike Daly hält sich mit konkreten Aussagen zurück, verrät aber, dass das Spiel etwa gleich viele Missionen bereithält wie «Marvel's Spider-Man». Die Info erlaubt eine grobe Schätzung: Wahrscheinlich dauert es rund 12 bis 16 Stunden bis zu den Credits.

In Zeiten von aufgeblähten Open-World-Games und überfüllten Ubisoft-Karten finde ich das sehr angenehm. «Kurz» ist nicht zwangsläufig eine Schwäche, sondern kann auch ein Feature sein. Ich wünschte, mehr Entwickler würden das begreifen.

9. Sammelkrams

Ob deine Spielzeit eher am oberen oder unteren Ende der Skala landet, hängt auch von den optionalen Inhalten ab. Aufmerksame Spieler finden Whiskyflaschen, die Logan bei seiner Amnesie helfen. Lustig, bei mir bewirkt Whisky exakt das Gegenteil.

Ebenfalls versteckt sind Materialkisten. Deren Rohstoffe lassen sich in neue Kostüme investieren. Um die 20 Stück gibt’s (je nach Edition) und eins davon ist gemäss Mike Daly ziemlich sexy. Ich hoffe, du magst Brusthaare.

10. Logan macht keine Gefangenen

Wenn du den Trailer gesehen hast, weisst du Bescheid. Ich will es trotzdem nochmals in aller Deutlichkeit festhalten: «Wolverine» ist blutig und brutal. Logan fetzt sich durch die Gegnerhorden wie ein frisierter Mähdrescher und lässt Arme, Beine und Köpfe fliegen. Wer in seinem Weg steht, hat garantiert keinen offenen Sarg.

Gemäss Daly war die explizite Gewaltdarstellung von Anfang an beschlossene Sache: «Wir wollten ein authentisches Wolverine-Erlebnis schaffen. Das brachte mit sich, dass es definitiv kein Spiel für Kinder ist.»

Knarren sind nicht das einzige, was hier in zwei Hälften gehackt wird.
Knarren sind nicht das einzige, was hier in zwei Hälften gehackt wird.
Quelle: Insomniac

11. «THIS IS SPARTA!»

«Wolverines» Kampfsystem orientiert sich an der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, geht dabei aber charaktergemäss weit weniger grazil vor. Logan wiegt 300 Pfund und diese Masse spüre ich bei jedem Hieb. Träge ist der Krallenmann deswegen kein bisschen. Im Gegenteil: Kaum ist ein Gegner geschnetzelt, springe ich zum nächsten und trete ihn (oder sie, Gerechtigkeit ist in «Wolverine» unisex) mit einem Sparta-Kick von einer Klippe oder in die Gabeln eines Hubstaplers.

Dazu gibt es ein eher simples Kombosystem, das einen Wut-Meter füllt. Den kannst du wahlweise zum Heilen einsetzen oder zum Amoklaufen. Ich habe mich meistens für Letzteres entschieden. Selfcare my ass.

12. Der Skilltree

Kein Sony-Character-Action-Game ohne Fertigkeitsbaum. Der gibt sich weitgehend voraussehbar: Mit jedem Level-Up lassen sich neue Moves, effizientere Stealth-Kills und mehr freischalten. Was ich während der Preview gesehen habe, wirkt etwas kompakter als bei der Konkurrenz.

Mike Daly verspricht, dass sich die Kämpfe dennoch bis zu den Credits frisch anfühlen, weil Wolverines Widersacher sehr divers ausfallen. Die Cyber-Söldner von Bolivar Trask verlangen beispielsweise eine andere Strategie als die flinken Ninjas der Hand.

Klingen gegen Klingen.
Klingen gegen Klingen.
Quelle: Insomniac

13. Die Stimm-Talente

Wolverine wird von Liam McIntyre vertont. Der Australier hebt sich angenehm von Hugh Jackmans Interpretation ab, bleibt der Vorlage aber treu. McIntyre spielte übrigens in der TV-Serie «Spartacus» die Titelrolle. Der Mann weiss also, wie man einen Sparta-Kick verkauft.

Brett Gipson liefert als Sabretooth ebenfalls eine grossartige Performance. Und zur Überraschung von absolut niemandem ist natürlich auch Troy Baker dabei. Troy Baker ist der Pedro Pascal der Videospielszene. Er ist in jedem Game dabei, sogar in «Tetris». Ja, dem «Tetris» von 1989. Er hat die Stangenfigur gespielt, true story.

14. All hail the Short King

Wolverine ist 1,60 Meter gross. Zumindest in der Comic-Vorlage. Die Filme haben auf diesen Fakt bisher konsequent gepfiffen: Hugh Jackman misst 1,88 Meter und überragt sein gezeichnetes Vorbild damit um fast 30 Zentimeter. Comic-Puristen ärgert das seit dem Jahr 2000. Insomniac hat zugehört. Logan wirkt neben dem massiven Sabretooth geradezu herzig klein.

15. Kein Marvel-Humor

Während meiner zwei Stunden mit dem Spiel gibt es keinen einzigen One-Liner. Logan ist zynisch, Mystique schlagfertig, Jean Grey reserviert. Aber niemand entschärft dramatische Momente mit einer lustigen Floskel. Die oft deplatzierte Komik, die die Popkultur der letzten 15 Jahre dominiert hat, findet in diesem düsteren Abenteuer keinen Platz.

Damit grenzt sich «Wolverine» auch von Insomniacs eigenen Spider-Man-Titeln ab, in denen Peter Parker bekanntlich keine Sekunde die Klappe hält. Tonal steht das Spiel Filmen wie «Logan» deutlich näher als dem MCU.

Sabertooth meint es ernst. Alle anderen im Spiel ebenfalls.
Sabertooth meint es ernst. Alle anderen im Spiel ebenfalls.
Quelle: Insomniac

Alles beim Alten

Wir feiern auf dieser Plattform gerne den kontinuierlich guten Output von Capcom ab und zu Recht. Ich bin allerdings der Meinung, dass Insomniac in einer ähnlichen Liga spielt wie die japanischen Entwickler. Seit mehr als einer Dekade liefern die Kalifornier zuverlässig ab und «Marvel's Wolverine» wird diese Erfolgsserie fortführen.

Bei allen Vorschusslorbeeren muss aber erwähnt werden: Das Spiel hat mich nur selten überrascht. Insomniac ist ein eingespieltes Team, die Entwickler kennen ihre Stärken und wissen, was funktioniert. Darauf zu setzen, ist grundsätzlich eine gute Idee.

Doch gerade in Zeiten, in denen die Kritik an Sonys sehr ähnlichen First-Party-Games lauter wird, wäre ein bisschen mehr Mut wünschenswert. Logan hat Selbstheilungskräfte, etwas mehr Reibung hätte er allemal überstanden.

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In den frühen 90er-Jahren vererbte mir mein älterer Bruder sein NES mit «The Legend of Zelda» und startete damit eine Obsession, die bis heute anhält.


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