
Meine Zeit mit Custom-Wasserkühlungen ist vorbei – und ich vermisse sie (noch) nicht
Gerade repariere ich einen PC mit komplettem Wasserkühlungs-Loop. Vor einem Jahr habe ich mir geschworen, das nie wieder zu tun. Nun blicke ich zurück auf meine früheren Projekte.
Eben noch springen mein Kumpel und ich im Koop durch «Split Fiction». Plötzlich bleibt sein Charakter stehen und schiesst pausenlos an die Decke. «Hallo? Was geht bei dir?» Keine Antwort. Zwei Minuten später klingelt das Handy. «Sorry, Kurzschluss. Der PC riecht verbrannt.» Verdammt.
Mein zweiter Durchgang mit «Split Fiction» steht unter keinem guten Stern. Vor einigen Wochen hat das Spiel meinen PC in die Knie gezwungen, jetzt den meines Freundes. Was ist passiert?
Eigentlich wollte ich nie wieder…
Vor einem Jahr hat mein Freund meinen komplett wassergekühlten PC übernommen. Als er kürzlich Kühlflüssigkeit nachgefüllt hat, muss sich wohl ein Fitting gelöst haben. Die Flüssigkeit lief ins Netzteil und verursachte den Kurzschluss. Bei unserer Diagnose ein paar Tage später stellen wir fest: Nur das Netzteil ist beschädigt.

Quelle: Boris Sopowski
Da er noch nie einen Custom-Wasserloop gebaut hat, übernehme ich die Reparatur. Dabei wollte ich mich eigentlich nie wieder mit Wasserkühlungen rumschlagen.
Mein erstes Projekt: gemeinsam statt einsam
Zum Wasserkühlen bin ich erst durch meine Tätigkeit bei Digitec Galaxus gekommen. Zuvor habe ich ausschliesslich auf Luft gesetzt. 2018 war es dann soweit. Gemeinsam mit Kollege Martin haben wir nicht ein, sondern gleich zwei wassergekühlte Systeme in ein PC-Gehäuse verbaut. Wieso wir so krass eingestiegen sind? Das Projekt haben wir von den damaligen Kollegen aus dem Category Management geerbt.
Als komplette Noobs war das ein echter K(r)ampf. Platz bot das riesige Corsair-Gehäuse genug, aber der Build überforderte uns. Nicht genug damit, dass die Kollegen der Category zwei Systeme in einem verbauen wollten. Sie planten auch mit 24-RGB-Lüftern auf drei Radiatoren in Push/Pull-Konfiguration und vor allem: Hardtubes. Also keine flexiblen Schläuche, sondern Rohre aus PMMA. Die sehen besser aus als PETG, sind aber schwieriger zu verarbeiten. Martin und ich stiegen direkt in die Königsklasse ein. Wir bogen kaum Rohre, sondern verbanden die Komponenten mit einer Armada aus Fittings. Das sah lustig aus und machte Lust auf mehr. Ich empfand es aber nicht als richtiges Wasserkühlen.

Mein erster Kontakt mit der Reinigung
Bevor ich den PC meines Freundes wieder instandsetzen kann, nehme ich die Einzelteile näher in Augenschein. Bei den Schläuchen zeichnet sich ab, dass der Loop schon länger neue Kühlflüssigkeit gebraucht hätte, denn es haben sich Algen gebildet. CPU- und GPU-Block, Pumpe und Reservoir müssen also auch noch gereinigt werden.

Quelle: Boris Sopowski
Mit der Reinigung musste ich mich bereits früh in meiner Custom-Wasserkühlungskarriere befassen. Kurz nachdem der Build des Mega-PCs abgeschlossen war, kam ich erneut in den Genuss eines komplett wassergekühlten Builds der Kollegen aus der Category. Bei diesem hatten sie farbige Kühlflüssigkeit eingesetzt. Die hat die Blöcke der CPU und GPU derart verstopft, dass die Kühlleistung gelitten hat.
Mein erster eigener wassergekühlter PC
Bei der aktuellen Reparatur bin ich froh, dass ich es mit Softtubes zu tun habe. Die alten, vergilbten und von den Algen gezeichneten ersetze ich. Dank der alten Tubes als Vorlage schneide ich die neuen schnell auf die richtige Länge.
Auch bei meinem ersten eigenen Projekt habe ich es mir einfach gemacht. Ende 2018 gönnte ich mir nach Jahren am Mac wieder einen Gaming-PC. Mit der Erfahrung aus dem Mega-PC baute ich einen Custom-Loop für die CPU. Statt PMMA-Hardtubes nutzte ich PETG und konnte so einige coole Biegungen machen.

Doch auch dieser Loop war mühsam. Ich setzte auf ein sehr kleines Reservoir. Das Entlüften wurde zur Geduldsprobe.
Den Hunger mit einem Retro-Projekt weiter stillen
Auch beim PC meines Freundes ist das Reservoir klein – hier macht es aber Sinn. Im Mini-ITX-Gehäuse bleibt wenig Platz. Das Reservoir sitzt direkt auf der Pumpe, sonst passt kein Custom-Loop hinein.

Bei meinem dritten Projekt wollte ich es besser machen. Mitte 2019 startete ich mein Sleeper-PC-Projekt. Ich verbaute neue Komponenten in ein altes Gehäuse. Herzstück sollte ein kompletter Wasserkühlungs-Loop mit selbst designten Teilen werden. Aus Kostengründen musste ich abspecken und kühlte wieder nur die CPU mit Wasser. Trotzdem war «Sleepy» – so nannte ich den PC – für mich ein voller Erfolg. Durch die selbst designten Teile lernte ich viel, und optisch gefällt mir das Ergebnis auch sieben Jahre später noch.
Endlich auch die GPU mit Wasser kühlen
Aber ich wollte immer mehr: So wie beim aktuellen Reparatur-PC nicht nur die CPU, sondern auch die GPU in den Loop aufnehmen. Im Gegensatz zum Mega-PC mit drei riesigen Radiatoren und zig Lüftern genügt hier auch ein Radiator mit zwei Ventilatoren.
Da kam es gelegen, dass Corsair 2019 eigene Custom-Watercooling-Komponenten lancierte. Endlich durfte ich selbst ein System von Grund auf planen und bauen, das komplett mit Wasser gekühlt wird.
Zugegebenermassen war es übertrieben, die verbaute RTX 2070 Super mit Wasser statt Luft zu kühlen. Aber es war einfach zu verlockend, zumal ich einige Zeit später den PC-Build noch mit einem Stormtrooper auf dem Glas-Panel verschönert habe. Bis heute finde ich es optisch den schönsten PC, den ich jemals gebaut habe.
Etwas anderes probieren
Beim Reparatur-PC ist nur der Name schön: Meshlicious – ein Wortspiel aus Mesh und Delicious. Das Gehäuse ist funktional, klein und nimmt eine Wasserkühlung auf. Bevor ich mich für kleine Gehäuse begeisterte, verbaute ich Ende 2019 Kupferrohre in einen PC für Kollege Simon.
Im Lockdown 2020 entdeckte ich meine Liebe zu kleinen Gehäusen. Die Komponenten, die jetzt im Meshlicious stecken, verbaute ich zuerst im noch kleineren Fractal Era. Dafür musste ich einen neuen Sockel fräsen, um alles unterzubringen.
Obwohl ich einen kompletten Wasserkühlungs-Loop für CPU und GPU ins Gehäuse quetschte, war ich nie zufrieden. Es war zu viel Gebastel. Als ich den Loop ins Meshlicious übertragen konnte, war ich begeistert.
Ich mag einfach nicht mehr – vorerst
Den Build habe ich dann über vier Jahre lang täglich zum Zocken und Arbeiten benutzt – bevor ich ihn letztes Jahr meinem Freund verkauft habe. Ich wollte upgraden und hatte genug vom Wasserkühlen.
Der Grund war und ist nicht die Angst vor auslaufender Kühlflüssigkeit, sondern der Aufwand. Es dauert deutlich länger, einen PC mit Wasserkühlung zu bauen, ganz zu schweigen von der Planung. Steht der Loop erstmal, lassen sich Komponenten nur schwer tauschen und ich muss das Teil auch noch warten. Hinzu kommt das miserable Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Custom-Loop kostet verdammt viel und moderne Luft- sowie AIO-Kühlungen reichen für die meisten Komponenten locker.
Dennoch war ich etwas wehmütig, als ich meine vergangenen Projekte für diesen Artikel Revue passieren liess. Es hat Spass gemacht. Aber derzeit habe ich schlicht keine Nerven für solche Projekte. Vielleicht irgendwann wieder – wenn die Kinder älter und PC-Komponenten wieder zu vernünftigen Preisen erhältlich sind…
Immerhin läuft mein letztes Projekt jetzt wieder. Der Loop ist befüllt und geht zurück zu meinem Freund – und hoffentlich gelingt es uns nun endlich, «Split Fiction» fertig zu zocken.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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