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Kritik

«Mixtape» sind drei Stunden pures Glück

«Mixtape» ist kein gewöhnliches Spiel, sondern eine perfekt abgemischte Tonspur aus Nostalgie und Freundschaft – mit dem stimmigsten Soundtrack, den ich je in einem Game gehört habe.

Das Setting spielt zunächst bekannte Akkorde: Das Highschool-Trio Stacey, Cassandra und Slater steht am Scheideweg, ihr letzter gemeinsame Abend soll legendär werden. Doch statt auf den üblichen Abschlussball-Kitsch fokussiert sich das Spiel auf die leisen Zwischentöne der Freundschaft. Stacy liefert dazu das Libretto: Sie durchbricht die vierte Wand und erklärt mir ihre Gabe, für jede Lebenslage den passenden Song zu finden. Ihr Traum? Als «Music Supervisor» im Big Apple die ganz grossen Regler zu bedienen. Im Gepäck hat sie ein Mixtape, dessen Komposition ich aktiv miterleben darf.

Ein Spiel wie ein Musikvideo

«Mixtape» fällt am ehesten in die Kategorie Adventure, spielt sich aber wie eine Reihe interaktiver Musikvideos. Sobald der erste Track läuft, entwickelt das Spiel einen Sog, dem ich mich nicht entziehen kann.

Das Spiel sampelt geschickt Rückblenden mit den Erlebnissen dieses schicksalshaften Abends. Jeder Moment wird mit der passenden Melodie untermalt. Die Hälfte der Songs habe ich noch nie gehört – und doch fungieren sie als 100 000-Watt-Marshall-Verstärker, der mein Herz im Takt der Neunziger rasen lässt.

Es beginnt mit einer waghalsigen, aber gefahrlosen Skateboard-Abfahrt eine Strasse hinab. Pralle ich mit einem Auto zusammen, spult das Spiel zurück wie ein Kassettengerät. Hier geht es nicht um Herausforderung, es geht um Gefühle.

Jeder Moment wird vom perfekten Track begleitet.
Jeder Moment wird vom perfekten Track begleitet.

«Mixtape» ist eine Liebeserklärung an die 90er-Jahre, auch wenn es zuweilen eher an die 80er oder gar 70er erinnert. Bist du wie ich in dieser Zeit aufgewachsen, wirst du von der Nostalgie-Welle förmlich überrollt. Das manuelle Zurückspulen mit dem Bleistift, die mühsam beschrifteten CD-Rohlinge und das Grimassenschneiden im Fotoautomaten. Das sind keine blossen Requisiten. Du spürst in jeder Zeile Code, dass die Entwickler ihre eigenen Jugenderinnerungen remastered haben.

Den ersten echten Gänsehaut-Drop liefert eine Autoszene: Das Trio rockt zu Silverchairs «Freak» ab. Auch wenn ich zum Grunge-Debüt der Australier gegriffen hätte, überträgt sich die Energie sofort. Per Tastendruck dirigiere ich die Headbang-Moves der Freunde und meine eigenen. Ebenso intensiv: Wenn Portisheads «Roads» einsetzt und die typische Melancholie eines Coming-of-Age-Dramas perfekt einfängt.

«Mixtape» zieht visuell und akustisch alle Register.
«Mixtape» zieht visuell und akustisch alle Register.

Zungenküsse des Grauens

Das Spiel ist eine perfekt kuratierte Playlist solcher Momente. Teilweise sind sie völlig abgehoben – wortwörtlich. Auf der Suche nach Alkohol, den Tracys ältere Schwester in einem verlassenen Haus im Wald versteckt hat, kommen die drei auf eine riesige Lichtung. Plötzlich erfasst mich ein Windstoss und ich tanze zu den sanften Klängen von Bertrand Dolbys «Airwalker» durch die Luft. Es symbolisiert die Unbeschwertheit der Jugend. Habe ich gerade gejauchzt oder war es Stacy? Ich fühle das Game so sehr.

In einigen Momenten lasse ich mich einfach treiben.
In einigen Momenten lasse ich mich einfach treiben.

Nicht alle Szenen in «Mixtape» sind so idyllisch. Zum Jugenddasein gehört auch der erste Kuss. An meinen eigenen kann ich mich nicht erinnern, aber diese Rückblende im Spiel werde ich nie mehr vergessen – nicht ohne therapeutische Hilfe. Ich zeige dir absichtlich kein Bild davon, damit du den Moment genauso «geniessen» kannst wie ich.

Optisch ist das Spiel ebenso brillant abgemischt wie akustisch. Der Stop-Motion-Stil der Charaktere vor einem flüssigen Hintergrund verleiht dem Ganzen den Charme eines Arthouse-Musikvideos. Die Gesichtsanimationen sind ausdrucksstark und das Spiel mit den Farben ist zauberhaft.

Wie man mit Musik und visueller Opulenz Gefühle transportiert, hat das australische Studio Beethoven and Dinosaur bereits mit «The Artful Escape» bewiesen. Im Gegensatz dazu gibt es bei «Mixtape» keine Füllertracks. Die knapp drei Stunden Spielzeit vergehen wie im Flug. Die Resonanz war bei mir so stark, dass ich – zum ersten Mal seit «Max Payne 2» vor über zwei Jahrzehnten – direkt nach dem Abspann wieder auf «Play» gedrückt habe.

Fast wie Jackass, nur ohne Beulen.
Fast wie Jackass, nur ohne Beulen.

_ «Mixtape» ist verfügbar für PC, PS5, Xbox Series X/S, Game Pass, Switch 2_

Fazit

Der perfekte Mix

Ich nehme mir nur noch selten Zeit, bewusst Musik zu hören. Ein Fehler, wie mir «Mixtape» eindrücklich vor Augen hält. Ein Spiel mit derart klarerer Vision ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. «Mixtape» zeigt, wie magisch Musik sein und welche Emotionen sie auslösen kann. Während der knapp drei Stunden dieses audiovisuellen Meisterwerks kribbelte es nonstop in meinem Bauch. Die Mischung aus Retro-Charme, einem Killer-Soundtrack und der unbändigen Energie jugendlicher Freundschaft ist hitverdächtig.

«Mixtape» nimmt dich mit auf eine wunderbare Reise, die besonders bei Millennials einen wirksamen Resonanzkörper findet. Das Spiel ist aber universell genug, um auch andere Generationen zu berühren. Am Schluss floss bei mir zwar keine Träne – aber das Spiel hallt dennoch lange nach.

Pro

  • fantastischer Soundtrack
  • drei Stunden pure Freude
  • originelle Erzählweise

Contra

  • nichts

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Als Kind durfte ich keine Konsolen haben. Erst mit dem 486er-Familien-PC eröffnete sich mir die magische Welt der Games. Entsprechend stark überkompensiere ich heute. Nur der Mangel an Zeit und Geld hält mich davon ab, jedes Spiel auszuprobieren, das es gibt und mein Regal mit seltenen Retro-Konsolen zu schmücken. 


Kritik

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