Deine Daten. Deine Wahl.

Wenn du nur das Nötigste wählst, erfassen wir mit Cookies und ähnlichen Technologien Informationen zu deinem Gerät und deinem Nutzungsverhalten auf unserer Website. Diese brauchen wir, um dir bspw. ein sicheres Login und Basisfunktionen wie den Warenkorb zu ermöglichen.

Wenn du allem zustimmst, können wir diese Daten darüber hinaus nutzen, um dir personalisierte Angebote zu zeigen, unsere Webseite zu verbessern und gezielte Werbung auf unseren und anderen Webseiten oder Apps anzuzeigen. Dazu können bestimmte Daten auch an Dritte und Werbepartner weitergegeben werden.

Luca Fontana
Hintergrund

Ricardo-Datenleck: Jetzt nutzen Betrüger WhatsApp – so schützt du dich

Luca Fontana
13.10.2026

Eine WhatsApp-Nachricht von Ricardo mit deinem Namen und deiner Adresse? Genau damit versuchen Kriminelle nach einem Ricardo-Datenleck Vertrauen zu erschleichen. Doch das ist nur eine von vielen raffinierten Maschen. So erkennst du sie.

Dein Name stimmt. Deine Adresse auch. Sogar die Telefonnummer, von der du eine WhatsApp-Nachricht erhältst, sieht schweizerisch aus. Angeblich hat Ricardo eine verdächtige Aktivität auf deinem Konto festgestellt. Du sollst nur noch auf einen Link klicken und deine Angaben bestätigen. Klingt glaubwürdig? Genau darauf setzen die Betrüger.

Wie der «Bote der Urschweiz» berichtet, sind bereits mehrere solcher WhatsApp-Nachrichten aufgetaucht. Die Absender geben sich unter anderem als «Ricardo Help Center» aus und verwenden korrekte persönliche Angaben ihrer Opfer. Der Link führt allerdings nicht zu Ricardo, sondern auf eine fremde Website, die den Auftritt der Schweizer Auktionsplattform imitiert.

Die Betrugsversuche fallen zeitlich mit einem massiven Datenleck beim Schweizer Online-Marktplatz zusammen. Am 7. Oktober entdeckte Ricardo eine Sicherheitslücke, über die Unbefugte auf Namen, Postadressen und Telefonnummern von rund 890 000 Nutzerkonten zugreifen konnten. Die Lücke ist inzwischen geschlossen. Die Betroffenen wurden per E-Mail informiert. Ob die WhatsApp-Nachrichten tatsächlich Daten aus diesem Vorfall beinhalten, ist bislang nicht nachgewiesen.

Warum die Betrugsmasche so gefährlich ist

Das Tückische daran: Die Kriminellen müssen dein Passwort zunächst nicht kennen, um deinen Account zu hacken. Schon dein Name, deine Adresse und deine Telefonnummer reichen aus, um eine Nachricht echt wirken zu lassen. Wer persönliche Angaben korrekt wiedergeben kann, erweckt schnell den Eindruck, tatsächlich von Ricardo zu stammen. Wer das nicht merkt und auf der gefälschten Webseite seine Daten eingibt, verrät unbewusst alle restlichen Zugangsdaten.

Das nennt sich «Phishing»: Kriminelle versuchen, dich mit gefälschten, aber glaubwürdig klingenden Nachrichten auf nachgebaute Websites zu locken. Dort wirst du verleitet, deine Passwörter, Kreditkartendaten oder andere sensible Informationen einzugeben. Mit den erbeuteten Angaben können die Angreifer anschliessend deine Logins übernehmen oder gar Geld abbuchen.

Ricardo warnt auf seiner offiziellen Hilfeseite auch vor weiteren Maschen mit angeblich blockierten Zahlungen, gefälschten Lieferdiensten oder Aufforderungen, eine Zahlung per QR-Code zu bestätigen.

Nicht nur Ricardo: Diese Betrugsmaschen solltest du kennen

Dass solche Betrugsversuche kein Ricardo-spezifisches Problem sind, zeigt ein Blick auf Booking.com. Wie das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) berichtet, verschaffen sich Kriminelle regelmässig Zugang zu den Konten echter Hotels und kontaktieren deren Gäste direkt über das offizielle Nachrichtensystem der Buchungsplattform. Angeblich müsse die Kreditkarte erneut bestätigt werden, sonst werde die Reservation storniert. Besonders perfide: Weil die Nachrichten tatsächlich über Booking.com kommen und sogar die Buchungsdetails stimmen, wirken sie ausgesprochen glaubwürdig.

Eine weitere Masche sind gefälschte Paketbenachrichtigungen. Angeblich konnte die Post oder ein anderer Lieferdienst ein Paket nicht zustellen, weil eine Adresse unvollständig sei oder noch eine kleine Gebühr ausstehe. Wer auf den mitgeschickten Link klickt, landet auf einer gefälschten Website, die Zahlungsdaten abgreifen soll. Teilweise gehen Kriminelle sogar noch einen Schritt weiter: Das BACS dokumentierte bereits Fälle, in denen gefälschte Abholungseinladungen mit manipulierten QR-Codes direkt im Briefkasten landeten.

Nur noch 1.33 Franken bezahlen, damit das Paket zugestellt wird? Hinter solchen vermeintlichen Lieferbenachrichtigungen steckt oft ein Phishing-Versuch.
Nur noch 1.33 Franken bezahlen, damit das Paket zugestellt wird? Hinter solchen vermeintlichen Lieferbenachrichtigungen steckt oft ein Phishing-Versuch.
Quelle: Bundesamt für Cybersicherheit (BACS)

Auch Banken werden regelmässig als Tarnung missbraucht. Dabei melden sich vermeintliche Bankangestellte telefonisch und behaupten, eine verdächtige Zahlung entdeckt zu haben. Um das Geld zu schützen, sollen die Angerufenen Sicherheitscodes weitergeben, eine Zahlung bestätigen oder Fernwartungssoftware installieren. Manchmal erscheint auf dem Display sogar die echte Telefonnummer der Bank – obwohl der Anruf von Kriminellen stammt.

Der Name von Digitec Galaxus wird ebenfalls für Betrugsversuche missbraucht. Wie mein Kollege Manuel Wenk berichtete, verschickten Kriminelle gefälschte E-Mails im Namen von Galaxus. Darin versprachen sie ein kostenloses Parfüm für die Teilnahme an einer Kundenzufriedenheitsumfrage. Wer mitmachte, landete auf einer täuschend echt nachgebauten Galaxus-Website und sollte dort seine Kreditkartendaten eingeben, um eine kleine Versandgebühr zu bezahlen. Das vermeintliche Geschenk war allerdings nur ein Köder, um an sensible Zahlungsinformationen zu gelangen.

Es gibt unzählige Varianten dieser Betrugsmaschen, doch das Prinzip bleibt gleich: Mit glaubwürdigen Geschichten und künstlich erzeugtem Zeitdruck sollen Menschen dazu gebracht werden, sensible Daten preiszugeben. Die Zeiten, in denen sich Phishing vor allem mit schlecht übersetzten E-Mails eines angeblichen nigerianischen Prinzen verband, der dir Millionen überweisen wollte, sind jedenfalls längst vorbei. Heute gehen Kriminelle wesentlich raffinierter vor – und sind entsprechend schwieriger zu durchschauen.

So schützt du dich vor den Betrügern

Die wichtigste Regel: Vertraue einer Nachricht nicht allein deshalb, weil der Absender deinen Namen oder deine Adresse kennt. Ricardo etwa empfiehlt im aktuellen Fall folgende Vorsichtsmassnahmen. Die meisten davon gelten allerdings genauso für andere Plattformen oder Online-Dienste und können dich auch vor ganz anderen Betrugsmaschen schützen:

  • Keine Links oder QR-Codes aus WhatsApp-Nachrichten öffnen: Besonders dann nicht, wenn du darüber deine Identität bestätigen oder Zahlungsdaten eingeben sollst. Öffne Ricardo stattdessen selbst im Browser oder über die App.
  • Misstraue WhatsApp- und SMS-Nachrichten: Ricardo wickelt Käufe und Verkäufe nicht über diese Kanäle ab. Auch ein vermeintlicher Kundendienst, der dich dort kontaktiert, ist deshalb verdächtig.
  • Prüfe die Internetadresse: Echte Ricardo-Seiten findest du unter «www.ricardo.ch», «login.ricardo.ch» oder «help.ricardo.ch». Eine Adresse, die bloss irgendwo den Namen «Ricardo» enthält, ist noch lange nicht echt.
  • Gib niemals Zahlungsdaten zur Auszahlung an: Um Geld aus einem Verkauf zu erhalten, musst du weder Kreditkartendaten noch deinen Twint- oder E-Banking-Zugang preisgeben. Auch SMS-Bestätigungscodes gehören nicht in fremde Hände.
  • Melde verdächtige Nachrichten: Nutze dafür das offizielle Betrugsmeldeformular von Ricardo.

Und wenn du bereits auf den Link geklickt hast?

Hast du lediglich eine verdächtige Website geöffnet, schliesse sie und gib keine Informationen ein. Falls du dort bereits dein Ricardo-Passwort eingegeben hast, ändere es umgehend über die offizielle Website. Verwendest du dasselbe Passwort anderswo, solltest du es auch dort ersetzen – und zwar durch ein anderes als bei Ricardo. Im Wissen, dass viele Menschen aus Bequemlichkeit dasselbe Passwort für mehrere Konten verwenden, probieren Kriminelle gestohlene Passwörter nämlich oft auch bei anderen Diensten aus.

Bei eingegebenen Kreditkarten-, Twint- oder E-Banking-Daten zählt dagegen jede Minute: Kontaktiere sofort deine Bank beziehungsweise deinen Zahlungsanbieter und lass die betroffenen Zugänge oder Karten bei Bedarf sperren. Hast du persönliche Dokumente hochgeladen oder bist bereits Opfer eines Betrugs geworden, empfiehlt Ricardo zusätzlich eine Anzeige bei der Polizei.

Immerhin eine gute Nachricht gibt es: Laut Ricardo wurden beim Datenleck weder Passwörter noch E-Mail-Adressen offengelegt. Allein aufgrund des Vorfalls musst du dein Passwort deshalb nicht ändern. Wachsam bleiben solltest du trotzdem. Denn die grösste Gefahr liegt jetzt nicht unbedingt in den gestohlenen Daten selbst. Viel gefährlicher ist, was Betrüger dich damit glauben lassen können.

Titelbild: Luca Fontana

1 Person gefällt dieser Artikel.


User Avatar
User Avatar

Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Kommentare

Avatar