
Skincare während der Schwangerschaft: Was ist okay? Und was nicht?
Ist Retinol während der Schwangerschaft gefährlich? Wie sicher ist Naturkosmetik für mich und mein Baby? Sind Profi-Treatments jetzt passé? Die Expertin klärt auf, worauf du mit Baby an Bord beautytechnisch achten solltest.
«Darf ich das überhaupt noch?» Wer zum ersten Mal schwanger ist, dem sitzt diese Frage im Nacken. Und zwar in so ziemlich allen Lebensbereichen. So habe ich es zumindest in meinem Freundeskreis wahrgenommen. Ernährungsgewohnheiten, sportliche Ambitionen, bewährte Hausmittel und Medikamente. Alles wird auf den Prüfstand gestellt. Auch die etablierte Skincare-Routine kommt unters Verhörlicht. Zu Recht, wie mir Frau Dr. med. Maya Wolfensperger in unserem Interview bestätigt. Sie ist Dermatologin im Stadtspital Zürich in der Europaallee und weiss, worauf werdende Mütter in Sachen Beauty achten müssen.
Auf einigen Hautpflegeprodukten steht, dass sie nicht für Schwangere geeignet sind. Was steckt dahinter?
Dr. med. Maya Wolfensperger, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie (FMH): Bestimmte Inhaltsstoffe können über die Haut in den Körper gelangen und so theoretisch das ungeborene Kind beeinflussen. Besonders kritisch sind Stoffe mit hormoneller Wirkung, unklarer Datenlage oder fruchtschädigendem Potenzial. Oft handelt es sich bei den Empfehlungen auch um Vorsichtsmassnahmen, weil Studien zur genauen Untersuchung der Produkte an Schwangeren aus ethischen Gründen nicht machbar sind.
Fruchtschädigend klingt ernst.
Der Begriff «fruchtschädigend» – in medizinischem Fachjargon teratogen genannt – beschreibt Stoffe oder Einflüsse, die die Entwicklung eines ungeborenen Kindes im Mutterleib stören können.
Bei welchen Wirkstoffen sollten Schwangere Vorsicht walten lassen?
Klar gemieden werden sollten Retinoide (Vitamin-A-Präparate), hochdosierte Salicylsäure, Hydrochinon und bestimmte ätherische Öle, weil sie wehenfördernd wirken können – zum Beispiel Rosmarin- oder Salbeiöl. Es gibt aber noch mehr. Am besten sprechen werdende Eltern die Hebamme oder die Frauenärztin oder den Frauenarzt darauf an. Weitere Informationen zur Verträglichkeit von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit findest du auf Embryotox, einer Webseite der Charité Berlin.
Von Hydrochinon höre ich zum ersten Mal. Worin kommt es vor?
Hydrochinon ist ein Wirkstoff, der häufig in Cremes zur Hautaufhellung benutzt wird. Da es in der Schwangerschaft teilweise zu Pigmentstörungen kommen kann, könnte es sein, dass schwangere Frauen diese anwenden möchten.
Ist die Haut denn während der Schwangerschaft lichtempfindlicher?
Ja. Deshalb besteht ein höheres Risiko für Pigmentflecken. Solche Hyperpigmentierungen (Melasma) können im Gesicht, am Bauch und an den Mamillen (Brustwarzen) auftreten, sind jedoch harmlos. Wer dazu neigt, sollte täglich und konsequent auf einen guten Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50 setzen. Mineralische Filter werden in diesem Kontext oft bevorzugt, sind aber nicht zwingend notwendig. Bereits entstandene Hyperpigmentierungen lassen sich mit einer Azelainsäure-Creme behandeln. Die wird auch gerne bei Schwangerschaftsakne eingesetzt.
Schwangerschaftsakne?
Die Schwangerschaftsakne ist ein weiteres Hautproblem, das häufig auftaucht. Grund dafür ist ein erhöhter Androgenspiegel. Also ein Anstieg von männlichen Geschlechtshormonen. Auch hier hilft eine Azelainsäure- oder eine Benzoylperoxid-Creme. Beide können während einer Schwangerschaft bedenkenlos angewendet werden.
Scheint, als mache die Haut dabei eine deutliche Veränderung durch ...
Definitiv. Die Ursache dafür ist die Hormonumstellung. Typische Veränderungen sind – je nach Mensch und Hauttyp – eine stärkere Talgproduktion der Haut, erhöhte Durchblutung, eine trockenere und empfindlichere Haut. Es gibt aber noch viele mehr.
Thema Treatments beim Profi: Darf man während einer Schwangerschaft weiterhin zum Microneedling, zur Laserbehandlung oder sich chemische Peelings machen lassen?
Davon rate ich klar ab, weil in dieser Zeit ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht und die Haut sensibler ist.
Weshalb besteht denn während einer Schwangerschaft ein erhöhtes Infektionsrisiko?
Da das Kind genetisch zur Hälfte vom Vater stammt, könnte das Immunsystem es theoretisch als «fremd» erkennen. Deshalb dämpft oder verändert der Körper bestimmte Immunreaktionen gezielt, damit das ungeborene Kind nicht abgestossen wird. Die Anpassungen betreffen vor allem die Balance des Immunsystems. Einige Abwehrmechanismen sind dann weniger stark ausgeprägt, sodass Schwangere für bestimmte Infektionen anfälliger sind oder schwerere Krankheitsverläufe entwickeln können.

Welche Pflegemassnahmen sind hinsichtlich Dehnungsstreifen sinnvoll?
Dehnungsstreifen entstehen meist bei starker Gewichtszunahme. Ob welche entstehen, hängt zudem auch von einer genetischen Komponente ab. Eine regelmässige, barrierestärkende Pflege mit rückfettenden Ölen oder Cremes kann hier etwas vorbeugen. Sie wirkt auch Trockenheit und Juckreiz entgegen, an denen viele schwangere Frauen leiden.
Gelten Naturkosmetik-zertifizierte Produkte automatisch als sicherer?
«Natürlich» ist nicht automatisch sicher. Naturstoffe können Allergien hervorrufen oder teilweise auch hormonell wirksam sein. Entscheidend ist der einzelne Inhaltsstoff, nicht das Label.
Gibt es bei den Schminksachen auch No-Gos?
Ich würde empfehlen, nicht-komedogene Make-up-Produkte zu verwenden. Sie sind gut verträglich für die Haut und reduzieren das Akne-Risiko.
In Gesprächen mit einer Freundin kamen auch Themen wie Deo, Handseife, Shampoo und Spülung, Parfüm und Bodysprays auf. Sollten Frauen in der Hinsicht auch etwas vermeiden oder auf eine spezifische Empfehlung achten?
Hier gibt es keine strengen Verbote. Empfohlen sind stets milde, reizfreie Produkte. Bei Parfüm gilt: vorsichtig bei empfindlicher Haut.
Gelten für die Stillzeit eigentlich dieselben Skincare-Regeln wie während der Schwangerschaft?
Sie sind ähnlich, aber etwas lockerer.
Inwiefern?
Der Unterschied liegt vor allem darin, wie die Stoffe zum Kind gelangen können: In der Schwangerschaft erfolgt die direkte Versorgung über die Plazenta. Während der Stillzeit geschieht dies über die Muttermilch, oft in geringeren Mengen und substanzabhängig. Ätherische Öle und kosmetische Cremes können dann eher angewendet werden, die Brusthaut mal ausgenommen. Vorsicht ist hier also vor allem bei Produkten geboten, die mit dem Baby in Kontakt kommen könnten.
Gibt es Apps oder Plattformen, auf denen sich Mütter weiter informieren können?
Ich persönlich finde Swissmom.ch eine gute und informative Seite. Dort findest du alles, was du rund um die Schwangerschaft und Geburt wissen solltest.
Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.
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