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News & Trends

Wegen KI: Nikon disqualifiziert Wettbewerbsgewinner

David Lee
12.10.2026

In einem Wettbewerb für Mikroskop-Videoaufnahmen wurde der ursprüngliche Gewinner wegen KI-Verwendung disqualifiziert. Solche Fälle dürften in Zukunft noch häufiger auf uns zukommen.

Nikon baut nicht nur Kameras, sondern auch Mikroskope. Unter dem Namen «Small World» führt der Traditionshersteller schon seit 1975 einen Wettbewerb für Mikroskop-Aufnahmen durch. Auf der Webseite siehst du die besten 20 Fotos für jedes Jahr, also insgesamt 1000 Aufnahmen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, insbesondere wenn du es gerne bunt magst.

Gewinner 2019: Schildkrötenembryo
Gewinner 2019: Schildkrötenembryo
Quelle: Theresa Zgoda, Theresa Kugler
Gewinner 2017: Hautzellen
Gewinner 2017: Hautzellen
Quelle: Dr. Bram van den Broek Andriy Volkov, Dr. Kees Jalink, Dr. Reinhard Windoffer, Dr. Nicole Schwarz
2. Platz 2003: Myrianida pachycera (im Meer lebender Wurm)
2. Platz 2003: Myrianida pachycera (im Meer lebender Wurm)
Quelle: Dr. Greg Rouse
Sieger 1990: Kristalle aus einer Lösung von Magnesiumsulfat und Weinsäure
Sieger 1990: Kristalle aus einer Lösung von Magnesiumsulfat und Weinsäure
Quelle: Richard H. Lee
Sieger 1975: Oxalsäurekristalle
Sieger 1975: Oxalsäurekristalle
Quelle: James Dvorak

Seit 2011 gibt es neben dem Fotowettbewerb auch eine Video-Competition. Diese gerät nun in die Schlagzeilen, weil der Gewinner nachträglich disqualifiziert wurde. Das ursprüngliche Siegervideo zeigt angeblich die Flimmerhärchen bei einer seltenen Atemwegserkrankung namens PCB. Wie die BBC berichtet, haben sich nach der Bekanntgabe Wissenschaftler an Nikon gewendet mit dem Hinweis, das Video sehe überhaupt nicht aus wie die Flimmerhärchen bei dieser Krankheit. In einer Neubewertung ist Nikon zum Schluss gekommen, dass das Video mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurde, was laut Wettbewerbsbedingungen verboten ist.

Als neuer Gewinner rückt die ehemalige Nummer zwei des Wettbewerbs nach. Es zeigt eine Szene mit einem Fadenwurm und einem Dileptus-Einzeller. Aufgezeichnet hat sie der Vietnamese Nguyen Nam.

Sind Foto- und Videowettbewerbe in Gefahr?

Schon vor der KI-Revolution waren Fotowettbewerbe anfällig für Betrügereien. Zum Beispiel gewann 2023 ein gestelltes Foto den CEWE Photo Award und damit ein Preisgeld von 25 000 Euro. Es zeigt angeblich eine Szene in einem indonesischen Café, tatsächlich aber war es eine Studio-Szene, die im Rahmen einer Fujifilm-Promotion zur damals neuen Kamera X-T5 stattfand. Der Gewinner des Wettbewerbs fotografierte wie alle Teilnehmer dieses Events die gleiche, von A bis Z gestellte Szene.

Das Siegerbild zeigt nicht das, was behauptet wurde.
Das Siegerbild zeigt nicht das, was behauptet wurde.
Quelle: Dikye Ariani

Mit den neuen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz werden Betrugsversuche weiter zunehmen. Der Mikroskop-Wettbewerb dürfte besonders anfällig dafür sein, da auch die echten Bilder teilweise wie abstrakte Kunst aussehen. Ohne spezifische Fachkenntnisse ist kaum einzuschätzen, ob ein solches Bild echt aussieht.

In den Medien ist in letzter Zeit häufig von KI-Detektoren die Rede. Doch diese Tools können KI-Betrügereien nicht entlarven. In der Regel funktionieren sie so, dass sie einen fälschungssicheren Herkunftsnachweis in die Datei schreiben. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel belegen, dass ein Foto mit einer bestimmten Kamera aufgenommen wurde – oder auch, dass es mit einem bestimmten KI-Werkzeug erstellt wurde. In jedem Fall braucht es dafür aber einen User, der dies dokumentieren will oder es zumindest nicht aktiv verhindert. Das ist zwar auch etwas wert, es fördert die Transparenz. Aber es ist nicht das Mittel gegen Betrug.

In Zukunft wird es vielleicht möglich sein, durch eine solche Dokumentation lückenlos echte Arbeit zu belegen. Momentan sind die Tools aber noch zu schwer zugänglich, als dass sie von Kreativwettbewerben als Teilnahmebedingung verlangt werden könnten.

Insofern: Ja, Fotowettbewerbe sind in Gefahr. Und mit ihnen aussergewöhnliche fotografische Leistungen generell.

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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