Deine Daten. Deine Wahl.

Wenn du nur das Nötigste wählst, erfassen wir mit Cookies und ähnlichen Technologien Informationen zu deinem Gerät und deinem Nutzungsverhalten auf unserer Website. Diese brauchen wir, um dir bspw. ein sicheres Login und Basisfunktionen wie den Warenkorb zu ermöglichen.

Wenn du allem zustimmst, können wir diese Daten darüber hinaus nutzen, um dir personalisierte Angebote zu zeigen, unsere Webseite zu verbessern und gezielte Werbung auf unseren und anderen Webseiten oder Apps anzuzeigen. Dazu können bestimmte Daten auch an Dritte und Werbepartner weitergegeben werden.

Hintergrund

Wie ein Schweizer Start-Up den Fräsmaschinen-Markt aufmischt

Kevin Hofer
21.8.2026
Bilder: Kevin Hofer

Vor zwei Jahren hat Kevin Buck mit der Kubus Pro seinen Traum von der eigenen CNC-Fräse verwirklicht. Heute baut er ganze Maschinenserien. Ein erneuter Besuch zeigt, wie aus einem Ein-Mann-Betrieb in kurzer Zeit ein rasant wachsendes Unternehmen wurde.

Als ich Kevin Buck vor gut zwei Jahren das letzte Mal besuchte, sass er alleine im hinteren Teil eines Sanitärlagers im Aargau. Auf 80 Quadratmetern war er damals umgeben von den ersten Prototypen seiner Kubus Pro. Einer computergesteuerten Werkzeugmaschine, die Material automatisch und mit hoher Präzision abträgt (CNC-Fräse).

Nachdem wir damals abgemacht haben, dass ich ihn in zwei Jahren wieder besuche, empfängt er mich heute am neuen Standort in Teufenthal AG: 400 Quadratmeter, ein durchgehender Raum ohne Wände und Türen, ebenerdig mit direktem Zugang für Lastwagen. «Wir sind hier schon wieder an die Grenzen gestossen», sagt er und deutet auf die frisch aufgebauten Palettenregale, die bis unter die Decke reichen. «Kaum sind Maschinen abgeholt, trudelt schon wieder neues Material ein.»

Zwischen unserem ersten und diesem zweiten Treffen liegt einiges: ein neuer Firmenname, ein komplett neu entwickeltes Maschinensortiment und ein Team, das von einer Person auf bald sechs angewachsen ist.

Die Räumlichkeiten von Richner Precision in Teufenthal bieten deutlich mehr Platz für die neuen Angestellten.
Die Räumlichkeiten von Richner Precision in Teufenthal bieten deutlich mehr Platz für die neuen Angestellten.

Ein neuer Name für mehr Schweiz

Die auffälligste Veränderung ist der Firmenname. Aus Neno-CNC wurde Richner Precision. «Neno-CNC war ein aus der Luft gegriffener Name. Ich wollte etwas, das mehr Bezug zur Schweiz hat», erklärt Kevin. Der Name Richner geht auf den ursprünglichen Namen seines Vaters zurück. Er wurde adoptiert und übernahm dann den Namen des Adoptivvaters. «Wenn jemand sagt, er habe eine Richner-Maschine, klingt das gleich nach einer Schweizer Maschine», sagt Kevin und schmunzelt.

Mit dem neuen Namen kam auch ein komplett neu aufgebautes Sortiment. Nach 80 Quadratmetern zu Beginn und einer ersten Erweiterung auf 180 Quadratmeter platzte auch diese bald aus allen Nähten. Der Umzug nach Teufenthal war die logische Folge.

Der neue Standort in Teufenthal von draussen.
Der neue Standort in Teufenthal von draussen.
Quelle: Kevin Buck

Von der Kubus Pro zur BLOQ-Serie

Die Basis für das rasante Wachstum war die Kubus Pro. Mit ihr war Kevin zwar nicht unzufrieden, ihr Design habe sich jedoch als zu kompliziert herausgestellt. «Sie besteht aus zu vielen Teilen, die korrekt zusammengebaut werden müssen.» Der Zusammenbau einer einzigen Kubus Pro dauert rund 40 Stunden.

Aus dem Wunsch, seine eigene Maschine schneller zu bauen, entstand die Idee, einen Grossteil der Maschine inklusive Rahmen, Gehäuse und Spänefang in einem einzigen monolithischen Eisengussteil zu vereinen. Er nennt das Castolith. Diesen setzt Kevin heute bei seiner BLOQ-Serie ein, was die Aufbauzeit deutlich verkürzt. Der durchgehende Gusskörper verleiht der Maschine auch enorm viel Stabilität, wodurch das Fräsen von Stahl zum Kinderspiel wird.

Die BLOQ-Serie basiert auf einem durchgehenden Gusskörper – dem sogenannten Castolith.
Die BLOQ-Serie basiert auf einem durchgehenden Gusskörper – dem sogenannten Castolith.

Mit den kompakten Stahlfräsmaschinen der BLOQ-Serie hat Kevin eine Lücke besetzt: «Es gibt ansonsten keine derart günstigen und kompakten Stahlfräsmaschinen auf dem Markt. Alternativen sind riesig und sehr teuer.» Die BLOQ 4 gibt’s bereits ab 7000, die BLOQ 5 ab 9500 Franken. Bei der Konkurrenz zahle man ein x-Faches.

Mit der RUIX, einer CNC-Portalfräsmaschine für grossformatige Holz- und Kunststoffbearbeitungen, und der preisoptimierten RUIX Core, deckt Richner Precision auch den Maker- und Einsteiger-Markt ab. In den kommenden Wochen kommt zudem eine CNC-Drehbank, die TORQ8, für die es in Europa aktuell kein vergleichbares Angebot gibt. In ein paar Monaten soll die ebenfalls konkurrenzlose Spritzgussmaschine IM3X folgen.

Kevin begutachtet die CNC-Drehbank.
Kevin begutachtet die CNC-Drehbank.

Wachstum mit Ansage

Zu Beginn stemmte Kevin alles allein – oft ohne sich selbst einen Lohn auszuzahlen. «Ich habe ein bis zwei Jahre lang meine ganzen Ersparnisse aufgebraucht, um mir das hier zu verwirklichen», sagt Kevin und zeigt nochmal voller Stolz seinen neuen Standort. Der erste Angestellte, ein Verwandter auf Stellensuche, kam erst vor rund einem Jahr dazu. Heute ist das Team auf vier Personen angewachsen, ab September werden es sechs sein.

Getrieben wird das Wachstum von der Nachfrage: «Bei den neuen Maschinen schaffe ich es meistens gerade so, sie fertig zu konstruieren, bevor sie schon verkauft sind». Eine Maschine habe er sogar verkauft, bevor sie überhaupt existierte – weil es schlicht keine Alternative auf dem Markt gibt. Sein Ziel ist ambitioniert: In drei bis fünf Jahren will er auf rund 20 Mitarbeitende kommen, in zehn Jahren auf 40 bis 50. «Die Firma soll grösser werden.»

Der Platz in Teufenthal wird entsprechend schon wieder knapp. Rund 30 bis 40 Tonnen Material und Maschinen lagern mittlerweile in der Halle, weshalb Kevin gerade mit Palettenregalen in die Höhe baut. Wegziehen will er trotzdem nicht: «Das Gebäude ist perfekt. Ich möchte in den nächsten fünf Jahren gerne das ganze Gebäude übernehmen», im oberen Stockwerk gibt es nochmal die gleiche Fläche.

Fertige BLOQ-Maschinen warten auf ihre Abholung.
Fertige BLOQ-Maschinen warten auf ihre Abholung.

Von der aktuellen Verteuerung bei Elektronikkomponenten lässt sich Kevin wenig beeindrucken. Die verbauten Raspberry-Module seien zwar etwas teurer geworden, ebenso bestückte Leiterplatten aus dem Zukauf, insgesamt mache das aber nur einen kleinen Betrag pro Maschine aus. Weitergegeben an die Kunden hat er die Mehrkosten bislang nicht. Sein Rezept bleibt dasselbe: In einem bestehenden Markt entweder günstiger sein oder mehr fürs gleiche Geld bieten – im Idealfall beides zugleich.

Der Sprung in die Profiliga

Während die BLOQ-Serie bereits ein voller Erfolg ist, arbeitet Kevin an einem noch grösseren Schritt: professionellen VMC-Fräsmaschinen mit Steuerungen von Heidenhain. Die 5-achsige XM5 soll bei rund 70 000 Franken beginnen, mit Heidenhain-TNC-7-Basic-Steuerung. Heidenhain-Steuerungen sind so etwas wie der Gold-Standard im Fräs-Business und kommen in der Regel nur in deutlich teureren Maschinen zum Einsatz.

Die Heidenhain-Steuerung ist schon da, aber noch nicht montiert.
Die Heidenhain-Steuerung ist schon da, aber noch nicht montiert.

Direkt im Anschluss soll die XM12 folgen, eine Maschine auf Mineralguss-Basis, ebenfalls mit TNC-7-Basic-Steuerung, aber mit 24-fach-Werkzeugwechsler. Sie ist als kompaktes Bearbeitungszentrum für die anspruchsvolle Metallbearbeitung konzipiert und eignet sich insbesondere für Einzelteile, Kleinserien sowie den Werkzeug- und Formenbau. Auf sie ist Kevin besonders stolz. Ein Muster, das sich bei ihm ständig wiederholt: Kaum ist eine Maschine in Serie gegangen, hat er in der Konstruktion meist schon wieder dazugelernt und würde manches anders lösen.

Kevins neueste Maschine, die XM12, gibt es erst als Render-Bild.
Kevins neueste Maschine, die XM12, gibt es erst als Render-Bild.
Quelle: Kevin Buck

«Von aussen betrachtet wirkt der Markt für CNC-Fräsmaschinen komplett übersättigt – und das stimmt auch, wenn man ihn weltweit betrachtet», sagt Kevin. «Aber wenn man Europa und die Schweiz anschaut, ist der Markt der Hersteller, die wirklich selbst Maschinen bauen, nur im teuren Segment gesättigt.» Wer heute unter 100 000 Franken eine Fräsmaschine sucht, lande meist bei importierten und angepassten Maschinen aus China, Korea oder den USA. Genau diese Lücke will Kevin schliessen. Seine Maschinen sollen preislich mit bekannten, günstigen Marken mithalten, technisch aber deutlich mehr bieten: Heidenhain-Steuerungen, eine massive und steife Maschinenkonstruktion sowie durchgehend Markenkomponenten von Festo, Phoenix Contact oder Siemens.

Möglich wird das laut Kevin vor allem durch den Direktvertrieb. «In diesem Preisbereich kommt die Konkurrenz fast ausschliesslich aus dem Ausland. Diese Maschinen werden in der Schweiz und Europa meist über Zwischenhändler vertrieben, was den Endpreis entsprechend erhöht. Wir verkaufen dagegen direkt an unsere Kunden.»

Zwischen Leidenschaft und Frust

Das Wachstum hat für Kevin auch Schattenseiten. «Ich hasse alles, was mit Papierkram zu tun hat.» Lohnausweise, HR-Arbeit, Buchhaltung oder Anleitungen schreiben – das erledigt er derzeit noch alles selbst. Seine bisherigen Angestellten sind allesamt Mechaniker, beim nächsten Wachstumsschritt braucht er unbedingt jemanden für Administratives.

Kevin kümmert sich lieber um das Design seiner Maschinen als um Administratives.
Kevin kümmert sich lieber um das Design seiner Maschinen als um Administratives.

Dazu kommt ein hausgemachtes Problem: Bislang setzt Kevin fast jeden Sonderwunsch um, den ihm Kunden herantragen. Das kostet Zeit und Übersicht. Aus einer versprochenen Lieferzeit von zwei Monaten werden so schon mal drei oder vier. Trotzdem sagt er kaum je nein, weil jeder Sonderwunsch auch ein zusätzlicher Verkauf ist. Andere Hersteller, die Ähnliches bauen, setzen auf wenige Modelle, ein überschaubares Zubehörsortiment und entsprechend hohe Stückzahlen. Bei Richner Precision ist das Angebot dagegen über die Jahre immer breiter und individueller geworden. Diese Komplexität will Kevin künftig bewusst reduzieren.

Bei Richner Precision werden Maschinen auf Wunsch angepasst. Hier eine BLOQ4 Mikron mit Nullpunktspannsystem und Werkzeugwechsler.
Bei Richner Precision werden Maschinen auf Wunsch angepasst. Hier eine BLOQ4 Mikron mit Nullpunktspannsystem und Werkzeugwechsler.

Am liebsten ist er immer noch kreativ tätig. «Alles, was ich in Fusion 360 mache, macht mir Spass», sagt er. Auch das Design der hauseigenen Steuerungsplatinen begeistert ihn nach wie vor. Als er einmal versuchte, für eine simple Funktion eine fertige chinesische Platine zu verwenden, brachte er es nicht übers Herz, sie einzusetzen: «Es fühlte sich einfach zu billig an.» Also entwickelte er kurzerhand seine eigene.

Das Ganze hat auch seinen Preis: Kevin arbeitet rund zehn Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. «Dank der Zeit beim Konstruieren fühlt es sich aber immer mal wieder wie Freizeit an.»

Für Kevin bleibt die Konstruktion neuer Maschinen der Teil der Arbeit, der ihm am meisten Freude bereitet.
Für Kevin bleibt die Konstruktion neuer Maschinen der Teil der Arbeit, der ihm am meisten Freude bereitet.

Schweizer Wurzeln trotz China-Teilen

Am Bezug zur Schweiz hält Kevin trotz des Wachstums fest. Design und Konstruktion finden komplett in der Schweiz statt, ebenso der Zusammenbau, die Feinjustierung und die Endabnahme jeder Maschine. Rohteile wie Gussteile oder gefräste Komponenten lässt er dagegen aktuell in China fertigen. «Wir haben es mit Schweizer und europäischer Fertigung versucht, aber die Preise waren viel höher, ohne dass die Qualität entsprechend besser gewesen wäre.»

Auf ein «Swiss Made» auf seinen Maschinen verzichtet Kevin deshalb bewusst. Gerade bei den Profimaschinen stammt ein erheblicher Teil der Komponenten aus dem Ausland. Allein die Heidenhain-Steuerung aus Deutschland macht einen beträchtlichen Teil der Kosten aus. Stattdessen will Kevin mit «Designed and Built in Switzerland» hervorheben, dass Entwicklung, Konstruktion und Aufbau der Maschinen in der Schweiz stattfinden. «Ich bin nach wie vor sehr stolz darauf, wie unsere Maschinen entstehen.»

Die Maschinen sind alle von Kevin designt.
Die Maschinen sind alle von Kevin designt.

Firma, Frau, Tochter

Gewachsen ist in den letzten zwei Jahren nicht nur die Firma, sondern auch Kevins Familie. Seine Frau ist mittlerweile Vollzeithausfrau, und auch seine in der Nähe wohnende Mutter unterstützt sie bei der Betreuung der zweieinhalbjährigen Tochter. Trotz der vielen Arbeit bleibt viel gemeinsame Zeit für die Familie. «Unsere Tochter ist ein kleiner Nachtmensch und geht meistens ziemlich spät schlafen. Dadurch haben wir abends immer noch viel Zeit miteinander», sagt Kevin. Zeit für sich selbst bleibe ihm zwar kaum noch, doch die Unterstützung im familiären Umfeld mache vieles möglich: «Support von meiner Frau, Support von meiner Mutter – dafür bin ich sehr dankbar.»

Der Plan für die nächsten zehn Jahre

Auf die Frage, wie innovativ sich der Markt für Fräsmaschinen in den letzten Jahren entwickelt hat, zeigt sich Kevin zurückhaltend. Viele Neuerungen sieht er vor allem im Design, während für ihn die technische Integration entscheidend ist. Seine Stärke sieht er darin, Maschine, Software, Steuerung, Mechanik und Elektronik als Gesamtsystem zu entwickeln. Gerade bei der BLOQ-Serie sei das ein entscheidender Vorteil: «Eine Maschine wie diese lässt sich nur so konsequent umsetzen, wenn die einzelnen Komponenten von Anfang an gemeinsam entwickelt werden.»

Mit seinen Angestellten will Kevin in die Zukunft starten.
Mit seinen Angestellten will Kevin in die Zukunft starten.

Genau darauf baut sein Plan für die kommenden Jahre auf: eine Firma, die vom 2500-Franken-Einsteigermodell bis zur 100 000-Franken-Profimaschine alles selbst entwickelt und baut: «Der Plan ist, dass die Firma weiter wächst und zu einer echten Konkurrenz für die etablierten Anbieter wird», sagt Kevin zum Abschied. Ob ihm das gelingt, wird sich zeigen – ein Wiedersehen in zwei Jahren ist bereits vereinbart.

28 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

8 Kommentare

Avatar
later