
Zwei Hebel, klare Ansage: Der Yaasa Chair Plus im Test
Dieser Stuhl bietet auf dem Papier richtig viel: verstellbare Sitzfläche, Kopfstütze, Synchronmechanik, Lordosenstütze und verstellbare Armlehnen. Bewährt sich der Bürostuhl des österreichisch-schweizerischen Unternehmens Yaasa auch im Test?
Mit dem Chair Plus wagt sich Yaasa in die Todeszone des Marktes für Bürostühle. Knapp 300 Franken kostet das vor ein paar Wochen neu vorgestellte Modell. Das spricht die Käufer von Topstar- oder Songmics-Stühlen nicht mehr an. Dort gibt es bereits für um die 100 Franken Sitzgelegenheiten. Wer auf Qualität und Langlebigkeit achtet, ist dagegen bereit, auch 500 Franken oder mehr zu investieren. Etablierte Marken wie Hag oder Giroflex sind hier unterwegs.
Ich habe für Galaxus bereits eine Reihe von Bürostühlen getestet – der günstigste kostete 250 Franken, der teuerste über 1000 Franken. Aktuell sitze ich sehr zufrieden auf einem Modell von Ofinto (hier mein Testbericht). Den Chair Plus von Yaasa gibt’s für 150 Franken weniger. Spüre ich das im Test?
Yaasa lässt’s drauf ankommen. Die Firma schickt mir einen Stuhl zum Ausprobieren. Als Tester habe ich keine Vorgaben, Yaasa redet mir auch nicht rein, wie und was ich teste und hier berichte. Das gilt grundsätzlich für alle Testberichte im Magazin.
Aufbau und Montage
Der Test findet in unserem Grossraumbüro in Zürich statt. An einem Freitag öffne ich den Karton. Alle Einzelteile sind in Folie oder Karton verpackt und gut geschützt. Meine Auslegeordnung zeigt: harter Kunststoff dominiert. Aus Metall ist nur die Mechanik. Und die Schrauben. Es sind 15 Stück, dazu kommen 13 Unterlegscheiben und sieben Federringe. Alles ist auf einem Stück Karton in Folie geschweisst. Zwei Innensechskantschlüssel gehören auch zum Set. So kann ich die Montage in Angriff nehmen, ohne noch extra Werkzeug zu organisieren.

Als einigermassen geübter Stuhl-Aufbauer brauche ich gut 20 Minuten, als Anfänger planst du 30 bis 45 Minuten ein – je nach Geschick. Am meisten Zeit verliere ich bei zwei Schrauben, die die Sitzfläche und die Mechanik verbinden. Sie sind mit dem Werkzeug nicht gut zu erreichen und ich habe Mühe, sie festzuziehen. Da hätte mir mein Schlüsselsatz mit Griffen geholfen. Es ist jetzt so fest, wie es eben geht. Das kleine Popeye-Arm-Symbol auf der Anleitung hat mich inspiriert, alles zu geben.
Die Schrauben greifen gut und sitzen satt im Gewinde. Es bleibt auch kein Teil übrig, was immer irgendwie beruhigend ist. Viele Lego-Technic-Sets sind anspruchsvoller beim Aufbau. Das einzig Gefährliche beim Yaasa-Stuhl ist, dass ich die linke und die rechte Armlehne verwechsle.
Die Armlehnen werden fix am Sitzträger angeschraubt. Ich kann mich entscheiden, wie eng oder wie weit ich sie befestige. Ich entscheide mich für die Position, in der sie am weitesten auseinander sind und ziehe die drei Schrauben an. Will ich es später doch noch enger haben, muss ich wieder zum Sechskant greifen. Bei teuren Stühlen ist die Verstellung in der Weite oft über einen Hebel oder Drehknopf ohne Werkzeug möglich.

Auch die Kopfstütze wird mit zwei Schrauben an der Oberkante der Lehne befestigt. Sie ist auf einer Kunststoffschiene in der Höhe verstellbar.
Material und Verarbeitung
Beim Auspacken war ich noch skeptisch, aber nachdem der Stuhl steht und ich mit den Händen übers Material gleite, bin ich positiv überrascht. Die Oberflächen fühlen sich besser an als es der Name des Materials – Polyurethan – vermuten lässt. Es gibt keine spürbaren Grate, die beim Kunststoffguss oft übrig bleiben. Die Auflagefläche der Armlehne gibt sogar leicht nach, wenn ich mit dem Finger hineindrücke. So liegen meine Unterarme auch bei längerer Nutzung bequem.
Ich bin Fan von Netzrücken. Der beim Chair Plus ist zwar optisch gepflegte Langeweile, weil er kaum ein Muster erkennen lässt. Aber er tut, was er soll, wenn ich mich anlehne. Er hält meinen Rücken und lässt Luft durch. Mir gefällt der Grad, mit dem er leicht nachgibt, nicht zu fest, aber auch nicht zu weich.

Das Sitzpolster ist ein einfacher Formschaumstoff mit einem Überzug aus Polyesterstoff. Nach nur ein paar Wochen ist schwer zu sagen, wie lange der Schaumstoff in Form bleibt. Yaasa gibt zwar grundsätzlich eine Garantie von fünf Jahren, aber die Polsterung ist davon explizit ausgeschlossen. Hier geben übrigens auch Hersteller aus dem Premium-Segment praktisch nie eine Garantie.

Der Bezug immerhin ist mit 50 000 Scheuertouren solide. Von Hag oder Giroflex gibt es zwar Stoffe mit einem Martindale-Wert von 100 000, teils sogar bis 200 000, die kosten aber auch ein Vielfaches. Billig-Anbieter machen in der Regel keine Angabe zum Martindale-Wert.
Etwas sparsam ist Yaasa bei der Gasdruckfeder. Der Chair Plus hat eine Klasse-3-Version, 4 ist die beste. Je höher die Klasse, desto dicker ist die Wandstärke des Metallrohrs. Yaasa bereitet gerade ein Upgrade auf die Klasse-4-Feder vor, wie mir die Firma auf Anfrage mitteilt. Die aktuell verbaute Feder erlaubt einen Hub von zwölf Zentimetern, die Sitzhöhe liegt damit zwischen 44,5 und 56,5 Zentimetern. Die Mindesthöhe ist eher hoch, Menschen unter 1,70 Meter sitzen womöglich mit baumelnden Füssen.
Auf unserer Bürofläche gibt es Stühle von Giroflex und König und Neurath. Den Unterschied zwischen diesen Stühlen mit 4er-Gasdruckfeder und der 3er-Feder von Yaasa bemerkt kein Kollege und keine Kollegin. Kein Wunder, hier geht es auch eher um die Haltbarkeit sowie um die Sicherheit. Deshalb weisen manche Bürostuhl-Hersteller aus, dass die Gasfedern in ihren Produkten TÜV-, GS- oder LGA-Zertifikate nach EN 16955 haben. Solche Federn kosten dann beim Lieferanten in der Regel ein paar Franken mehr als unzertifizierte. Yaasa weist für die Feder selbst keine Zertifizierung aus, wohl aber erfüllt der Stuhl als Ganzes die EN 1335-2:2018. Sie legt fest, was ein Bürostuhl bei rund acht Stunden täglicher Nutzung aushalten muss.
Sie bescheinigt, dass der Stuhl die Belastungen von täglich acht Stunden im Büro aushält.
Komfort und Bedienung
Für diesen Testbericht habe ich mich nicht nur selbst auf den Stuhl gesetzt, sondern eine Handvoll Kolleginnen und Kollegen im Grossraumbüro genötigt eingeladen, auch einen oder mehrere Tage auf dem Chair Plus zu verbringen.
Die Eindrücke zum Sitzkomfort sind alle ähnlich und grundsätzlich positiv. Die Polsterung empfinden alle als angenehm. Die Sitzfläche lässt sich horizontal um vier Zentimeter verschieben. Damit ist der Yaasa-Stuhl für Menschen verschiedener Körpergrössen bequem, weil die Oberschenkel ausreichend Auflagefläche bekommen.

Lob gibt es ausserdem für die Lordosenstütze. Sie ist in der Höhe verstellbar. Über einen Drehknopf kann ich die Tiefe anpassen, also festlegen, wie stark sie meine Wirbelsäule stützt. Angenehm ist die Polsterung, ich spüre keine Kanten, wie bei anderen Modellen, wo die Lordosenstütze manchmal nur ein Stück harter Kunststoff ist.

Ein echtes Highlight am Chair Plus sind die Hebel unter der Sitzfläche. Es gibt nur zwei von ihnen, womit ich die Bedienung schneller lerne als bei mehrhebeligen anderen Stühlen. Und – tadah! – Yaasa hat die Hebel zusätzlich mit Symbolen bedruckt. Sie zeigen, was passiert, wenn ich drücke, ziehe oder schiebe. Das macht den Stuhl zum Beispiel für Büros interessant, in denen immer wieder mal andere Menschen auf den Stühlen sitzen.

Die Kopfstütze gibt es ohne Aufpreis. Sie ist in Höhe und Tiefe verstellbar. Ich kann sie zwar abschrauben, aber nicht einfach aus der Schiene ziehen, wenn sie gerade stört. Und das tut sie manchmal, denn mit meinen 1,91 Meter Körpergrösse stossen beim aufrechten Sitzen meine Schultern an. Erst wenn ich mich etwas nach hinten lehne, habe ich wieder ausreichend Platz für meinen langen Rücken. Andere, kleinere Testerinnen und Tester haben das Problem nicht. Sie loben die Kopfstütze als «chefmässig» oder kritisieren sie als störend, weil die Haarklammer daran anstösst.


Gemacht fürs «aktive Sitzen»
Langes Sitzen ist nicht unbedingt gesund. Deshalb sollte dir dein Bürostuhl helfen, das Beste draus zu machen. Statt stundenlang in gleicher Haltung zu verharren, soll Bewegung in die Sache kommen. Dafür gibt es beim Chair Plus die Synchronmechanik, bei der sich Sitz und Lehne beim Zurücklehnen gekoppelt bewegen. Der Stuhl folgt also dem Körper, statt ihn zu fixieren. Das ist heute bei guten Bürostühlen Standard und ich fühle mich auf dem Yaasa-Stuhl ausreichend aktiviert. Der Neigungswiderstand lässt sich per Drehknopf stufenlos einstellen. Wer will, kann die wippende Lehne in einer von vier Stufen arretieren. Das ist praktisch für entspanntes Zurücklehnen in einer Denkpause.
Zu Beginn habe ich die Frage gestellt, ob ich den Preisunterschied zu meinem derzeit genutzten und etwas teureren Stuhl spüre. Die Antwort lautet: Ja, weil ich die ein paar Zentimeter höhere Rückenlehne beim Ofinto und die etwas längere Sitzfläche vermisse. Beim Komfort und der Bedienung dagegen kann der Chair Plus locker mit teureren Modellen mithalten.
Fazit
Eine Kampfansage in der Bürostuhl-Mittelklasse
Pro
- Kopfstütze inklusive
- Lordosenstütze mit Polster, in Höhe und Tiefe verstellbar
- Piktogramm-Erklärung auf Verstellhebeln
- angenehmer Netzrücken
- gute Polsterung
Contra
- Weite der Armlehnen nur mit Werkzeug verstellbar
- Mindestsitzhöhe für kleinere Menschen eher hoch
- Kopfstütze bei über 1,90 Meter Körpergrösse etwas zu tief
- nur Klasse-3-Gasdruckfeder
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.
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