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Produkttest

Zwei Tastaturen in einer: die Lofree Hyzen im Test

Kevin Hofer
25.9.2026
Bilder: Kevin Hofer

Mechanisch tippen, magnetisch zocken – in einer Tastatur. Bei der Lofree Hyzen überzeugen Haptik und Akkulaufzeit. Ärgerlich sind die transparenten Tastenkappen, der wacklige USB-Port und der steile Tippwinkel.

Die Hyzen sieht einfach geil aus. Das industrielle Design mit seinen klaren, kantigen Linien und dem schicken Drehrad überzeugt mich. Doch hinter der auffälligen Gestaltung steckt mehr als nur ein schickes Keyboard.

Unboxing und Design

Das Case ist übergross und fast eiförmig. Einen praktischen Nutzen hat das nicht, ausser, dass es auffällt. Drin liegen neben der 65-Prozent-Tastatur zwei kleinere Zubehörboxen: ein Wireless-Dongle, der im Funkbetrieb eine Abfragerate von bis zu 8000 Hertz (Hz) ermöglicht, ein Tastenkappen-Zieher, ein geflochtenes USB-A-auf-USB-C-Kabel sowie zusätzliche rote Tastenkappen.

Der Lieferumfang fällt nicht riesig aus. Die aufgesteckten Tastenkappen habe ich hier schon getauscht – die roten würde ich nie aufstecken, weil sie grässlich sind.
Der Lieferumfang fällt nicht riesig aus. Die aufgesteckten Tastenkappen habe ich hier schon getauscht – die roten würde ich nie aufstecken, weil sie grässlich sind.

Das Aluminiumgehäuse ist das zentrale gestalterische Element. Die Silhouette ist scharf und kantig, es wirkt wie aus einem einzigen Block gefräst. Gemäss Lofree ist es das auch, ein genauerer Blick zeigt aber, dass es eine Ober- und Unterseite hat. Die Unterseite ist keilförmig, was der Tastatur ihren eher aggressiven Tippwinkel von zwölf Grad verleiht, üblich sind um die acht Grad. Dieser Winkel lässt mich schneller ermüden. Lofree hat sich dafür entschieden, damit die Sicht auf das Panel oberhalb der Tasten frei ist – dazu später mehr.

Das Gehäuse besteht aus zwei Teilen, wie ein Blick auf die Unterseite zeigt.
Das Gehäuse besteht aus zwei Teilen, wie ein Blick auf die Unterseite zeigt.

Auffällig ist die Design-Inspiration von Tesla. Das zeigt sich insbesondere an der Unterseite und an der Leuchtleiste vorne, die laut Lofree vom Rücklicht der Fahrzeuge inspiriert ist. Auch bei High-End-Audio-Geräten hat sich Lofree offenbar bedient. Die gebürstete Metalloberfläche und die überdimensionierten Drehregler erinnern mich an klassische Hi-Fi-Verstärker.

Der Einfluss von Tesla mit der Beleuchtung ist nicht zu übersehen.
Der Einfluss von Tesla mit der Beleuchtung ist nicht zu übersehen.

Die Hyzen bringt 1,43 Kilogramm auf die Waage. Mobil ist sie also nicht. Das Gewicht ist die logische Folge der Bauweise, und sorgt dafür, dass das Board bockfest auf dem Tisch steht. Bei der Tastatur handelt es sich um einen sogenannte Gasket-Mount-Aufbau. Dabei sind die Platine und Deckplatte durch Dichtungen vom Gehäuse isoliert. Das sorgt für ein weiches Tippgefühl und eine Akustik, bei der Hall minimiert wird.

Auf der Rückseite, an der Seite und auf der Leertaste finden sich Hersteller-Logos. Das ist etwas mehr Branding, als ich es von meinen Custom-Boards gewohnt bin. Es ist aber dezent umgesetzt und stört mich im Alltag nicht.

Enttäuschende Tastenkappen und Layout-Limit

Die mitgelieferten Tastenkappen haben mich nicht überzeugt. Sie bestehen aus transparentem Kunststoff, was die Per-Key-RGB-Beleuchtung zwar gut zur Geltung bringt, mir aber schlicht nicht gefällt. Dazu kommt, dass nach wenigen Stunden Tippen die Kappen mit deutlich sichtbarem Fingerfett überzogen waren. Ich habe sie deshalb schon am ersten Tag gegen ein eigenes Set getauscht. Dank MX-kompatiblen Stängeln ist das problemlos möglich.

Die Tastenkappen habe ich bereits nach wenigen Stunden getauscht.
Die Tastenkappen habe ich bereits nach wenigen Stunden getauscht.

Ein Punkt, der für unsere Region relevant ist: Die Hyzen gibt es vorerst nur im ANSI-Layout. Eine ISO-Variante soll folgen, ein Termin dafür steht aber noch nicht fest. Wer sich mit dem US-Layout nicht anfreunden kann, wartet also besser noch. Von Lofree haben wir derzeit noch wenig im Sortiment. Unser Einkaufs-Team arbeitet daran, das zu ändern.

Bedienelemente mit Charakter

Hinten sitzt ein grosses Lautstärkerad, dazu kommt ein kleineres Rad zum Umschalten der Verbindungsart. Neben der Escape-Taste befindet sich zusätzlich ein Hebel, mit dem sich die Zahlenreihe in eine Funktionstastenreihe umschalten lässt. Diese Details machen die Tastatur einzigartig. Haptisch sind sie ein Genuss. Das Lautstärkerad hat einen sauberen mechanischen Klick. Noch besser gefällt mir der Funktionshebel. Er ist angenehm gewichtet und erzeugt beim Umlegen ein befriedigendes Schnappgeräusch. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich ihn als Fidget-Toy missbrauche.

Das Lautstärkerad erinnert an Hi-Fi-Verstärker.
Das Lautstärkerad erinnert an Hi-Fi-Verstärker.

In der Praxis aktiviert der Hebel ein beleuchtetes Panel oberhalb der Zahlenreihe. Klappe ich ihn hoch, werden aus den Zahlentasten Funktionstasten, wobei das Panel die jeweilige Belegung anzeigt. Halte ich dabei zusätzlich Fn gedrückt, erscheinen die vorgesehenen Medientasten-Kürzel. Bei meinen anderen 65-Prozent-Tastaturen hole ich die F-Reihe immer über die Fn-Taste hervor, was auch problemlos funktioniert. Die Hyzen bietet mir mit dem Schalter noch eine zusätzliche Schicht. Praktisch, aber nicht zwingend nötig.

Mein neues Fidget-Toy: der Umschalter von Zahlen- auf F-Reihe.
Mein neues Fidget-Toy: der Umschalter von Zahlen- auf F-Reihe.

Zwei in eins: der Nexus-Switch

Das wirklich Interessante an der Hyzen ist nicht die Optik. Im Zentrum steht das einzigartige Switch- und Platinen-System. Die Tastatur lässt sich per Tastenkombination zwischen mechanischem und magnetischem Betrieb umschalten. Damit löst Lofree ein spezifisches, aber reales Problem: Enthusiasten wie ich besitzen Tastaturen fürs Arbeiten und zusätzlich eine magnetische Tastatur fürs Gaming. Die Hyzen vereint beide Anwendungsfälle ohne funktionale Kompromisse.

Der Aufbau des Switches.
Der Aufbau des Switches.
Quelle: Lofree

Möglich wird das durch Lofrees neuen Nexus-Switch, entwickelt mit Kailh, einem der erfahrensten Switch-Hersteller. Er behält die klassische Blattfeder-Konstruktion eines mechanischen Switches bei, integriert aber zusätzlich einen Magneten im Stängel, wodurch auch der magnetische Betrieb möglich wird. Die Blattfeder ist dabei entscheidend. Sie liefert Klang und Feedback, während der Sensor die Position berührungslos ausliest.

Der Switch steckt auf einer TMR-Platine. TMR steht für Tunnel-Magnetoresistenz und ist eine andere Sensortechnik als der in Gaming-Boards übliche Hall-Effekt. Gemessen wird nicht die Feldstärke, sondern die Widerstandsänderung an einem magnetischen Tunnelkontakt. Laut Lofree bringt das eine feinere Auflösung.

Es tippt und zockt sich ausgezeichnet auf der Hyzen.
Es tippt und zockt sich ausgezeichnet auf der Hyzen.

Wer Switches tauschen will, hat ebenfalls Freiheiten. Setzt du gewöhnliche mechanische 5-Pin-MX-Switches ein, entfallen für diese Tasten die magnetischen Funktionen. Die Tastatur erkennt das automatisch. Auch magnetische Switches anderer Hersteller lassen sich verwenden, wenn auch nicht beliebige. Kompatibel sind etwa Gateron Magnetic Jade und TTC Magneto.

Ich sehe für mich aber wenig Grund zum Tauschen. Der Nexus-Switch fühlt sich sehr gut an und klingt auch so. Bereits ab Werk läuft er geschmeidig und seine Stabilisatoren sind gut geschmiert. Auch beim Zocken macht die Tastatur eine ordentliche Falle. Im Gegensatz zu anderen magnetischen Tastaturen, etwa der Keychron Q1 HE 8K, befindet sich die Hyzen klanglich und vom Tippgefühl her auf einem höheren Niveau. Dank diversen Gaming-Features konfiguriere ich sie nach meinem Geschmack.

Gaming-Funktionen und Software

Über den Lofree Hub, eine webbasierte Software, konfiguriere ich die Tastatur. Für mich ist das ein Pluspunkt: Ich arbeite unter Linux, und dort stehe ich sonst regelmässig vor dem Problem, dass Hersteller ihre Konfigurations-Apps nur für Windows und macOS anbieten.

In der Software lassen sich Auslösepunkte und Rapid-Trigger-Einstellungen pro Taste anpassen. Lofree gibt die Schritte mit 0,01 Millimetern an, also zehnmal feiner als die 0,1 Millimeter, die bei Hall-Effekt-Boards üblich sind. Ob das funktioniert, kann ich mit meiner Ausrüstung nicht testen. Ehrlich gesagt halte ich die Zahl auch für irrelevant. Dass ein Mensch den Unterschied zwischen 0,01 und 0,02 Millimetern im Spiel zuverlässig ausnutzt, kann ich mir schwer vorstellen. Ähnlich geht es mir mit der Abfragerate von 8000 Hz, also wie viele Male die Tastatur ein Signal zum PC sendet. Das sieht beeindruckend auf dem Papier aus, im Spiel merke ich keinen Unterschied zu 1000 Hz.

Die Software ist schlicht aufgebaut.
Die Software ist schlicht aufgebaut.

Dazu kommt ein umfangreiches Paket an Eingabefunktionen: Dynamic Keystroke für bis zu vier Aktionen pro Taste je nach Anschlagtiefe, Mod Tap für unterschiedliche Aktionen bei Tippen und Halten, Toggle für Zustände wie dauerhaftes Ducken, Rapid Successive Priority für die Priorisierung schnell aufeinanderfolgender Eingaben, SOCD für gegenläufige Richtungstasten sowie Hyper Tap für wiederholte Eingaben aus einem gehaltenen Anschlag.

Standardmässig stehen sieben Profile zur Verfügung, sodass sich für diverse Spiele oder Szenarien eigene Einstellungen hinterlegen lassen. Der Konfigurationsassistent ist übersichtlich und entspricht meinen Erwartungen. Leider kam es enige Male vor, dass er kurzfristig nicht erreichbar war.

Akku und Verbindung

Der Akku fasst 10 000 Milliamperestunden (mAh). In zwei Wochen Testbetrieb – vier Arbeitstage pro Woche und fünf Gaming-Abende – musste ich die Tastatur nicht laden. Lofree selbst spricht von bis zu 80 Stunden Laufzeit. Die tatsächliche Laufzeit variiert je nach Beleuchtungsintensität, Abfragerate und ob du im mechanischen oder magnetischen Modus tippst.

Der USB-Anschluss ist nicht optimal, da der Stecker immer mal wieder getrennt wird.
Der USB-Anschluss ist nicht optimal, da der Stecker immer mal wieder getrennt wird.

Die Tastatur verbindet sich per USB-C, 2,4-GHz-Dongle oder Bluetooth. Die hohe Abfragerate von 8000 Hz ist dabei nur per Kabel und über den Dongle möglich. Über Bluetooth erreicht die Tastatur eine Abfragerate von 125 Hz. Das klingt zunächst nach wenig, ist aber die richtige Entscheidung. Im Büro reicht für Tastaturen eine niedrige Abfragerate, obendrauf erhöht das die Akkulaufzeit deutlich.

Bei der Verbindung über Kabel habe ich einen Kritikpunkt: Der USB-Port an der Hyzen ist miserabel. Jedes Mal, wenn ich die Tastatur verschiebe, verliert sie die Verbindung. Die Buchse müsste gegen innen versetzt sein, damit der Stecker weniger Spiel hat.

Ich habe mir die Hyzen bei Kickstarter auf Spesen gekauft, weil mich das hybride Konzept interessiert hat. Dort kostete sie mich 219 US-Dollar, ohne Versand und Zollgebühren. Die ist durch und nun kostet sie 299 US-Dollar. Getestet habe ich ein Exemplar aus der ersten Serie der Kickstarter-Kampagne.

Fazit

Zwei Switch-Typen in einer Tastatur, clever gelöst

Die Hyzen überzeugt vor allem durch den Nexus-Switch, der mechanisches Tippgefühl mit magnetischer Funktionalität auf derselben Platine vereint. Klang und Anschlag liegen deutlich über allem, was ich von Hall-Effekt-Boards kenne.

Dazu kommen die haptisch hervorragenden Bedienelemente wie Lautstärkerad und Funktionshebel, eine saubere Verarbeitung mit Aluminiumgehäuse, Gasket-Mount und gut abgestimmten Stabilisatoren sowie eine Akkulaufzeit, die in zwei Wochen Dauereinsatz kein einziges Nachladen nötig machte. Dass sich die Tastatur über den Browser konfigurieren lässt, ist für mich als Linux-Nutzer ein echter Vorteil. Wer bislang zwei Tastaturen für Arbeit und Gaming braucht, bekommt hier eine sinnvolle Alternative.

Perfekt ist aber auch die Hyzen nicht. Allem voran die Tastenkappen: Sie waren schon nach wenigen Stunden voller Fingerabdrücke und flogen am ersten Tag raus. Der USB-Anschluss ist nicht stabil und der Tippwinkel ist etwas gar steil. Und wer ein ISO-Layout braucht, muss vorerst warten.

Zum Kickstarter-Preis von 219 US-Dollar ist die Hyzen eine geniale Tastatur. Sollte sie eines Tages in unserem Shop erhältlich sein, erachte ich alles unter 280 Franken als fair für das Gebotene.

Pro

  • mechanisches und magnetisches Tippen vereint
  • bestes Klang- und Tippgefühl bei einem magnetischen Board
  • hochwertige Haptik
  • hervorragende Akkulaufzeit
  • umfangreiche Gaming-Software

Contra

  • billig wirkendeTastenkappen
  • vorerst nur im ANSI-Layout erhältlich
  • empfindlicher USB-Anschluss
  • extremer 12-Grad-Tippwinkel

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