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Ann-Kathrin Schäfer
Produkttest

Akku-Rasenmäher Bosch Rotak Advanced: Steigt eine Benziner-Familie auf Elektro um?

Der Benzin-Rasenmäher springt kaum noch an und Akku wäre ja schon zeitgemässer. Ich bin skeptisch und unterziehe den Bosch Rotak Advanced einem Test. Kann er auch auf unebener Rasenfläche und mit längerem Gras überzeugen?

Für diesen Garten braucht’s einen Benziner, sagte mal ein weiser Mensch zu mir. Die Fläche ist gross, der Boden teils uneben, es wächst nicht nur Gras, sondern auch Gestrüpp. Benziner gelten als leistungsstark und ausdauernd. Der Rasenmäher hat ein paar Altersschwächen, die stark an alte Autos erinnern. Du weisst schon, wenn das Auto gar nicht erst ansprang oder aber mitten auf der Kreuzung liegen blieb – einfach, weil Winter war.

Daran denke ich, wenn der Rasenmäher bei tieferen Temperaturen als 25 Grad läuft: Jetzt bloss keine Mähpause einlegen, sonst kriege ich das Teil nicht mehr an! Leider springt er selten überhaupt an, ohne dass ich mir eine Schulterverrenkung zuziehe. Und natürlich ist er laut, er stinkt, er braucht Benzin.

Die Zeit ist reif, einen Akku-Rasenmäher zu testen. Die Wahl fällt auf die leistungsstarke Variante «Bosch Home & Garden Advanced Rotak 36V-44-750». Mit Sichelmäher und Schnittbreite von 44 cm soll er gemäss Hersteller geeignet sein für Flächen bis zu 750 m2.

Der Rasenmäher lässt sich klein zusammenklappen, wenn du ihn verstauen willst.
Der Rasenmäher lässt sich klein zusammenklappen, wenn du ihn verstauen willst.

Erste Annäherungsversuche

In der Verpackung liegt, klein zusammengeklappt, der Bosch Rotak, dazu ein schwerer 36-Volt-Akku mit 4,0 Amperestunden und einem AL 36V-20 Ladegerät. Der Rasenmäher lässt sich leicht herausnehmen und aufklappen. Er erscheint mir hochwertig verarbeitet, nichts wackelt oder wirkt billig. Weniger schön finde ich, dass er vor allem aus Plastik besteht. Dafür ist er vergleichsweise leicht. Ich bin noch unschlüssig, wie ich das Design finde – irgendwie ungewohnt, ein bisschen klobig, aber auch nicht schlecht.

Alles dabei für einen reibungslosen Mähstart.
Alles dabei für einen reibungslosen Mähstart.

Die Anleitung warnt vor verschiedenen Dingen. Zum Beispiel, dass der Rasenmäher – da es ein elektrisches Gerät ist – auf keinen Fall in der Sonne bleiben oder mit Wasser in Kontakt kommen darf. Kommt im Garten natürlich ab und zu vor. Wie klug ist so ein Akku-Rasenmäher überhaupt?

Diese Doppelseite ist nicht die einzige, die im Umgang mit Elektrorasenmähern vor allerlei warnt.
Diese Doppelseite ist nicht die einzige, die im Umgang mit Elektrorasenmähern vor allerlei warnt.

Man solle den Akku erst vollständig aufladen, lese ich, aber ich möchte gern gleich anfangen. Auf den letzten Seiten (ab Seite 249) finde ich, was ich gesucht habe: Wie ich den Rasenmäher anstelle. Das ist nämlich nicht selbsterklärend. Ich schiebe den Akku vorne in eine Art Kühlerhaube ein und drücke den An-Knopf. Zwei von drei Strichen leuchten auf, das sollte ja fürs Erste reichen, oder?

Der Griff lässt sich in vier Höhen verstellen.
Der Griff lässt sich in vier Höhen verstellen.

Die Schnitthöhe lässt sich von 24 bis 80 Millimeter in sieben Stufen verstellen. Ich drücke den Knopf unter dem Hebel und ziehe den Mäher hoch in meine gewünschte Stufe vier. Das geht gut. Den Griff kann ich in vier Stufen auf meine gewünschte Höhe verstellen. Um das Gerät anzustellen, drücke ich einen kleinen roten Plastikhebel herunter. Danach drücke ich mit einer Hand den grossen roten Knopf mittig am Griff und mit der anderen einen Knopf hinter dem ergonomischen Griff. Drei Knöpfe für mehr Sicherheit. Der Motor startet. Mein Kind hält sich die Ohren zu. Angegeben ist ein Schallleistungspegel von 92 Dezibel und ein Schalldruckpegel von 76 Dezibel. Deutlich leiser als der Benziner, aber nicht so leise, wie ich dachte.

Unsere ersten Bahnen durchs Gras

Ich schiebe den Rasenmäher über das recht hohe Gras, das ich heute das erste Mal seit dem Winter schneide. Mir fehlt dabei der gewohnte Radantrieb meines Benziners. Ohne Unterstützung ist das Rasenmähen anstrengender. Dafür kann der Akku-Mäher insofern nichts, als dass er ja nicht behauptet hätte, einen Radantrieb zu haben. Ein bisschen macht er es wett, weil er leicht und wendig ist – das gefällt mir. Die Klinge kürzt das Gras, wie sie soll. Im Gesamtbild wirkt der geschnittene Rasen gleichmässig und schöner als mit dem alten Benziner, dessen Klinge wohl nicht mehr die schärfste ist.

Der Bosch Rotak Advanced ist leicht und wendig und ich kann auch mit einer Hand mähen.
Der Bosch Rotak Advanced ist leicht und wendig und ich kann auch mit einer Hand mähen.
An die Beetkante kann ich nah heranfahren.
An die Beetkante kann ich nah heranfahren.

Der 50 Liter fassende Grasfangkorb ist schnell voll, was mir die Füllstandsanzeige mit einem roten Strich anzeigt. Als ich den Korb abnehme, fällt ein Teil des Rasenschnitts unten heraus. Hier fehlt meiner Ansicht nach eine Art Auffangschutz. Ist man vorgewarnt, nimmt man den Korb vorsichtig nach oben ab und schiebt das Gras von Hand zurück in den Korb.

Beim ersten Leeren fällt mir der Rasenabschnitt direkt entgegen.
Beim ersten Leeren fällt mir der Rasenabschnitt direkt entgegen.

Positiv bewerte ich, dass ich den textilen Korb einfach an- und wieder aufsetzen kann. Abzug gibt es, weil die Füllstandsanzeige nach kurzer Zeit nicht mehr funktioniert, wie sie soll: Sie leuchtet auch dann oft rot auf, wenn der Korb leer ist.

Die Füllstandsanzeige tut in rot so, als wäre der Korb voll. Stimmt aber nicht. Ein noch grösserer Korb wäre mir übrigens lieber.
Die Füllstandsanzeige tut in rot so, als wäre der Korb voll. Stimmt aber nicht. Ein noch grösserer Korb wäre mir übrigens lieber.

Sport für heute gemacht!

Nach meinen ersten Bahnen durchs Gras würgt der Rasenmäher immer wieder ab, sobald die Grasbüschel höher und dichter werden. Versuche ich ihn wieder anzuschalten, braucht es ein paar Versuche, bis es klappt. Gedanklich vergebe ich schon eine schlechte Note. Bis mir eine Idee kommt und ich die Akkuklappe öffne. Tatsächlich, das Lämpchen blinkt. Das ist mir entgangen, weil der Mäher ausserhalb der Klappe über keine Akkuanzeige verfügt. Ich nehme den Akku heraus und lade ihn. Bis er nach zwei Stunden voll geladen ist, ist mein Zeitfenster fürs Mähen verflogen und ich muss das Weitermähen vertagen. In so einem Fall wäre ein zweiter Akku Gold wert. Der kostet um die 140 Franken, kein Schnäppchen. Gut ist, dass er zur «Power for All»-Alliance gehört. Wenn du also einen passenden Akku beispielsweise von Husqvarna oder Gardena zur Hand hast, kannst du auch den nutzen.

Wenn der Rasenmäher abwürgt, schwächelt vermutlich der Akku.
Wenn der Rasenmäher abwürgt, schwächelt vermutlich der Akku.

Als ich einen Tag später den nächsten Mähversuch mit vollgeladenem Akku starte, merke ich einen Unterschied. Das Mähen geht deutlich leichter von der Hand, der Rasenmäher würgt nicht mehr ab. Ich vermute, dass neben der Akkuproblematik beim ersten Versuch das Gras auch noch leicht feucht war. Dieses Mal ist das Gras trocken dank Sonne.

Auch wenn der Bosch seinem leistungsstarken Sabo-Vorgänger nicht in allen Punkten das Wasser reichen kann, löst er Akku sei Dank den alten Benziner ab.
Auch wenn der Bosch seinem leistungsstarken Sabo-Vorgänger nicht in allen Punkten das Wasser reichen kann, löst er Akku sei Dank den alten Benziner ab.

Ade, Benzin!

Je öfter ich den Rasenmäher benutze, desto klarer wird mir: Elektro ist unsere Zukunft. Allein schon deshalb, weil wir beim Mähen keine ungefilterten Abgase mehr einatmen und sich der Gang zur Tankstelle erübrigt. Nach jedem Mähen setze ich den Akku auf die Ladestation, daran gewöhne ich mich schnell. Für eine grosse Rasenfläche braucht man mindestens zwei Akkus, um weitermähen zu können, während der leere Akku lädt. Ansonsten kann ich die Fläche nicht in einem Stück zu Ende mähen.

Ausserdem wünschte ich mir einen grösseren Auffangkorb, um ihn nicht ständig leeren zu müssen. Und nach mehreren Mähversuchen kommt der Akku-Bosch bei langem Gras manchmal an seine Grenzen. Für kleinere, ebene Rasenflächen ist der Rasenmäher sicher eine gute Wahl. Die Herstellerangabe von 750 m2 halte ich für gewagt. Meine zu bewirtschaftende Rasenfläche ist nicht mal halb so gross und Akku und Auffangkorb kommen an ihre Grenzen.

Mein Kind darf auch eine Testrunde drehen und verteilt klares Lob. Meine Kritikpunkte wischt es weg mit den Worten: «Du hast unrecht, Mama. Der Rasenmäher ist perfekt.»

Die Luft ist besser mit Akku, findet auch der Hund, und das Gras ist tiptop geschnitten, finde ich.
Die Luft ist besser mit Akku, findet auch der Hund, und das Gras ist tiptop geschnitten, finde ich.

Fazit

Gut für überschaubare, ebene Gärten, weniger geeignet für grosse, unebene Flächen

Insgesamt überzeugt mich der Bosch Rotak Advanced, aber mit Abstrichen. Mir gefällt, dass der Rasenmäher leicht und wendig ist, nicht allzu langes Gras zuverlässig schneidet – und mir keine Abgase entgegenströmen. Weniger gefällt mir, dass der Akku für meine zu mähende Rasenfläche zu schnell leer und der Grasfangkorb zu schnell voll ist.

Pro

  • wendig
  • leicht
  • leiser als Benziner
  • man atmet beim Mähen kein Benzin ein
  • hochwertig verarbeitet

Contra

  • bei hohem Gras kommt der Mäher manchmal an seine Grenzen
  • vor allem aus Plastik, made in China
  • geschnittener Rasen fällt beim Leeren raus
  • Angabe von 750 m2 illusorisch
Bosch Home & Garden AdvancedRotak 36V-44-750 (Akkubetrieb)
Rasenmäher
EUR518,89

Bosch Home & Garden AdvancedRotak 36V-44-750

Akkubetrieb

Titelbild: Ann-Kathrin Schäfer

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Eigentlich bin ich Journalistin, in den letzten Jahren aber auch vermehrt als Sandkuchenbäckerin, Familienhund-Trainerin und Bagger-Expertin tätig. Mir geht das Herz auf, wenn meine Kinder vor Freude Tränen lachen und abends selig nebeneinander einschlafen. Dank ihnen finde ich täglich Inspiration zum Schreiben – und kenne nun auch den Unterschied zwischen Radlader, Asphaltfertiger und Planierraupe. 


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