
Apple AirPods 5 im Test: näher bei den Pros
Apples AirPods 5 klingen fetter und detaillierter. Dazu bekommen sie einige Features vom Pro-Modell. Beim Akku und den Health-Features bleibt Luft nach oben. Für Fans offener Bauformen sind sie ein Schnäppchen.
In-Ear-Kopfhörer mit offener Bauform verlieren zunehmend an Boden. Schuld daran ist vor allem die Geräuschunterdrückung. Apple hält trotzdem an der Bauform fest und verbessert das ANC seiner AirPods 5. Ruhe in der Bahn, aber keine drückenden Silikonstöpsel, soweit die Idee. Ausserdem übersetzen die AirPods 5 neu auch live und vertragen deutlich mehr Feuchtigkeit. Sie rücken also näher an die Pro-Version der AirPods heran. In diesem Test beschreibe ich dir, wo sich die Upgrades tatsächlich bewähren und wo Apple weiterhin bremst.
Bauform: Never change a running system
Optisch bleibt bei den neuen AirPods alles beim Alten. Du bekommst weisse Kunststoffkopfhörer mit kurzem Stiel und ovaler Spitze, die ohne Silikonaufsätze im Ohr auskommen. Diese offene Form ist nach wie vor sehr beliebt. Sie eignet sich auch für sehr kleine Ohren und verhindert den Druck, der viele Nutzerinnen und Nutzer beim Tragen von Silikonstöpseln nervt.
Beim Case ändert sich hingegen etwas. Es ist noch kleiner als bei den AirPods 4 und misst gerade mal noch 4,6 × 5,1 × 2,0 Zentimeter. So verschwindet es problemlos in der Hosentasche.

Unten verbaut Apple einen USB-C-Port zum Laden. Ausserdem steckt im Case wieder ein kleiner Lautsprecher für die «Wo ist?»-Funktion. Die teurere Variante lässt sich zudem kabellos laden. Du legst die Schale einfach auf ein Qi-Ladegerät oder auf eine MagSafe-Unterlage – auch der Ladepuck der Apple Watch funktioniert dafür. Allerdings legt Apple weder Kabel noch Ladegerät bei. Auch nicht bei der teureren Variante.
Bei der Verarbeitung hat Apple an die äusseren Bedingungen gedacht: Die AirPods 5 sind nach IP57 gegen das Eindringen von Staub und das Eindringen von Wasser geschützt. Letzteres allerdings nur, wenn die AirPods nicht tiefer sinken als ein Meter und sich nicht länger als 30 Minuten unter Wasser befinden. Bis dahin war lediglich das Ladecase vor Spritzwasser geschützt. Bei einem plötzlichen Regenguss oder beim hitzigen Sporttreiben musst du dir also keine Sorgen mehr machen. Auch ein Sturz ins Waschbecken ist nicht das Ende.
Bedienung im Alltag: Adieu, nervige Apps
Die AirPods steuerst du über die Stiele. Du «pinchst», um Musik zu pausieren, ein Lied zu überspringen oder einen Anruf anzunehmen (wobei du eingehende Anrufe auch per Kopfschütteln oder -nicken annehmen oder ablehnen kannst).
Einen grossen Unterschied gibt es zwischen den beiden Varianten bei der Lautstärkeregelung. Bei der teureren Version eichen Wischgesten am Stiel. Fährst du mit dem Finger nach oben, wird es lauter. Fährst du nach unten, wird es leiser. Bei der preiswerteren Variante musst du dafür das iPhone hervorholen. Diese Geste ist Gold wert.

Du musst weiterhin keine eigene App für die AirPods 5 installieren. Alle Einstellungen laufen direkt über iOS. Du wählst den ANC- respektive Transparenzmodus aus, steuerst die Druckgesten und passt das Spatial Audio an. Natürlich kannst du die AirPods 5 auch mit Android-Geräten verbinden, doch die ganzen Apple-Extras gibt es nur beim iPhone – für die Live-Übersetzung muss es sogar ein Modell mit Apple Intelligence sein (iPhone 15 Pro oder neuer).
Die Live-Übersetzung ist für die AirPods mit offener Bauform ebenfalls cool und etwas unerwartet. Du startest sie per Sprachbefehl an Siri, mit einem langen Druck auf die Stiele oder über die entsprechend konfigurierte Aktionstaste deines iPhones. Die Übersetzungs-App brauchst du allerdings weiterhin. Die Hörer nehmen auf, was dein Gegenüber sagt, und spielen dir die Übersetzung ins Ohr. Gleichzeitig transkribiert das iPhone das Gespräch, falls du es nachlesen willst.

Auch Spatial Audio, Gesprächserkennung und die «Wo ist?»-Funktion sind mit von der Partie. Dein iPhone warnt dich sogar, wenn du die Hörer ausserhalb der Bluetooth-Reichweite liegen lässt. Pulsmessung und die ganzen Hörgesundheitsfunktionen bleiben dagegen den Pro-Modellen vorbehalten.
Etwas mau ist Codecunterstützung. Apple setzt auch bei den AirPods 5 auf den H2-Chip und Bluetooth 5.3, aber keine Codecs wie aptX oder LDAC. Du musst dich mit SBC und AAC begnügen. Für verlustfreien Sound bleibt Apple-Enthusiasten damit nur der Griff zu den AirPods Max per USB-C-Kabel.
Sound? Wie immer, nur besser
Klanglich machen die AirPods 5 einen grossen Sprung gegenüber dem Vorgänger. Apple baut eine neue Akustikarchitektur ein und überarbeitet den adaptiven Equalizer. Hast du die AirPods 4 zur Hand, lohnt sich ein Direktvergleich. Aber auch ohne diesen hörst du den Fortschritt.. Denn die AirPods 5 liefern, was Apples Kopfhörer immer geliefert haben – nur eine bis zwei Stufen besser als zuvor.
Am deutlichsten hörst du den Fortschritt beim Bass. Offene Hörer haben hier normalerweise das Nachsehen, denn ohne Abdichtung im Gehörgang verpufft der Tieftonbereich. Die AirPods 5 haben dieses Problem schon deutlich weniger als ihre Vorgänger oder andere offene Modelle. In meinem Test zeigt sich dies insbesondere bei elektronischer Musik mit tiefem Sub-Bass-Fundament. Da bleibt der Ton stabil. Aber ja: Wirklich druckvoll wie bei einem abgedichteten Hörer oder gar einem Over-Ear sind sie natürlich nicht.

In den Mitten überzeugen vor allem Stimmen. Der Gesang klingt natürlich und die Gitarren behalten auch mit Verzerrer ihren Charakter, ohne schrill zu werden. Auch matschig wird das Ganze nicht. Gesang und Instrumente lassen sich sauber trennen.
Bei Synthesizern fehlen mir dagegen stellenweise feine Details. Auch bei den Höhen gibt es einen Sprung. Sie sind feiner und in den oberen Frequenzen besser zu hören als noch bei den AirPods 4. Sie klingen nuancierter. Selbst ohne Spatial Audio tut sich ein gewisser räumlicher Effekt auf, der mich überraschend mitreißt.
Unter dem Strich muss ich dir aber klar sagen: Im direkten Vergleich mit den AirPods Pro 3 ziehen die AirPods 5 beim Klang trotzdem den Kürzeren. Die Details und der Bass sind deutlich weniger ausgeprägt. Wenn du also kein Stöpselhasser oder keine Stöpselhasserin bist, lohnt es sich, den Kauf nochmals zu überdenken.
Aber: Für die 139 bzw. 119 Franken gehören die AirPods 5 auf jeden Fall zur Spitze der offenen Kopfhörer, egal ob von Apple oder nicht. Bemerkenswert ist vor allem, wie nahe Apple die offene Bauform an die Pro-Linie heranrückt. Die Gründe, trotzdem zu Silikon zu greifen, werden geworden.
ANC bei offener Bauform: vom Marketingmärchen bis zur Umsetzung
Apple verspricht bis zu anderthalbmal mehr Rauschunterdrückung als bei den AirPods 4. Also 50 Prozent mehr blockierter Lärm. Beides sind wunderbar nichtssagende Angaben, solange du kein Akustiklabor für entsprechende Messungen zur Verfügung hast.
Im Alltag ist es hier wie bei vielen anderen ANC-Kopfhörern auch, unabhängig von der Bauform: Am meisten Lärm schirmen die AirPods bei gleichmässigen Geräuschen ab. Brummt im Büro eine Klimaanlage oder gibt’s gleichmässigen Verkehrslärm auf der Strasse, geben dir die AirPods 5 spürbar Ruhe. Wenn auch nicht auf dem Pro-Niveau.
Eine Schwachstelle bleiben plötzlich auftretende Geräusche. Da hast du einen Delay, der dich die Geräusche hören lässt und erst reagiert, wenn das Geräusch schon wieder vorbei ist. Weiter hörst du in besonders lauter Umgebung auch Stimmen. Deutlich leiser zwar, aber ganz weg sind sie nicht. Gerade im öffentlichen Verkehr, wo menschliche Stimmen Nervfaktor Nummer eins sind, ist das schade.
Die offene Bauweise bringt aber auch Vorteile: So eignen sich die AirPods etwa beim Joggen, damit du weiterhin auf den Verkehr achten oder Geräusche hinter dir wahrnehmen kannst. Das Gleiche gilt fürs Fahrradfahren. Ebenfalls top, fast besser als die Pro-Version, schlagen sich die AirPods 5 beim Telefonieren: Die Mikrofone dämpfen Umgebungslärm gut und dein Gegenüber versteht dich klar. Das ist ein echter Selling Point.
Weiterhin knausert Apple beim Akku. Bei eingeschaltetem ANC halten die Buds der günstigeren Version nur vier Stunden, fünf Stunden sind es beim teureren Modell. 20 beziehungsweise 22 Stunden sind es mit Nachladen im Case. Beim Pro-Modell sind es acht Stunden auf den Buds, 24 mit Case. Auch die Konkurrenz bewegt sich da in ganz anderen Sphären.

Fazit
Alles, was du an den AirPods 4 mochtest, aber besser
Pro
- verbesserter Sound
- verbessertes ANC
- Live-Übersetzung
Contra
- Akkulaufzeit noch immer schwach
- ANC bei Stimmen schwach
Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.
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